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Anna Stephens im Interview zu ihrem Buch »Wächter und Wölfe – Das Ende des Friedens«

Wussten Sie, dass Anna Stephens einen 2. Dan in Shotokan-Karate hat?

Stephens, Anna
© Robert C. Stephens

Eine kurze Biografie:
Ich bin mit Mark verheiratet, einem großartigen Mann. Wir haben im September 2015 an einem heißen, sonnigen Tag geheiratet und unsere Flitterwochen in Kalifornien verbracht, was ein unglaubliches Erlebnis war. Uns beide verbindet eine tiefgehende Liebe für David Bowie, aber auch für britische Horror-Filme wie Dracula oder The Wolfman [Der Wolfsmensch]. Ich habe einen Abschluss in Literatur von der Open University sowie ein Diplom in Creative Writing, außerdem bin ich Mitglied der Autorengruppe Birmingham Writers Group.

Wie kamen Sie zum Schreiben?
Ich wollte schon als Kind Schriftstellerin werden. Die Welten, die ich mir ausdachte, waren stets viel interessanter als das, was um mich herum passierte. In meiner Kindheit und Jugend hatte ich nicht so viele Freunde, also wurden die Figuren, die ich erschuf, oder von denen ich las, meine Freunde. Ich habe schon immer geschrieben, aber ich habe einige Zeit benötigt, bis meine Texte so gut waren, dass sie auch veröffentlicht wurden.

Wo finden Sie die Anregungen für Ihre Romane?
Ich denke, Inspiration ist alles um uns herum. Die Dinge, die in der ganzen Welt passieren, sind das perfekte Futter für einen epischen Fantasy-Roman: Kriege, Diktaturen, religiöse Intoleranz, die Entführung von Frauen (wie in der griechischen Mythologie), Vorurteile und Fanatismus. Wenn man die realen Ereignisse betrachtet und diese dann in eine andere Umgebung versetzt, funktioniert es sehr gut.
Was meine Figuren angeht, so denke ich, dass viele von ihnen Charaktereigenschaften meiner eigenen Person haben, und viele andere besitzen Eigenschaften, die ich selbst gern hätte.
Außerdem bin ich davon überzeugt, dass mein Kampfkunst-Background mir dabei hilft, meine Kampfszenen anschaulich darzustellen – und manchmal auch auszuleben.

An was für einer Geschichte arbeiten Sie gerade?
Ich sitze gerade an der Fortsetzung von Wächter und Wölfe – Das Ende des Friedens, die mit der Belagerung von Rilporin und einigen beunruhigenden Entwicklungen bei den Göttern beginnt. Meine Hauptfiguren befinden sich in größter Not und die Bösen sind genauso wunderbar üble Gestalten wie in Wächter und Wölfe – Das Ende des Friedens. Es passiert eine ganze Menge.
Abgesehen davon versuche ich so oft es geht, für meine Autorengruppe eine Short Story zu schreiben, was wirklich eine schöne Abwechslung vom Schreiben von Romanen ist. Aber auch in meinen Short Storys stirbt immer jemand zum Schluss, ich kann einfach nicht anders.

Wer sind Ihre Lieblingsautoren? Warum?
Das wäre eine ganz schön lange Liste!
Ich würde sagen, dass ich seit meiner Kindheit die Bücher von Roald Dahl und William Horwood wieder und wieder gelesen habe. Später hat mich das Mittelalter fasziniert und ich habe die Bücher von Sharon Penman geliebt, und zugleich erwachte meine Liebe zu den Werken von J.R.R. Tolkien. Shakespeare bietet eine wahre Schatztruhe voll wunderbarer Literatur und großer Inspiration für die Fantasie eines Schriftstellers, mit dieser Verknüpfung des Übernatürlichen oder Mythologischen mit der Wirklichkeit und dem Alltag.
Mary Shelley, weil sie mit 20 ganz allein das Genre Horror-Fantasy erfunden hat und weil sie für Schriftstellerinnen ein unglaubliches Vorbild ist. Außerdem ist Frankenstein ein großartiges Buch.
Zu meinen modernen Lieblingsautoren gehört Tim Willocks, dessen Buch Green River Rising [Die Gefangenen von Green River] meiner Meinung nach eine der besten Studien über die menschliche Psyche unter Stressbedingungen darstellt und eine großartige Heldin bietet. Joe Abercrombie wegen seiner herausragenden Erzählkunst und weil er Antihelden entwickelt, die man einfach lieben muss. Außerdem Scott Lynch, der die besten Welten entwirft und unschlagbar sarkastisch ist. Kürzlich habe ich noch die Trilogie The Copper Cat von Jen Williams gelesen, das war einfach ein herrlicher Lesespaß.

