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New York Fitness Trends: Kettlebell

Gewichte waren gestern – jetzt kommt die Kettlebell! Unsere Kolumnistin Nina Winkler hat sich an der kuhglockenartigen Hantel versucht und ist begeistert: Das Workout beinhaltet nicht nur innovative Bewegungsabläufe sondern trainiert den ganzen Körper, die Ausdauer und heizt die Fettverbrennung an!

 
 

Gewichte heben – ein neuer Trend? Das kann ich mir kaum vorstellen. Nachdem bereits Jane Fonda in den 70er und Jennifer Wade in den 80er Jahren im Stringbody rosa Hanteln stemmten, kann die Erfindung so neu nicht sein. Dennoch: Ich bin neugierig.

Die Gästeliste für die Präsentation dieses Sportgeräts in einem Hotel am New Yorker Times Square ist lang, nicht nur ich scheine mich für die Kettlebells zu interessieren. Wobei: „Sportgerät“? Kann man bei einem Stück Eisen eigentlich von einem „Gerät“ sprechen? Ich bin skeptisch, zumal das Ding im Internet wie eine Kugelstoßer-Kugel mit Griff aussieht.
Als ich schließlich auf der Kettlebell-Convention angelangt bin und das Prachtstück in den Händen halte, stelle ich fest: Es sieht tatsächlich so aus. Wie eine Kanonenkugel. Erhältlich ist die Kettlebell in verschiedenen Größen bis zu 25 Pfund, entweder „naturbelassen“ in harsch gebürstetem Eisen – die Schwarzenegger-Version – oder mit farbigem Kunststoffüberzug für eine schickere Optik. Im Gegensatz zur Kugelhantel, die es übrigens seit dem 19. Jahrhundert gibt, ist der Griff der Kettlebell ein wenig verändert und die Hantel insgesamt benutzerfreundlicher geworden. Sie ist jedoch wesentlich größer und schwerer, als ich dachte. Acht Pfund, stolze vier Kilo, werden mir im ersten Kurs empfohlen.

Auf der Convention sind etliche Journalisten aus der Fitness-Branche anwesend und die Demo-Geräte sind schnell an willige Neulinge verteilt. Dann geht's los: Zuerst wird die Bewegungsform erklärt; man muss das Ding abwechselnd heben, schwingen und wuchten. Ich kann mir nicht helfen, aber es erinnert mich ans Kugelstoßen auf dem Schulhof. Der Trick an der Kettlebell: Der Schwer-punkt wird vom Körper weg verlagert, wodurch die Core-Muskeln verstärkt trainiert und die Gravitationskräfte genutzt werden. Das Training, das seinen Ursprung übrigens in Russland hatte, soll dadurch effektiver und intensiver als ein herkömmliches Hanteltraining sein.

Die Trainerin kombiniert Ausfallschritte mit seitlichen Auf- und Abschwüngen des Geräts und nicht zuletzt aufgrund des Gewichts der Hantel empfinde ich das Üben als ziemlich anstrengend. Die Bewegungen sind vor allem im Schulterbereich ungewohnt und erfordern viel Beweglichkeit im Oberkörper und Kraft im Bauch und Rücken. Ein wenig Geschicklichkeit ist auch gefordert: Im Schwungmoment muss man die Kettlebell kurz loslassen und in eine andere Griffposition gelangen. Meine Muskeln sind nach etwa 20 Minuten am Limit – aber aufhören? Kommt nicht infrage. Na gut, nach 40 Minuten, ich gestehe es ein, muss ich dann doch einen Gang runterschalten und mir eine leichtere Kettlebell geben lassen; die letzten Liegestütze mit engem Griff lasse ich großzügig weg.

Nach einer Stunde bin ich gut durchgearbeitet und von dem tollen Workout wirklich begeistert. Von muffiger Hantelschwinger-Atmosphäre oder Oldschool-Schwergewichtlern keine Spur, dafür intensives Core-Training und eine Menge innovativer Moves. Ein Manko gibt es dennoch: Durch die Schwungbewegungen, vor allem bei einer Aufwärtsbewegung des Arms, schlägt die Kugel gerne unsanft an die Außenseite des Handgelenks und verursacht leicht blaue Flecken. Laut Hersteller soll das an einer unsachgemäßen Handhabung liegen, aber meine Nachforschungen bei angehenden und bereits ausgebildeten Trainern haben ergeben: Mit diesen Folgen muss eigentlich jeder Kettlebell-Neuling rechnen.

Der Spaß am Üben wiegt die kleinen Blessuren jedoch locker auf: Wer ein intensives, forderndes Workout sucht und neue unkonventionelle Bewegungsabläufe mag, ist mit dem Training bestens bedient. Vor allem Leute, die Spaß am Langhanteltraining haben, werden sicher auf ihre Kosten kommen. Ein weiterer Pluspunkt: Die meisten Trainer achten bei der Gestaltung des Trainings auf die gleichzeitige Bewegung von Ober- und Unterkörper. Das hält den Puls oben – Ausdauertraining und Fettverbrennung sind garantiert!

Zur Homepage von Nina Winkler

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