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Das Salz in der Wunde Roman

Kundenrezensionen (5)

€ 24,95 [D]
€ 25,70 [A] | CHF 32,50*
(* empf. VK-Preis)

Gebundenes Buch, Leinen mit Schutzumschlag ISBN: 978-3-7175-2338-3

Erschienen: 11.05.2015
Dieser Titel ist lieferbar.

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Ein Klassiker der französischen Moderne erstmals auf Deutsch

Aller Aufstieg ist schwer. Sein geliebtes Paris hat Dieudonné Crouzon verlassen müssen gleich einem geprügelten Hund, der Empfang im Provinznest Châteauroux ist für den jungen Großstädter frostig. Doch die Demütigung brennt wie Salz in der Wunde – Crouzon arbeitet sich hoch und kehrt im Triumph an die Seine zurück. Mit der Verve der großen modernen Erzähler schildert Jean Prévost die Entwicklung eines Getriebenen zum glücksverwöhnten Selfmademan.

Dieudonné Crouzon fällt aus allen Wolken. Eben noch saß er bei seinem Freund Dousset auf dem Canapé und knabberte Kekse. Dann bezichtigt ihn dieser zu Unrecht des Diebstahls, es kommt zum Eklat. Nun hat sich fast die gesamte Clique von ihm abgewandt und er, der fleißige Student aus einfachen Verhältnissen, steht vor einem gesellschaftlichen Scherbenhaufen. Gedemütigt kehrt er dem Paris der 1920er-Jahre den Rücken und fängt in einer Kleinstadt bei null an: als Schreiberling für eine Wahlkampfzeitung. Von Revanchegelüsten getrieben, wird er vom Journalisten zum Verleger, vom Flugblattdrucker zum Werbeunternehmer und schließlich zum Abgeordneten des ländlichen Départements. Berauschend schnell, überaus elegant und mit unverwechselbarer Stimme erzählt Jean Prévost den Werdegang eines Helden voller Tatendrang.

«…die Menschenkenntnis dieses Autors, die psychologische Gestaltung seines durch und durch ambivalenten Helden, ... dann die in unerwartetes Glück umschlagende Liebesgeschichte ..., das hat schon was.»

Ina Hartwig, Süddeutsche Zeitung (20.07.2015)

Jean Prévost (Autor)

Jean Prévost (1901–1944) arbeitete als Politik- und Kulturjournalist, für seine Doktorarbeit erhielt er den Großen Literaturpreis der Académie française. Er entdeckte Saint-Exupéry und war mit Hemingway befreundet, dem er beim Boxen den Finger brach. Der glühende Verfechter der französischen Republik fiel als Résistancekämpfer in den westlichen Alpen.

«…die Menschenkenntnis dieses Autors, die psychologische Gestaltung seines durch und durch ambivalenten Helden, ... dann die in unerwartetes Glück umschlagende Liebesgeschichte ..., das hat schon was.»

Ina Hartwig, Süddeutsche Zeitung (20.07.2015)

«Der Roman ist eine Entdeckung.»

Martin Ebel, Tages-Anzeiger (CH) (06.06.2015)

«...jetzt endlich auf Deutsch...»

Adam Soboczynski, DIE ZEIT (25.06.2015)

«Mit dieser gründlich edierten, mit Anmerkungen zu Zeitbezügen versehenen Ausgabe seines Romans ‹Das Salz in der Wunde› ist er nun als bildkräftiger Erzähler zu entdecken.»

Deutschlandradio, Anja Hirsch (10.08.2015)

«Mit Jean Prévost beginnt ein neuer Typus in der französischen Literatur; ein spannender Autor, der die coole französische Literatur verkörpert.»

