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Ashley Dyer im Interview zu ihrem Buch »Tattoo«

Wussten Sie, dass Ashley Dyer als Studentin als Ranger in einem Park arbeitete?

Warum haben Sie sich dazu entschieden, Schriftstellerin zu werden?
Ich habe meinen ersten Roman mit zehn Jahren geschrieben. Er war nur vier Seiten lang, brachte mir in der Schule jedoch einen goldenen Stern ein. Dank dieser Aufmunterung war es unvermeidlich, dass ich Schriftstellerin werden würde. Zugegeben, ich habe mein Schreiben zwanzig Jahre lang auf Eis gelegt und eine Laufbahn in der Lehre eingeschlagen (Biologie und Naturwissenschaften und später als Spezialistin in Legasthenie). Wie die meisten Möchtegern-Schriftsteller, mit denen ich spreche, sagte ich mir, ich würde schreiben, wenn ich mehr Zeit hätte. Im Alter von dreißig Jahren erkrankte ich an Lupus (SLE), was zu neurologischen Problemen führte – transitorische ischämische Attacken (TIA) oder „kleine Schlaganfälle“, die meine Konzentration, Koordination und sogar meine Freude am Lesen beeinträchtigten. Obwohl es damals verheerend war, war diese Krankheit der Tritt in den Hintern, den ich brauchte. Sobald ich mich erholt hatte, fing ich an, mein Schreiben ernst zu nehmen.

Wo finden Sie die Inspiration für Ihre Romane?
Überall. Die folgenden Ereignisse waren alle mehr oder weniger der Ausgangspunkt eines Romans oder einer Kurzgeschichte: Träume und Albträume, belauschte Gespräche, ein falsch verstandener Nachrichtenbericht, eine Geschichte in den Nachrichten, die mich verärgerte, ein Satz, der aus dem Nichts kam und mich dazu brachte, die Geschichte zu vervollständigen. Zudem ich habe eine starke visuelle Vorstellungskraft und oft stellt ein Bild für mich den Ausgangspunkt eines Romans dar. Als ich einmal im Verkehr feststeckte, sah ich, wie eine Leiche aus einer Mülltonne in einen Müllwagen fiel, und dieses Bild wurde zur Grundlage eines Romans. TATTOO ist ebenfalls ein Beispiel für ein Bild, das für mich die kreative Reise einleitete – dazu später mehr.

An welcher Geschichte schreiben Sie gerade?
Es ist wieder eine Geschichte von Carver und Lake, die noch düsterer ist als TATTOO. In diesem Roman macht ein sadistischer Mörder „Kunst“ aus den Leichen seiner Opfer.

Wer sind Ihre Lieblingsautoren? Und warum?
Da ich vor meiner Schriftsteller-Laufbahn Biologielehrerin war, habe ich mich daran gewöhnt, einen großen Arbeitsplatz zu haben – ich verfügte über eine ganze Werkbank in meinem alten Biologielabor! Daher schob ich zwei Schreibtische zusammen, um genügend Platz für Bücher und Referenzmaterial zu haben. Zu meiner Linken liegen Bücher von Thomas Harris, Dennis Lehane, Richard Montanari, Jeffrey Deaver und Oliver Sachs in Reichweite. Diese Bücher sind da, weil ich mich von Zeit zu Zeit gern an die Aufregung und die Freude erinnere, die ein gut geschriebener, rasanter Roman in mir auslöst. Diese Autoren sind nur einige von vielen, die mich über die Jahre hinweg inspiriert haben. Ich bewundere Schriftsteller, die ihr Thema verstehen und tadellos recherchieren. Aber gutes Schreiben ist transformierend, und ich bin eine genaue Leserin. Die Romanautoren, auf die ich immer wieder zurückkomme, sind diejenigen, die Hintergrundmaterialien neu aufarbeiten, indem sie überaus fesselnde Romane und Charaktere erschaffen, die einem wirklich wichtig sind – ob man sie nun liebt oder hasst. Alle diese Autoren bewohnen ihre Welten und schreiben so verführerisch, dass wir als Leser hineingezogen werden und sie auch bewohnen wollen, selbst wenn wir (metaphorisch gesprochen) bei den schrecklichen Ereignissen in der Geschichte nur hinter dem Sofa hervorlugen!
Ich glaube nicht, dass Oliver Sacks je einen Roman geschrieben hat, doch seit Awakenings – Zeit des Erwachens hat er Erzählungen verfasst, in denen die Leser seine Patienten besser verstehen konnten. Ich bin fasziniert von den seltsamen Dingen, zu denen der Geist fähig ist – von der Fehlinterpretation der Realität beim Anblick eines Trompe-l’œil bis zu den erstaunlichen Halluzinationen und Wahrnehmungsverzerrungen, die der Geist als Folge von Krankheit, Hirnverletzung, Trauma oder Drogen erleben kann. Oliver Sacks‘ Buch Drachen, Doppelgänger und Dämonen. Über Menschen mit Halluzinationen war eine wichtige Quelle in Bezug auf die Erfahrungen von Hauptkommissar Carver, während er sich von schweren Verletzungen erholte.

