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Gehe hin, stelle einen Wächter Roman

Kundenrezensionen (20)

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€ 20,60 [A] | CHF 26,90*
(* empf. VK-Preis)

Gebundenes Buch mit Schutzumschlag ISBN: 978-3-421-04719-9

Erschienen: 17.07.2015
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Sensationeller Manuskriptfund - das literarische Ereignis im Sommer 2015

Harper Lee hat bisher nur einen Roman veröffentlicht, doch dieser hat der US-amerikanischen Schriftstellerin Weltruhm eingebracht: „Wer die Nachtigall stört“, erschienen 1960 und ein Jahr später mit dem renommierten Pulitzer-Preis ausgezeichnet, ist mit 40 Millionen verkauften Exemplaren und Übersetzungen in mehr als 40 Sprachen eines der meistgelesenen Bücher weltweit. Mit „Gehe hin, stelle einen Wächter“ – zeitlich vor „Wer die Nachtigall stört“ entstanden – erscheint nun das Erstlingswerk. Das Manuskript wurde nie veröffentlicht und galt als verschollen – bis es eine Freundin der inzwischen 89-jährigen Autorin im September 2014 fand.

In „Gehe hin, stelle einen Wächter“ treffen wir die geliebten Charaktere aus „Wer die Nachtigall stört“ wieder, 20 Jahre später: Eine inzwischen erwachsene Jean Louise Finch, „Scout“, kehrt zurück nach Maycomb und sieht sich in der kleinen Stadt in Alabama, die sie so geprägt hat, mit gesellschaftspolitischen Problemen konfrontiert, die nicht zuletzt auch ihr Verhältnis zu ihrem Vater Atticus infrage stellen.

Ein Roman über die turbulenten Ereignisse im Amerika der 1950er-Jahre, der zugleich ein faszinierend neues Licht auf den Klassiker wirft. Bewegend, humorvoll und überwältigend – ein Roman, der seinem Vorgänger in nichts nachsteht.

Die Fortsetzung eines Welterfolgs: "Gehe hin, stelle einen Wächter" von Harper Lee Zum Special

"Erkenntnisfördernde Ambivalenz" - zeit.de

"Das zweite Leben der Harper Lee" - welt.de

"Der rassistische Doppelgänger" - welt.de

"Harper Lees neues Buch" - derwesten.de

"Hype um wiederentdeckten Roman" - web.de

"Zweiter Roman von Harper Lee erscheint" - focus.de

"Wirbel um Harper Lee-Veröffentlichung - spiegel.de

„Eines ist mit diesem Roman, der fortan immer mit seinem Vorgänger gelesen werden muss, endgültig bewiesen: Harper Lee ist kein ‘One-Hit-Wonder‘.“

Frankfurter Allgemeine Zeitung (16.07.2015)

Harper Lee (Autorin)

Harper Lee wurde 1926 in Monroeville/Alabama geboren. Sie studierte ab 1945 Jura an der Universität von Alabama, ging aber vor dem Abschluss nach New York und arbeitete bei einer internationalen Luftverkehrsgesellschaft. Für das 1960 veröffentlichte Debüt und ihr bis 2015 einziges Buch "Wer die Nachtigall stört" erhielt sie mehrere Preise, u.a. den Pulitzer-Preis. Der Roman zählt zu den bedeutendsten US-amerikanischen Werken des 20. Jahrhunderts, wurde in 40 Sprachen übersetzt und hat sich international rund 40 Millionen Mal verkauft. "Gehe hin, stelle einen Wächter" wurde von Harper Lee vor ihrem Weltbestseller "Wer die Nachtigall stört" geschrieben und galt als verschollen. 2015, fast sechzig Jahre später, erschien er unter großer weltweiter Aufmerksamkeit und führte in Deutschland und der englischsprachigen Welt die Bestsellerlisten an. Harper Lee, 2007 mit der amerikanischen Freiheitsmedaille des Präsidenten ausgezeichnet, lebte zurückgezogen in ihrem Heimatort Monroeville/Alabama, wo sie im Februar 2016 verstarb.

„Eines ist mit diesem Roman, der fortan immer mit seinem Vorgänger gelesen werden muss, endgültig bewiesen: Harper Lee ist kein ‘One-Hit-Wonder‘.“

Frankfurter Allgemeine Zeitung (16.07.2015)

„Eine literarische Sensation.“

Süddeutsche Zeitung (11.07.2015)

„Der Roman ist auf schmerzhafte Weise die bessere Literatur, weil er moralisch nicht so selbstgewiss ist, sondern unsicher wie wir alle.“

Der Spiegel (18.07.2015)

"Ein immens politischer, vor allem diskursiver Roman."

DIE WELT (15.07.2015)

"Eine große erzählerische Kraft (…). Man wünscht sich nach der Lektüre, Harper Lee hätte (...) noch ein paar weitere Romane veröffentlicht."

