
Es ist überhaupt keine Frage: Der Laufschuh ist der wichtigste Ausrüstungsgegenstand des Läufers. Doch für viele Läufer wird das Kaufen der Laufschuhe zu einer großen Wissenschaft. Dabei gibt es diverse Schuhvarianten, die mehr oder weniger sinnvoll sind. Dr. Matthias Marquardt berät Sie bei Ihrer Entscheidung.
Moderne Laufschuhe tragen mehr denn je zu einem komfortablen Lauftraining bei und bieten eine gute Unterstützung für den Läufer. Über die Jahre wurden verschiedene Arten von Laufschuhen entwickelt, die für unterschiedliche Einsatzbereiche sehr nützlich sind.![]()
Cushion- oder Neutralschuhe
Das sind sehr stark gedämpfte Schuhe für den Einsatz im Training, die über keine Stützsysteme an der Innenseite verfügen. Die Schuhe sind sehr komfortabel, jedoch oftmals zu stark gedämpft, was zu einer sehr dicken Zwischensohle führt. Die Sohlen der Schuhe sind besonders für den Straßenlauf ausgelegt. Wenn Sie sich für einen Cushion-Schuh interessieren, sollten Sie auf ein möglichst flaches Modell mit möglichst straffer Dämpfung achten.![]()
Stabil- oder Bewegungskontrollschuhe
Die sogenannten Stabilschuhe verfügen über Pronationsstützen an der Innenseite des Schuhs in unterschiedlicher Ausprägung. Somit sind diese Schuhe nur für Läufer mit Überbeweglichkeiten im Knöchelbereich geeignet. Wenngleich die Schuhhersteller es nicht extra betonen, verfügen die Schuhe doch über eine ausgeprägt gute Dämpfung, für die die gleichen Dämpfungssysteme zum Einsatz kommen wie in den reinen Dämpfungsschuhen. Wenn Sie sich für einen Stabilschuh interessieren, sollten Sie im Vorfeld klären, ob Sie tatsächlich eine Überbeweglichkeit in Ihrem Bewegungsablauf haben.![]()
Lighttrainer
Lighttrainer sind leichte Trainingsschuhe, die sich durch eine flache Bauweise und eine nur moderate Dämpfung ausweisen. Waren sie ursprünglich eher für den ambitionierten Läufer beim zügigen Training gedacht, so stellen sie nach heutigem Kenntnisstand den besten Kompromiss aus gutem Gefühl für den Untergrund und angemessener Dämpfung dar. Es gibt Lighttrainer mit leichten Stützsystemen auf der Innenseite und Lighttrainer ohne diese. Wenn Sie sich für den Kauf eines Lighttrainers interessieren, muss auch in diesem Fall nach Überbeweglichkeiten im Bewegungsablauf geschaut werden. Nur wenn Letztere vorhanden sind, sollte eine Stütze verwendet werden.![]()
Trailschuhe
Trailschuhe sind spezielle Laufschuhe für den Einsatz im Gelände. Eigentlich würde man von einem Geländeschuh eine sehr profilierte Sohle mit flacher Bauweise und hoher Flexibilität erwarten. Denn vor dem Umknicken schützt Sie nicht der Schuh, sondern Ihre gut ausgebildete Unterschenkelmuskulatur! Die Sportartikelindustrie versteht unter einem Trailschuh oft etwas anderes. Es werden hier meistens übliche Dämpfungs- oder Stabilschuhe mit dunkel gefärbtem Obermaterial und profilierten Sohlen sowie wasserdichten Membranen angeboten. Diese Schuhe sollen beim Lauf auf befestigten Wegen mit der einen oder anderen Pfütze im Herbst für trockene Füße sorgen. Wirklich geländegeeignet sind diese Schuhe eigentlich nicht. Wenn Sie sich für einen Trailschuh interessieren, dann sollten Sie auf eine wirklich griffige Sohle und eine flache Bauweise achten.![]()
Wettkampfschuhe
Schuhe für den Wettkampfeinsatz sind besonders flach und idealerweise mit einer harten Sohle ausgestattet. Je härter die Sohle des Laufschuhs, desto effektiver ist der Abdruck des Läufers vom Untergrund. Läufer mit einer perfekten Technik laufen diese flexiblen Schuhe teilweise auch im Training. Einsteiger sollten jedoch die sogenannten Lighttrainer verwenden. Wenn Sie sich für einen Wettkampfschuh interessieren, so sollten Sie über eine ausreichend gekräftigte Fußmuskulatur und eine möglichst optimale Lauftechnik verfügen.![]()
Fußtrainer