Welches Buch/welche Bücher haben Sie kürzlich gelesen?
Ich versuche zwischen meiner Arbeit, dem Schreiben und meinem übrigen Leben so viel wie möglich zu lesen. Letzthin war ich etwas auf dem Fantasy-Trip, da habe ich Assasin’s Aprentice [Die Gabe der Könige] von Robin Hobb gelesen, The Vagant [Vagant] und The Malice [Arglist] von Peter Newman, und wie schon gesagt, Jen Williams. Kürzlich habe ich von Margaret Atwood The Handmaid’s Tale [Der Report der Magd] gelesen, dabei ist mein Hirn schier explodiert, und ich werde nun bestimmt auch ihre Backlist lesen, denn dieses Buch ist einfach unglaublich. Wahrscheinlich werde ich dieses Jahr noch einmal Green River Rising [Die Gefangenen von Green River] und The Lord of the Rings [Der Herr der Ringe] lesen. Ich versuche immer wieder ein paar Klassiker einzuschieben, also habe ich 2016 noch Brave New World [Schöne Neue Welt], Wuthering Heights [Sturmhöhe], Hothouse und The Grapes of Wrath [Früchte des Zorns] gelesen.

Haben Sie ein Lebensmotto?
Wir sind alle da, um etwas Unglaubliches zu leisten. Deine Leistung ist womöglich völlig anders als meine, aber das heißt nicht, dass sie mehr oder weniger wert ist. Geh mit Spaß an die Sachen ran, die dich begeistern und du wirst ein erfülltes Leben führen.

Was machen Sie, wenn Sie nicht gerade schreiben?
Ich bin eine begeisterte Leserin. Es bereitet mir großen Spaß zu betrachten, wie andere Autoren Themen anpacken. Ich sehe gern Filme und höre gern Musik, aber am liebsten verbringe ich meine Zeit mit meinem Ehemann. Er leistet eine ganze Menge, damit ich meine Arbeit mit der Schriftstellerei vereinbaren kann, also verbringe ich gern meine freie Zeit mit ihm. Er ist und bleibt in diesem verrückten Veröffentlichungstrubel mein größter Unterstützer.

Fünf Dinge, die wir noch nicht über Sie wissen …
1. Ich liebe die Stummfilme von Buster Keaton aus den 1920er und 1930er Jahren; das witzige Timing, das Erzählen, die verrückten Stunts, einfach genial.
2. Ich habe einen 2. Dan in Shotokan-Karate. Ich habe das 12 Jahre lang betrieben und nachdem ich eine Weile nicht trainiert habe, freue ich mich darauf, einen Verein zu finden und Karate wieder in mein Alltagsleben zu integrieren. Ich brauche nur die Zeit dafür!
3. 2016 habe ich im Rahmen einer 24-Stunden-Benefiz-Challenge die drei höchsten Berge des Vereinigten Königreichs bestiegen, den Ben Nevis in Schottland, den Scafell Pike in England und den Snowdown in Wales. Es war die härteste physische Herausforderung, der ich mich je gestellt habe, wir haben leider die 24-Stunden-Marke verfehlt und die Leistung in 25 Stunden vollbracht. Aber ich bin immer noch sehr stolz darauf. Danach konnte ich drei Tage lang kaum gehen.
4. Ich hätte gern einen Hund mit verschiedenfarbigen Augen. Das hat etwas mit einer Figur in Wächter und Wölfe zu tun, aber auch damit, dass die Leute oft dachten, David Bowie hätte verschiedenfarbige Augen. Hatte er nicht, aber eine seiner Pupillen war permanent geweitet, weshalb dieses Auge braun, und nicht blau aussah.
5. Ich habe noch nie Harry Potter gelesen. Das reicht wahrscheinlich, um mich sofort aus der Fantasy-Gemeinde zu werfen. Ich entschuldige mich hiermit bei allen.

Wie würden Sie Ihren Roman mit einem Satz beschreiben?
Wächter und Wölfe ist ein düsteres Fantasy-Epos über einen Religionskrieg, der nach einer Invasion geführt wird, und über die Menschen, die Lords, das gemeine Volk und die Krieger, die in den Mahlstrom geraten und töten oder getötet werden, um das Kostbarste zu beschützen, was sie besitzen.

