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Ann Mah über ihr Buch »Das Weingut im Burgund«

Wussten Sie, dass Ann Mah es liebt, immer etwas Neues über Wein zu lernen?

Ann Mah
© Katia Grimmer-Laversane
Eine kurze Biographie:
Ann Mah, geboren 1975 in Kalifornien, ist Schriftstellerin und lebt in Paris und Washington, D. C.. Sie ist die Autorin des Food Memoirs »Mastering the Art of French Eating« und eines Romans, »Kitchen Chinese«. Die New York Times veröffentlicht regelmäßig Beiträge von ihr in ihrer Reise-Rubrik, und ihre Texte sind auch schon bei Condé Nast Traveler, Vogue.com, BonAppetit.com, Washingtonian, The New York Times: Footsteps, The Best American Travel Writing 2017 und anderen Publikationen erschienen. Im Jahr 2004 erhielt Ann Mah ein Koch-Stipendium der James Beard Stiftung, um in Bologna in Italien zu studieren.

Warum sind Sie Schriftsteller/Schriftstellerin geworden?
Ich habe davon geträumt, seit ich ein kleines Kind war. Nach dem Studium bin ich nach New York gezogen und habe in einem Verlag gearbeitet. Ein paar Jahre später habe ich einen Diplomaten geheiratet und wir sind sofort nach Übersee gezogen. Ich musste meine geliebte Karriere aufgeben und mir Arbeit suchen, die mit mir um die Welt reisen konnte. Ich begann zu schreiben, zuerst für ein Expat-Magazin, dann für amerikanische Magazine. Sogar einen Roman habe ich geschrieben. Der Lebensstil als Diplomat kann ungewiss und herausfordernd sein, aber er hat mir auch diese wunderbare Möglichkeit offenbart.

Woher kommen die Ideen zu Ihren Romanen?
Meine Reisen und die Artikel, die ich dazu schreibe, inspirieren mich.

Welche Art von Geschichten schreiben Sie derzeit?
Ich arbeite aktuell an einem Kochbuch über französische Gerichte, die man mit einem elektrischen Druckkochtopf zubereiten kann! Es wird Instantly French heißen und von St. Martin's Press im September 2018 herausgebracht werden.

Außerdem arbeite ich an einem neuen Roman über eine Geheimorganisation mit Wurzeln im antiken Griechenland.

Wer sind Ihre Lieblingsschriftsteller/-innen? Und warum gerade diese?
Wilkie Collins – er ist der ursprüngliche Meister der Spannung.
Agnés Humbert – sie hat nur ein Buch geschrieben, eine Autobiographie namens Resistance. Es geht um ihre Zeit als Französische Freiheitskämpferin und Gefangene während des Zweiten Weltkriegs. Ihre Stimme ist unvergessen und dieses Buch hat mich zutiefst berührt.

Welche Bücher haben Sie zuletzt gelesen?
Ich, Eleonor Oliphant von Gail Honeyman.
Dann schlaf auch Du von Leila Slimani.
Die alten Griechen von Edith Hall.

Wie würden Sie Ihre Lebensphilosophie beschreiben?
Probiere alles im Leben mindestens einmal.

Was tun Sie wenn Sie nicht gerade schreiben?
Ich liebe es zu kochen, zu lesen, zu reisen – am liebsten in Weinanbaugebiete. Und natürlich liebe ich es, immer etwas Neues über Wein zu lernen!

Fünf Dinge, die wir noch nicht von Ihnen wussten:
1. Die meisten Menschen haben im Winter ein emotionales Tief – aber ich hasse heiße Temperaturen, und mich trifft es daher eher im Sommer. Während die Tage länger und heißer werden, wird meine Stimmung immer schlechter und dunkler und ich sehne mich nur nach Socken, Decken und herzhaftem Essen. Kennen Sie die Dokumentation Endless Summer? Eines Tages möchte ich für ein Jahr um die Welt reisen, um einen endlosen Winter zu erleben.

2. Da ich ein herzhaftes, heißes und gesundes Frühstück bevorzuge – keine einfache Kombination bei einem traditionellen Frühstück! – esse ich morgens am liebsten Suppe. So anders als Haferbrei ist es auch nicht!

