
© Mathias Bothor
Es geht um Burger, manchmal auch Eintöpfe oder Suppen, Fritteusen, Flaschenbier und im wahrsten Sinne des Wortes immer wieder um die Wurst. Jon Flemming Olsen, bekannt als Mitglied der Band Texas Lightning und als „Ingo“ in der TV-Comedy „Dittsche – das wirklich wahre Leben“, veröffentlicht nun sein erstes Buch „Der Fritten-Humboldt“. Spätestens der Untertitel verrät, was den Leser erwartet: „Meine Reise ins Herz der Imbissbude“. Genau genommen in 16 Imbissbuden, denn pro Bundesland gibt es eine Anlaufstelle für den „Fritten-Humboldt“ Jon Flemming Olsen. Als Praktikant verbrachte er je einen Tag hinter der jeweiligen Ladentheke, lernte die hohe Kunst des Currywurst-Schneidens oder die richtige Portionierung von Pommes, begegnete zahlreichen Stammkunden und wurde in Imbissbuden-Geheimnisse eingeweiht. Die 288 Seiten umfassen aber nicht nur einen Tätigkeits- und Erlebnisbericht, sondern erzählen auch die zahlreichen Schicksale der Imbissbuden-Besitzer, ihrer Familien oder Freunde und teilweise auch ihrer Kunden.

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Wurst mit Blattgold und die Kategorisierung von Imbissbuden
Einen Monat lang reiste der „Fritten-Humboldt“ durch Deutschland, 16 Arbeitstage absolviert er, circa 3.000 Kilometer fuhr er gegen den Urzeigersinn durch die Bundesländer, um seine Imbissbuden-Tour in dem Ort zu beenden, der für ihn mittlerweile fast ein zweites Zuhause sein dürfte: Die „Eppendorfer Grillstation“ in seiner Heimatstadt Hamburg, in der „Dittsche“ gedreht wird. Doch zurück zum Anfang, denn los ging es erst einmal im Nachbarbundesland Schleswig-Holstein in „Lude's Imbiss“. Lude, der laut Olsen an Schauspielgröße Curd Jürgens erinnert, begrüßte ihn dann auch mit einem typisch norddeutschem „Moin“ – der Startschuss für sein deutschlandweites Imbissbuden-Praktikum war damit gegeben. ![]()
Langweilig geht es im Buch nie zu, dafür sorgen allein die vielen Geschichten, die hinter den Besitzern stehen: Da ist zum Beispiel Fatma mit der sanften Stimme aus Frankfurt am Main, die ihre Familie mit der Imbissbude über Wasser halten musste. In Jena trifft Olsen auf Horscht, der im Imbiss „Fritz Mitte“ Exklusives anbietet: „Fritz de Luxe“ ist Wurst mit Blattgold verziert. Die Imbissbude in Sachsen-Anhalt ist allein deshalb schon eine besondere Station, weil es sie als einzige real nicht gibt und auch die Personen andere Namen erhielten – kein Wunder: schließlich erfuhr Jon Flemming Olsen in der wirklichen Imbissbude so einiges über schlechte Arbeitsbedingungen. Und in Berlin lernte er, dass Imbissbuden in „native“, „entwickelte“ und „definitive“ Imbissbuden eingeteilt werden können – je nachdem ob der Gast komplett draußen bleiben muss, sich unterstellen oder sogar hereinkommen kann.![]()
Imbiss ist Knochenarbeit

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Imbissbuden-Geheimnisse werden ebenfalls gelüftet – dass zum Beispiel eher aus einem komplett gefüllten Getränkekühlschrank gekauft wird, als aus einem fast leeren. Oder warum manche Wurst besser in der Fritteuse als auf dem Grill zubereitet wird. 16 Bundesländer, 16 Arbeitstage in 16 Imbissbuden – und doch ist es an keinem Ort wie an einem der vorigen oder der nachfolgenden. Das wird schon dadurch wiedergespiegelt, dass Jon Flemming Olsen immer wieder die jeweilige Mundart in sein Buch integriert – vom „Watt denn?“ im Ruhrpott-Dialekt bis hin zum sächsischen „Hättste wos gesogt“. Am Ende zieht der „Fritten-Humboldt“ sein Resümee und stellt dabei das fest, was er in fünf Jahren Dasein als Fernseh-Imbisswirt wohl nur ahnen konnte: „Imbiss ist Knochenarbeit. Man kann damit reich werden. Aber auch arm. Beides habe ich gesehen.“ Und es wird klar, dass nicht nur er „ins Herz der Imbissbude“ gereist ist, sondern diese – spätestens jetzt – den endgültigen Weg in sein Herz gefunden hat.
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