Wodurch wurde Ihr Roman inspiriert?
Wächter und Wölfe schwirrte etwa dreizehn Jahre lang in meinem Kopf herum, insofern weiß ich nicht mehr genau, wie es entstand. Ich weiß, dass mir zuerst Dom einfiel, schnell gefolgt von Rillirin. Ich wollte die Geschichte eines Mädchens erzählen, das in einer Gesellschaft zur Kriegerin wird, obwohl ihr dies verboten ist. Offensichtlich hat sich im Verlauf der Jahre einiges verändert, da die Figuren und das Buch größer geworden sind, aber ich denke, das war das Saatkorn. Menschen, die etwas tun, was die die Gesellschaft missbilligt. Vorurteile anpacken, Themen wie Doms Wahnsinn/psychische Gesundheit inklusive.

Haben Sie eine Lieblingsfigur in Ihrem Roman? Warum?
Das ist eine schwere Frage! Der kreative Prozess von Wächter und Wölfe hat lange gedauert, also hatte ich im Verlauf der Jahre viele Lieblingsfiguren. Zuerst war es Dom, er war lange Zeit meine Lieblingsfigur, dann Rillirin auf dem langen Weg ihrer Selbstfindung und ihres wachsenden Selbstbewusstseins. Derzeit ist es Cry, der in Wächter und Wölfe einen – buchstäblich und im übertragenen Sinn – extremen Weg zurücklegen muss, um zu verstehen, wer er ist. Das gefällt mir wirklich gut. Außerdem habe ich Dalli richtig lieb gewonnen, und man wird in den folgenden Büchern noch mehr von ihr zu sehen bekommen.

Welche Szene war bisher am schwierigsten zu schreiben?
Jede Szene, in der Galtas mit Frauen zu tun hat, denn bei ihm fühle ich mich unwohl! Ich wollte, dass er einen düstere Schattenseite hat, man weiß, dass er böse ist, dass er manipuliert und dass er machtbesessen ist usw., aber er ist bis zur letzten Faser vom Bösen durchdrungen und Frauen sind für ihn nur Objekte, die er benutzt. Vermutlich hat Galtas als Kind Katzen malträtiert. Außerdem sind mir einige Szenen zwischen der Dark Lady und Dom schwer gefallen, denn ich hatte das Gefühl, dass die Grenzen zwischen Begierde und sexueller Gewalt/Vergewaltigung wegen der Kontrolle, die sie über Dom ausübt, verschwammen.
Vom erzählerischen Standpunkt aus war es schwierig, Doms Erfahrungen herauszuarbeiten, wie viel dem Leser preisgegeben und wie viel ihm vorenthalten wird. Dom hat vor allen Geheimnisse, auch vor den Lesern. Wenn du denkst, du hast etwas kapiert, dann hast du dich geirrt.

Was meinen Sie, welche Leser werden Ihr Buch mit Freude lesen?
Hoffentlich eine ganze Menge! Ich denke, Leute, die eine gute Geschichte in einem Fantasy-Setting zu schätzen wissen, die schwarzen Humor in Momenten der Angst mögen. Leser, die andere Stimmen schätzen, vor allem weibliche Figuren in einer Geschichte, in der es um Krieg und Eroberung geht. Nicht alle Figuren sind stark, und nicht alle sind tapfer. Es geht nicht nur um Helden.

Gibt es Bücher, mit denen Sie Ihr Werk vergleichen würden?
Mein Verleger verglich Wächter und Wölfe mit den Werken von Joe Abercrombie, Scott Lynch und Mark Lawrence, also weiß ich nicht so recht, was ich da noch anfügen soll. Es war für mich eine große Überraschung, mit Autoren dieses Kalibers verglichen zu werden.
Wächter und Wölfe ist auf jeden Fall von epischer Breite und enthält eine Menge düstere Elemente, also kann ich den Vergleich nachvollziehen, aber es gibt gleichermaßen auch lichtere Momente, die ich für wichtig halte.
Ich bin sehr gespannt, womit die Leser Wächter und Wölfe vergleichen werden .

Wächter und Wölfe - Das Ende des Friedens Blick ins Buch

Anna Stephens

Wächter und Wölfe - Das Ende des Friedens

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