SPECIAL zu Achim Achilles

Prominente fragen Achim Achilles

PETER KLOEPPEL: Was mich immer interessiert hat ist: wie kann ich effizienter und schneller laufen, ohne dass mein Puls nach 3 Kilometern ständig an der 170-er Marke kratzt und ich mir Sorgen um die Erreichung des regulären Rentenalters mache?

A: Herr Kloeppel, Sie sprechen eines der größten Geheimnisse des Sports an. Es heisst: Training, vor allem variables. Wenn Sie dreimal die Woche im Wohlfühlmodus am Rhein entlang laufen, dann ist das schön für Sie, aber für den Körper sehr bald Gewohnheit. Er schwitzt und keucht ein bisschen, erreicht aber kein neues Leistungslevel. Die brutale Wahrheit: Will man schneller werden oder bei gleichem Tempo den Puls senken, dann führt kein Weg um gezieltes Tempotraining herum. 10x400m auf der Bahn, 5x1000m am Rhein oder mal ein flotter Dauerlauf. Die richtige Geschwindigkeit ist daran zu erkennen, dass man überhaupt kein Bedürfnis mehr hat, zu quatschen und pausenlos denkt: Hoffentlich ist dieser Mist vorbei bevor ich tot umfalle. So wird der Körper an höhere Belastungen gewöhnt. Manche übertreiben es, leicht zu erkennen an Erkältungen, Herpes oder Achillessehnungenreizungen.

AMELIE FRIED: Lieber Achim Achilles, woran erkenne ich, dass meine Laufschuhe ausgedient haben, und ich mir besser neue kaufen sollte?
Herzliche Grüße, Amelie Fried


A: Interessante Frage: Mein Vater, der in den 70er Jahren die erste Jogging-Welle mitmachte (mit weichem "J" wie Jauch, vgl. "Jeans-Hose"), der trug Sportschuhe aus hammerhartem Leder mit Gummisohlen in Sperrholzoptik und -stärke. Die Frage, wann diese Schuhe denn ausgedient hätten, hätte er mit einem verständnislosen Blick quittiert. Wenn die Sohle durch ist, schweisst der Schuster halt eine neue drunter. Tempora mutantur et Laufschuhe in illis. Heute überbieten sich die Hersteller darin, rapide Abnutzungserscheinungen zu suggerieren. Luftpolster, Gel-Kissen und all der andere Schnickschnack sind auf Express-Verschleiss angelegt, optisch wie inhaltlich. Kommt man heute mit einem Laufschuh, den man etwa fünfmal getragen hat, ins Sportgeschäft, wird der Fachverkäufer an der Sohle herumdrücken, besorgt den Kopf wiegen und sagen: "Der ist aber hin". Sie als Läuferin befinden sich in einem emotionalen Konfikt: zum einen haben Sie das gute Gefühl, viel und hart trainiert zu haben, weil der Schuh ja schon kaputt ist. Andererseits haben Sie dieses merkwürdige Gefühl, betrogen worden zu sein. Stimmt ja auch. als Regel gilt trotzdem: Spätestens nach 1000 Kilometern sind neue Treter fällig, bei Bronthosauren wie mir schon nach 500, bei elfengleichen Wesen wie ihnen aber erst nach 1500.

BÄRBEL SCHÄFER: Lieber Achilles, In meiner örtlichen Laufgruppe sind auffallend viele männlichen Single-Läufer, die nach 365 Tagen Einsatz ihrer funktionalen Laufkleidung vergessen, diese einer 60 Grad Wäsche zu unterziehen. Ihr Dauergejammer über Erlebtes Singleschicksal beim anschließenden gemeinsamen Verzehr des obligatorischen isotonischen Getränks, ist ausschließlich mit einer Nasenklammer zu ertragen. Wie bringt man den laufenden Stinkbombennerds ein Minimum an Hygiene bei? Kennen Sie dieses Gefühl als würden sie in der Käseabteilung des Supermarktes gefangen gehalten, allerdings ohne Sauerstoffmaske, ebenfalls? Ich muss mich kurz entschuldigen, mir wird schon wieder übel.
Herzlichst, Bärbel Schäfer.


A: Liebe Frau Schäfer, luftdichte Gefangenschaft in der Käseabteilung, das ist ein guter Ansatz. Begreifen Sie Ausdünstungen nicht länger als Belästigung, sondern als kulinarischen Genuss ohne Kalorienfalle. Erweitern Sie ihre Fähigkeiten und werden Sie maitre fromager sportive. Wie ein Käseexperte können Sie Männer, Körperteile und Reifegrade am Geruch erkennen. Das Training ist ganz einfach: Schließen Sie beim nächsten lauftreff einfach die Augen. Sobald wieder eine aromatische Männerwolke an ihnen vorbeizieht, raten Sie einfach: Udo? Manni? Andreas? Sie werden sehen: Schon nach wenigen Lauftreffs kennen Sie die Charakteristika ihrer Sportsfreunde und können frischen Achselschweiß, mittelalten Rückenschweiß und drei Jahre in Höhlen gelagerten Ganzkörperschweiß leicht voneinander unterscheiden.

GABI BAUER: Stimmt`s eigentlich wirklich: Man soll so langsam laufen, dass man sich dabei noch locker unterhalten kann? Wofür ist das - außer für den Spaß am Klönschnack - gut?

A: Das gilt erstens für Einsteiger, die sich an die Lauferei erstmal gewöhnen wollen, zweitens für lange Läufe, die man für die Marathonvorbereitung braucht und drittens, wenn man außer den Körper auch noch seine sozialen Kontakte pflegen will. Laufen im Plaudermodus ist außerdem gelenkschonend, weil es Überbelastungen vorbeugt, lässt das Fett schmurgeln und bietet Zeit, sich die Landschaft oder krummbeinige Mitläufer anzuschauen. Nur eines klappt nicht: Der Bequemläufer wird nicht schneller. Wer seine Bestzeit knacken will, kommt um Tempoläufe nicht herum. Und die sind erst wirksam, wenn man nur noch Guttural-Laute hervorbringt.

Mehr zum Autor unter www.achim-achilles.de

Achilles' Verse II

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