Anne Sanders im Interview

Interview mit Anne Sanders zu »Wild at Heart«

Wussten Sie, dass Anne Sanders österreichische Wurzeln hat?

Möchten Sie uns ein wenig über sich erzählen?
Ich bin in Wuppertal geboren und in München aufgewachsen. Nach dem Studium der Sozialpädagogik und einem Volontariat bei der Süddeutschen Zeitung war ich 15 Jahre als Redakteurin und Journalistin tätig.
Ich bin verheiratet und lebe mit meinem Mann in München, ziemlich zentral sogar, mit Blick auf die Isar. Wenn ich nicht gerade schreibe, verbringe ich meine Zeit am liebsten mit lesen oder vor dem Fernseher (ich liebe amerikanische TV-Serien – aber ob man das als Hobby bezeichnen kann?) Ich kann mich sehr über Ungerechtigkeit und Chauvinismus ärgern.
Welche Gabe besäße ich gern? Also, ich würde furchtbar gern noch Klavier spielen lernen, und angefangen habe ich es auch schon – leider fehlt mir momentan ein bisschen die Zeit, um das weiterzuverfolgen. Mein Traum vom Glück ist ein Cottage in Cornwall, in dem ich lebe und schreibe, mit meinem Mann und vielen, vielen Tieren, denen wir ein schönes Zuhause geben können.

Wie kamen Sie zum Schreiben?
Ich habe schon immer sehr viel gelesen, und – durch meinen Beruf als Journalistin – auch sehr gern geschrieben. Ich schätze, irgendwann wollte ich einfach nicht mehr über andere berichten, sondern meiner Fantasie freien Lauf lassen. Die Geschichten, die ich schreibe, sind im Grunde genauso konzipiert wie die Bücher, die ich gern lese: Das sind zum einen Jugendbücher und zum anderen Liebesgeschichten, und das am besten noch an Orten, an die man sich schön hinträumen kann. Wie zum Beispiel Cornwall: Die ersten Seiten meines Debüt-Romans habe ich in einem Cottage geschrieben, das dem Sohn von Rosamunde Pilcher gehört. Und auf dem Flug nach Cornwall entstand die Idee zu Sommer in St. Ives, das ich in eben diesem Cottage entworfen habe.

Was inspiriert Sie/Wie finden Sie Ihre Themen?
Ich konsumiere sehr viele Geschichten in Form von Büchern, Filmen oder TV-Serien, und all das inspiriert mich und setzt sich in meinem Kopf zu neuen Ideen zusammen. Und natürlich inspiriert mich das Reisen. Ganz abgesehen davon, dass ich eine fulminante Tagträumerin bin – sich Geschichten auszudenken, war eigentlich schon immer eine meiner Lieblingsbeschäftigungen.

An welchem Buch arbeiten Sie gerade?
Derzeit arbeite ich an meinem vierten Roman für Blanvalet, und wieder wird die Geschichte in Cornwall spielen, diesmal auf einer kleinen Gezeiteninsel vor der Küste. Obwohl es diese Inseln ja tatsächlich gibt, zum Beispiel St. Michael’s Mount nahe Penzance, habe ich das Dorf auf dieser Insel erfunden und auch das Wild at Heart-Hotel, um das sich meine Geschichte dreht.
Dieses ganz besondere Hotel macht seinem Namen alle Ehre und ist Anziehungspunkt für Liebende, Romantiker, Künstler und Inspirationssuchende, und doch geht es bei Gretchen, ihrer Tochter Nettie und Theo, die das Haus gemeinsam betreiben, nicht immer nur harmonisch zu. Nettie zum Beispiel hätte es gern, dass sich ihre verwitwete Mutter selbst wieder verliebt und schmiedet Pläne, sie mit einem der Gäste – einem Liebesromanautor aus den USA – zu verkuppeln. Nettie ahnt nicht, dass ihre Mutter längst dabei ist, ihr Herz zu verlieren, an einen anderen allerdings, was zu einigen Verwicklungen führt. Nettie selbst ist sechzehn und muss feststellen, dass sie für ihren Jugendfreund Damien auf einmal mehr empfindet als nur Freundschaft. Das Chaos perfekt macht aber erst Opa Theo, der mit seinen Erfindungen schon so manches Feuer entzündet hat, im wahrsten Sinne des Wortes ...

Was daraus war bisher am schwierigsten zu schreiben?
Im Gegensatz zu den drei Romanen davor habe ich mich bei Wild at Heart gegen die Ich-Perspektive und für einen allgemeinen Erzähler entschieden, was für mich eine besondere Herausforderung darstellt. An die andere Erzählweise musste ich mich erst gewöhnen.

Haben Sie eine Lieblingsszene?
Im Augenblick noch nicht, aber ich bin auch noch nicht fertig mit dem Roman. Ich könnte mir aber vorstellen, dass die Versuche, mit denen Nettie ihre Mutter verkuppeln will, ziemlich lustig werden.

Haben Sie eine Lieblingsfigur?
Ich bin immer bemüht, neben meinen Hauptprotagonisten auch die Randfiguren so lebendig wie möglich zu gestalten. Bei Wild at Heart ist das zum Beispiel Oscar, ein junger Koch, den ich sehr gern mag. Er ist schon ewig in seine beste Freundin verliebt, die davon leider keine Ahnung hat.

