Ennio Flaiano
Ennio Flaiano (1910–1972), geboren in Pescara, war einer der wichtigsten Drehbuchautoren des italienischen Nachkriegsfilms. Er studierte in Rom Architektur, schloss sein Studium jedoch nie ab. 1935 nahm er am italienischen Äthiopienfeldzug teil, obwohl er ein erklärter Anti-Militarist war; den Kriegsdienst zu verweigern war jedoch nicht möglich. Mit 29 begann er zu schreiben, zunächst Theater- und Filmkritiken, dann Theaterstücke und Drehbücher - das erste wurde 1942 verfilmt. «Alles hat seine Zeit» ist sein einziger Roman, für den er 1947 den damals erstmals verliehenen Premio Strega bekam.
Ennio Flaiano verfasste die Drehbücher zu mehr als sechzig Filmen und war dreimal für den Oscar nominiert. Federico Fellinis Meisterwerke, u. a. «La strada» und «La dolce vita», entstanden in enger Zusammenarbeit mit ihm.
«Fellini und Flaiano verband der entlarvende Blick für das Komische und Tragische hinter allen Erscheinungen. Doch im Gegensatz zu Fellini sah sich Flaiano lebenslang hingestellt vor die hohen, unüberwindlichen Mauern der eigenen Vergänglichkeit; ein großer Zerrissener, der durch all seine Erzählungen und Romane hindurch brillierte... In seiner Heimat Italien gilt der einst traurige Spötter längst als feste Größe: erfolgreich, geliebt und viel gelesen. Erfolg, jene Chimäre, der Flaiano kritisch und illusionslos gegenüberstand wie kaum ein Zweiter: 'Jeder Erfolg ist im Grunde ein Missverständnis'.»
Peter Henning, Berliner Zeitung