Tilman Krause, MDR Figaro (19.05.2015)

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Aus dem Französischen von Patricia Klobusiczky
Originaltitel: Le Sel sur la plaie
Originalverlag: Gallimard (Erstausgabe), Zulma (Neuausgabe)

Mit Nachwort von Joseph Hanimann

Gebundenes Buch, Leinen mit Schutzumschlag, 288 Seiten, 13,5 x 21,5 cm

ISBN: 978-3-7175-2338-3

€ 24,95 [D] | € 25,70 [A] | CHF 32,50* (* empfohlener Verkaufspreis)

Verlag: Manesse

Erschienen: 11.05.2015

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Fall und Aufstieg eines Medienmoguls in den 20er Jahren

Von: Nordbreze Datum: 11.08.2015

www.nordbreze.de

Dieses Buch ist toll. Man schlägt die erste Seite auf und - WUSCH - ist man direkt in der Handlung. Keine langen Erklärungen, kein Prolog, nix. Der erste Satz - "Kennst du dich eigentlich, Crouzon?" - wirft einen direkt in das Wohnzimmer von Dousset, einem Freund von Crouzon, dem Hauptprotagonisten. Aus dieser einfachen Frage, an die ein Vorwurf geknüpft ist (Dousset behauptet nämlich Crouzon hätte ihm die Brieftasche geklaut) entspinnt sich die komplette Handlung, auch, wenn die Szene im Wohnzimmer gerade mal vier Seiten andauert, der Vorwurf des Diebstahls ist bis dahin auch widerlegt. Es folgen aber noch 239 Seiten, auf denen wir Crouzon ins selbstgewählte Exil aufs Land begleiten und dort seinen Aufstieg zu einem mächtigen Mann erleben dürfen. Das Buch dreht quasi die Redewendung "Aufstieg und Fall" um und beschäftigt sich mit dem Fall und Aufstieg eines jungen Mannes, der sich in der Provinz durch kluge Ideen und geschickte Investments vom Wahlkampfhelfer bei einer Wahlkampfzeitung zum Besitzer einer eigenen Zeitung und Druckerei wandelt.

In einer Zeit, in der es das Wort "Marketing" noch nicht gab bzw. einfach nur "Reklame" hieß, schafft es Crouzon durch Konzentration auf die Region - Ansprache der örtlichen Händler statt Werbeanzeigen für Kaufhäuser in Paris, Veröffentlichung von regionalen Nachrichten und Kleinanzeigen - seine Zeitung sowie seine Druckerei, trotz anfänglicher Skepsis der Landbewohner, erfolgreich zu etablieren. Diese Zeitreise in die Werbebranche (mehr oder weniger Werbebranche) fand ich sehr spannend. "Das Salz in der Wunde" hat mal wieder den 20er-Jahre-Vorteil. Und es spielt in Frankreich. Auch wenn ich einige Begriffe und Zusammenhänge nicht ganz verstanden habe, aber dafür hat das Buch einen sehr nützlichen Anmerkungsteil.

"Das Salz in der Wunde" ist die erste deutsche Übersetzung, die es von Jean Prévost gibt. Das Nachwort verrät, dass es noch ein paar mehr Romane von ihm gibt, die aber alle noch nicht übersetzt wurden. Schade, mir hat nämlich der sehr kühle, sachliche Schreibstil, der Aufbau der Geschichte und die Charaktere sehr gut gefallen. Vielleicht kommt da ja noch mehr.

Und - mir gefällt das Buch optisch sehr gut. Schwarz-weißes Foto als Cover, orange Highlights im Titel, die Farbe findet sich im Lesebändchen wieder, grauer Leinenumschlag. Ja, doch. Sehr schick. Und hinten im Buch ist noch Werbung für weitere Bände aus der Reihe "Klassiker der Modernen", die mich neugierig gemacht hat. Glücklicherweise habe ich entdeckt, dass ich einen Band davon ("Die Party bei den Jacks" von Thomas Wolfe) sogar schon besitze, ein anderer Band ("Dämmerschlaf" von Edith Wharton) ist auf meine Wunschliste gewandert.

