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Patrick Ness und Siobhan Dowd »Sieben Minuten nach Mitternacht«

Patrick Ness und Siobhan Dowd »Sieben Minuten nach Mitternacht«

Vorbemerkung des Autors

Ich hatte nie das Glück, Siobhan Dowd persönlich zu begegnen. Ich kenne sie, wie wohl die meisten von Euch, nur dank ihrer großartigen Bücher. Vier packende Romane für junge Erwachsene, zwei davon zu ihren Lebzeiten veröffentlicht, zwei nach ihrem zu frühen Tod. Falls Ihr sie noch nicht gelesen habt, müsst Ihr dieses Versäumnis unverzüglich nachholen.

Dieses wäre ihr fünftes Buch geworden. sie hatte schon die Charaktere, ein detailliertes Exposé und einen Anfang. Was sie leider nicht hatte war Zeit.

Als ich gefragt wurde, ob ich mir vorstellen könnte, ihre Arbeit zu vollenden, habe ich gezögert. Was ich nicht tun wollte - nicht tun konnte - war, einen Roman zu schreiben, in dem ich versuchte ihre Stimme nachzuahmen. Damit hätte ich ihr, dem Leser, vor allem aber der Geschichte einen Bärendienst erwiesen. Ich glaube nicht, dass auf eine solche Weise je gute Literatur entstehen kann.

Gute Ideen haben es allerdings so an sich, weitere gute Ideen hervorzubringen. Und ehe ich mich versah, hatte Siobhan mich mit den ihren inspiriert und ich begann jenen Drang zu verspüren, nach dem jeder Schriftsteller sich sehnt: den Drang, Wörter aufs Papier zu bringen, den Drang eine Geschichte zu erzählen.

Ich hatte und habe das Gefühl, als sei ein Stab an mich weitergereicht worden; als habe eine besonders gute Schriftstellerin mir ihre Geschichte gegeben und gesagt: »Lauf. Lauf damit los. Stifte Unruhe.« Und das habe ich versucht. Unterwegs gab es für mich nur eine einzige Leitlinie: ein Buch zu schreiben, von dem ich glaubte, dass es Siobhan gefallen würde. Kein anderes Kriterium konnte letztlich zählen.

Und jetzt ist es an der Zeit, den Stab an Euch weiterzureichen. Geschichten hören nicht bei denen auf, die sie schreiben, egal wie viele von uns ins Rennen gegangen sind. Hier ist das, was Siobhan und ich uns ausgedacht haben. Und nun lauft. Lauft damit los.
Stiftet Unruhe.

Patrick Ness
London, Oktober 2010