VERLAGSGRUPPE RANDOM HOUSE - BERTELSMANN
Menü
  • facebook
  • google+
  • twitter
  • add this

(Hrsg.), (Hrsg.)

Dada-Almanach Vom Aberwitz ästhetischer Contradiction
Textbilder, Lautgedichte, Manifeste

Kundenrezensionen (4)

€ 39,95 [D]
€ 41,10 [A] | CHF 48,50*
(* empf. VK-Preis)

Gebundenes Buch, Pappband ISBN: 978-3-7175-4091-5

Erschienen: 11.01.2016
Dieser Titel ist lieferbar.

Abonnieren Sie unseren Newsletter

Anmeldung

  • Info

  • Pressestimmen

  • Links

  • Service

  • Biblio

Zürich 1916: Im von Exilanten gegründeten «Cabaret Voltaire» spielt sich Unerhörtes ab. Erwachsene Frauen und Männer stülpen sich skurrile Papprollen über den Kopf, geben Urlaute von sich, hampeln wie Maschinen herum und proklamieren im Brustton der Überzeugung Nonsens. DADA ist geboren!

Diese repräsentative, typographisch originell gestaltete Auswahl feiert die Geburtsstunde des Dadaismus und lässt die bekannten Haupt- und Oberdadaisten zu Wort kommen, wartet aber auch mit so manchem Ingenium an der Peripherie auf. Ob es sich um berühmte Lautgedichte handelt, um Textbilder oder Manifeste – der DADA-Almanach ist eine würdige Reminiszenz zum 100. Jahrestag und eine Fundgrube für alle, die die genial-radikale Revolte gegen den herrschenden Ungeist bis heute fasziniert. Mit exklusiven DADA-Biographien sämtlicher Protagonisten!

Interview mit dem Herausgeber H. M. Compagnon Zum Special

"Ein akustischer Streifzug durch die Welt des Dadaismus" - radiobremen.de

Rezension in der-zauberberg.eu

"Die Höhepunkte des DADA-Jahrs" - art-magazin.de

"Gegen alle Regeln der Kunst" - mdr.de

Rezension, Fotos und ein DADA-Gedicht auf frischgelesen.de

«Die Verlage bringen pünktlich zum Jubiläum einen ganze Reigen heraus. Besonders gelungen ist der ‹Dada-Almanach›.»

Die Welt, Beilage "Literarische Welt" (30.01.2016)

«Die Verlage bringen pünktlich zum Jubiläum einen ganze Reigen heraus. Besonders gelungen ist der ‹Dada-Almanach›.»

Die Welt, Beilage "Literarische Welt" (30.01.2016)

«typographisch besonders hübsch: der ‹Dada-Almanach›, erschienen bei Manesse»

DIE ZEIT, Sven Behrisch (05.02.2016)

«Typografisch originell gestaltete Auswahl von Dada-Werken – eine Fundgrube für alle, die bis heute von der dadaistischen Revolte fasziniert»

art Magazin, Februar 2016

«typographisch wunderbar gestaltet»

Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (07.02.2016)

«repräsentative Auswahl feiert die Geburtsstunde, lässt die bekannten Haupt- und Oberdadaisten zu Wort kommen, wartet aber auch mit so manchem Ingenium an der Peripherie auf.»

architekturbuch.de (04.02.2016)

mehr anzeigen

Gebundenes Buch, Pappband, 176 Seiten, 22,0 x 22,0 cm

ISBN: 978-3-7175-4091-5

€ 39,95 [D] | € 41,10 [A] | CHF 48,50* (* empfohlener Verkaufspreis)

Verlag: Manesse

Erschienen: 11.01.2016

Bestellen Sie bei Ihrem Buchhändler vor Ort oder direkt bei:

  • Leserstimmen

  • Rezension verfassen

Dadada!

Von: the lost art of keeping secrets Datum: 28.05.2016

www.thelostartofkeepingsecrets.wordpress.com


Wir haben beschlossen, unsere mannigfaltigen Aktivitäten unter dem Namen Dada zusammenzufassen. Wir fanden Dada, wir sind Dada, und wir haben Dada. Dada wurde in einem Lexikon gefunden, es bedeutet nichts. Dies ist das bedeutende Nichts, an dem nichts etwas bedeutet. Wir wollen die Welt mit Nichts ändern, wir wollen die Dichtung und die Malerei mit Nichts ändern und wir wollen den Krieg mit Nichts zu Ende bringen. Wir stehen hier ohne Absicht, wir haben nicht mal die Absicht, Sie zu unterhalten oder zu amüsieren.“

(Richard Huelsenbeck, vorgetragen im ,Cabaret Voltaire‘ im Frühjahr 1916)

Der Dadaismus hat dieses Jahr seinen hundertsten Geburtstag gefeiert. Eine Bewegung, die sich den Unsinn, das Spiel mit Buchstabenmassen und Wortbausteinen und die Faszination für die Verweigerung von Sinn auf die Fahnen geschrieben hat. Und deren poetisches und ästhetisches Anliegen sich in der typographischen Gestaltung von Gedichten und Lautbildern manifestierte. Im Manesse Verlag ist dieses Jahr der Dada-Almanach erschienen, der Lautgedichte, Manifeste und Textbilder dieser aberwitzigen Bewegung in einem gelungenen und wunderbar gestalteten Sammelband zusammenführt.

