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SPECIAL zu Rana Dasgupta

Solo
 

Rana Dasgupta zu seinem Roman »Solo«

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Das Gefühl, lebendig zu sein

Es gibt ein verbindendes Element zwischen den Kinofilmen „Forrest Gump“, „Der seltsame Fall des Benjamin Button“ und dem Roman „Solo“, dem jüngsten Titel des Schriftstellers Rana Dasgupta: Sie alle rekonstruieren anhand der Erinnerungen eines einzelnen Mannes die Ereignisse und Wirren des 20. Jahrhunderts. Nur geht das kürzlich in deutscher Übersetzung bei Blessing erschienene Buch dabei sogar noch einen Schritt weiter: Die Hauptfigur, ein fast hundert Jahre alter Mann, blickt nicht nur auf sein bisheriges Leben zurück, sie träumt sich außerdem noch in eine zukünftige Fantasiewelt hinein.
Klingt kompliziert, ist es jedoch gar nicht so sehr, wenn man weiß, was das grundlegende Thema von Dasguptas neustem Werk ist: „Die eigentliche Frage, mit der ich mich in diesem Buch auseinandersetze, ist, was einem Menschen das Gefühl gibt, lebendig zu sein“, erläutert der Autor in einem Video.

Leben und Musik
Für Ulrich, die Hauptfigur des Romans, ist eines der Indizien für Leben dabei ganz klar die Musik. Von einem Zigeuner lernt der junge Bulgare das Geigenspiel, doch als er sich endlich traut, seinem Vater eine Vorführung zu geben, wirft der Ulrichs Geige ins Feuer und verbietet ihm, sich mit einer brotlosen Kunst wie der Musik zu beschäftigen. Stattdessen studiert Ulrich Chemie im Berlin der wilden 1920er-Jahre, muss jedoch auch dies beenden, um seinen Vater, inzwischen erkrankt, finanziell zu unterstützen.
Wenig Glück hat er auch in der Beziehung zu seinem besten Freund, die in den politischen Wirren des jungen Bulgariens aufgerieben wird, sowie zu seiner ersten großen Liebe, die Ulrich verlässt und mit dem gemeinsamen Sohn nach Amerika emigriert. Auf all diese Begebenheiten in seinem Leben schaut Ulrich, inzwischen erblindet, also zurück, während er sich gleichzeitig in seiner Fantasie ausmalt, wie ein neues Leben von ihm aussehen könnte, angesiedelt im New York des 21. Jahrhunderts – voller Möglichkeiten und Musik.

Ausgezeichnet mit dem Commenwealth Writer’s Prize
Man sieht: Autor Rana Dasgupta, in seiner Wahlheimat Indien bereits ein Bestsellerautors dank seines Debütwerks „Die geschenkte Nacht“, erzählt in diesem Buch zwei große Lebensgeschichten, um so den Sinn einer jeden menschlichen Existenz zu ergründen. Dabei verband ihn zu seinem Buchcharakter beim Arbeiten an „Solo“ eine ganz besondere Beziehung, wie er verrät: „Das Eigenartige beim Schreiben dieses Buches war, dass ich Ulrich, die Hauptfigur, die ich mir ausgedacht und aus dem Nichts erschaffen hatte, gar nicht als meine Schöpfung empfand. Er war wie etwas, das außerhalb von mir selbst existierte und zudem ich Zugang suchte. Und er hat vier Jahre lang mit mir gelebt, wie eine Art Geist, der in meinem Träumen auftauchte, mir beim Schreiben über die Schulter sah und mir sagte, dass ich ihn nicht gut genug beschrieb und das ich noch einiges vor mir hatte“, so Desgupta.
Entsprechend viel Mühe gab sich der 1971 in Canterbury geborene Autor vermutlich – und das hat sich gelohnt: Rund um die Welt lobten Rezensenten das Buch, das „Times Literary Supplement“ beispielsweise empfand den Roman als „fein geschmiedetes Meisterwerk“, „The Guardian“ urteilte: „‚Solo‘ ist absolut unvergesslich in seiner Menschlichkeit.“ Kein Wunder also, dass Dasgupta für seinen Titel in diesem Jahr auch den mit 10.000 britischen Pfund dotierten Commonwealth Writer’s Prize, einen der renommiertesten Buchpreise überhaupt, gewann.

Auszug aus BeNet
6.9.2010

 
 

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