Gibt es bestimmte geographische Orte, zu denen Sie oder Ihr Buch einen besonderen Bezug haben?
Ja, auf jeden Fall – ich liebe England, Schottland, Irland. Wild at Heart spielt wieder einmal in Cornwall, das ich besonders liebe. Ich könnte mir auch vorstellen, Romane in Island anzusiedeln, bloß war ich dort noch nicht.
Was mich persönlich nicht reizt, ist der Süden – ich kann nicht einmal erklären, warum, aber ich könnte mir nicht vorstellen, einen Roman in Italien oder Spanien spielen zu lassen. Vielleicht, weil ich selbst die Hitze nicht so gut vertrage.

Was lesen Sie selber gerne?
Ich bin eine Genre-Etappen-Leserin, würde ich sagen: Eine Zeitlang habe ich nur Krimis gelesen, dann ausschließlich Jugendbücher, im Augenblick lese ich überwiegend Liebesromane.

Wer sind Ihre Lieblingsautoren?
Es gibt viele AutorInnen, die ich sehr gerne lese, aber zu meinen Alltime-Favourites gehören T.C. Boyle, J.K. Rowling und Maggie Stiefvater.

Wer sind Ihre liebsten Romanhelden/-heldinnen?
Mr. Darcy, Holden Caulfield, Katniss Aberdeen.

Möchten Sie uns 3 Bücher für die einsame Insel empfehlen?
Ich würde gleich 7 empfehlen – die komplette Harry Potter-Reihe. Ich habe die Bücher schon dreimal gelesen und könnte immer wieder von vorn anfangen.

Was ist für Sie die größte Versuchung?
Schokolade und Rotwein.

Verraten Sie uns Ihr Lieblingsrezept?
Ich esse am liebsten Kartoffelbrei, und – seit ich überwiegend vegan/vegetarisch lebe – am besten mit Mandelmilch und veganer Butter, ich finde, dann ist er verträglicher. Dazu gibt es gerne Apfelmus, so isst man das in Wuppertal, wo ich herkomme.

Was ist für Sie die optimale Entspannung?
Sich mit einem Tier zu beschäftigen. Es gibt nichts Entspannenderes als eine schnurrende Katze, aber auch ein Spaziergang mit einem Hund kann den Kopf freipusten.

Haben Sie ein Lebensmotto?
Eigentlich nicht. Allerdings gefällt mir dieses eine Zitat von Sylvia Plath besonders gut: »Ich will leben, lieben und davon schöne Sätze sagen.«

Gibt es eine Person, die Sie persönlich fasziniert?
Als schriftstellerisches Vorbild fasziniert mich Maggie Stiefvater: Sie kann nicht nur hervorragend Geschichten erzählen, sie malt außerdem, spielt zig Instrumente und komponiert die Musik zu ihren Buchtrailern selbst. Das ist schon ziemlich beeindruckend, finde ich.

Welche menschliche Leistung des letzten Jahrhunderts bewundern Sie am meisten?
Vermutlich die Entwicklung des Internets. Ohne sie wären die allermeisten wohl jetzt nicht da, wo sie heute sind.

Welche Organisation oder welches Projekt würden Sie gerne unterstützen – oder tun dies bereits?
Ich bin noch kein Mitglied, aber ich würde jederzeit die Tierschutzorganisation Peta unterstützen oder jede andere Vereinigung, die sich für die Rechte und den Schutz von Tieren einsetzt.

Fünf Dinge, die wir noch nicht über Sie wissen:
1. Ich bin in Deutschland geboren, habe aber die österreichische Staatsangehörigkeit, weil mein Großvater Österreicher war
2. Ich singe in einem Chor – dem Bud Spenzer Heart Chor
3. Ich habe zwei Katzen, obwohl ich ein klitzekleines bisschen allergisch bin
4. Wenn ich schlechte Laune habe, schaue ich am liebsten »Rapunzel – Neu verföhnt«
5. Seit etwa einem Jahr lerne ich Klavierspielen, komme aber aus Zeitmangel nicht wirklich weiter, was ich wahnsinnig schade finde

Möchten Sie Ihren LeserInnen noch etwas mitteilen?
Liebe LeserInnen,
mögen Sie Hotels auch so gern? Jeder einzelne Gast hat seine eigene Geschichte, von denen die Wände eines solchen Hauses erzählen können, witzige, traurige, skurrile, leidenschaftliche, abwegige, anrührende – die Möglichkeiten sind schier unbegrenzt. Und dann das Personal, das so einen Betrieb am laufen hält? Der Koch, der heimlich das Zimmermädchen liebt, die Gärtnerin, die ein trauriges Geheimnis hütet, die Inhaberin, die verzweifelt versucht, sich und ihre Familie über Wasser zu halten? Wenn dann auch noch der viel beschäftigte Amor verrückt spielt, genauso wie ein anhängliches Frettchen? Was soll ich sagen? Willkommen im Wild at Heart-Hotel! Ich hoffe, Sie werden sich dort genauso wohl fühlen wie ich!

Ihre
Anne Sanders

Wild at Heart - Willkommen im Hotel der Herzen

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