Wie entstand die Idee zu „Das Leonardo-Papier“?
Diese Frage beantworte ich gern, weil es für diesen Roman tatsächlich eine ganz konkrete Inspiration gab. Vor einigen Jahren las ich Bill Brysons wunderbares Sachbuch „Eine kurze Geschichte von fast allem“. Sein Kapitel über die „Steineklopfer“, die Pioniere der Geologie vor allem in Großbritannien, hat mich sehr begeistert, und als ich über einen neuen Roman nachdachte, fielen mir diese frühen Geologen sofort wieder ein. Spannend finde ich dabei vor allem, dass hier Jahrzehnte vor Darwin ein Spannungsfeld zwischen Naturwissenschaft und christlichem Glauben entstand. Und es gab einige wirklich skurrile Typen unter diesen Geologen, die ich leider nicht alle im Roman unterbringen konnte. ![]()
Haben Sie selbst schon einmal nach Fossilien gesucht? Falls ja: Wurden Sie fündig?
Ja, als Kind habe ich Fossilien gesucht und einmal sogar einen Stein mit kleinen Abdrücken gefunden, der mir irgendwann leider abhanden gekommen ist. Ich erinnere mich auch noch an den „Was ist Was“-Band „Mineralien und Gesteine“. Da muss ich wohl schon einen frühen Hang gehabt haben.
Während ich am Roman schrieb, war ich auch in Lyme Regis an der englischen Südküste, wo ein Kapitel spielt. Dieser Küstenabschnitt wurde wegen seiner ungeheuren geologischen Bedeutung zum UNESCO-Welterbe ernannt. Ich selbst habe in der kurzen Zeit, die mir blieb, leider nichts Interessantes am Strand gefunden. ![]()
Wie lange hat der Schreibprozess von der ersten Idee bis zum druckreifen Manuskript gedauert?
Ich recherchiere meist parallel zum Schreibprozess, sodass man es nicht ganz genau in Wochen oder Monate fassen kann. Brysons Buch habe ich im Winter 2006/2007 gelesen und circa im April 2007 mit der Arbeit am Roman begonnen. Danach habe ich ungefähr fünfzehn Monate an „Das Leonardo-Papier“geschrieben. ![]()
Wollten Sie während des Schreibens irgendwann „das Handtuch werfen“? Und was hat Sie dann dazu bewogen, weiterzuschreiben?
Nein, nie. Es gab kleine Durchhänger, aber ich war schon sehr überzeugt von der Idee. ![]()
Sie schreiben historische Romane – was fasziniert Sie ausgerechnet an diesem Genre?
Mir gefällt es, von Menschen zu erzählen, die unter anderen Bedingungen und in anderen kulturellen Zusammenhängen leben. Dazu begebe ich mich nicht ins Mittelalter oder in die Antike, sondern finde gerade jene Epochen spannend, die auf den ersten Blick gar nicht fremd erscheinen und letztlich doch weit weg sind, wenn man sich näher mit ihnen beschäftigt. „Das Leonardo-Papier“ spielt vor nicht einmal zweihundert Jahren, und doch ist die kulturelle und technische Kluft zur heutigen Zeit ungeheuer groß. Natürlich setze ich mich dabei auch mit der Rolle der Frauen in der jeweiligen Zeit oder Gesellschaftsschicht auseinander, so auch bei Georgina, die ein selbstbestimmtes Leben führen möchte, obwohl dies für Frauen in jener Zeit nur sehr schwer möglich war. ![]()
Wann haben Sie gemerkt, dass Sie Talent fürs Schreiben haben?
Ich habe schon in der Grundschule sehr viel gelesen. Ich glaube, daraus erwächst bei vielen auch der Wunsch, sich selbst daran zu versuchen. Meinen ersten „Roman“ habe ich in der Grundschule begonnen. Leider ist er nicht über die ersten Kapitel hinaus gediehen, aber ich hatte immerhin schon den Titel gefunden, was ja nicht immer leicht ist, und das Cover entworfen.
Irgendwann wurde mir klar, dass ich neben dem Übersetzen noch etwas anderes machen möchte, hatte aber lange keine Idee, für die ich mich genügend hätte begeistern können. 2001 war die Idee endlich da. Ich stellte mich selbst vor die Entscheidung, meine Dissertation weiterzuschreiben oder mich an etwas eigenem Literarischen zu versuchen. Letztlich ist mir die Entscheidung nicht schwergefallen. ![]()
Bei welchem historischen Ereignis wären Sie gern dabei gewesen?
Beim Mauerfall 1989. Oder bei der Mondlandung. ![]()
Wenn Sie ein historisches Ereignis rückgängig machen könnten, welches wäre es?
Die Geburt von Adolf Hitler und Josef Stalin. Wenn ich überlege, fallen mir sicher weitere Kandidaten ein. Dazu sämtliche Kriege der Weltgeschichte. Die Attentate auf Kennedy und M. L. King. Auf einer banaleren Ebene: die Erfindung der Telefonwerbung und der Wegwerf-Handys. ![]()
Wenn Sie sich eine Zeit aussuchen dürften, in der Sie leben könnten, welche wäre es?
Ich möchte in keiner anderen Zeit als der heutigen leben. Es reicht mir, über andere Epochen zu schreiben. Allein die Vorstellung, wie viele Freunde und Verwandte ohne die moderne Medizin nicht mehr am Leben wären, treibt mir die nostalgische Sehnsucht nach früheren Jahrhunderten gründlich aus. Ebenso die Tatsache, dass ich nie einen Krieg in Mitteleuropa erlebt habe oder als Frau kaum so viele Freiheiten gehabt hätte.
Ganz spannend fände ich aber die Idee eines Zeit-Urlaubs. Zwei Wochen Renaissance oder ein Wochenendtrip ins Berlin der 1920er-Jahre wären schon toll. ![]()
Welcher Figur aus „Das Leonardo-Papier“ möchten Sie gern einmal im realen Leben begegnen und was würden Sie ihm oder ihr sagen?
Ich würde gern mit William Buckland über die Geschichte unserer Erde diskutieren und ihm erzählen, was die Wissenschaft heute weiß. Seine Menagerie hätte ich auch gern besichtigt. Auch wäre es spannend, mit Mary Anning durch die Klippen zu klettern und Fossilien zu suchen. Ihr würde ich erzählen, dass sie heute als frühe Paläontologin anerkannt ist und ihre Funde im Natural History Museum ausgestellt werden. Darüber würde sie sich sicher freuen. ![]()
Arbeiten Sie bereits an einem neuen Roman und, wenn ja, wovon wird er handeln?
Er wird im Berlin der 1870er-Jahre spielen und von einer Frau erzählen, die einem Maler mit rätselhafter Vergangenheit begegnet und sich daranmacht, sein Geheimnis zu entschlüsseln. ![]()
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