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Um Leben und Tod Ein Hirnchirurg erzählt vom Heilen, Hoffen und Scheitern
Ein SPIEGEL-Buch

Kundenrezensionen (7)

€ 19,99 [D]
€ 20,60 [A] | CHF 26,90*
(* empf. VK-Preis)

Gebundenes Buch mit Schutzumschlag ISBN: 978-3-421-04678-9

Erschienen: 27.04.2015
Dieser Titel ist lieferbar.

Weitere Ausgaben: Taschenbuch, eBook (epub)

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Bekenntnisse eines Hirnchirurgen

Wie arbeitet ein Hirnchirurg? Wie fühlt es sich an, in das Organ zu schneiden, mit dem Menschen denken und träumen? Wie geht man damit um, wenn das Leben eines Patienten von der eigenen Heilkunst abhängt? Und wie, wenn man scheitert? Mehr noch als in anderen Bereichen der Medizin ist es in der Hirnchirurgie so gut wie unmöglich, nie einem Patienten zu schaden, denn Operationen am Innersten des Menschen sind immer mit unkalkulierbaren Risiken verbunden. Henry Marsh, einer der besten Neurochirurgen Großbritanniens, erzählt beeindruckend offen, selbstkritisch und humorvoll von den Ausnahmesituationen, die seinen Arbeitsalltag ausmachen. Seine Geschichten handeln vom Heilen und Helfen, vom Hoffen und Scheitern, von fatalen Fehlern und von der Schwierigkeit, die richtige Entscheidung zu treffen.

"Bekenntnisse eines Hirnchirurgen" - Rezension auf spiegel.de

"Heilen, hoffen, scheitern" - huffingtonpost.de

Rezension auf kapri-zioes.de

"Einblick in ein krankes Gesundheitssystem" - deutschlandfunk.de

»In seinem hervorragend erzählten Buch lernen wir Henry Marsh kennen. Gnadenlos ehrlich und voller Demut für die Menschen und das Organ, das unser Ich ausmacht.«

ARD - ttt titel thesen temperamente, Brigitte Kleine, 26.04.2015

Henry Marsh (Autor)

Henry Marsh ist einer der renommiertesten Hirnchirurgen Englands und arbeitet als Consultant Neurosurgeon am Atkinson Morley’s / St. George’s Hospital in London. Vor seinem Medizinstudium am Royal Free Hospital in London hat er Wirtschaft, Politik und Philosophie in Oxford studiert. Mit einer von ihm gegründeten Stiftung operiert Marsh häufig in der Ukraine, wo er sich Patienten widmet, die sonst ohne ärztliche Hilfe blieben. Über ihn und seine Arbeit sind zwei preisgekrönte TV-Dokumentationen gedreht worden. 2010 wurde ihm der britische Verdienstorden verliehen.

»In seinem hervorragend erzählten Buch lernen wir Henry Marsh kennen. Gnadenlos ehrlich und voller Demut für die Menschen und das Organ, das unser Ich ausmacht.«

ARD - ttt titel thesen temperamente, Brigitte Kleine, 26.04.2015

»Das besondere an Marshs Erzählungen ist nicht nur die Perspektive, sondern vor allem seine Offenheit. [...] Mit Humor und erfrischend distanziert schaut er auf seine Allüren.«

SPIEGEL Online, Heike Le Ker, 26.04.2015

»Was [Marsh] auszeichnet, sind seine gute Beobachtungsgabe und seine Offenheit. […] Informativer als viele medizinische Sachbücher und unterhaltsamer und bewegender als jeder Arztroman.«

Deutschlandradio Kultur - Buchkritik, Michael Lange, 08.05.2015

»Es sind menschliche Geschichten [...] die Marshs Buch „Um Leben und Tod“ lesenswert machen.«

Technology Review, 06/15

»Eine glänzend geschriebene Autobiografie, informativ und unterhaltsam, bewegend und zutiefst menschlich, von einer Ehrlichkeit, die Mut macht.«

huffingtonpost.de, 29.05.2015

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Aus dem Englischen von Katrin Behringer
Originaltitel: Do No Harm: Stories of Life, Death and Brain Surgery
Originalverlag: W&N

Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 352 Seiten, 13,5 x 21,5 cm

ISBN: 978-3-421-04678-9

€ 19,99 [D] | € 20,60 [A] | CHF 26,90* (* empfohlener Verkaufspreis)

Verlag: DVA Sachbuch

Erschienen: 27.04.2015

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Arzt zu sein ist Berufung, Patient zu sein Schicksal

Von: Paloma Pixel Datum: 12.03.2016

palomapixel.blogspot.de

Ein Hirnchirurg erzählt vom Heilen, Hoffen und Scheitern.

