Hans Conrad Zander präsentiert Jesus als Familienzerstörer.![]()
Diesmal hat der katholische Satiriker Zander nicht nur ein witziges Buch geschrieben, er hatte auch eine kluge Grundidee: Der erste Single - Jesus, der Familienfeind liest die Bibel als permanenten Revolutionsaufruf wider den Familienmief. Für diese These liefert das Buch gute Argumente: Von Jesus angefangen, der mit seiner Sippschaft nichts anzufangen wusste, über Paulus, den bekennenden Single ("Ich wünschte, alle wären unverheiratet"), Franz von Assisi, Katharina von Siena - Zander präsentiert eine eindrückliche Reihe von Heiligen, die sich gegen die eigene Sippe wandten und den Wahlverwandtschaften den Vorzug gaben.![]()
Das geht, wie immer bei Zander, nicht ganz ohne Blödeleien ab, ist aber insgesamt gerade für Neulinge angenehm zu lesen. Wer noch nie die nichtoffizielle Version des Apostelstreites gelesen hat, findet hier einen unterhaltsamen Einstieg in die Geschichte des Christentums.![]()
Ein Abschlußkapitel widmet sich der Entstehung der "Heiligen Familie", der Dreifaltigkeit, und warum der Kölner Kardinal Meissner theologisch eher blässlich wirkt. Wie überhaupt Zanders Buch sich vor allem an die gegenwärtige Kirche richtet. Jede Religion, schreibt er, verknöchert im Zeitraum von 300 Jahren. Dann muss einer kommen und alles umschmeißen, damit man sich wieder an die Ursprünge erinnert.
Ob der Laden das Wert ist - die Frage stellt sich für den fröhlichen Katholiken Zander nicht.![]()
Erich Sauer, 10/2010
Ultimo, Bielefeld
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