3. Als ich neun Jahre alt war, hat mein Vater ein Sabbatjahr genommen und die ganze Familie ist nach Hong Kong gezogen. Ich bin auf eine englische Schule gegangen, und als wir wieder umgezogen sind, hatte ich einen englischen Akzent. Zurück in den USA, wurde ich deswegen geärgert, also habe ich ihn schnell wieder abgelegt.

4. Mit vier Jahren wollte ich so dringend lesen lernen, dass ich meinen älteren Bruder mit einem Springseil gegen den Kopf gehauen habe, als er sich darüber lustig gemacht hatte, dass ich es noch nicht kann. Ich bekam großen Ärger – aber ein paar Tage später begann meine Tante, mich zu unterrichten.

5. Ich bin wohl die unsportlichste Person auf der ganzen Welt – aber trotzdem war ich irgendwie Captain des Tennis-Teams meiner High School. (Anmerkung: Meine High School war sehr klein.)


Über das aktuelle Buch

Wie würden Sie den Roman in einem Satz beschreiben?
Eine junge Frau kehrt zum Weingut ihrer Familie nach Frankreich zurück und deckt das andauernde Vermächtnis des Zweiten Weltkriegs auf, das sie, ihre Familie und ganz Frankreich belastet.

Was hat Sie zu dem Roman inspiriert?
Ich bin 2010 nach Burgund gereist, um für einen Artikel über Thomas Jeffersons liebste Weingüter in Frankreich zu recherchieren. Kaum war ich dort angekommen, war ich fasziniert von den rebenüberzogenen Hügeln und den charmanten Dörfern. Und falls ich dort Geister bemerkt habe, die zwischen all dieser Schönheit spukten, dann haben sie nur zu dieser Faszination beigetragen. Ich glaube, der Grundstein für diesen Roman wurde damals gelegt. Ein paar Jahre später meldete ich mich freiwillig, um bei der Weinlese in der Champagne auszuhelfen. Helfer bekommen meistens freie Kost und Logis, und ich hatte eine Dachgeschosswohnung im Weingut ganz für mich allein. An den Räumen hatte man seit den 1960er Jahren nichts verändert: Sie waren mit Krankenhausmobiliar aus der Mitte des Jahrhunderts bestückt, die Böden knarzten, die Tapete hing von den Wänden herab, und in der Nacht war die absolute Stille auf dem Land erdrückend – und furchterregend. Selbst nach langen Arbeitstagen konnte ich nicht einschlafen, weil meine Fantasie Überstunden machte. Deshalb ließ ich nachts das Licht an, und wenn ich aufwachte, dann schrieb ich sofort in mein Tagebuch. Die Geschichte des Romans entstand aus diesen wirren Notizen.

Wer ist Ihre Lieblingsfigur in dem Roman und warum?
Hélène. Sie war auch am schwersten zu schreiben, weil wir so wenig gemeinsam haben. Sie liebt Physik und Chemie, was zwei meiner schlechtesten Fächer in meiner Schulzeit waren. Der Krieg zwingt sie dazu, sehr schnell erwachsen zu werden – eine qualvolle Entwicklung, die ich aber sehr gerne geschrieben habe.

Welche Szene war am schwierigsten zu schreiben?
Ich will nicht zu viel verraten, aber eine Szene gegen Ende, die von einem Mob handelt, der nach der Befreiung des Landes Selbstjustiz übt, war erschütternd. Ich habe mich tagelang davor gedrückt, bevor ich anfangen konnte, diese Szene zu schreiben.

Welchen Lesern/Leserinnen wird Ihr Buch gefallen?
Ich hoffe, Weinliebhaber, Leser von historischen Romanen und alle, die Geschichten über das Erwachsenwerden mögen, werden Spaß an dem Buch finden.

Fallen Ihnen Bücher ein, die mit Ihrem Roman verglichen werden könnten?
Sweetbitter von Stephanie Danler.
Die Nachtigall von Kristin Hannah.
Sarahs Schlüssel von Tatiana de Rosnay.