IMG_20160528_110754Doch was ist Dada eigentlich? Mein erstes Dada-Gedicht begegnete mir irgendwann in der Grundschule. Die Karawane/Zug der Elefanten von Hugo Ball. „jolifanto bambla o falli bambla“ – diesen Unsinn fabrizieren erwachsene Menschen? Ich war ziemlich beeindruckt und wollte auch Künstler_in werden.

Dadaist_in zu werden, ist relativ einfach. Tristan Tzara, ein Mitgründer der Bewegung, empfiehlt, ein paar Wörter aus einer Zeitung auszuschneiden, alles wild durcheinanderzuschütteln und neu zusammenzusetzen. Zack, entsteht ein Dada-Gedicht und im besten Fall ist man „ein unendlich origineller Schriftsteller mit einer charmanten, wenn auch von den Leuten unverstandenen Sensibilität.“ (S. 9)

Aber Dada ist noch mehr. Die Bewegung des Nicht-Sinn-machen-wollens betreibt überzeugend inkonsequent (immerhin handelt es sich hier um Dada) ein ästhetisch Spiel gegen die herrschende Norm. Dada hat keine moralische Haltung, Dada ist politisch, aber nur im subversiven Sinne. Denn „Kein System haben wollen ist ein neues.“ (Dr. Serner). Richard Huelsenbeck sagt, Dada könne man nicht erklären, nur erleben. Dada war auch ein Wasser zur Stärkung der Haarpracht, denn der Zürcher Toilettenartikelhersteller Bergmann & Co hatte sich zufällig schon den Produktnamen reservieren lassen. Hugo Ball schreibt dazu: „Dada ist die Weltseele, Dada ist der Clou, Dada ist die beste Lilienmilchseife der Welt.“

Und im Dada-Almanach sind die unterschiedlichsten Spiel- und Schreibarten der Dadaisten versammelt. Es gibt Lautgedichte, Textbilder, Liebesoden, Krippenspiele, Prosa, aber auch Totentänze und Lamentos, die daran erinnern, dass der Ursprung des Dada eben nicht im Nichts liegt, sondern in der persönlichen Konfrontation mit der Sinnlosigkeit einer Welt im Kriegszustand. Weil alle Wörter sinnlos werden, arbeiten sich die Dadaist_innen an den Wörtern ab und stellen dadurch auch herrschende Normen und Welterklärungsmodelle in Frage. Denn es gibt sie, die große Literatur. Es gibt Goethe und Schiller und trotzdem erschießen sich die Menschen im Krieg. Warum ist die Welt so wie sie ist?


„Jede Sache hat ihr Wort, da ist das Wort selber zur Sache geworden. Warum kann der Baum nicht Pluplusch heissen, und Pluplubasch, wenn es geregnet hat? Und warum muss es überhaupt etwas heißen? Müssen wir denn überall unseren Mund dran hängen? Das Wort, das Wort, das Weh gerade an diesem Ort, das Wort, meine Herren, ist eine öffentliche Angelegenheit ersten Ranges.“

(Hugo Ball, Eröffnungs-Manifest. 1. Dada-Abend in Zürich, 14. Juli 1916)

Was passiert mit einem Wort, wenn es aus seinem Sinnzusammenhang befreit wird? Einige Dadaist_innen wurden später Surrealist_innen und versuchten sich an der „ecriture automatique“, da gab es Dada schon nicht mehr. Auch diese Entwicklung wird im Dada-Almanach anhand der Biographien der „Dada-Leader“ dargestellt. Und da gibt es einige: Propagandada, Dadasophen und den Oberdada. Und alle trafen sich im März 1916 im „Cabaret Voltaire“ um Lautgedichte und Antikriegslieder vorzusingen.

Der Dada-Almanach bieten einen gelungenen Ausschnitt dieser kurzen Zeit. Ich habe das Buch unglaublich gerne gelesen und kann nur noch einmal auf die hochwertige und ästhetisch ansprechende Gestaltung des Bandes verweisen. Und das aller Schönste: man braucht kein Manifest oder keine Theorie. Man lässt sich einfach in die Wortkunstwerke der Dadaist_innen fallen und genießt diese wunderbare Lektüre.

