
Der Leiterin einer kalifornischen Stillklinik, Kittie Frantz, verdanken wir die Erkenntnis, dass viele Stillprobleme – wie wunde Brustwarzen, Milchmangel, beeinträchtigter Milchflussreflex und Blähungen beim Baby – hauptsächlich auf falschem Anlegen beruhen. Hier erfahren Sie, wie sich diese Probleme durch richtiges Anlegen vermeiden lassen und Mutter und Kind das Stillen als kostbare Zeit gemeinsam genießen können. Die Mutter wird hierbei in der Du-Form angeredet.
In der Bergehaltung liegt dein Baby in deiner Armbeuge oder auf deinem Unterarm so, dass die Nase des Babys deiner Brustwarze gegenüberliegt. Stütze jetzt mit der anderen Hand deine Brust – die Handfläche seitlich, die Finger unterhalb der Brust, der Daumen oberhalb (dies wird C-Griff genannt). Achte darauf, dass Finger und Daumen dabei hinter dem Warzenhof liegen, da dein Kind beim Anlegen so viel wie möglich davon erfassen soll. Wenn du deine Brust so hältst, kannst du leicht mit deiner Brustwarze die Unterlippe deines Babys sanft »kitzeln«. Kitzele geduldig so lange, bis es den Mund weit aufsperrt, so, als ob es gähnen würde – die Lippen nach außen gestülpt, die Zunge saugbereit unten in der Mundhöhle.
Wenn du die Brustwarze zu fest gegen die Lippe drückst, erkennt das Kind den Reiz nicht als solchen und öffnet nicht den Mund. Wenn du dein Baby zu früh an dich ziehst, bevor es den Mund weit geöffnet hat, erfasst es insgesamt nicht genug Brust.
Sperrt es ihn also auf wie ein hungriges Vöglein, nutze die Gunst des Moments: Ziehe dein Baby rasch ganz nah an dich heran, und zwar so, dass deine Brustwarze geradewegs in die Mitte seines Mundes oberhalb seiner Zunge zu liegen kommt. Seine Nasenspitze und sein Kinn berühren dabei deine Brust (es wird trotzdem Luft bekommen!), und seine Knie berühren deinen Körper.
Bei einer Variante der Bergehaltung – der Kopfbergehaltung – stütze deine Brust mit derselben Hand, während die andere Hand den Kopf deines Babys führt.
Mit Hilfe von Zunge, Wangen und Unterkiefer zieht dein Baby die Brustwarze mitsamt Warzenhof (1/3 Warze, 2/3 Brust) bis an den hinteren Teil seines Gaumens, wobei diese sich länglich verformt und nicht durch Reiben verletzt werden kann. Die Zahnleisten deines Babys drücken auf den Warzenhof, und seine Zunge streicht bei der einsetzenden Saugbewegung mit einer wellenartigen, rollenden Bewegung (3000–4000-mal pro Mahlzeit!) die Milch rhythmisch aus den darunter liegenden Milchseen zur Brustwarze hin aus und bringt sie in seinen Rachen. Mit seinen anfänglichen, eher hastigen Saugbemühungen aktiviert es den Milchflussreflex. Danach kannst du hören und sehen, wie ein, zwei langsame, andächtige Saugbewegungen von einer Schluckbewegung gefolgt werden. Im Laufe der Mahlzeit schluckt das Baby weniger häufig. Wenn es Grübchen in den Wangen bekommt oder schnalzende Laute macht, deutet dies darauf hin, dass es nicht wirkungsvoll und richtig saugt.
Wenn du meinst, dass dein Baby nicht frei atmen kann, ziehe seinen Po noch näher zu dir heran oder hebe deine Brust mit deiner stützenden Hand etwas an.
Drücke aber nicht mit Finger oder Daumen auf die Brust dort, wo die Nase des Babys liegt; dadurch könnte nämlich die Brustwarze herausschlüpfen oder verrutschen und dann einseitig belastet werden, mit möglichen unangenehmen Konsequenzen. Oder es könnte ein Milchgang dadurch abgedrückt werden.
Die Brustwarzen können auch wund werden, wenn ein Kind an der Brust saugt, während sein Körper zur Decke zeigt und sein Kopf sich seitlich verdrehen muss. Ohr, Schulter und Oberarm sollen eine Linie bilden.
Manche Babys, die zwischendurch eine Flasche erhalten und dann wieder an die Brust kommen, erfahren Saugverwirrung. Durch die andersartige Zungenbewegung beim Trinken aus der Flasche öffnen sie möglicherweise den Mund nur weit genug, um die Brustwarze, nicht aber den Warzenhof mit zu erfassen, und verletzen dadurch die Warze. Wenn zwischendurch einmal etwas anderes gegeben werden muss, ist es besser, bei Bedarf mit Löffelchen, Becher, Pipette oder Spritze zu füttern.
Wenn deine Brust zu voll ist und dein Baby Schwierigkeiten hat, deine Warze mit Warzenhof zu erfassen, drücke in einem warmen Wasserbad oder unter der Dusche etwas Milch mit der Hand aus Wenn nur mühsam Milch aus der Brust fließt, benutze nährende Berührung oder Massage, um den Milchflussreflex zu stimulieren.
