Anette Hinrichs im Interview zu ihrem Buch »Nordlicht – Die Tote am Stand«

Wussten Sie, dass Anette Hinrichs während der Bankenkrise 2002 ihren Job verlor?

Anette Hinrichs
© Anette Göttlicher
Eine kurze Biografie:
Ich bin in Hamburg geboren und aufgewachsen. Als ich dreizehn war, las ich 16 Uhr 50 ab Paddington mit der grandiosen Miss Marple, danach verschlang ich sämtliche weitere Bücher von Agatha Christie und beschloss, eines Tages selbst Kriminalromane zu schreiben. Doch zunächst machte ich das Abitur und eine kaufmännische Ausbildung, anschließend habe ich für Unternehmen in unterschiedlichen Wirtschaftsbereichen gearbeitet. Erst über Umwege bin ich schließlich zum Schreiben gekommen. Heute lebe ich als freie Autorin mit meiner Familie im Kreis München. Ich bin Mitglied bei den Mörderischen Schwestern und im Syndikat.

Würden Sie uns ein wenig über sich erzählen – Ihre Hobbies, Lebenssituation, Ihren Traum vom Glück, was Sie ärgert, welche Gabe Sie gerne besäßen …?
Seit ich denken kann, liebe ich Krimis. Ich bin fasziniert von Rätseln und von Geheimnissen, die Menschen verbergen, und ich interessiere mich brennend für Polizeiarbeit. Für die Mörderischen Schwestern in München organisiere und besuche ich Fortbildungen: Schießtraining beim LKA, Gespräche mit Spezialisten über Themen wie Organisierte Kriminalität oder Spurensicherung, ein Besuch in der Rechtsmedizin oder beim Leichenpräparator im Pathologischen Institut, ein Expertenvortrag im Zoologischen Staatsministerium zur Todeszeitbestimmung durch Insekten. Mit dem Schreiben von Kriminalromanen habe ich mir einen großen Traum erfüllt, und dass ich dadurch spannende Dinge erleben darf und zugleich mit Recherchereisen meine Sehnsucht nach dem Norden stillen kann, macht ihn perfekt. Mein größtes Glück ist jedoch meine Familie, dazu kommen die vielen kleinen Dinge. Ein langer Strandspaziergang, der Duft von frischgebackenem Kuchen, das Zusammensein mit Freunden. Wenn ich mir etwas wünschen dürfte, wäre das Gesundheit für meine Lieben und mich. Und vielleicht ein Haus am Meer.

Wie kamen Sie zum Schreiben?
Während der großen Bankenkrise 2002 verlor ich meinen Job. Als ich im Anschluss nur eine Teilzeitstelle fand, nutzte ich die freie Zeit als Chance, um meinen Traum vom eigenen Kriminalroman zu verwirklichen. Ich meldete mich an der Volkshochschule zu einem Schreibkurs an, lernte dort ein paar gleichgesinnte Frauen kennen und wir gründeten einen Krimi-Schreib-Club. Parallel suchte ich mir fachliche Berater bei der Polizei. Damit nahm alles seinen Anfang.

Was inspiriert Sie/Wie finden Sie Ihre Themen?
Oftmals reichen kleine Details, um meine Fantasie in Gang zu setzen. Eine Zeitungsnotiz, ein Satzfetzen, den ich am Nebentisch aufschnappe, etwas Kurioses, das ich beim Spazierengehen entdecke oder Geschehnisse, von denen mir jemand erzählt. Die Dinge, die mich nicht mehr loslassen, werden zu Geschichten.

An welchem Buch arbeiten Sie gerade?
Zurzeit arbeite ich am zweiten Fall für mein Ermittlerduo Vibeke Boisen & Rasmus Nyborg. Auf das Thema bin ich während meiner Dänemark-Recherche gestoßen. Leider kann ich noch nichts darüber verraten. Nur so viel: Es wird spannend.

Was/Welche Szene daraus war bisher am schwierigsten zu schreiben?
Das sind die Szenen, in denen die Figuren leiden. Da leide ich mit.

Haben Sie eine Lieblingsszene in Nordlicht – Die Tote am Strand?
Die Szene, in der Vibeke ihrem übergriffigen Ex seine Grenzen aufzeigt. Das geht runter wie Öl und ist ein gutes Beispiel dafür, wieviel Charakterstärke und Klugheit sich hinter ihrer kontrollierten Fassade verbirgt.

