Gebundenes Buch mit Schutzumschlag,
448 Seiten,
13,5 x 21,5 cm
ISBN: 978-3-630-87275-9
19,95
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20,60
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28,50*
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empfohlener Verkaufspreis
Verlag: Luchterhand Literaturverlag
Erscheinungstermin:
14. April 2008
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„Lautlos trat er von hinten an sie heran. Legte den Arm um ihren Hals, zog sie vom Fenster weg, wo sie die halbe Nacht auf ihn gewartet hatte. Dann verband er ihr die Augen mit einem Tuch. Dann zog er Heftpflaster von einer Rolle, verklebte die Lippen …“ Als der Student der Medizin und zukünftige Arzt Günter Rochus Konarske seine Verlobte Adele Möbius überwältigt, denkt er, er würde damit etwas Gutes tun. Er will sie ja nur auf diese Weise zum Standesamt entführen, wo sie seit langem schon planen zu heiraten. Adele sagt auch brav ja, sie kann diesen makabren Scherz aber nicht komisch finden. Doch dass sie fortan an der Seite eines gefährlichen Mediziners und skrupellosen Karrieristen lebt, erkennt sie leider viel zu spät.
Dabei war Günters Vater ein rührender Mensch. Beinahe über zwei Weltkriege hinweg hatte er seine Landarzt-Praxis in Lärchenau versehen. Seine Patienten liebten ihn. Nach den Sprechstunden setzte er sich mit wehendem Schal ans Klavier und spielte Bach und Mozart. Der weibliche Teil der Bevölkerung himmelte ihn an. Von dieser Sensibilität und diesem musischen Sinn hat sein Sohn allerdings nichts geerbt: Ihn beschäftigen Ampullen und Spritzen. Der silberne Glanz von Messern und Skalpellen übt eine magische Anziehungskraft auf ihn aus, der er sich nicht entziehen kann. Selbst seine Ehefrau, die glaubt, eine hochgestellte Prinzessin zu sein, obwohl sie in einem Kinderheim aufwuchs (war Hitler vielleicht sogar ihr Vater?), bezieht er in seine Experimente mit ein. Sie bekommt jeden Tag eine Spritze von ihm verabreicht und wird, ohne es selber zu bemerken, immer jünger, bis sie das Alter ihres gemeinsamen Sohnes erreicht. Um dieser unerträglichen Realität zu entfliehen, baut sie sich ein Leben im Wahn auf. Der „Rosenkavalier“ wird für sie zur Vorlage für ihr Leben.
Detailliert und farbig schildert sich das groteske Leben in der Provinz und spielt dabei gezielt mit Versatzstücken eines ganz speziellen Genres: des Arztromans. Zu den Guten und Schönen zählt Hensels Arztpaar nicht unbedingt, wohl aber sucht es wie in den einschlägigen Romanvorlagen wie alle anderen in Lärchenau nach Glück, Liebe und Erfolg. Dabei verstricken sich ihre Figuren in Scheinwelten und sehnsüchtig herbeiphantasierten Idyllen. Zwei aberwitzige Lebensläufe, die wie in einem Zerrspiegel gebündelt auch die deutsche Geschichte der letzten sechzig Jahre nochmals aufleben lassen.
Kerstin Hensel wurde 1961 in Karl-Marx-Stadt geboren. Sie arbeitete als Krankenschwester, studierte am Institut für Literatur in Leipzig und unterrichtet heute an der Hochschule für Schauspielkunst "Ernst Busch". Kerstin Hensel lebt in Berlin. Bei Luchterhand sind zuletzt erschienen: "Bahnhof verstehen" (Gedichte, 2001) und die beiden Romane "Im Spinnhaus" (2003) und "Falscher Hase" (2005). 2008 erscheint in der Sammlung Luchterhand ihr Lyrik-Band "Alle Wetter".
» Alle Wetter
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» Federspiel
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