Zeit Online (15.07.2015)

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Aus dem Englischen von Ulrike Wasel, Klaus Timmermann
Originaltitel: Go Set A Watchman
Originalverlag: Harper Collins

Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 320 Seiten, 13,5 x 21,5 cm

ISBN: 978-3-421-04719-9

€ 19,99 [D] | € 20,60 [A] | CHF 26,90* (* empfohlener Verkaufspreis)

Verlag: DVA Belletristik

Erschienen: 17.07.2015

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DER NEUE ROMAN VON HARPER LEE IST EIN ENTWURF

Von: Tanja Jeschke aus Stuttgart Datum: 02.06.2016

Rezension
Harper Lee: Geh hin, stelle einen Wächter. Roman, DVA 2015, 314 Seiten.

DER NEUE ROMAN VON HARPER LEE IST EIN ENTWURF

Von Tanja Jeschke

Die US-Autorin Harper Lee hatte einen zweiten Roman in der Schublade. Was für eine Sensation, als das im letzten Jahr entdeckt wurde! Denn wer kennt nicht ihren wunderbaren Bestseller „Wer die Nachtigall stört“, der 1962 mit Gregory Peck erfolgreich verfilmt wurde und drei Oscars bekam. Wer würde da nicht voller Neugier zu ihrem neuen Roman greifen, zumal man auch hier wieder auf Scout trifft, auf ihren Vater Atticus und das Städtchen Maycomb in Alabama? Es geht zwar das Gerücht, dass die inzwischen 89-jährige Harper Lee, die in den vergangenen Jahrzehnten sehr zurückgezogen lebte, selbst gar nicht überzeugt war von der Veröffentlichung. Dennoch schafften es die Verlage in der ganzen Welt, ihren „neuen Roman“ gleichzeitig herauszubringen und die Sensation dadurch noch zu steigern. Bei DVA ist er also unter dem Titel „Geh hin, stelle einen Wächter“ erschienen. Was ist nun dran an dieser Entdeckung? Überzieht uns wieder die Gänsehaut des Mitfieberns mit der Gerechtigkeit, der Atticus in der „Nachtigall“ so großartig seine Stimme leiht? Spüren wir wieder die Schwüle des amerikanischen Südens, vollgesogen mit den Düften üppiger Begonien? Zittern wir mit Scout und ihrem Bruder auf der Schwelle des Begreifens, wie diese Welt wirklich ist? Nein, all das ist nicht der Fall. Aber lassen wir die Sensation doch ruhig platzen, lassen wir diesen neuen Roman das sein, was er ist: Der Entwurf einer werdenden Autorin. Mehr nicht, aber auch nicht weniger. Dieser Entwurf ist von 1957, d.h. er ist älter als die „Nachtigall“, gleichzeitig sind auch die Figuren älter, Scout bereits 26, in New York lebend, sie kommt heim und gerät in eine tiefe Auseinandersetzung mit Atticus. Denn, und das hören wir gar nicht gern: Atticus ist hier nicht der grandiose Gerechte, der es den rassistischen Südstaatlern zeigt, nein, er ist selber ein erzkonservativer Knochen, unbelehrbar in seinem Denken über die „Neger“. Das ist ein harter Bruch, über den man nicht so recht hinweg kommt. Die Frage, wie dieser Mann, der hier in der Bürgerwehr reaktionärer Südstaatler mitwirkt, in der „Nachtigall“ als ein solcher Gentleman auftreten kann, steht ungelöst im Raum, ungelöst wie auch vieles andere. Aber genau das ist das Recht eines Entwurfs. Die vielen Dialoge zwischen Atticus und Scout leisten die mühsame Denkarbeit für die literarische Ausbalanciertheit ihres späteren Nachtigall-Romans. Deshalb wirkt dieser „neue“ Text unfertig, unorganisiert, er plaudert vom Weg ab und Scout erzählt weitschweifige Anekdoten aus der Familien- und Stadtgeschichte. Am Ende hört sie schließlich doch auf ihren Onkel, der sie väterlich belehrt, und auch das liest man nicht gern. Aber ein Entwurf darf das. Er darf sich nur nicht für einen guten Roman halten. Und das wusste Harper Lee.

Kill your darlings

Von: Bri Datum: 27.01.2016

www.feinerbuchstoff.wordpress.com

Die kleine Scout, eigentlich Jean-Louise Finch, aus "Wer die Nachtigall stört" ist erwachsen geworden und lebt mittlerweile weit entfernt von ihrem Heimatort Maycomb in der Großstadt. New York ist mit seiner Vielstimmigkeit, seiner Vielfarbigkeit und seinem wahren Verständnis von leben und leben lassen ihre Herzensheimat geworden. Diese Erkenntnis muss sie bei einem ihrer jährlichen Besuche schlucken wie eine bittere Pille.