Das Salz in der Wunde oder: Die Revanche

Von: lustauflesen.de Datum: 31.07.2015

lustauflesen.de

Paris in den 1920er Jahren; Dieudonné Crouzon, ein junger, hoffnungsvoller Jurist kurz vor der Promotion, genießt das Leben im Kreis ein Clique wohlhabender Gleichgesinnter. Doch dann beschuldigt ihn unvermittelt einer dieser Freunde des Diebstahls, was freilich nicht stimmt. Dennoch will niemand Crouzons offensichtliche Unschuld erkennen, das Gerücht und die Fama wiegen schwerer als die Wahrheit. Crouzon verlässt zutiefst gedemütigt Paris und geht in die Provinz. Beseelt vom Gedanken der Rache macht er Karriere, zunächst als Wahlkampfhelfer, dann arbeitet er sich hoch vom begabten Journalisten zum Verleger, dann weiter zum Werbefachmann und millionenschwerer Kaufmann, schließlich reüssiert er sogar als Abgeordneter. »Das Salz in der Wunde« von Jean Prévost ist ein Klassiker der französichen Moderne, der nun erstmals in deutscher Übersetzung erschienen ist.

DER EMPORKÖMMLING UND DAS RESSENTIMENT

Dieudonné Crouzon ist ein typischer Arrivist, eine wohlvertraute Figur der französischen Literatur besonders des 19. Jahrhunderts. Bei Balzac, Zola und Maupassant etwa übernimmt der Emporkömmling Hauptrollen, aber auch Thomas Manns »Felix Krull« ist so einer. Prévost holt nun seinen Arrivisten ins 20. Jahrhundert, in die Zeit zwischen den Weltkriegen. Es sind die Jahre der Weltwirtschaftskrise, in der Niedergang und Aufstieg untrennbar miteinander verbunden sind.

Dieudonné setzt sich mit robusten Ellenbogen durch, scheut selbst vor Betrug und Gewalt nicht zurück, zeigt aber genauso Gefühl. Nicht selten rührt ihn die eigene Feingeistigkeit zu Tränen. Kurz nur sind diese Momente der latenten Sentimentalität und Reue, aber entscheidend für die innere Entwicklung und Glaubwürdigkeit Crouzons. Es sind Augenblicke, in denen das Ressentiment, also die eigene Ohnmacht gegenüber der erlittenen Ungerechtigkeit, die Sucht nach Rache umkehren und regulieren. So ist Dieudonné eben auch Moralist, obwohl ihm das eigentlich wiederstrebt.

NÜCHTERNE SACHLICHKEIT UND EINE TRAURIGE HOCHZEITSNACHT

Prévost wagt keine Sprachexperimente. Surrealistischen Revolutionen, wie sie Breton oder Aragon zur gleichen Zeit anzetteln, geht er aus dem Weg. Auch die formalen Techniken eines Joyce meidet er, obwohl Prévost als ausgewiesener Kenner der literarischen Szene Paris’ die angesprochenen Autoren persönlich kannte und ihre Arbeiten sehr schätzte. In »Das Salz in der Wunde« bleibt Prévost dem Realismus verpflichtet.

Die Geschichte vom Aufstieg des Dieudonné Crouzon ist keine psychoanalytische Studie, meidet sterotype Stufen, wie sie der klassiche Entwicklungsroman kennt. Die Geschichte wird sprunghaft erzählt und collageartig konstruiert. Neutral, beinahe distanziert folgt der Erzähler Crouzon durch seine Machenschaften, ohne Wertungen. Rabiate Szenen, auch gewalttätige, werden, ebenso wie Crouzons Momente der Selbstreflexion und Nachdenklichkeit, mehr protokolliert, statt auserzählt.
Die Reportage über den sorgfältig geplanten Aufstieg eines Arrivisten im Stil der Neuen Sachlichkeit allein könnte vielleicht ermüden, wäre da nicht zusätzlich diese vertrackte Liebesgeschichte mit Anne-Marie. Prévost stellt seinem Helden eine ebenbürtige Frau an die Seite. Wie sich diese beiden ebenso feinnervigen wie berechnenden Seelen finden, wie sie die traurigste Hochzeitsnacht der Literaturgeschichte erleben und sich distanziert umkreisend langsam zum Kern, zur Erfüllung in der Liebe vorarbeiten, gehört zu den größten Momenten des Romans. Hier finden zwei verletzte Herzen erst unter Mühen zusammen, weil sie sich ihre Verletzungen nicht gegenseitig eingestehen wollen, obwohl sie sie ständig offen vor sich hertragen. Beide, Dieudonné und Anne-Marie, sind auch in der Liebe zuvorderst Pragmatiker. Erfüllung finden sie in Tränen, die sie über den eigenen Schmerz vergießen, einen Schmerz, den sie nur spüren. weil er im Gegenüber reflektiert und gesteigert wird. Das Körperliche ordnen sie unter. Sie sind ein Paar, das eher wirkt wie Schwester und Bruder, von einem Hauch Inzest umweht, nur ohne Sex.