Oh mein Gott, dieses Buch hat mich fertig gemacht. Ja, dass macht Henry Marsh. Er erzählt uns in seinem Buch von seinem Leben als erfolgreicher Neurochirurg in London. Er erzählt, wie er zur Medizin gekommen ist und was ihn dazu bewegte, die Neurochirurgie zu seinem Fachgebiet zu machen. Er erzählt von seinem persönlichen Leben und wie ihn dieser Beruf geprägt und begleitet hat. Er erzählt uns von schwierigen Hirntumoroperationen und seinem Hilfsprojekt in der Ukraine.

Das könnte es jetzt schon gewesen sein, denn diese Themen reichen aus für ein gut gefülltes Buch aber Henry Marsh geht noch zwei Schritte weiter. Er erzählt eben auch die Dinge die viele Ärzte, vor allem Chirurgen niemals laut aussprechen. Er ist menschlich. Er macht Fehler. Wir leben in einer Gesellschaft, in der die Götter in weiß möglichst unfehlbar sein sollen. In der keine Fehler passieren dürfen und diese aus Angst vor Klagen gerne vertuscht werden. In der die Menschen die Erwartung haben, dass sie zum Arzt gehen und danach wieder alles in Ordnung ist. Der Tod ist für viele keine Option mehr die zum Leben dazu gehört. In der das Krankenhauspersonal oft von der Flut der Patienten und der Masse an neuen Gesetzen, Regel und Hygienevorschriften völlig überlastet ist. In der es schwieriger ist ein freies Bett für einen operierten Patienten, als einen Big Mac zu bekommen.

Henry Marsh spricht es laut aus ohne Angst davor zu haben das er als Nestbeschmutzer der weißen Zunft da steht. Das macht ihn herrlich ehrlich.

Gerade in der Neurochirurgie zählt jeder Millimeter. Sie können über Leben und Tod entscheiden. Das Gehirn ist der komplexeste Ort in unserem Körper und der wichtigste. Geht hier etwas schief, hat es verheerende Konsequenzen. Mit diesen Konsequenzen muss der Chirurg leben können. Das Buch ist hart. Es war für mich bei einigen Geschichten schwer weiter zu lesen. Das lag aber nicht nur daran das Mr Marsh sehr mitfühlend schrieb, sondern das ich selbst schon einige dieser Situationen durch meinen Job als Krankenschwester erlebt habe. Ich glaube für Betroffene, die an einem Hirntumor leiden kann das Buch Fluch und Segen sein, je nachdem was man sich zutraut. Will man schonungslose Ehrlichkeit, wie seine Chancen stehen und versteht man auch etwas von der Medizin kann man es lesen. Ansonsten würde ich Betroffenen eher abraten. Jedem Medizinstudenten aber empfehle ich es als absolute Pflichtlektüre! Vor allem denen, die auf Grund von Ehre und Geld Medizin studieren und schon im Studium eine gewissen Arroganz an den Tag legen.

Das Problem am Arzt sein, ist nicht nur der Druck und die hohe Erwartungshaltung durch die Unfehlbarkeit, sondern auch sich seine Menschlichkeit zu erhalten. Patienten sind irgendwann nur noch Fallnummern die kommen und gehen. Nach einer Tumoroperation, ob nun geglückt oder nicht, fährt man nach Hause zu seinen Lieben und feiert Geburtstag oder isst Pizza. Im Krankenhaus bleibt die Fallnummer Patient mit einer Halbseitenlähmung und einer Lebenserwartung von einem halben Jahr weinend zurück. Das ist nicht für jeden etwas und das erträgt auch nicht jeder der Arzt wird. Der Job bringt es mit sich das man unweigerlich abstumpft und man muss aufpassen, dass man dies nicht irgendwann auch in den privaten Bereichen tut und gar nichts mehr empfinden kann. Henry Marsh kämpft seit 27 Jahren diesen Kampf. Zwischen chirurgischer Passion und eigenem Mitgefühl. Selten habe ich erlebt, dass ein Arzt das so schonungslos zugibt. Es ist ein scheiß Gefühl jemandem zu sagen das er sterben muss und es ist okay sich dabei scheiße zu fühlen.

