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Lebens(t)raum | Liebe & Sex

Wie Sie in Ihrer Beziehung glücklich werden

Schritte 6 bis 11 von Berit Brockhausen

Wenn Sie in Ihrer Beziehung bekommen möchten, was Sie wirklich wollen, dann lernen Sie das Wünschen. Denn wer sich aus freiem Willen und selbstbewusst dafür entscheidet, zu seinen Wünschen zu stehen und die des Partners ernst zu nehmen, der wird nicht nur bekommen, was er will, sondern noch viel mehr. Hier finden Sie die Schritte 6 bis 11 auf Ihrem Weg zu einer Partnerschaft, die Sie rundum glücklich macht.

 
 

Schritt 6: Hinterfragen Sie, was Sie für selbstverständlich halten. »Das wäre doch das Normalste auf der Welt, dass er auch mal nach den Kindern schaut … sie mich mal in den Arm nimmt …« Ist es das wirklich? Welche Vorstellungen stecken dahinter? Wie sollte Liebe sein? Wo ist das festgelegt? Wer hat das alles unterzeichnet? Wo kann man das einklagen? Wohlgemerkt: Es ist nicht die Rede davon, dass Sie sich nicht wünschen dürfen, dass Ihr Partner Sie begehrt. Dass Ihre Partnerin sich für Ihre Sorgen und Nöte interessiert. Dass der andere sich am Haushalt beteiligt. Die Frage ist, warum Sie der Meinung sind, dass der andere es Ihnen schuldet. Das tut er nicht – egal wie viele Vorleistungen Sie möglicherweise gemacht haben, er kann sich immer auch dagegen entscheiden. Und egal, wie ungerecht Sie das finden, wie verzweifelt Sie sind, wie betrogen und ausgeliefert Sie sich fühlen – wenn er es nicht will, können Sie ihn nicht zwingen. Akzeptieren Sie diese Abhängigkeit und machen Sie sich klar, dass auch Sie die Freiheit haben, zu entscheiden, auf welche Bedürfnisse Ihres Partners Sie eingehen wollen. Erst dann werden Sie sich wieder als ebenbürtiges Gegenüber empfinden und können selbstbewusst etwas dafür tun, damit Ihr Liebster Ihren Wunsch erfüllen will.

Schritt 7: Überprüfen Sie selbstkritisch Ihre eigenen Strategien, mit denen Sie in Ihrer Beziehung versuchen zu bekommen, was Sie brauchen. Nehmen Sie wieder ein Blatt Papier und notieren Sie die Situationen, in denen Sie in den vergangenen zwei Monaten etwas von Ihrem Partner wollten. Schreiben Sie daneben, mit welchen Worten Sie versucht haben, ihn dazu zu bringen, Ihren Wunsch zu erfüllen (Sie können auch die Aufstellung ergänzen, die Sie bereits gemacht haben). Vermeiden Sie die Abhängigkeit der Liebe, indem Sie an den Partner appellieren? Ihn für Ihr Glück verantwortlich machen? Ihm vermitteln, wie stark und kompetent er ist und wie sehr Sie als die Schwächere und Ungeschickte auf seine Unterstützung angewiesen sind? Wie erfolgreich waren Sie damit? Ja, aber ich meine, wirklich erfolgreich? Angenommen, er ist zähneknirschend mit in die Oper gegangen, wie viel Spaß hatten Sie an diesem Abend tatsächlich zusammen? Je aufmerksamer Sie für Ihre eigenen Manöver sind, desto mehr bereit werden Sie sein, andere Umgangsweisen zu lernen.

Schritt 8: Wechseln Sie die Perspektive und sehen Sie sich mit den Augen Ihres Partners. Sie fühlen sich als armes Hascherl? Das ist leider nur die halbe Wahrheit. Die andere Hälfte erkennen Sie, wenn Sie sich fragen, was er in diesem Moment in Ihnen sieht. Eine, die die Macht hat, ihm seinen Wunsch nach Nähe und Anerkennung zu verweigern. Eine, die in der Position ist, Forderungen zu stellen und ihn damit unter Druck zu setzen, weil er sie liebt. Eine, die einen langen Atem und ein gutes Gedächtnis hat, wenn es darum geht, ihn an seine Verfehlungen zu erinnern. Eine, die ihm das Leben schwer machen kann … Plündern Sie die Spielzeugkisten Ihrer Kinder oder Neffen und suchen Sie sich Figuren heraus, die Sie für sich selbst und für den Partner geeignet finden. Oder versuchen Sie einmal zu zeichnen, welches Tier Sie wohl in den Augen Ihres Partners wären. Welches würden Sie für sich selbst wählen? Und für welche würde er sich wohl entscheiden? Machen Sie sich klar, dass Sie abhängig, aber nicht ohnmächtig sind. Das arme kleine Hascherl ist genauso wenig wahr wie das Monster, das er in Ihnen sieht. Denn Sie wollen nicht nur etwas, Sie haben auch etwas zu geben. Und zwar etwas, was er wirklich braucht und will: Interesse, Unterstützung, Wertschätzung, Zärtlichkeit, Begehren … Es gibt keinen Grund für einen von Ihnen zu verzweifeln. Finden Sie lieber heraus, was nötig ist, damit jeder von Ihnen geben und bekommen kann, was er braucht.