Alle eben genannten Laufschuhe haben einen großen Nachteil: Die gut schützenden Sohlen sorgen dafür, dass die Fußmuskulatur viel weniger gebraucht wird als beim Barfußlaufen auf Rasen oder Sandboden. In den letzten zehn Jahren wurden daher drei wegweisende Konzepte zum Training der Fußmuskulatur für das Laufen vorgestellt. Der einzige Nachteil der sogenannten Fußtrainer liegt darin, dass zahlreiche Läufer mittlerweile so schwache Fußmuskeln haben, dass sie ihr übliches Lauftraining in diesen Schuhen nur auf sehr kurzen Strecken durchführen können. Andernfalls würden die Muskeln überlastet. So sinnvoll der Einsatz der Fußtrainer ist und so sehr ich Ihnen diesen empfehlen möchte, so sehr müssen Sie aber auch auf einen vorsichtigen Trainingsaufbau mit diesen Schuhen achten. Seit vielen Jahren verwenden wir auf unseren Laufseminaren spezielle Fußtrainer, in denen die Füße unserer Läufer geschützt sind, jedoch in ihrer natürlichen Funktion nicht behelligt werden. Man setzt diese Fußtrainer für kurze Läufe von 15 Minuten oder das Lauf-Abc ein. Der Fuß ist im Fußtrainer geschützt vor Kälte, Fremdkörpern und Schmutz, wird aber allumfassend gekräftigt. Regelmäßiges Training im Fußtrainer hat sich als wirksame Prophylaxe von Laufbeschwerden erwiesen.![]()
Fivefingers
Die sogenannten Zehenschuhe, in denen sich tatsächlich jede Zehe einzeln bewegen kann wie in einem Handschuh, haben sich als hervorragendes Trainingsinstrument für müde Füße von Großstadtbewohnern bewährt. Man kann sie sowohl für kurze Läufe auf Rasen oder Sandboden einsetzen als auch für Wanderungen im Gelände mit weichem Untergrund. Die Fivefingers führen zu einer angenehmen, diskreten Spreizung der Zehen, die üblichen Fußverformungen gut vorbeugt. Auch die Zehenschuhe beeinflussen die natürliche Fußbewegung kaum.![]()
Nike Free
Mit seinen tief gekerbten Sohlen, die ein vollständiges Aufklaffen der Zwischensohle im Moment des Abdrucks ermöglichen, gibt der Nike Free trotz laufschuhtypischer Sohlendicke ein nahezu unverfälschtes Bewegungsgefühl für den Fuß. Studien bewiesen den förderlichen Effekt dieser Sohlenkonstruktion auf die Fußmuskulatur. Der Nike Free ist der einzige Fußtrainer, der auch für Asphalt und befestigte Wege geeignet ist. Natürlich ist er nicht so effektiv wie typische Fußtrainer oder die Fivefingers, stellt aber einen idealen Kompromiss für den Laufeinsteiger dar, der seine Füße kräftigen mochte.
Auf einen Blick
Cushionschuh:
Dämpfung: übermäßig | Stützen: keine | Absatzhöhe: zu hoch | Torsionsfähigkeit: schlecht | Gewicht (Gr. 44): 350–450 g | Flexibilität im Vorfuß: unzureichend | Eignung für natural running: nein![]()
Stabilschuh:
Dämpfung: übermäßig | Stützen: mittlere bis starke | Absatzhöhe: zu hoch | Torsionsfähigkeit: schlecht | Gewicht (Gr. 44): 400–500 g | Flexibilität im Vorfuß: unzureichend | Eignung für natural running: nein![]()
Lighttrainer:
Dämpfung: gut | Stützen: gestützte und ungestützte Modelle | Absatzhöhe: mittel | Torsionsfähigkeit: gut | Gewicht (Gr. 44): 300–400 g | Flexibilität im Vorfuß: okay | Eignung für natural running: ideal![]()
Wettkampfschuh:
Dämpfung: wenig | Stützen: meist keine | Absatzhöhe: gering | Torsionsfähigkeit: sehr gut | Gewicht (Gr. 44): 150–250 g | Flexibilität im Vorfuß: gut | Eignung für natural running: ideal, aber nur für erfahrene Läufer mit optimaler Technik und kräftiger Fußmuskulatur![]()
Fußtrainer/Fivefingers:
Dämpfung: keine | Stützen: keine | Absatzhöhe: keine | Torsionsfähigkeit: sehr gut | Gewicht (Gr. 44): 100–150 g | Flexibilität im Vorfuß: sehr gut | Eignung für natural running: gut geeignet für kurze Läufe von 15 Minuten auf natürlichen Belägen![]()
Nike Free:
Dämpfung: wenig | Stützen: keine | Absatzhöhe: mittel | Torsionsfähigkeit: sehr gut | Gewicht (Gr. 44): 250–300 g | Flexibilität im Vorfuß: sehr gut | Eignung für natural running: gut geeignet für kurze Läufe von zunächst 3 Kilometern, später kann der Umfang erhöht werden
Dr. med. Matthias Marquardt77 Dinge, die ein Läufer wissen mussTypische Irrtümer und neueste Erkenntnisse Dichtung und Wahrheit Kaum vorstellbar: 16 Millionen Menschen in Deutschland joggen regelmäßig und immer noch denken einige dabei an ausgemergelte Asketen, die um fünf Uhr morgens ihr tägliches... |
Erscheinungstermin: April 2009 Paperback
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Dr. med. Matthias MarquardtHalbmarathon & MarathonDas beste Training für jeden Lauftyp Für die verschiedenen Lauftypen – das ganze Wissen des Laufspezialisten Die Distanzen für Halbmarathon und Marathon erfreuen sich bei Laufsportlern immer größerer Beliebtheit. Doch wie lässt sich die Strecke von ca. 21 oder 42 Kilometern tatsächlich... |
Erscheinungstermin: März 2010 Paperback
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