Rezension: Andreas Trojan (Hrsg.), H. M. Compagnon (Hrsg.) Dada-Almanach – Vom Aberwitz ästhetischer Contradiction – Textbilder, Lautgedichte, Manifeste

Von: nettebuecherkiste Datum: 30.03.2016

https://nettebuecherkiste.wordpress.com/

Dada wird 100! Aus diesem Anlass sind in diversen Medien Artikel erschienen, die mich darauf aufmerksam machten und mich die Frage stellen ließen: Dada, was ist das eigentlich? Sicherlich hatte ich schon davon gehört, hatte aber keine genaue Vorstellung dieser Kunstrichtung. Wikipedia sagt dazu: “Im Wesentlichen war es eine Revolte gegen die Kunst von Seiten der Künstler selbst, die die Gesellschaft ihrer Zeit und deren Wertesystem ablehnten. Traditionelle Kunstformen wurden deshalb satirisch und übertrieben verwendet.”

Auch im Bücher-Magazin gab es einen Artikel, der meine Neugier endgültig weckte, sowie mehrere Buchempfehlungen. Offensichtlich handelt es sich um eine Kunstform, der man sich am besten über die Werke selbst nähert, also sollte es für mich der Dada-Almanach sein.

Die Entscheidung für dieses Werk war genau richtig. Ohne Einführung, ohne Theorie, präsentiert es dem Leser die verschiedenen Ausprägungen des textlichen Dada (oder Dadaismus): Laut- und Simultangedichte, Textbilder und Ideogramme, Totentänze und Lamentos, Liebesoden und Couplets, Krippen und Gauklerspiele, Miszellen und Prosa, Aperçus und Annoncen, Manifeste und Standpauken. Lediglich ein kurzer Text ist diesen Kapiteln vorangestellt, nämlich eine “Anleitung” von Tristan Tzara, wie man ein dadaistisches Gedicht macht. Und das ist die denkbar beste Einleitung, denn hier und in den darauf folgenden Lautgedichten zeigt sich der “Unsinn” hinter Dada, die Ablehnung des Wortes, der Sprache, der etablierten Kunst. Bekanntestes Beispiel hierfür ist wohl das Gedicht “Karawane/Zug der Elefanten” von Hugo Ball.

Doch nicht alle Dada-Werke sind sinnfrei, so lautet etwa die letzte Zeile des Gedichts “Totentanz 1916”, ebenfalls von Hugo Ball:

“Wir danken dir, wir danken dir,

Herr Kaiser für die Gnade,

Weil du uns zum Sterben erkoren hast.

Schlafe nur, schlaf sanft und still,

bis dich auferweckt,

Unser armer Leib, der den Rasen deckt.” (Seite 49)

Das ist natürlich eine eindeutige, zynische Abrechnung mit Kaiser und Militär, die Deutschland in den Krieg geführt haben. So eindeutig ist das mit Dada also wohl doch nicht.

Überhaupt stelle ich fest: Die Werke von Hugo Ball, dem “magischen Dada-Bischof” (Seite 156), gefallen mir am besten. Über “Ein Krippenspiel. Bruitistisch” muss ich laut lachen. Humor ist für mich unwiderstehlich.

Auch sinnleere Wortneuschöpfungen anhand bestehender Wörter sind typisch für Dada und bereiten mir großes Vergnügen, etwa in “Röhrensiedlung oder Gotik” von Johannes Theodor Baargeld:

“Das Institut beabsichtigt mit einer Aufzahl Entwachsungen, abnormer Haarungen, Kotsteinerungen und Perlbildungen am weiblichen Akt den Ornamentalkanon der Röhrenaphrotektur auszukauen.” (Seite 96″).

Indes bin ich nicht mit allem, wofür Dada steht, einverstanden:

“Es kann nicht hingenommen werden, dass ein Mensch Spuren seines Daseins auf der Erde hinterlässt” (André Breton: “Geographie Dada”, Seite 139).

Warum denn nicht?

Die “Manifeste und Standpauken”, Texte der Dadaisten zur Erläuterung des Dadaismus, sowie der “Dada-Appendix”, in dem die Herausgeber schließlich den Begriff “Dada”, seine verschiedenen (örtlichen) Ausprägungen sowie die verschiedenen Dada-Persönlichkeiten erläutern, stehen ganz zu Recht am Schluss des Dada-Almanachs und sind kurz gehalten, sodass der Laie keine langen, überkopften Theorien fürchten muss. Sie an den Anfang zu stellen, wäre nicht im Sinne von Dada, den man über die Werke selbst kennenlernen sollte.

Gelungen ist auch die Gestaltung des Almanachs, die Herausgeber haben sich Mühe gegeben, die dadaistischen Texte auch optisch richtig in Szene zu setzen.

Aber was ist denn nun Dada? Theo van Doesburg sagt es so:

“Alles in unserer Zeit ist Dada, nur die Dadaisten nicht. Wenn die Dadaisten Dadaisten wären, dann wären die Dadaisten keine Dadaisten. … Dadai ist undefinierbar. Doch weiß jeder, was Dada ist, weil er in Dada lebt.” (Seite 143).

Habe ich euch neugierig gemacht? Dann ist der Dada-Almanach genau das Richtige für euch.

Voransicht

  • Weitere Bücher der Autoren