Welches Buch (welche Bücher) haben Sie kürzlich gelesen?
Verkörperter Schrecken von Bessel Van Der Kolk als Hintergrundlektüre für Carvers Genesung von einem Trauma; Der talentierte Mörder von Jeffery Deaver; Manhattan Beach von Jennifer Egan; Totenlied von Tess Gerritsen und Supergute Tage oder die sonderbare Welt des Christopher Boone von Mark Haddon. Gerade lese ich Über den wilden Fluss von Philip Pullman und Schräge Typen von Tom Hanks.

Wie lautet Ihre Lebensphilosophie?
Ich möchte gern einen Kontext schaffen, bevor ich das beantworte. Als junge Erwachsene wurde mir von meinen Eltern gesagt, ich könne nicht zur Universität gehen. So etwas würden Kinder der Arbeiterklasse nicht tun. Als Studentin wurde mir von einem besitzergreifenden Partner gesagt, dass ich ihn nie verlassen könnte. Mit Dreißig wurde mir gesagt, dass ich wegen Lupus vielleicht niemals meinen Traum im Leben erreichen würde: Schriftstellerin zu werden. Als Antwort auf jeden dieser Rückschläge sagte ich mir: »Okay, das sagen sie, aber was wirst du tun?« Also ging ich zur Universität, gleich dreimal. Ich verließ diesen besitzergreifenden Partner und bin nun seit vielen Jahren glücklich verheiratet. Oh, und seit einundzwanzig Jahren bin ich trotz (oder vielleicht wegen) Lupus professionelle Schriftstellerin.
Meine Lebensphilosophie lautet daher: Halte durch. Entschlossenheit, Belastbarkeit – wahrer Mut – sind außerordentlich wichtig im Leben und zugleich die Eigenschaften, die ich am meisten bei anderen bewundere. Geh weiter in der Not – trotz Rückschlägen und Schicksalsschlägen, und du kannst Ungerechtigkeiten überwinden und eine Nische erschaffen, in der du im Einklang mit deinem wahren Selbst bist.

Was tun Sie, wenn Sie nicht gerade schreiben?
Ich schreibe im Grunde die ganze Zeit, und wenn ich nicht schreibe, denke ich über das Schreiben nach. Also muss alles andere, was ich tue, in einer oder zwei Stunden erledigt werden. Ich gärtnere, lese, gehe ins Theater, koche, laufe an der Küste, wo ich lebe, singe, treffe Freunde, entschuldige mich bei Freunden dafür, dass ich mich so lange nicht gemeldet habe, und wiederhole 1 bis 8.

Fünf Dinge über Sie, die wir noch nicht wussten …
1. Fast zwei Jahre, bevor es zum ersten Mal in Großbritannien zur Verurteilung eines Mörders eingesetzt wurde, schlug ich vor, »Familien-DNA« zu verwenden, um einen Verdächtigen durch seine Verwandten zu identifizieren.
2. Ich bin eine Verfechterin des lebenslangen Lernens und absolvierte meinen Master in Kreativem Schreiben, nachdem ich meinen vierten Roman veröffentlicht hatte.
3. Als Lesegruppenleiterin des Royal Literary Fund lese ich gern vor und bin für meine dramatischen Lesungen bekannt.
4. Als Studentin arbeitete ich zwei Sommer als Ranger in einem Park (was nicht so tough und aufregend ist, wie es klingt)!
5. Ich kann besser denken, wenn ich einen Stift in der Hand halte.

Über das aktuelle Buch

Wie würden Sie Ihren Roman mit einem Satz beschreiben?
Ah, es ist gemein, eine Schriftstellerin zu bitten, das Produkt ihrer Vorstellungskraft in einem Satz zusammenzufassen. Aber bitte: TATTOO untersucht Wahrheit und Lüge, Treue und Verrat auf beiden Seiten des Gesetzes, doch wenn Ermittler einander nicht vertrauen können, wie sollen sie einen Mörder fangen, der sich auf die Lügen der Menschen stützt?