DER AUTOR UND SEINE FIGUR

Jean Prévost hatte ein erignisreiches, erfolgreiches, aber leider kurzes Leben. Er wurde 1944 als Kämpfer der Restistance von einem deutschen Wehrmachtkommando in einem Hinterhalt erschossen. Da war er 43 Jahre alt. Vor dem Krieg hatte er sich als Journalist, Kritiker, Literaturwissenschaftler und Autor einen Namen gemacht. Er war ein begeisterter Sportler, soll Ernest Hemingway bei einem Boxkampf sogar die Finger gebrochen haben. Prévost liebte den rauen Sport, die Verausgabung des Körpers im Wettstreit Mann gegen Mann, für ihn war das ein lebensnotwendiger Ausgleich zur geistigen Arbeit. Zielstrebig und scharf in seinen Urteilen konnte er sein. Wie ein Stier, so der Philosoph Alain, sei er auf jede Idee losgestürmt. Doch er hatte auch sehr sensible Seiten und ist in vielem seiner Romanfigur Dieudonné Crouzon sehr ähnlich gewesen. Dennoch ist »Das Salz in der Wunde« kein autobiographischer Roman.

Trotz aller zahlreicher autobiographischer Bezüge ist der Text in erster Linie eine paradigmatische Geschichte eines Arrivisten, gleichzeitig eine scharfe Analyse der Mechanismen der Wirtschaft und der Werbung, der Macht des Geldes und der Medien. Manches wirkt in dieser unterschwelligen Kapitalismuskritik etwas holzschnittartig, und nicht selten werden Nebenfiguren zu Stichwortgebern und Statisten im großen Drama des Rachefeldzug degradiert. Ein wenig mag dies dem historischen Abstand geschuldet sein, 1934 hatte das Buch sicherlich mehr Wucht als heute. Doch selbst wenn »Das Salz in der Wunde« nicht zwingend als literarische Sensation oder gar Herausforderung eingeordnet werden muss, und in einigen Passagen sprachlich nicht einmal besonders originell ist (wobei das nicht der Übersetzung von Patricia Klobusiczkys anzukreiden ist, sondern dem Original), eine lohnende Entdeckung ist der Roman allemal. Jean Prévost beweist sich als guter Plotter, der retardierende und akzelerierende Momente geschickt zu positionieren weiß. Er hat es verdient, dass man sich seiner wieder erinnert. Das Interesse, mehr von diesem Autor zu erfahren wird geweckt. Selbst in seiner Heimat Frankreich zählt Prévost zu den zu unrecht lange Vergessenen.

DIE OHNMACHT IM ZIEL

Am Ende erreicht die Ranküne alle angestrebten Ziele. Crouzon kehrt nach Paris zurück, triumphiert und macht die Rivalen zu Handlangern, indem er sie für seine weiteren wirtschaftlichen und auch politischen Pläne einspannt. Das nächste Ziel wird gesteckt, Minister werden. Doch wirkliche Genugtuung oder gar erhoffter Seelenfrieden stellen sich nicht ein. Crouzons sublime Rache läuft aus in einer lähmenden und unbefriedigenden Leere. Was bleibt, ist nur noch die Vornehmheit eines Parvenüs.

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