Seine Krimi-Trilogie machte den schwedischen Autor Stieg Larsson in der ganzen Welt bekannt. Er selbst hatte nichts mehr von seinem Erfolg – denn er war zum Zeitpunkt des Erscheinens seiner Bücher bereits tot. Und seiner Familie brachte sein Erfolg vor allem eines: einen unerbittlichen Streit zwischen Vater, Bruder und Larssons Lebensgefährtin – um ein mysteriöses viertes Buch.![]()
Eine junge Frau wird schwer verletzt ins Krankenhaus eingeliefert. Ihr Name: Lisbeth Salander, von der Stockholmer Polizei seit Wochen vergebens wegen dreifachen Mordes gesucht. Jemand hat sie angeschossen – mehrfach: Eine Kugel steckt in der Schulter, eine in der Hüfte und eine irgendwo in ihrem Gehirn. Aber sie lebt – leise Hoffnung schimmert auf ...![]()
Leise hoffen dürfen auch die Aficionados von Stieg Larsson und seinen Krimis. Hoffen auf einen vierten Band, eine Fortsetzung der drei Romane mit den biblischen Titeln Verblendung, Verdammnis und Vergebung. Hoffen auf einen weiteren Wettlauf gegen die Zeit mit Mikael Blomkvist und Lisbeth Salander als Hauptfiguren. Aber eben nur ganz leise.![]()
Stieg Larsson hatte als Journalist in Stockholm gearbeitet und dort die linke Zeitschrift Expo gegründet. Er zählte zu den führenden Experten in Sachen Rechtsextremismus und Neonazismus. Aber nicht deshalb ist sein Name heute weltweit bekannt – und das fünf Jahre nach seinem Tod. Seinen Weltruhm hat er seiner Leidenschaft zu verdanken. Seiner Leidenschaft, Kriminalromane zu schreiben. Stieg Larsson erzählt Geschichten, die erschreckender nicht sein könnten, Ereignisse, die bestürzen, packen, fesseln und kaum einen seiner Leser wieder loslassen – bis zur letzten Seite.![]()
Er schreibt über Vergewaltiger, Geheimdienstverbrecher, Regierungsverschwörungen und über ein Ermittlerduo: Zwei, die um die Wahrheit ans Licht zu bringen, ihr Leben aufs Spiel setzen. Zwei sonderbare Charaktere, die dem Leser nahe sind, mit denen er mitfiebert, wenn sie sich in atemberaubendem Tempo übermächtigen Gegnern stellen und sich in scheinbar aussichtslose Kämpfe stürzen: der recherchewütige Journalist Mikael Blomkvist und die Computerhackerin Lisbeth Salander.![]()
Rätsel um ein unveröffentlichtes Manuskript
Mit seinem ersten Roman hatte Larsson Mitte 2002 begonnen. Zwei Jahre später schloss er mit einem schwedischen Verlag einen Vertrag über drei fertige Bücher. Nur wenige Wochen später starb er an einem Herzinfarkt. Was seitdem passiert ist, liest sich wie ein Familienkrimi: Seit Larssons Tod tobt zwischen Larssons langjähriger Freundin Eva Gabrielsson und seiner Familie ein unerbittlicher Streit – um Geld, um Rechte an seinen Texten und um einen mysteriösen vierten Teil.![]()
Eva Gabrielsson lebte 25 Jahre lang mit Larsson zusammen. Da die beiden aber nicht verheiratet waren, erbt seine Familie alles, die Lebensgefährtin geht leer aus – bis auf ein unveröffentlichtes Manuskript. Herausgefunden haben will dies Volker Weidermann, Journalist der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Vor Ort in Schweden führte er mit den Hinterbliebenen Gespräche, um Licht ins Erbdunkel zu bringen. Ergebnis: Larsson hatte laut dessen Vater seine Krimi-Reihe auf zehn Bände angelegt, drei sind aber nur erschienen. Eine vierte Folge befindet sich auf Larssons Laptop, der im Besitz der hinterbliebenen Freundin ist. Was in dem Roman passiert, bleibt ihr Geheimnis – es sei denn, Eva Gabrielsson entscheidet sich irgendwann für eine Veröffentlichung.![]()
Nicht nur die Fans in Deutschland dürften gespannt auf diesen Tag warten. Allein in Schweden, der Heimat Larssons, wurden zwei Millionen Exemplare seiner Bücher verkauft. Bei neun Millionen Einwohnern stehen damit nahezu in jedem schwedischen Haushalt Bücher von Larsson im Schrank. Kein Wunder, dass begeisterte Leser Autor und Werk auf der Website www.stieglarsson.com mit Lobeshymnen überhäufen.![]()
Krimifabrik Skandinavien
Schon seit Jahrzehnten präsentiert sich Skandinavien als Krimifabrik. Prostitution, Kinder- und Drogenhandel sowie die allgegenwärtige Mafia bestimmen die nordische Literatur. Dazu kommt: Das Wetter ist schlecht, die Stimmung düster. Vielleicht lieben Krimiliebhaber weltweit die Romane aus Skandinavien gerade deshalb. Auf jeden Fall scheint die Form des Kriminalromans bei Autoren aus Schweden, Norwegen, Finnland, Dänemark und Island überaus beliebt. Allein dass es den skandinavischen Krimipreis „Glasnyckeln“ gibt, spricht Bände. Auch Larssons Krimis Verblendung und Vergebung wurden von der Vereinigung der Kriminalschriftsteller Skandinaviens mit dem Preis ausgezeichnet.
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