Was hat Sie zu dem Roman inspiriert?
TATTOO begann mit einem Bild. Eine Frau steht über ihrem Kollegen und Freund. Sie hält eine Waffe in der Hand; er liegt zusammengesunken auf einem Stuhl – erschossen.
Ich genieße die Herausforderung, mit der dieser Art von Geschichte einhergeht. Ich beginne genau an demselben Punkt wie der Leser – ahnungslos –, als wäre ich auf einen Tatort gestoßen. Mittels kriminalistischer Arbeit und Vorstellungskraft muss ich die Geschichte ermitteln (und den Mörder finden).

Welcher ist Ihr Lieblingscharakter in TATTOO und warum?
Ruth Lake. Sie ist eine komplexe, selbstständige, charismatische Frau – alles Eigenschaften, die ich bewundere. Wie ich hat sie schreckliche Dinge erlebt, doch sie hat überlebt und ist aufgeblüht. Ich habe den Roman zum Teil geschrieben, um herauszufinden, warum sie in der Eröffnungsszene etwas scheinbar Unverzeihliches tut, und es hat Spaß gemacht, sie besser kennenzulernen. Aber das Schöne an Ruth ist: Je mehr ich sie verstehe, desto mehr will ich wissen.

Welche Szene war am schwierigsten zu schreiben?
Am schwierigsten in der Handlungsführung war ein entscheidendes Beweismittel so zu platzieren, dass es keinen der beiden Hauptprotagonisten belastete. Ich plane viel, aber dieses Problem konnte ich erst lösen, als ich den Roman fast fertig geschrieben hatte.
Am schwierigsten zu schreiben war eine Szene kurz vor dem Ende, in der eine zentrale Figur dem Dornenkiller völlig hilflos ausgeliefert ist. Die Schwierigkeit war zweifach: Genug Geheimnisse zurückhalten, damit nur manche Wahrheiten offenbart werden, ein größeres Geheimnis jedoch verborgen bleibt, und einen Weg zu finden, damit das Opfer eine gewisse Macht über den Entführer erhält. Es ist auch eine Herausforderung, sich in den Kopf eines Mörders zu versetzen. Man will keinen zweidimensionalen Charakter erschaffen und ihn so narzisstisch und grandios machen, dass er wie ein Bilderbuch-Bösewicht erscheint.

Welchen Lesern, glauben Sie, wird Ihr Buch gefallen?
Allen, die eine gute Geschichte mit runden und komplexen Charakteren mögen und Lust auf die Herausforderung eines wahren Mysteriums mit vielen Wendungen haben.

Gibt es andere Bücher, die Sie mit Ihrer Arbeit vergleichen würden?
Es heißt, Vergleiche taugen nichts, aber als Fan von Jeffery Deavers Werken spricht mich der Gedanke an, dass TATTOO das gleiche Tempo und die gleiche Sogkraft wie seine Romane hat. Dieser Roman enthält mitunter auch die forensischen Elemente von den Thrillern von Kathy Reichs und Tess Gerritsen.

Wollen Sie Ihren Leser/innen noch etwas mitteilen?

Liebe Leserinnern und Leser,

ich habe beim Schreiben dieser Geschichte an Sie gedacht. Eine Geschichte ist ein Geschenk, schön verpackt im Einband, doch sie bleibt geheim, unbekannt und ungeliebt, solange sie nicht in den Händen der richtigen Person landet. Oder – wenn ich Glück habe – in den Händen von Tausenden, die jeweils auf ihre Art die »richtige Person« sind. Denn ich glaube fest daran, dass jeder Leser dem Buch etwas hinzufügt, nämliche die eigene Einzigartigkeit. Jeder Leser, der eine Ausgabe von TATTOO zur Hand nimmt, wird jeweils eine etwas andere Geschichte lesen, und manche werden vielleicht eine Tiefe und einen Sinn finden, den ich als Schriftstellerin nie ganz verstanden oder erkannt habe. Carver und Lake und all die anderen werden in diesem Roman durch Ihre Fantasie zum Leben erweckt, sie werden durch Ihre Erfahrung bereichert und auf Ihre einzigartige Art und Weise verstanden. Wenn wir Autoren unser »Büchlein« in die Welt hinausschicken, gehört es Ihnen, dem Leser. Ich hoffe, dass TATTOO einen geneigten Leser in Ihnen finden wird und dass Sie das Geheimnis faszinierend und seine Entlüftung unterhaltsam finden.

Ihre
Ashley Dyer


Ashley Dyer ist das britische Schriftstellerduo Margaret Murphy und Helen Pepper. Es handelt sich um ihr erstes gemeinsames Buch.

Tattoo Blick ins Buch

Ashley Dyer

Tattoo

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