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Beate Rygiert im Interview über ihren Roman »Herzensräuber«

Wussten Sie, dass Beate Rygiert gerne eine so gute Nase wie ihr Romanheld, der Hund Zola, besitzen würde?

Eine kurze Biographie:
Beate Rygiert ist Autorin aus Leidenschaft, außerdem Malerin und Filmemacherin. Nach dem Studium der Theater-, Musikwissenschaften und Italienischen Literatur in München und Florenz arbeitete sie als Theaterdramaturgin, ehe sie den Sprung in die künstlerische Selbstständigkeit machte. Für ihre Romane und Drehbücher erhielt sie zahlreiche renommierte Preise wie den Würth-Literaturpreis und den Thomas-Strittmatter-Drehbuchpreis. Beate Rygiert lebt in Stuttgart und im Schwarzwald. Mehr über die Autorin unter www.beaterygiert.de.

Würden Sie uns ein wenig über sich erzählen – Ihre Hobbys, Lebenssituation, Ihren Traum vom Glück, was Sie ärgert, welche Gabe Sie gerne besäßen …?
Eigentlich lebe ich meinen Traum: Ich bin Vollzeit-Schriftstellerin und das seit vielen Jahren. Auch mein Mann ist Schriftsteller und darum "verstehen" wir die Lebenswelt des anderen. Denn das Schreiben ist nicht nur ein Beruf, es ist eine Berufung, ein Lebensstil.

Ich liebe die Natur, den Wald, bin gerne in meinem Garten. Als Schwarzwälderin kehrte ich nach vielen Jahren in Metropolen wieder zurück und lebe mit meinem Mann im Schwarzwald bei Baden-Baden und einige Monate im Jahr in Andalusien. Ich liebe – wen wundert es bei Herzensräuber – Hunde, und für Zola gibt es auch ein reales Vorbild, das leider vor einem Jahr in den Hundehimmel ging. Momentan gibt es noch keinen Nachfolger, außer Zola natürlich.

Ich bin glücklich, wenn ich Geschichten erzählen darf und wenn diese die Herzen meiner Leser berühren. Wenn ich in meinem Atelier stehe und mich statt mit Worten mit Farbe ausdrücke. Oder wenn ich einem Thema mit der Kamera auf den Grund gehe. Den Dingen auf den Grund zu gehen – das ist es, was meine Arbeit ausmacht, auch den Herzensdingen, den Liebesdingen, den Problemen, die Menschen miteinander haben und wie man diese lösen kann.

Was mich ärgert? Unprofessionalität. Gleichgültigkeit gegenüber dem Leben und dem, was man tut. Denn ich finde, das Leben ist zu kurz und zu wertvoll, als dass man nicht das Beste daraus zu machen versucht: intensiv zu leben, zu lieben, sich bei Differenzen zu verständigen, Lösungen zu finden und miteinander Spaß zu haben.

Welche Gabe ich gerne besäße? Ich hätte schrecklich gerne eine so gute Nase wie mein Romanheld von Herzensräuber – der Hund Zola.

Wie kamen Sie zum Schreiben?
Als Zwölfjährige schrieb ich in mein Tagebuch: „Eigentlich möchte ich Schriftstellerin werden. Ich sollte dabei bleiben!". Seit ich denken kann, habe ich Geschichten erzählt. Zum Beispiel im Handarbeitsunterricht in der Grundschule, wo meine Lehrerin bald merkte, dass die anderen Kinder ganz still und brav wurden, wenn sie mich einfach erzählen ließ. Dafür hat sie stillschweigend meine fallengelassenen Maschen gerettet und auch die eine oder andere Handarbeit für mich fertig gemacht.

Ich stamme nicht aus einer Familie, wo man sagt: Wenn ich groß bin, werde ich Schriftstellerin, das war einfach undenkbar. Und da ich sehr musikalisch war, mir Sprachen leicht fielen, wählte ich Musik und Französisch als Leistungsfächer beim Abitur und studierte danach Theaterwissenschaft, Musikwissenschaft und Italienische Literatur an der LMU in München. Das Stipendium, das ich erhielt, um in Florenz ein Semester zu studieren, hat meine Sicht auf die Welt sehr verändert: Ich sog die Kunst dort nur so in mich auf und ebenso die modernen italienischen Romanautoren wie Umberto Eco, Italo Calvino, Antonio Tabucchi, um nur einige zu nennen. Sie beeinflussten später mein Schreiben, ebenso wie die südamerikanischen Erzähler Mario Vargas Llosa, Jorge Luis Borges und Gabriel Garcia Marquez.

