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Special zu Ann-Kathrin Eckardt »Flucht und Segen«

Drei Fragen an die Autorin

Ein Jahr nach den Willkommensszenen und dem Merkel’schen Glaubensbekenntnis „Wir schaffen das“ stellt sich die Frage, wie wir das alltägliche Zusammenleben mit den Flüchtlingen bewerkstelligen können. Ann-Kathrin Eckardt, Redakteurin bei der Süddeutschen Zeitung, zieht in ihrem Buch „Flucht und Segen“ eine ehrliche und schonungslose Bilanz aus ihrer Tätigkeit als Flüchtlingshelferin.



Was hast Du in Deiner Zeit als Flüchtlingshelferin gelernt?

Zum Beispiel, dass Flüchtlinge nicht unbedingt immer das wollen, was wir wollen. Wir glauben etwa, jeder will Bildung. Aber das stimmt nicht. Viele Flüchtlinge wollen auch erstmal Geld verdienen. Ich habe auch zu sehr von mir auf andere geschlossen, mein Tempo vorgegeben. Nadja zum Beispiel will Kinderpflegerin werden. Als ihr drittes Kind sechs Monate alt war, habe ich ihr ein Praktikum gesucht – zehn Stunden in der Woche in einer Kinderkrippe. Als ich nach vielen Telefonaten endlich einen Platz gefunden hatte, hat sie abgelehnt, mit der Begründung, ihr (arbeitsloser) Mann könne nicht zehn Stunden in der Woche auf das Baby aufpassen. Dabei hatte ich sie vorher gefragt, ob sie das Praktikum machen möchte und ihn, ob er aufpassen würde. Beide haben ja gesagt. Heute weiß ich: Es wäre für sie unhöflich gewesen, nein zu sagen. Und: Erst braucht er einen Job, dann sie.

Was kann die Politik tun, um die Integration zu erleichtern?

Flüchtlinge müssen schneller wissen, ob sie bleiben dürfen, oder nicht. Und sie müssen sofort arbeiten dürfen. Außerdem brauchen wir dringend mehr Integrationskurse. Es darf zwischen den Flüchtlingen keine Zwei-Klassen-Gesellschaft entstehen, zwischen denen, die Deutsch lernen und vermutlich bleiben dürfen, und denen, deren Asylantrag vermutlich abgelehnt wird. Denn realistisch betrachtet, werden auch von ihnen viele bleiben. Überhaupt: Was schadet es, wenn wir auch den Flüchtlingen, die unser Land wieder verlassen müssen, etwas von unserer Sprache, unserem Wissen, unserer Kultur mitgeben?

2015 haben plötzlich sehr viele Menschen Flüchtlingen geholfen. Wie viele der Helfer von damals sind heute noch dabei?

Viele, aber es gibt natürlich auch einige, die wegen Zeitmangel oder auch Frust wieder aufgehört haben. Inzwischen sind fast alle Helferkreise oder Wohltätigkeitsorganisationen wieder auf der Suche nach Helfern. Vor allem auch für die Flüchtlinge mit geringer Bleibeperspektive. Hier ist es für Helfer oft schwieriger, Bindungen aufzubauen, da sie nicht wissen, wann und ob die Flüchtlinge das Land wieder verlassen müssen. Gerade diese Flüchtlinge sind aber sehr auf ehrenamtliche Helfer angewiesen. Eine Ehrenamtskoordinatorin, die ich für das Buch interviewt habe, hat den schönen Satz gesagt: „Das Wichtigste an der Flüchtlingsarbeit ist, dass da jemand aus der deutschen Gesellschaft sagt: Ich bin für dich da.“

Flucht und Segen Blick ins Buch

Ann-Kathrin Eckardt

Flucht und Segen

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