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Bethan Roberts, Der Liebhaber meines Mannes (Header)

Bethan Roberts über »Der Liebhaber meines Mannes«

Ein Roman über eine gefährliche Dreiecksbeziehung

Bethan Roberts: »Ich wollte darüber schreiben, wie es war, in einer Zeit zu leben, in der homosexuelle Beziehungen mit Gefängnisstrafen geahndet wurden«

Wie kamen Sie auf die Idee für diesen Roman?
Bethan Roberts: Der Roman geht auf die Lebensgeschichte des Schriftstellers E. M. Forster zurück. E. M. Forster hatte vierzig Jahre lang einen Geliebten, einen viel jüngeren Polizisten namens Bob Buckingham. Ich glaube, für Forster war Bob die Liebe seines Lebens, obwohl er während all der Jahre immer mit seiner Ehefrau May verheiratet blieb. Als ich über May und Bob las, wusste ich, dass ich über eine solche Beziehung schreiben wollte. Da war so viel, was mich neugierig gemacht hat: das Liebesdreieck, die unterschiedliche soziale Herkunft, das zurückgezogene Leben, das homosexuelle Männer leben mussten, als Homosexualität noch strafbar war. May war eine bemerkenswerte Frau, die diese Affäre nicht nur tolerierte, sondern sich trotzdem auch ihre Liebe für Forster bewahrte. Diese Konstellation schien für diese drei Menschen irgendwie zu funktionieren. Beim Schreiben begann ich mich immer mehr dafür zu interessieren, was geschehen würde, wenn sich die Ehefrau nicht mit einer solchen Beziehung arrangieren kann. Marions Gefühlschaos – erst ihre Leidenschaft für Tom, dann ihre Eifersucht, ihre Schuldgefühle: das wurde meine Geschichte, und sie wurde viel tragischer als die, die mich inspirierte.

Warum Brighton?
Bethan Roberts: Ich lebe seit zwanzig Jahren in Brighton und wollte schon immer darüber schreiben. Brighton ist sehr touristisch: Der Pier, der Royal Pavilion, die Strandpromenade, all diese Orte sind wunderbare Ausgangspunkte fürs Schreiben. Sie sind lebendig und richtig schön kitschig, gleichzeitig auch merkwürdig melancholisch. Aber was mich am meisten interessierte, war, hinter die Fassade zu blicken, mich mit Alltag in dieser Stadt zu beschäftigen und ihre unterschiedlichen Facetten aufzudecken. Brighton ist eine ganz besondere Stadt, sie liegt ganz am Rand von Großbritannien und fühlt sich in vielerlei Hinsicht freier und ausschweifender an als der Rest des Landes. Sie war lange Zeit auch ein Zentrum homosexueller Kultur, aber in den 1950ern war es selbst in Brighton sehr schwierig, Homosexualität offen zu leben.

Was interessierte Sie an den 1950er Jahren?
Bethan Roberts: Ich wollte darüber schreiben, wie es war, in einer Zeit zu leben, in der homosexuelle Beziehungen mit Gefängnisstrafen geahndet wurden. Seit ich mich mit dem Thema beschäftige, war ich wirklich geschockt, wie viele junge Menschen keine Ahnung haben, dass das einmal der Fall war. Ich glaube aber auch, dass bei meiner Entscheidung für diese Zeit auch unbewusst etwas ganz anderes eine Rolle spielte, das nicht leicht zu erklären ist: so etwas wie eine Nostalgie für die Kindheit meiner Eltern. Die Fünfziger Jahre fühlen sich für mich vertraut an, durch die Erinnerungen und Fotos meiner Eltern, gleichzeitig kenne ich sie natürlich nicht – das macht diese Zeit so geheimnisvoll und so spannend, und ich denke ich wollte in gewisser Weise ihre Erfahrungen teilen, sie wieder aufleben lassen, und Dinge ansprechen, über die sie nicht sprechen konnten oder wollten.

Hatten Sie von Anfang an geplant, aus zwei Perspektiven – Marions und Patricks – zu erzählen?
Bethan Roberts: Nein. Zuerst entschied ich mich für Marions Perspektive und dachte, dass sie vielleicht den ganzen Roman tragen könnte. Aber dann begann mich Patricks Sicht immer mehr zu interessieren. Ihm keine Stimme zu geben erschien mir auf einmal so, als würde ich mich aus der Verantwortung stehlen. Und ich fand es sehr spannend zu sehen, wie diese beiden Geschichten nebeneinanderstehen, wie die beiden Figuren denselben Mann sehen, wo sich ihre Eindrücke unterscheiden und wo sie sich ähneln. Erst zögerte ich, mir anzumaßen zu wissen, wie das Leben für einen Mann in Patricks Situation gewesen sein könnte. Schließlich konnte ich der Herausforderung aber nicht widerstehen. Schließlich ist dies ja eines der größten Vergnügen beim Schreiben und Lesen von Literatur: sich in eine Welt zu begeben, die sehr weit von der eigenen Erfahrung entfernt ist.

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