Alcatraz ist nach Ihren ersten beiden Romanen der Mistborn-Trilogie und „Elantris“ Ihr viertes Buch. Welche Erfahrungen der ersten Romane kamen Ihnen bei diesem zugute?
Als ich Alcatraz schrieb, war ich gerade mit der Mistborn-Trilogie halb durch. Teil eins und zwei hatte ich in einem Rutsch durchgeschrieben, aber als es an den dritten Teil ging, zögerte ich. Die Mistborn-Romane sind epische Fantasy-Geschichten, und ich hatte so lang an ihnen gearbeitet, dass ich das Gefühl hatte, mal was ganz anderes zu machen. Also setzte ich mich hin und begann ins Blaue hinein zu schreiben, bemühte mich etwas ganz anderes zu schreiben. Humor und eine schnelle Handlung standen für mich dabei im Vordergrund. Das Ergebnis war „Alcatraz und die dunkle Bibliothek“! Wenn man so will, dann ist dieses Buch eigentlich eine Gegenreaktion auf meine vorherigen Romane. Ich wollte was anderes, was Kurzes, Schnelles und Lustiges schreiben, auf keinen Fall etwas, das lang und episch war.![]()
Kritiker haben „frappierende Ähnlichkeiten“ zu den Harry-Potter-Romanen festgestellt. Wo liegen denn die Unterschiede?
Mein Roman ist in erster Linie ein lustiges Buch, es hat Humor. Ich würde nicht so weit gehen zu sagen, dass es andere Fantasy-Romane parodiert, da mein Roman sich ja auf sein ganz eigenes Setting und seine ganz eigenen faszinierenden Charaktere konzentriert. Aber zugegebenermaßen verteilt es natürlich schon ein paar Seitenhiebe auf Bücher wie die Harry- Potter-Romane. Ziel der Alcatraz- Bücher ist es zu amüsieren. Ja, es geht um eine verborgene Welt der Magie, wie bei Harry Potter, aber das Konzept meiner Romane ist es, absichtlich lächerlich zu sein – indem sie die Standardklischees des Genres übertreiben, um etwas Originelles zu schaffen. ![]()
Normalerweise assoziiert man mit Bibliotheken und Bibliothekaren ja nichts Böses. Warum in Ihrem Roman?
Weil es witzig ist! Ich habe so viele Bücher über dunkle, geheime Verschwörungen und verborgene Teufelskulte gelesen. Diese Bücher neigen dazu, sich zu ernst zu nehmen. Und als die Zeit dafür reif war, meine eigene geheime Sekte zu entwickeln, die die Welt beherrscht, nahm ich mir vor, die unschuldigsten, nettesten Menschen, die ich mir nur denken konnte, dafür herzunehmen – Bibliothekare. Wer würde schon darauf kommen, dass die Welt ausgerechnet von Bibliothekaren beherrscht würde? ![]()
Wo steht Ihre Lieblingsbibliothek? Und: Warum ist sie Ihre Lieblingsbibliothek?
Ich denke, dass das die sagenhafte Bibliothek von Alexandria ist. Ich schreibe Fantasy und ich liebe Orte, die etwas Mystisches und von Weisheit Durchdrungenes besitzen. Manchmal frage ich mich, wie viel die Menschheit damals eigentlich verloren hat, als sie zerstört wurde. ![]()
Was für ein Mensch ist Alcatraz Smedry?
Er ist verwünscht: Was er berührt, geht kaputt. Kein Ding ist vor seiner schrecklichen Gabe sicher. Und dass ihm das eine Menge Schwierigkeiten einbringt, kann man sich ja vorstellen. Und so wird er, da er Waise ist, von Pflegefamilie zu Pflegefamilie weitergereicht, weil er immer irgendwas kaputt macht, das den Leuten wichtig ist, und sie ihn deshalb rausschmeißen. Das hat ihn abgestumpft und mehr als nur ein bisschen sarkastisch gemacht. Aus dieser Perspektive heraus erzählt der Roman, wie er mit der Entdeckung umgeht, dass sein Fluch in Wirklichkeit eine Zauberkraft ist – wenn er sie nur unter Kontrolle bringen könnte. ![]()
Hat Ihr mormonischer Background Ihre Arbeit beeinflusst?
Meine religiöse Erziehung lehrte mich Fragen zu stellen. Angehörige der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage werden darauf getrimmt, ihre Überzeugungen und vorschnelle Antworten in Frage zu stellen. Ich liebe diesen Ansatz und deshalb stelle ich in meinen Romanen viele Fragen. Ich denke nicht, dass Romane immer Raum bieten, Fragen zu beantworten. Daher erwähne ich in allem, was ich schreibe, auch nie meine Religion. Aber bin ich überzeugt, dass Romane sehr wohl der Ort sind, Fragen zu stellen, und meine Protagonisten haben oft Schwierigkeiten, wenn es darum geht, ihre eigenen Ideale, die Wahrheit betreffend, zu verstehen. ![]()
Eine letzte Frage: Was ist oder war Ihr Lieblingsbuch als Kind?
„Drachenblut“ von Jane Yolen. Ich habe diese Geschichte abgöttisch geliebt, und tu das noch heute. Anlässlich eines Fantasy-Kongresses brachte ich Jane dazu, mir das Buch zu signieren. Mein Gott, ich war in diesem Augenblick so stolz.
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