Jane Austen
Jane Austen (1775-1817) wurde in Steventon, Hampshire, geboren und wuchs im elterlichen Pfarrhaus auf. Nach Meinung ihres Bruders führte sie «ein ereignisloses Leben». Sie heiratete nie. Ihre literarische Welt war die des englischen Landadels, deren wohl kaschierte Abgründe sie mit feiner Ironie und Satire entlarvte. Psychologisches Feingefühl und eine lebendige Sprache machen ihre scheinbar konventionellen Liebesgeschichten zu einer spannenden Lektüre. Vor einigen Jahren wurde Jane Austen auch vom Kino wiederentdeckt: «Sinn und Sinnlichkeit» mit Emma Thompson und Kate Winslet gewann 1996 den Golden Globe als bester Film des Jahres und den Oscar für das beste Drehbuch; «Stolz und Vorurteil» mit Keira Kneightley war 2006 für vier Oscars nominiert.
«Unerschöpflich wirkt die Welt ihrer Erzählkunst gerade dadurch, dass deren äußere Grenzen klar gezogen sind. Sie umfasst ein paar Ortschaften im Süden und Südwesten Englands, befasst sich mit Geselligkeiten und Alltagssorgen des Landadels um 1800, zeigt das Leben jener drei bis vier Familien von Stande, die das Sozialgeflecht ihrer Geschichten bilden, und ist dabei mit so gewaltiger und doch dezenter Sprachkraft ausgestattet, dass sie in Wirkung und Erfolg sämtliche Schranken der Gesellschaft wie von Zeit und Raum hinter sich gelassen hat. Unter allen Werken der Weltliteratur sind Austens die bis heute populärsten - und dies nicht erst, seit sie von der Film- und Tourismusindustrie entdeckt wurden... Jane Austen verwendete viel Sorgfalt auf die Überarbeitung ihrer Romanmanuskripte, an denen sie vor der Veröffentlichung lange feilte. Wir dürfen uns an diese großen Texte halten, wenn wir je von den Abgründen der menschlichen Gefühlswelten, die unerwartet unter fein polierter Oberfläche aufbrechen, etwas ahnen wollen. Wer also den Geschichten und Geschicken Austenscher Figuren bislang nur auf der Leinwand folgte, tut gut daran, sich unbedingt als Nächstes den Romanen selbst zu widmen.»
Frankfurter Allgemeine Zeitung