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Cassandra Clare über ihre Fantasyreihe »Die dunklen Mächte«

"Lady Midnight" war der Auftakt zu Cassandra Clares neuer Reihe "Die dunklen Mächte". Zur Freude der Leser erscheint am 9. Oktober 2017 der lang ersehnte zweite Teil "Lord of Shadows". Im Interview mit dem Goldmann Verlag erzählt die Autorin mehr über die Serie und ihre Hauptcharaktere.

Cassandra Clare
© Kelly Campbell S&S Inc

Sie zählen zu den erfolgreichsten Fantasy-Autoren und haben das Genre der Urban Fantasy mit Ihrer bekannten Serie »Chroniken der Unterwelt« sowie der zugehörigen Vorgeschichte »Chroniken der Schattenjäger« geprägt. Wie kamen Sie auf die Idee, Ihre Romane in modernen Metropolen wie New York, London und Los Angeles anzusiedeln, statt ein zweites Mittelerde zu erfinden?

Als ich mich hinsetzte, um die Handlung des Buches zu umreißen, wollte ich Elemente traditioneller High Fantasy miteinander verbinden – einen monumentalen Kampf zwischen Gut und Böse, grässliche Monster, tapfere Helden, magische Schwerter – und diese aus einer modernen, urbanen Sicht neu gestalten. Daher gibt es die Schattenjäger, diese ganz klassischen Krieger, die ihren jahrtausendealten Traditionen folgen, aber in einer urbanen, zeitgemäßen Umgebung: Wolkenkratzer, Lagerhallen, verkommene Hotels, Rockkonzerte. In den Märchen ist es der finstere, unheimliche Wald vor der Stadt, in dem Zauberwesen und Gefahren lauern. In der Welt, die ich erschaffen wollte, sollte die Großstadt zum Wald geworden sein und diesen urbanen Räumen ihre eigene Magie und Gefahr, ihre Geheimnisse und fremdartige Schönheit innewohnen.

Die Trilogie »Die Dunklen Mächte« knüpft an die »Chroniken der Unterwelt« an. Die Handlung setzt fünf Jahre nach den letzten Ereignissen der Unterwelt-Chroniken ein und fällt in die Zeit des »Kalten Friedens«. Können Sie die Ausgangssituation, in der sich die Welt der Schattenjäger am Anfang Ihrer neuen Serie befindet, etwas genauer beschreiben?

Die Vereinbarung über den »Kalten Frieden« hat die Welt der Schattenjäger und Schattenweltler grundlegend verändert. Der Rat, die Regierung der Schattenjäger, hat seit Inkrafttreten einen radikalen Kurswechsel im Umgang mit Feenwesen vollzogen. Künftig wird den Elben keinerlei Schutz mehr gewährt. Sie sind aus der Gemeinschaft Gleichberechtigter verstoßen und dadurch im Grunde sich selbst überlassen. Das ist eine harte Strafe für den Verrat, den die Feenkönigin in den »Chroniken der Unterwelt« beging – eine zu harte, wie manche sagen. Das umstrittene Gesetz hat weitreichende Konsequenzen für Schattenjäger und Schattenweltler gleichermaßen, und einige dieser Auswirkungen spielen in »Die dunklen Mächte« eine zentrale Rolle.

Warum haben Sie sich für Los Angeles als Schauplatz ihrer neuen Trilogie entschieden?

Los Angeles ist eine faszinierende Stadt, weil sie so modern und ausufernd ist und zugleich in einer überwältigend schönen Landschaft liegt, wo Berge, Wüste und Ozean aufeinandertreffen. Weil ich in Los Angeles aufwuchs, regten diese Gegensätze meine Fantasie an, und ich dachte mir damals stundenlang Welten aus, in denen magische Wesen mitten unter uns leben. Es lag also nahe, dass ich in der neuen Serie an meine früheren Tagträume anknüpfte. Emma und Julian halten sich an vielen Orten auf, an denen ich als Teenager meine Zeit verbrachte.

Im Zentrum von »Die Dunklen Mächte« stehen diesmal nicht Jace Herondale und Clary Fairchild, sondern junge Schattenjäger, die überwiegend der Blackthorn-Familie angehören. Haben die Blackthorns innerhalb der Schattenjäger-Gemeinschaft eine besondere Bedeutung?

Ja, die Blackthorns sind eine bedeutende Schattenjägerfamilie. In den »Chroniken der Schattenjäger« und den „Chroniken der Unterwelt« wurde nur beiläufig auf die Blackthorns eingegangen, aber sie haben eine lange Geschichte. Anders als die Herondales, die unter den Schattenjägern schon immer zu den Helden zählten, hatten die Blackthorns eine weniger glanzvolle, schwierigere Vergangenheit. In »Die Dunklen Mächte« dreht sich vieles um die Sünden des Vaters, von denen die jüngeren Generationen eingeholt und heimgesucht werden.

