Boris Koch, Der Drachenflüsterer, Heyne fliegt, Banner Big

SPECIAL zu Boris Koch »Die Drachenflüsterer-Saga«

Ein Hohelied auf Beschimpfungen von Boris Koch

»Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust«, das wusste schon Goethes Faust, und so geht es mir mit Beschimpfungen. Im wahren Leben halte ich viel von Höflichkeit und einem freundlichen Miteinander, und damit sind ausdrücklich nicht Unterwürfigkeit, gequälte Floskeln und scheinheilig übertriebenes Bussi-Bussi gemeint. Doch in Büchern liebe ich Beschimpfungen, wie sie etwa im Klassiker Der Krieg der Knöpfe zelebriert werden. Ich liebe es, mir neue Schimpfwörter auszudenken, ich liebe unflätige Wortgefechte und fröhliche Flüche. Und manchmal kann man in den Schimpfwörtern auch eine Charakterisierung der Gesellschaft, bestimmter Personen und der Phantasiegestalten einfließen lassen.

So wie in unserer Welt »dumme Kuh« darauf hinweist, dass wir Kühe nicht unbedingt für intelligent halten, dass »dreckiges Schwein« sich auf sich im Schlamm suhlende Tiere bezieht, und ein abschätziges »Du kämpfst wie ein Mädchen« aussagt, dass in dem kulturellen Umfeld entweder Mädchen sich kaum prügeln oder sich wenig talentiert prügeln oder dass derjenige, der das sagt, ein kleiner Chauvi ist, der Mädchen für schwach hält.
Keiner flucht »dummer Delfin« oder »schmutzige Katze«, und wenn in einem Fantasyroman ein Junge als »dämlicher Nasbartoger« beschimpft wird, hat man als Leser indirekt mitbekommen, dass Nasbartoger nicht unbedingt einen Nobelpreis gewinnen werden. Wenn ein solcher hundert Seiten später erstmals auftaucht, existiert im Leser schon eine Vorstellung von ihm, und wenn er dann die lange Nase in die zuschnappende Bärenfalle steckt, denkt man: »Typisch Nasbartoger!«

Das sind natürlich nur winzige Details, aber Fantasywelten benötigen auch viele Details, um lebendig zu werden. Dinge, die uns vertraut und doch anders sind, wie etwa die runden Türen im Hobbit. Etwas, dessen Funktionsweise nicht erklärt werden muss, weil sie uns aus dem Alltag vertraut ist, aber die durch ihre ungewöhnliche Form – rund – gleich zeigen, dass wir in einer fremden Welt sind. Dieses Beiläufige gehört ebenso zum Weltenbau wie ausführliche Beschreibungen und Erklärungen zur politischen Situation, den fantastischen Wesen, der mystischen Vorzeit, usw.

Im Drachenflüsterer steckt dieses Beiläufige auch ein wenig in den Beschimpfungen. Wer von einem Abthinternerkunder spricht, hält offensichtlich nicht viel von den herrschenden Äbten und Schleimerei, und Trollbollen ist wahrscheinlich ein Überbleibsel aus den Zeiten, bevor die Trolle aus dem Großtirdischen Reich vertrieben wurden.

Aber – wenn ich ehrlich bin – können all diese Ausführungen zur großen Bedeutung von Details über den wesentlichen Punkt nicht hinwegtäuschen: Es macht mir einfach Spaß, mir Beschimpfungen auszudenken, und ich schreibe gern über aufbrausende Rotznasen, die ihr Herz trotzdem am rechten Fleck haben.

Die Drachenflüsterer-Saga

(1)
€ 15,99 [D] inkl. MwSt. | € 16,50 [A] | CHF 22,90* (* empf. VK-Preis)
Bestellen Sie mit einem Klick:
Weiter im Katalog: Zur Buchinfo
Weitere Ausgaben: eBook (epub)