Haben Sie eine Lieblingsfigur?
Ja, das ist Rasmus, und ich muss gestehen, ich bin ein wenig verliebt in ihn. Er hat in der Vergangenheit viel einstecken müssen, trägt düstere Gedanken in sich und hat eine Schutzmauer aufgebaut, damit niemand sieht, wie verletzlich er ist. Das berührt mich sehr.

Gibt es bestimmte geographische Orte, zu denen Sie oder Ihr Buch einen besonderen Bezug haben?
Ja, zu Hamburg, meiner Heimat- und Herzensstadt, die Region um Kollund an der dänischen Küste, dort entstanden die ersten Bilder zu Nordlicht in meinem Kopf, und zu Kopenhagen, wo ich einen Teil des ersten Buches schrieb.

Was lesen Sie selber gerne?
Skandinavische Kriminalromane

Wer sind Ihre Lieblingsautoren?
Allen voran der große Henning Mankell. Aktuell sind es Jo Nesbø, Joakim Zander und Lily King.

Wer sind Ihre liebsten Romanhelden/-heldinnen?
Harry Hole und Lisbeth Salander.

Möchten Sie uns 3 Bücher für die einsame Insel empfehlen?
Alle Kurt-Wallander-Krimis.

Was ist für Sie die größte Versuchung?
Schokolade und Lakritze

Verraten Sie uns Ihr Lieblingsrezept?
2 EL Holundersirup // 100ml Prosecco // 125ml Mineralwasser // 1 Scheibe Limette // 5 Blätter Minze // Eiswürfel // Genießen!

Was ist für Sie die optimale Entspannung?
Zeit mit einem guten Buch, am liebsten mit einem Krimi, in Verbindung mit Kaffee und Kuchen, oder einfach am Meer sitzen.

Haben Sie ein Lebensmotto?
Niemals aufhören, an sich selbst zu glauben, nur so lassen sich Träume verwirklichen.

Gibt es eine Person, die Sie persönlich fasziniert?
Es sind eher spezielle Charaktereigenschaften oder einzelne Taten von Personen, die mich faszinieren. Meistens handelt es sich dabei um Menschen aus meinem persönlichen Umfeld. Meinen Sohn bewundere ich zum Beispiel für seine klare Sicht auf komplizierte Dinge, meine Freundin für ihren aufopfernden Einsatz als Flüchtlingshelferin und eine Autorenkollegin für ihre Eindringlichkeit und die sprühende Lebendigkeit, mit der sie von ihren Geschichten erzählt.

Welche menschliche Leistung des letzten Jahrhunderts bewundern Sie am meisten?
Es gibt zahlreiche technische Erfindungen sowie Entwicklungen in der medizinischen Forschung, die ich bemerkenswert finde. Am meisten bewundere ich jedoch die Leistung von Menschen, die sich für andere einsetzen und dafür bereit sind, einen persönlichen Nachteil oder ein Risiko in Kauf zu nehmen.

Welche Organisation oder welches Projekt würden Sie gerne unterstützen – oder tun dies bereits?
Ich bin UNICEF-Patin, unterstütze die Initiative Autoren helfen und engagiere mich ehrenamtlich bei den Mörderischen Schwestern e. V. Für die Zukunft würde ich mich gerne aktiv als Lesebotschafterin für die Stiftung Lesen einbringen.

Fünf Dinge, die wir noch nicht über Sie wissen:
1. Ich liebe Franzbrötchen und Champagner.
2. Manchmal lese ich kitschige Liebesromane.
3. Ich beobachte gerne Menschen in Cafés und denke mir Geschichten zu ihnen aus.
4. An Schreibtagen bin ich oft bis mittags im Pyjama.
5. Ich würde niemals zu später Stunde alleine in eine Tiefgarage gehen.

Ein kurzer Gruß an Ihre Leser/-innen:
Mit der Nordlicht-Reihe schicke ich meine neuen Helden Vibeke & Rasmus auf die Reise. Ein großer Dank geht an Sie, meine Leserinnen und Leser, für Ihr Interesse und Ihren Zuspruch, denn ohne Sie würde es meine Bücher nicht geben. Ich hoffe, dass wir noch viele spannende Geschichten gemeinsam erleben werden!
Herzlichst, Anette Hinrichs

Nordlicht - Die Tote am Strand

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