Das Buch ist in einzelne Fälle oder Erzählungen aus Henry Marsh's Leben aufgeteilt und jede Geschichte, hat als Titel den medizinischen Fachbegriff der Erkrankung. Mr Marsh kommt als Arzt natürlich um viele Fachbegriffe nicht herum und es ist hilfreich selbst als Leser vom Fach zu sein aber absolut kein muss. Er schreibt wunderbar klar und strukturiert und man leidet in den Geschichten ein Stück mit. Man ist zusammen mit Henry traurig, besorgt oder wütend und ich musste auch die ein oder andere Träne trocknen. Selbst wenn ich jetzt nach beenden des Buches daran zurück denke.

Ein wirklich emotionales und schonungsloses Buch, dass auch mal die Obersten der Gesundheitsbehörden und Krankenkassen lesen sollten. Der interessierte Leser der noch keine Berührungspunkte mit diesem Thema hatte, kann hier nachlesen was in Krankenhäusern und hinter den verschlossenen Türen des OP- Saals wirklich so geschieht. Wir sind nicht nur Fallnummern sondern Menschen und Menschlichkeit lässt sich nicht in Geld bemessen. Arzt zu sein ist immer noch eine Berufung, genau so wie Patient zu sein Schicksal ist.

aus dem arbeitsleben von henry marsh: um leben und Tod

Von: stephanie jaeckel Datum: 10.09.2015

www.klunkerdesalltags.wordpress.com

Henry March ist Neurochirurg. Mittlerweile in Rente und nur noch gelegentlich als Gastoperateur in der Ukraine im OP-Saal. Ein Ass, was Hirn- und Wirbelsäulenoperationen angeht. Ein begeisterter Chirurg, ein sympathischer Mensch. Einer, der seine Grenzen kennt. Der weiß, dass Fehler eben doch passieren. Und der damit leben muss, dass seine Fehler für andere oft tödlich enden. Im letzten Jahr ist sein Buch über den ganz normalen Chirurgenalltag in England erschienen, dieses Jahr kam es in deutscher Übersetzung auf den Markt.

Harter Stoff. Nix für Angsthasen. Und auch nix zum In-einem-Rutsch-Durchlesen, auch wenn alle Kapitel spannend geschrieben sind, schließlich geht es fast immer – wie in einem Krimi – um Leben und Tod. Ein wichtiges Buch, eins, das den Arztserien Paroli bietet, eins, das in eine Welt führt, die wohl niemand von uns freiwillig betritt (denn wenn wir im OP landen, dann doch meist als Patient, nicht als Operateur). Es ist trotz der zahlreichen quälend minutiösen Beschreibungen und dem so oft hoffnungslosen Wettlauf gegen den Tod, ein wichtiges und – auf lange Sicht – beruhigendes Buch. Mich jedenfalls entspannt die Tatsache, von einem “normalen” Menschen und nicht von einem “Gott in Weiß” operiert zu werden. Ich kann den Vorgang, der für mein Leben Konsequenzen haben wird (so oder so), besser einordnen, oder mich besser hineinbegeben, wenn ich verstehe, dass so ein Eingriff keine Sensation ist, sondern ein Termin in einem ärztlichen Arbeitsalltag. Die Erwartungen werden vielleicht kleiner, aber die Dankbarkeit um so größer für alles, was geht.