Ein Gruß an Ihre LeserInnen: Gougères und »Ein Sommer in Burgund«
Ich gebe schamlos zu, dass einer der Gründe, warum ich einen Roman geschrieben habe, der auf einem französischen Weingut spielt, der war, dass ich in meiner Fantasie an so einem Ort verweilen wollte. Burgunds weinbedeckte Hügel und entzückende Dörfer haben mich in ihren Bann gezogen, seit ich sie 2010 für einen Artikel über Thomas Jeffersons liebste Weine kennengelernt habe. Und auch wenn ich Geister wahrgenommen habe, die inmitten all der Schönheit spukten, hat das meine Faszination nur vergrößert.
Burgund ist, offensichtlich, bekannt für seinen Wein – aber auch das Essen dort ist fantastisch. Ich habe wunderbare Erinnerungen daran, Epoisses zu essen, der so reif war, dass er sich über den ganzen Teller verteilt hat. Es gab Boeuf Bourguignon, das unter meiner Gabel schier geschmolzen ist und Escargots getränkt in Knoblauch-Petersilien-Butter. Aber mein liebstes Essen war Gougère – ein Windbeutel mit Käse, der gleichzeitig herzhaft, knusprig und zart ist. Ich habe gelernt, dass Gougères aus Burgund kommen, wo sie traditionell zu Weinverkostungen gereicht wurden.
Essen und Wein sind ein großer Bestandteil der französischen Kultur und spielen deswegen auch eine wichtige Rolle in meinem Roman »Ein Sommer in Burgund«. Dort werden sie zu einer Metapher für all die Herausforderungen, denen sich die Charaktere stellen müssen – die Frage nach Tradition und Wandel, und wie (oder ob) wir uns der Vergangenheit stellen sollten.
Ich hoffe, Ihnen wird »Ein Sommer in Burgund« gefallen. Und falls Sie, so wie ich, Reisen immer mit Essen verbinden, füge ich hier ein Rezept für meine Lieblinge, die Gougères, bei. Da sie aus Brandteig gemacht werden, scheinen sie fast ein Eigenleben zu haben. Tatsächlich sind sie unfassbar einfach – so einfach, dass ich sie oft mit meiner vierjährigen Tochter zusammen backe. Während manche es bevorzugen, den Teig zu Häufchen zu spritzen, mag ich es, ihn mit Löffeln zu formen. Dadurch entsteht eine grobe Oberfläche, die im Ofen goldbraun und knusprig wird. Gougères passen zu fast allen Weinsorten – und sie sind außerdem ein wunderbarer Snack für hungrige Buchclubs. Wenn Sie das Rezept tatsächlich nachmachen sollten, dann Achtung: Ein Blech wird nicht lange überleben!
Ich bin so aufgeregt, »Ein Sommer in Burgund« mit Ihnen zu teilen. Frohes Lesen – und santé!

Gougères

Reicht für ungefähr 35 Windbeutel:
- 160 ml Wasser
- ½ TL feines Salz
- ¼ TL Cayenne-Pfeffer
- 65 g Butter
- 90 g Mehl
- 3 große Eier
- 75 g Gruyère oder Comté Käse

1. Den Ofen auf 220°C vorheizen und ein Backblech mit Backpapier auslegen.

2. In einem mittelgroßen Topf werden Wasser, Salz, Butter und Pfeffer vermischt. Die Mischung wird erhitzt, bis die Butter komplett geschmolzen ist und es anfängt zu kochen.

3. Sofort das Mehl hinzugeben und eifrig rühren, um alles zu vermischen. Immer weiter bei mittlerer Hitze rühren, bis sich aus der Masse eine Kugel formt; das dauert ungefähr 2 Minuten.

4. Den Topf vom Herd nehmen und die Masse leicht abkühlen lassen. Dann die Eier einzeln hinzugeben und verrühren, bis es eine gleichmäßige Masse ist. Danach den Käse vermengen.

5. Mit zwei Esslöffeln kann man nun den Teig auf dem Backblech in kleine Häufchen formen. Jedes Häufchen sollte nicht größer als eine Kirschtomate sein und man sollte genug Platz lassen, damit sie im Ofen aufgehen können.

6. Für 5 Minuten backen, dann die Temperatur auf 190°C verringern und für weitere 18–20 Minuten backen, bis sie aufgegangen und goldbraun sind.

Anmerkung: Heiß aus dem Ofen sind Gougères am besten, aber auch bei Zimmertemperatur sind sie noch lecker. Um sie aufzuwärmen, kann man sie einfach für 4–6 Minuten bei 175°C in den Ofen geben.

Das Weingut im Burgund

ca. € 10,99 [D] inkl. MwSt. | ca. € 11,30 [A] | ca. CHF 16,90* (* empf. VK-Preis)
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