Schritt 9: Sie müssen sich entscheiden: Wollen Sie recht haben oder wollen Sie, dass Ihre Wünsche und Bedürfnisse erfüllt werden können? Das ist keine rhetorische Frage. Denn: Wenn es Ihnen nicht ums Rechthaben geht, gilt es, sich in den Auseinandersetzungen mit dem oder der Liebsten nicht mehr in Argumenten, Klagen oder Verteidigungsreden zu verlieren. Sondern es gilt, innerlich den Kurs zu halten. Das bedeutet: Konzentrieren Sie sich stattdessen auf das, was Sie vom anderen bekommen möchten. Was Sie für diese ausgesprochen erwachsene und selbstbewusste Haltung unbedingt brauchen: Das Wissen, dass Ihr Wunsch möglicherweise nicht (sofort) erfüllt wird.

Schritt 10: Machen Sie sich Gedanken darüber, was Sie selbst dafür tun können, damit es Ihnen auch mit einem (zunächst) unerfüllten Wunsch gut geht. Sie können Ihren Partner nicht zwingen. Also tun Sie gut daran, sich selbst und Ihre Bedürfnisse ernst zu nehmen. Wenn Sie Ihre reale Abhängigkeit akzeptieren (»ich kann ihn nicht zwingen«), ohne sich zusätzlich von ihm abhängig zu machen (»er kann mich nicht zwingen, länger zu warten, als ich mich wohlfühle«), dann gibt es keinen Grund für Vorwürfe. Wohl aber gute Gründe für Enttäuschung. Akzeptieren Sie Ihre Enttäuschung. Es kann sein, dass Sie Konsequenzen daraus ziehen und (weil Sie eben nicht ohnmächtig sind) etwas dafür tun müssen, damit es Ihnen gut geht. Und wenn es nicht das erste Mal ist, dass Ihre Bedürfnisse nicht erfüllt werden, und Sie spüren, dass der Spielraum erschöpft ist, kann es sein, dass Ihre Reaktion deutlicher ausfällt: »Können wir uns in der kommenden Woche bitte mal für zwei Stunden treffen? Ich würde gern mit dir besprechen, ob wir einen Weg finden, wie wir unsere unterschiedlichen Bedürfnisse miteinander vereinbaren – oder ob wir vielleicht einfach zu verschieden sind und uns, ohne es zu wollen, immer wieder verletzen.« Ich gebe zu, diese fiktive Reaktion ist idealtypisch. Aber die Richtung wird klar, oder?

Schritt 11: Finden Sie heraus, was Sie wollen und was Ihre Bedürfnisse sind. Und zwar so konkret wie möglich. Also bitte nicht: »Ich bräuchte jetzt etwas Entspannung.« Sondern fragen Sie sich, was Ihnen ganz genau zur Entspannung verhelfen würde: Ein heißes Bad? Ein Mittagsschlaf? Eine Runde Joggen im Park? Aus dem Fenster schauen und träumen? Das gilt genauso für die Wünsche und Bedürfnisse, die Sie an den Partner richten. Zu sagen: »Ich brauche Wertschätzung von dir«, gilt nicht. Werden Sie bitte genauer! Zum Beispiel so: »Ich wünschte, er würde mir zeigen, dass er sich über den aufgeräumten Keller freut, dass er mir eine Kleinigkeit zum Hochzeitstag hinstellt, dass sie eine Flasche Sekt zum bestandenen Examen aufmacht, dass er mir zeigt, wie er mich begehrt, indem er mir kleine Anzüglichkeiten ins Ohr flüstert …« Wenn es Ihnen schwerfällt herauszufinden, was Sie ganz konkret brauchen, empfehle ich Ihnen eine Übung: Stellen Sie eine Uhrzeit ein (mindestens alle vier Stunden) und fragen Sie sich dann: Worauf hätte ich jetzt wirklich Lust? Und sobald Sie das herausgefunden haben, machen Sie einfach weiter mit dem, was Sie tun oder tun müssen.

 

Berit Brockhausen

Warum machst Du mich nicht glücklich?

Wie Sie in Ihrer Liebesbeziehung wirklich bekommen, was Sie wollen (und noch viel mehr)

Zu seinen Bedürfnissen und Wünschen stehen

Der Schlüssel für eine glückliche Partnerschaft liegt im Selbstverständnis und im Umgang mit den Wünschen und Bedürfnissen der Liebenden. Am Anfang sehen sich die Partner durch...

Erscheinungstermin: Mai 2010

Paperback

  • Lebenshilfe & Psychologie
 
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