Nach dem Studium arbeitete ich für einige Jahre als Operndramaturgin an verschiedenen Theatern. Hier flossen alle meine Interessen zusammen: die Geschichten, die Musik, die Kunst in der Ausstattung usw. Dennoch wurde mir bald klar, dass mir dieser Beruf zu wenig kreativ war. Und dann sagte ich mir: Entweder ich rede mein Leben lang darüber, dass ich eigentlich Schriftstellerin sein möchte, oder ich wage das jetzt. Und kündigte. Und schrieb meinen ersten Roman – unter Entbehrungen, doch gefördert durch ein wunderbares Stipendium der Kunststiftung Baden-Württemberg. Mein erster Roman Bronjas Erbe erschien 2000 bei Claassen – der Rest ist Geschichte. Seither lebe und arbeite ich als freie Autorin.

Was inspiriert Sie?
Schwer zu erklären. Eigentlich inspiriert mich alles, das Leben, das viel verrücktere Geschichten schreibt als wir Autoren. Es sind meistens Charaktere, die mich faszinieren, Menschen (oder in unserem Fall Hunde) "wie du und ich". Und die Frage: Wer bin ich eigentlich? Wo komme ich her, was hat mich zu dem Menschen gemacht, der ich bin? Diese Fragen stellen sich die meisten meiner Protagonisten – außer Zola. Hunde stellen sich selbst nicht in Frage. Doch ihre Sicht auf die Menschen spiegelt unser Leben auf humorvolle und doch auch nachdenkliche Weise. Und zu diesem Buch inspirierte mich ohne Zweifel meine Schnauzermischlingshündin Cookie (sie starb letztes Jahr).

Welche Szene aus Ihrem Buch war am schwierigsten zu schreiben?
Ich finde es ausgesprochen reizvoll, mich in die Psyche und Denkweise eines Hundes zu versetzen. Das erfordert eine ganz unmittelbare Wahrnehmung, denn wir wissen nicht viel darüber, wie Hunde denken oder empfinden. Das reizt mich.

Haben Sie eine Lieblingsszene?
Ich liebe alle Szenen. Schön ist natürlich, wie der Hund Zola herausfindet, was es mit den Büchern im Antiquariat seines "neuen Menschen" Tobias auf sich hat – jedenfalls aus Hundesicht. Bücher sind für ihn Herzensräuber, weil das Herz seines Menschen, wenn er liest, auf Reisen geht und unerklärliche Dinge erlebt, während Tobias selbst ganz still im Sessel sitzt. Und das beunruhigt Zola und fasziniert ihn zugleich.

Haben Sie eine Lieblingsfigur?
Meine Hauptfigur Zola, ein Hund, natürlich.

Gibt es bestimmte geographische Orte, zu denen Sie oder Ihr Buch einen besonderen Bezug haben?
Herzensräuber spielt in Heidelberg; ich verbringe jedes Jahr einige Monate in Andalusien, in Spanien.

Was lesen Sie selber gerne?
Romane aller Couleur

Wer sind Ihre Lieblingsautoren?
Habe keine, lese zu viel Verschiedenes.

Wer sind Ihre liebsten Romanhelden/-heldinnen?
Frodo im Herr der Ringe;
Gregor in Daniel Oliver Bachmanns Petting statt Pershing;
Sam, der Junge in Nina Georges Traumbuch;

Möchten Sie uns 3 Bücher für die einsame Insel empfehlen?
Das indische Epos Mahabharata, das Gilgamesch-Epos, Tausend und eine Nacht – und zwar aus dem Grund, dass in diesen Büchern die meistmöglichen, fantastischen Geschichten enthalten sind. Und wenn ich den Rest meines Lebens auf einer einsamen Insel verbringen sollte, dann mit möglichst reichhaltiger Literatur.

Was ist für Sie die größte Versuchung?
Süßes. Leider vertrag ich Zucker nicht gut.