Die Atmosphäre in der Kleinstadt hat sich verändert - der NAACP möchte auch in Maycomb / Alabama die farbige Bevölkerung in ihrem gesellschaftlichen und sozialen Aufstieg unterstützen. Und das wiederum macht der weißen Bevölkerung, die im County an einigen Orten mittlerweile in der Minderzahl ist, schlichtweg Angst. Die Einwohner Maycombs sind keine offenen Rassisten - sie sind zwar laut Atticus Finch, dem Vater Scouts keine Mitglieder des Ku-Klux-Klans, verhindern aber auch nicht, dass der Klan sich durch sein Auftreten öffentlich lächerlich macht - fühlen sich aber bedroht. Woran nur erinnert mich das? Vielleicht an die derzeitige Situation in Europa? Und schon bin ich mitten in der Diskussion, die sich während der Lektüre immer deutlicher als Mittelpunkt des erst 2014 wieder entdeckten Romans, der Urfassung des Pulitzerpreis gekrönten Erstlings der Amerikanerin Harper Lee, darstellt.

Viel wurde darüber diskutiert, ob das Buch, das Harper Lee in den 50er Jahren schrieb und dessen thematischer Fokus von den Verlagen damals als zu gewagt betrachtet wurde, als dass man es verlegen wollte, überhaupt erscheinen sollte. Die Autorin selbst ist mittlerweile hochbetagt, soll taub und blind sein - ob sie tatsächlich abschätzen konnte, was die Veröffentlichung dieses Romans für sie heißen könnte, wird häufig diskutiert. Doch ehrlich: Warum sollte man sich in dem Alter, in dem Harper Lee nun ist, über solche Dinge noch Gedanken machen. Wichtig allerdings ist, dass das Thema des Buches, in der Urfassung für die damalige Zeit als zu aufrührerisch, zu verwegen empfunden, um veröffentlicht zu werden - ein heißes Eisen ist, heute wie damals.

Ist es zulässig, Verfassungsänderungen vorzunehmen, die einerseits einer Gruppe von Menschen gewisse Rechte nehmen, die als unumstößlich und nicht diskutierbar galten, aber andererseits zu einer höheren gesellschaftlichen Gleichheit führen sollen. Ist das Vorgehen, einen Verfassungszusatz einfach zu streichen - wohl gemerkt durch ein hohes richterliches Gremium, aber ohne Beteiligung der Bürger - als demokratisch zu bezeichnen? Ein nicht einfaches Thema, dessen sich Harper Lee in "Gehe hin, stelle einen Wächter" in Verbindung mit der Frage nach Diskriminierung und Rassismus annimmt. Das merkt man der sich daraus entstehenden Diskussion zwischen Jean-Louise und ihrem Vater Atticus an: Sprunghafte Argumente und Erklärungen, die man nicht ganz greifen kann, führt Atticus für seine Entscheidung, einem bekannten Rassisten eine Plattform zur Verbreitung seiner menschenverachtenden Ansichten zu bieten, an. Die Antwort auf die Frage seiner Tochter, weshalb die Entscheidung zu Gunsten des unsäglichen Redners gefällt wurde, verknappt er in unnachahmlicher Weise:

"Weil er es wollte."

Einzig Jean-Louises Haltung ist und bleibt klar und deutlich. Um sie herum steht ihre Welt Kopf - alles, was sie von ihrem Vater erfahren und gelernt hat, scheint nicht mehr zu gelten. Die Annahme, alle Menschen seien vom Geburtsrecht her gleich zu behandeln steht plötzlich in krassem Gegensatz zu DEM amerikanischen Grundsatz, ein Mann könne alles für sich in Anspruch nehmen, was er sich erarbeitet habe. Farbenblind nennt Atticus die Einstellung seiner Tochter.

Der Konflikt, den Jean-Louise mit ihrem Vater hat, ist aber nicht nur ein gesellschaftlicher. Eltern-Kinder-Beziehungen zeichnen sich auch durch eine gewisse Ablösung oder Abnabelung aus. Im Falle der Familie Finch ist diese vielleicht überfällig. Solch eine Abnabelung geht nie schmerzfrei vonstatten und so erfährt Jean-Louise auch ganz körperlich, wie hart es sein kann, seinem Wächter, dem eigenen Gewissen, Folge zu leisten. Doch letztendlich - und das ist für mich ein gewisser Kritikpunkt - bezieht sie nicht eindeutig Position. So sehr sie gegen die Haltung ihres Vaters, gegen die duckmäuserische Lebensweise ihres Freundes Hank und gegen die latent rassistische Haltung der Bürger Maycombs aufbegehrt, sie vollzieht den Schritt des absoluten Schnittes nicht. Am Ende bleibt große Aufregung, die sich in einem "leben und leben lassen" auflöst. Jean-Louises Onkel Jack Finch allerdings erkennt, dass Menschen wie sie in Zukunft in Maycomb gebraucht werden.

Dennoch ist "Gehe hin, stelle einen Wächter" ein wichtiges Buch, das aufzeigt, wie komplex manche Sachverhalte sind, wie schwierig echte Demokratie ist und wie stark man sein muss, um seinem Wächter zu folgen. Will man die gesellschaftliche Gemengelage der 50er Jahre in Amerika besser verstehen, sollte man nicht nur eines der beiden Bücher gelesen haben. Literarisch gesehen, mag "Wer die Nachtigall stört" das reifere Werk sein, seine Urfassung jedoch hat es durchaus verdient, veröffentlicht und gelesen zu werden.








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