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Joy Fielding im Interview

Sie haben bereits im Alter von acht Jahren mit dem Schreiben begonnen. Warum hat Sie die Welt der Bücher so angezogen?
Ich weiß gar nicht, ob es tatsächlich die Bücher waren, die mich lockten oder die Geschichten selbst. Ich hatte seit jeher viel Phantasie und dazu Eltern, die mich ermutigten, zu lesen. Wir hatten immer eine Menge Zeitschriften und Bücher im Haus. Ich wusste schon als Kind, dass ich eines Tages Schriftstellerin werden will.

Als Sie zwölf Jahre alt waren, schrieben Sie ein Drehbuch, in dem ein zwölf Jahre altes Mädchen seine Eltern umbringt. Was haben Ihre Eltern dazu gesagt? Konnten sie nachts noch ruhig schlafen?
Ich bin überzeugt, meine Eltern waren mehr als ein bisschen besorgt. Meine Mutter erzählte mir Jahre später, dass sie und mein Vater abends im Bett lagen und sich fragten, was in meinem Kopf vorging. Diese intensive Besorgnis habe ich nie verstanden, bis ich selbst meine Töchter bekam.

Eine solche Story ist harter Stoff für eine Zwölfjährige. Warum faszinieren Sie ausgerechnet Verbrechen so sehr?
Ich glaube, dass mich weniger das Verbrechen anspricht als das Drama. Ich mag dramatische Situationen – und Kriminalität, besonders heftige Verbrechen, können sehr dramatisch sein. Ich führe meine Protagonisten gerne an den Rand einer Klippe, schubse sie herunter und beobachte dann, was sie tun, um zu überleben.

Das klingt wirklich dramatisch. Inwiefern beeinflusst Ihre Karriere als Schauspielerin Ihr Schreiben?
Ich denke, dass sich meine Erfahrung als Schauspielerin sehr vorteilhaft auf mein Schreiben auswirkt. Denn sie hat mich gelehrt, wie man eine Szene dramatisch gestaltet, was funktioniert und was nicht – und natürlich auch, wie man Dialoge gestaltet. Ich schreibe sehr realistische Dialoge und das ist zum Teil auf meine Arbeit als Schauspielerin zurückzuführen. Außerdem nutze ich einige Techniken, die ich durch die Schauspielerei gelernt habe. Beispielsweise schlüpfe ich in die Figur, die ich beschreibe. Das funktioniert ganz ähnlich wie das „Method Acting“, das Schauspieler anwenden.

Schreiben Sie, wenn Sie sich besonders inspiriert fühlen oder haben Sie regelmäßige Arbeitszeiten?
Wenn ich an einem Roman arbeite, schreibe ich zwischen fünf bis sieben Tage die Woche mindestens drei bis vier Stunden am Tag – manchmal auch mehr. Um als Schriftsteller erfolgreich zu werden, muss man sehr diszipliniert sein. Zum Glück fällt mir das relativ leicht. Das Schreiben ist ein Job, wenn auch ein sehr kreativer. Wenn man nicht diszipliniert genug ist, sich hinzusetzen und es jeden Tag zu tun, wird man nie erfolgreich sein. Und wer auf Inspiration wartet, muss sehr viel Glück haben, um ein Buch fertig zu bekommen.

Ist es schwierig, jedes Jahr eine neue Idee für einen Plot zu finden?
Ideen zu finden, ist nie schwer für mich. Ich habe sie einfach in meinem Kopf. Herauszufinden, was ich mit einer Idee anfangen soll, ist die größere Herausforderung.

Ihre Protagonisten sind meist starke und mutige Frauen. Steckt viel von Ihnen in Ihren Figuren?
Das stimmt, die meisten meiner Protagonisten sind Frauen, obwohl sich natürlich auch gelegentlich ein Mann einschleicht. Ich würde sagen, in diesen Frauen zeigen sich verschiedene Aspekte meiner Persönlichkeit. Mal ist es mein Humor, mal meine Neurosen oder auch meine Wut. Gelegentlich erleben sie Situationen, die ich selbst oder Freunde von mir schon durchgemacht haben. Ein Schriftsteller greift auf die eine oder andere Weise immer auf eigene Erlebnisse zurück. Deshalb freut es mich, dass Sie diese Frauen als stark und mutig erleben.

Viele Ihrer Figuren erleben Gewalt und leiden im Verlauf der Geschichte. Haben Sie manchmal Mitgefühl mit ihnen?
Natürlich, ich fühle immer mit meinen Protagonisten. Ich schlüpfe wie gesagt gerne in die Haut meiner Figuren. Deshalb reagieren sie so, wie ich es selbst vermutlich auch täte. In gewissen Sinn werde ich also diese Figur. Wenn ich nicht mit ihr mitempfinde, macht das auch kein Leser.

Haben Sie schon mal eine Story im letzten Moment geändert, um eine lieb gewordene Figur doch noch zu retten?
Ich lege sehr früh den wichtigsten Erzählstrang fest und ändere selten das Schicksal meiner Figuren, auch wenn ich manchmal in Versuchung bin. Ich habe verzweifelt gehofft, dass ein Heilmittel für ALS (Amyotrophe Lateralsklerose) gefunden wird, während ich das Buch „Zähl nicht die Stunden“ schrieb, damit Mattie überleben kann. Aber das ist nicht passiert, also hatte ich wirklich keine Wahl. In „Das Verhängnis“ wusste ich lange Zeit nicht, welche meiner Hauptfiguren überleben würde, bis ich sie alle in ein Hotelzimmer gebracht habe und die Szene durchspielte. Oft bin ich sehr traurig, wenn ich eine Figur töten muss, die mir ans Herz gewachsen ist – aber als Schriftsteller musst du eben deiner Geschichte treu bleiben.

Die Fragen stellte Marion Lenke

Solange du atmest Blick ins Buch

Joy Fielding

Solange du atmest

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