Verraten Sie uns Ihr Lieblingsrezept?
Gerne. Es stammt aus Peru und findet sich übrigens auch in dem Erzählenden Sachbuch Geht die Liebe durch den Magen, das letztes Jahr im Gatzanis-Verlag erschien, ein sehr schönes Buch mit Illustrationen von Michael Luz.

Ceviche,
in Limettensaft gebeizter Fisch mit ein paar scharfen Details

500 Gramm Fisch mit weißem Fleisch, zum Beispiel See- oder Goldbarsch. Er darf nicht zu fest sein, aber auch nicht zu zart.
6-8 Limetten, lieber zu viel als zu wenig,
½ bis 1 Teelöffel Salz
1 Bund Culantro (Korianderkraut)
1 violette oder weiße Zwiebel (Original ist die violette, mir schmeckt es mit der weißen besser)
1 Ajì amarillo oder ein zwei Zentimeter langes Stück von einem frischen, roten Chili (Chili sind ein wenig unberechenbar. Lieber erst einmal weniger nehmen, das Gericht sollte nicht höllenscharf schmecken, sondern einfach nur eine raffinierte leichte Chili-Note haben)

Den Fisch in Würfel schneiden von ungefähr 1-2 Zentimeter Seitenlänge. Die Stücke in eine dekorative Schüssel schichten, die in hauchfeine Scheiben geschnittene Zwiebel und die feingehackte Chili-Schote untermischen. Alles mit dem Limettensaft übergießen. Der Fisch sollte vollständig von dem Saft bedeckt sein. Über Nacht oder mindestens sechs Stunden im Kühlschrank zugedeckt ziehen lassen. Vor dem Servieren vorsichtig das Salz untermischen und mit frisch geschnittenen Culantro bestreuen. Genießen!


Was ist für Sie die optimale Entspannung?
Ein Waldspaziergang mit meinem Liebsten. Musik machen.

Haben Sie ein Lebensmotto?
Ich habe zwei: "Alles wird gut" und "Carpe diem".

Gibt es eine Person, die Sie persönlich fasziniert?
Oh, viele. Waliha Cometti ist eine davon.

Welche menschliche Leistung des letzten Jahrhunderts bewundern Sie am meisten?
Die Erfindung des Internets. Das hat mein Leben verändert und mir viel persönliche Freiheit geschenkt.

Welche Organisation oder welches Projekt würden Sie gerne unterstützen – oder tun dies bereits?
Vor vierzehn Jahren habe ich ein Hilfsprojekt in Uganda für Aids-infizierte Frauen und Kinder ins Leben gerufen, das ich seither betreue. Alles dazu können Sie auf meiner Homepage www.beaterygiert.de. unter Hilfsprojekt finden, das würde hier zu weit führen.

Fünf Dinge, die wir noch nicht über Sie wissen
* Ich habe zwei ältere Schwestern, die ich sehr liebe und bewundere. Eine lebt in Australien und die andere in Spanien.
* Meine Lieblingsfarbe ist Blau.
* Ich mache Yoga und Tai Chi.
* Ich spiele gerne Klavier und mache mit meinem Mann gemeinsam Musik.

Ein paar Worte an Ihre Leser und Leserinnen?
Jedes einzelne Wort, das ich schreibe, schreibe ich für Sie, meine Leserinnen und Leser. Und wünsche mir dabei, dass sie den Weg direkt in Ihr Herz finden. Denn die Geschichten, die ich erzählen möchte, werden erst komplett, wenn Sie beim Lesen Ihren eigenen Teil, Ihre Gedanken und Gefühle hinzufügen. Sie sind es, die Zola, Tobias, Emma und Alice und all die anderen beim Lesen zum Leben erwecken, ansonsten bleiben sie einfach nur Buchstaben auf Papier. Wir Schriftsteller und unsere Leser sind deswegen die größten Komplizen, nur gemeinsam entstehen die Welten in den Büchern oder, wie Zola sagen würde: in den Herzensräubern. Und ich hoffe, Sie haben genauso viel Freude beim Lesen wie ich beim Schreiben.

Herzensräuber Blick ins Buch

Beate Rygiert

Herzensräuber

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