Marsh schreibt im Großen und Ganzen seine Arbeits-Biografie: über seinen späten Wunsch, Arzt zu werden, über Umwege, eine harte, lange Ausbildung und die Zeit als Oberarzt im Krankenhaus. Er schreibt über seine Fehleinschätzungen in jungen Jahren, über das, was im Gesundheitswesen – insbesondere in Krankenhäusern – schief läuft, über Verbesserungen der Technik und die immer wieder neu zu justierende Teamarbeit auf den Stationen. Gleichzeitig umreißt er sein Arbeitsgebiet. Die Kapitel tragen meist den Namen einer Krankheit, die er im Laufe seiner Karriere behandelt hat, hier und da schleichen sich aber andere Diagnosen ein, “Melodrama” zum Beispiel oder “Hybris” und hier geht es um die Gefahren, denen die Ärzte als Menschen in ihrem Beruf ausgesetzt sind. Dass sie zum Beispiel unaufmerksam sind, und schon einen lebensgefährlichen Fehler machen. Dass sie Fehler machen, weil sie gelegentlich nicht genug über ihren Tellerrand schauen, weil sie Konkurrenz fürchten, weil sie müde sind, weil sie all den Dingen ausgesetzt sind wie unsereins, mit dem Unterschied, dass meine Fehler weitestgehend auf mich zurückfallen. Es ist eine Hommage an Ärzte und ihren riskanten Einsatz für ihre Patienten. Es ist aber auch der Rückblick auf ein gelungenes Leben. Was nicht bedeutet, dass es ein durch und durch glückliches war. Es gibt Krisen, eine Scheidung, ein eigenes Kind mit Hirntumor, der Tod der Mutter und immer wieder Gerichtstermine, in denen sich Marsh als gescheiterter Operateur verantworten muss.

Und dann gibt es da noch das Rätselhafteste überhaupt: Unser Gehirn. Es ist Ich und Du und die Welt. Es ist Glück und Unglück, es ist – so stelle ich mir das zumindest vor – der Horizont jedes einzelnen Menschen und es ist das einzige Organ in unserem Körper, das keinen Schmerz kennt. Am Hirn kann man (und davon wird auch gelegentlich Gebrauch gemacht) ohne Narkose operieren, nur eine örtliche Betäubung für Haut und Schädel reichen. Marsh ist besessen vom menschlichen Gehirn. Bei jeder Operation fasziniert ihn die Schönheit des Organs und seine scheinbar grenzenlosen Fähigkeiten aufs Neue. Er betrachtet es, zumindest während der OP, als zartes Wesen, das es nicht zu verletzen gilt. Zurück im Büro oder im Gemeinschaftsraum kann ihm da auch schon mal ein grobes Wort entgleiten, was ich ihm aus zwei Gründen verziehen habe: Einmal ist er ehrlich und zum anderen kann wahrscheinlich kein Mensch die tägliche Verantwortung über Leben und Tod ohne gelegentliche Ausrastet auf sich nehmen.

Ein wichtiges Fazit, eins, das man selten von Ärzten zu hören bekommt: Zu wissen, wann man aufhören muss. “Oft” – so schreibt Marsh – “ist es ohnehin besser, der Krankheit ihren natürlichen Lauf zu lassen und überhaupt nicht zu operieren.” Sein Buch ist ein Plädoyer für mehr Menschlichkeit in unserem durchorganisierten Gesundheitswesen. Eins gegen das bloß Machbare. Eins für die Rückgewinnung von Verantwortung, auch der Betroffenen. Für mich war es eine ganz besondere Lehre: zu sehen, wie riskant manche Berufe sind und zu verstehen, wie gut ich es mit meiner Arbeit diesbezüglich getroffen habe. Was vielleicht auf der Rückseite heißt, hier und da mehr Risiko zu wagen. Ein anderer wesentlicher Satz fällt gleich im Vorwort:

“Wenn wir als Patienten im Krankenhaus liegen, um unser Leben bangen und uns ein furchteinflößender chirurgischer Eingriff bevorsteht, müssen wir den Ärztinnen und Ärzten, die uns behandeln, vertrauen – zumindest machen wir uns das Leben ziemlich schwer, falls wir das nicht tun.”

Ein tolles Buch, auch wenn es einem gelegentlich doch ziemlich nah geht. Hier und da zeigt sich Marsh als unerträgliches Chef-Ekel, mal mäkelt und jammert er rum und man möchte eine Seite überspringen oder gleich auch zwei. Aber es ist klar, dass er sich selbst so zeigen will, wie er nun mal ist. Nicht, um geliebt zu werden, sondern um die Verhältnisse in einem Krankenhaus so zu beschreiben, wie er sie aus einem jahrzehntelangen Arbeitsalltag kennt. Sein Lieblingsabschied steht am Schluss, der, den er nur von Patient/innen hört, die geheilt die Klinik verlassen:

“Ich hoffe, dass wir uns nie wiedersehen.”

Henry Marsh, Um Leben und Tod – Ein Hirnchirurg erzählt vom Heilen, Hoffen und Scheitern. Deutsche Verlags-Anstalt 2015. Einen herzlichen Dank an Random-House für das Rezensionsexemplar.

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