In den ersten Tagen und Wochen regt häufiges Saugen an beiden Brüsten die Milchproduktion an und erhöht die Milchmengen. Lass dein Kind an einer Seite so lange trinken, bis du am Saugen merkst, dass der Milchfluss offensichtlich nachlässt und auch sein Interesse abklingt.
Vertraue darauf, dass du die Signale deines Kindes verstehen wirst. Anfangs kann es ein paar Minuten dauern, bevor der Milchflussreflex ausgelöst wird und die nahrhafte Milch fließt. Zudem ist ziemlich lange Saugstimulierung (15 bis 20 Minuten) erforderlich, bis genügend Prolaktin für die weitere Milchbildung ausgeschüttet wird. So lange lass dein Kind auf jeden Fall an der Brust.
Nach einer Pause zum Aufstoßenlassen spüre, ob dein Baby noch Interesse an der anderen Brust zeigt.Wenn ja, lass es saugen, so lange es mag und so lange es wirklich saugt. Du brauchst nicht auf die Zeit zu achten. Lass dich von deinem Baby führen, und lass es seinen eigenen Rhythmus finden.
Indem du dich an ihm orientierst, kannst du sicher sein, dass es die richtige Mischung von durststillender Vorder- und nährender Hintermilch bekommt, wenn die Milch einfließt. Nur bei einem schläfrigen oder an der Brust uninteressierten Baby wirst du selbst die Führung übernehmen müssen, um es ausreichend zu stimulieren.
Wenn du beide Brüste gegeben hast, beginne das nächste Mal mit der zuletzt gereichten Brust. Eine Sicherheitsnadel oder ein Schleifchen am BH können dich daran erinnern, welche Seite als Nächste an die Reihe kommt. Wenn du dein Kind über einen langen Zeitraum stillst, erübrigt sich diese Markierung bald – es wählt dann selbst die Brust, in der am meisten drin ist.![]()
In der Vergangenheit wurde empfohlen, Kinder in den ersten Lebenstagen nur kurz anzulegen, um wunde Brustwarzen zu vermeiden. Heute wissen wir, dass richtiges Anlegen diesem Problem besser vorbeugt, als die Stillzeit zu verkürzen. Wenn deine Brustwarzen anfangs etwas empfindlich sind, kannst du dein Baby immer von der Brust nehmen, wenn es satt scheint. Am Ausbleiben der Schluckbewegungen und der Bewegung am Kehlkopf wirst du sehen, wenn der Milchfluss nachgelassen hat.

Abnehmen von der Brust
Beim Stillen bildet der Mund deines Babys ein Vakuum. Wenn du nun versuchst, dein Kind von der Brust wegzuziehen, bleibt es trotzdem festgesaugt, und die Warze wird in die Länge gezogen. Das kann ziemlich wehtun! Das Vakuum kannst du leicht durchbrechen, indem du einen Finger zwischen Brust und Mundwinkel legst. Sobald Luft in den Mund des Babys kommt, lässt es los, und du kannst es leicht abnehmen.Aufstoßen lassen
Gemütliche »Trödler« brauchen womöglich gar nicht oft aufzustoßen, gierige »Schleckermäulchen« dafür umso mehr. Achte darauf, ob dein Kind zu viel Luft aufnimmt. Bald wirst du ein Gefühl dafür haben, wie oft es aufstoßen muss. Zum Aufstoßen lege es an deine Schulter und klopfe ihm sanft auf den Rücken. Lege eine Windel unter, da manchmal mit der Luft auch etwas Milch hochkommt. Du kannst es auch bäuchlings über deine Knie legen und mit kreisenden Bewegungen im Uhrzeigersinn seinen Rücken massieren. Wenn dein Baby an der Brust einschläft, brauchst du es nicht zu wecken, um es aufstoßen zu lassen.Spucken
Schon so manche Eltern haben sich sehr gesorgt, wenn die gesamte Mahlzeit ihres Kindes nach dem Stillen in hohem Bogen wieder zum Vorschein kam. Doch besonders bei sehr lebhaften Kindern, die hastig und oft trinken, die gierig das Leben in sich aufsaugen, kann dies vorkommen, ohne dass Grund zur Besorgnis besteht. »Speihkinder sind Gedeihkinder«, besagt eine alte Ammenweisheit. Wenn dein Kind ansonsten einen munteren Eindruck macht und weitertrinkt, an Gewicht zunimmt und gedeiht, dann hat es wahrscheinlich einfach nur zu viel Luft geschluckt. Hier einige Tipps:
Mehr zum Thema Stillen finden Sie im ersten Teil:
Wie stille ich mein Baby? Teil I
Hannah LothropDas StillbuchDas Stillbuch in farbiger Neuausgabe! Hannah Lothrops Stillbuch bleibt das unentbehrliche Begleitbuch für eine kostbare Zeit des Lebens. Denn der frühe, intensive Kontakt durch das Stillen ist für die... |
Erscheinungstermin: September 2006 Paperback
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