Eine weitere Hauptfigur ist Emma Carstairs, die nach dem Tod ihrer Eltern Aufnahme bei den Blackthorns gefunden hat. Sie ist dem gleichaltrigen Julian Blackthorn engstens verbunden, da sie sein »Parabatai« ist. Können Sie etwas mehr darüber erzählen, was »Parabatai« bedeutet, welche Voraussetzungen man dafür erfüllen muss und welche Verpflichtungen dieser Bund mit sich bringt?

Schattenjäger, die sich dafür entscheiden, den Parabatai-Bund zu schließen, sind Krieger, die paarweise kämpfen und bereit sind, ihr Leben füreinander zu geben. Sie folgen damit einem Kameradschaftsideal, das eine lange Tradition hat. Der Begriff »Parabatai« geht auf das Altgriechische »heniochoi kai parabatai« zurück, was übersetzt so viel wie »Wagenlenker und Beifahrer« bedeutet. Ich stieß auf diesen Ausdruck als ich für mein erstes Buch »City of Bones« etwas über Hopliten und die Schlachtordnung in der Antike nachlas. Der Beifahrer eines Streitwagens durfte den Wagenlenker nicht im Stich lassen. Der eine lenkte, der andere kämpfte vom Streitwagen aus. Jeder ist auf den anderen angewiesen.

Parabatai können Geschwister, Freunde, Cousins und Cousinen, Mädchen und Jungen sein. So ziemlich alle Schattenjäger, die etwa im gleichen Alter sind, denn beide müssen sich für den Bund entscheiden, bevor sie 18 Jahre alt werden. Die meisten Schattenjäger haben keinen Parabatai. Parabatai zu sein, ist ein bisschen so, als sei man Linkshänder. Nicht wirklich sonderbar, aber weniger verbreitet. Und Parabatai dürfen sich nicht ineinander verlieben, worüber noch mehr zu hören sein wird.

Sie zeigen eine Vorliebe für Hauptfiguren, die jünger als 20 Jahre sind und an der Schwelle zum Erwachsenwerden stehen. Was finden Sie an dieser Lebensphase so spannend?

Als ich anfing »City of Bones« zu schreiben, hatte ich keine Jugendliteratur im Sinn, sondern bloß einen Fantasyroman. Es hat sich einfach ergeben, dass die Figuren Teenager sind. Irgendwann kam ein interessierter Verlag auf mich zu, aber dort wollte man, dass ich »die Figuren reifen lasse« und Erwachsene aus ihnen mache. Eine Zeitlang spielte ich mit diesem Gedanken, aber ich wusste, dass das nicht funktionieren würde. In »Die Dunklen Mächte“ möchte ich wie in den »Chroniken der Unterwelt« Geschichten über Personen in dieser weichenstellenden Phase des Lebens genau zwischen Jugend und Erwachsensein erzählen, in der die Entscheidungen, die man trifft, für den weiteren Lebensweg und die Entwicklung der Persönlichkeit maßgeblich sind, statt widerzuspiegeln wer man schon ist.

Sie mögen Ihre Fans sehr gern, tauschen sich rege mit ihnen aus und treffen sie auch persönlich. Ist es schon vorgekommen, dass Ihre Fans Einfluss auf ihre Romane genommen haben?

Was ich lustig an meiner Fangemeinde finde, ist unter anderem, dass wir viele Insiderwitze miteinander teilen. In meine Bücher habe ich kleine Anspielungen darauf eingestreut wie Ostereier, die sie suchen können.

Sie konzentrieren sich nun seit mehr als zehn Jahren aufs Schreiben von Fantasy und haben eine Fantasiewelt ins Leben gerufen, die hinter unserer sichtbaren Realität wirkt. Sehen Sie da nicht manchmal hinter jeder Ecke Schattenjäger, Elben, Hexen und Dämonen lauern?

Dass ich immer wieder auf neue Orte und Situationen stoße, wo Schattenjäger und Schattenweltler auftauchen könnten, gehört zu den Dingen, die mir beim Erfinden dieser fiktionalen Welt am meisten Spaß machen. In „City of Lost Souls“ reisen Jace und Clary meistens herum und besuchen dabei viele Orte, die ich selbst gesehen habe und liebe, Orte, die mich dazu inspiriert haben, das Magische im Alltäglichen zu sehen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass mir das jemals leid wird!

© Goldmann Verlag, Interview: Elke Kreil

Der Trailer zu "Lord of Shadows"

Der Trailer zu "Lady Midnight"

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