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Was war der Anlass, für Ihre ausgefallene Idee, eine „Schokoladenpsychologie“ zu entwickeln?
Ilona Bürgel: Ganz gleich ob im Beruf oder privat. Der Druck nimmt zu! Immer höher, schneller, weiter und dabei immer attraktiver, fitter, positiver... Die Ansprüche, die an uns gestellt werden und die auch immer mehr von uns sogar freiwillig an sich selbst stellen, sind kaum noch zu erfüllen. Im Ergebnis macht uns unser so reiches Leben eher krank als glücklich. Alternativen haben wir viele – im Kopf, doch wir leben sie nicht. Ich habe nach einem genussvollen Weg gesucht, wie wir das wichtigste Grundprinzip der Positiven Psychologie in unserem Alltag leben können: Wir arbeiten und leben so gut oder schlecht wie wir uns fühlen.

Was macht die Positive Psychologie?
Ilona Bürgel: In den 80er Jahren fragten sich einige Psychologen, warum sie sich hauptsächlich mit Symptomen, Krankheiten und Konflikten befassen, wo doch 70% der Menschen gesund sind und einfach gut leben wollen. So ist eine Wissenschaft entstanden, die die Bedingungen für Glück und Gesundheit untersucht, sich auf Lösungen und Chancen fokussiert.

Und dabei soll uns Schokolade helfen?
Ilona Bürgel: Ganz genau. Wäre es nicht großartig, wenn alles im Leben, vor allem unsere Arbeit, so leicht und angenehm wäre, wie es ist, Schokolade zu essen? Wenn wir Schokolade essen, wissen wir genau, was wir wollen. Wir wissen, was zu uns passt. Zudem handeln wir sofort und nicht irgendwann. Wir machen das Naschen nicht von Bedingungen abhängig und wir sorgen selbst dafür, in den Schokoladenhimmel zu kommen, statt von anderen die Lieferung des Glücks zu erwarten. Genau das sollten wir auf unseren Alltag übertragen.
Was sind die Grundprinzipien von Schokologie?
Ilona Bürgel: Das sind fünf Prinzipien, die wir beim Schokolade essen automatisch anwenden:

1: ERLAUBEN Sie sich, das Leben und die Arbeit zu genießen.
2: Genießen Sie das, was IST.
3. Lassen Sie sich Leben und Arbeit JETZT schmecken.
4. Leben Sie IHR LEBEN.
5. Tun Sie mit ruhigem Gewissen das BESTE für sich selbst.

Im Privatleben werden viele Leserinnen und Leser das Konzept schnell umsetzen, doch Sie wünschen sich auch eine Anwendung im Berufsleben, wie soll das gehen?
Ilona Bürgel: Die Zukunft der Arbeit braucht Menschen mit einer neuen Haltung: Wohlbefinden wird zum Wirtschaftsfaktor. Wenn Menschen sich wohl fühlen, engagieren sie sich automatisch und erbringen von ganz allein Bestleistungen. Nur der, dem es gut geht, kann anderen etwas abgeben. Nur wer zufrieden ist mit seinem Leben, kann glücklich, leistungsfähig und gesund bleiben.

Laufen wir nun alle mit einer rosaroten Brille durch die Gegend und reden uns die Dinge schön?
Ilona Bürgel: Nein gar nicht. Es geht um eine neue Denkkultur, das viele Gute im Leben überhaupt wieder wahrzunehmen und unser Wohlbefinden selbst in die Hand zu nehmen. Also nicht so zu tun, als ob es uns gut geht, sondern dafür zu sorgen, dass es uns gut geht. Das geht bei jedem anders, manchmal eben auch mit etwas Schokolade.