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SPECIAL zu Boris Koch »Die Drachenflüsterer-Saga«

Boris Koch über Saurier, Drachen & Zivildienst

Es ist ein schöner Zufall, dass der Erscheinungstermin meiner Drachenflüsterer-Saga beinahe auf den Tag genau mit dem Starttermin von Jurassic Park 3D zusammenfiel, denn Saurier standen Pate für meine Drachen.

Von klein auf habe ich mich für Saurier interessiert, hatte – ganz klassisch – ein Dino-Malbuch, später dann Sachbücher für Kinder mit beeindruckenden Illustrationen, die man abpausen konnte, und noch später dann eine vierteilige Dokumentation auf Videokassette und das obligatorische Sachbuch für Erwachsene. Ich hatte mit Hammer, Meißel und kindlicher Ausdauer in sonnigen Solnhofener Steinbrüchen, wo der Archaeopteryx gefunden worden war, nach Fossilien gesucht und nur Unbedeutendes gefunden. Steinbrüche, die zufällig im selben Landkreis liegen, in dem heute die Mia wohnt, der der erste Drachenflüsterer-Roman gewidmet ist. Der Archaeopteryx und ich sind inzwischen in Berlin, manchmal besuche ich ihn im Naturkundemuseum.

Aber 1993, als Jurassic Park erstmals ins Kino kam, leistete ich gerade Zivildienst in einer Augsburger Kinderpsychiatrie, und natürlich sah ich den Film. Die Kinder auf meiner Station waren überwiegend zu jung dafür, aber sie redeten über Saurier, malten Saurier und spielten mit Jurassic-Park-Spielzeug.
Und die anderen Betreuer waren froh, dass ich wusste, wovon die Achtjährigen sprachen, wenn die Kinder sagten: »Gib mir den Triceratops.« Oder forderten: »Mal mir einen Stegosaurus.« Oder wenn sie wissen wollten, wer der Dino mit den Daumen sei. (Iguanodon, für alle, die ihre Saurierbücher nicht mehr besitzen.)
Plötzlich war es hilfreich, dass ich die Dinobegeisterung, die die meisten Kinder irgendwann im Kindergarten befällt, nicht später abgelegt hatte. Ob das etwas über mein Erwachsenwerden aussagte, darüber dachte ich lieber nicht nach.

Als Zivi veröffentlichte ich meine erste Kurzgeschichte, und die Zeit in der Psychiatrie prägte mein späteres Schreiben. Ich hatte insgesamt eine sehr glückliche Kindheit. Die Kinder, mit denen ich es als Zivi zu tun bekam, nicht. Manche waren körperlich misshandelt worden, andere mit emotionaler Kälte daheim konfrontiert. Ein Kind konnte seine Stimmungsschwankungen nicht kontrollieren, ein zweites war als Säugling mit Bier gefüttert worden, das dritte klaute und hortete Semmeln, das nächste war hyperaktiv und wieder ein anderes saß bei uns die Zeit ab, während die Eltern sich lautstark scheiden ließen und bei der Haushaltsauflösung seine Tiere verkauften.

Die Mischung aus schönen (und auch schmerzhaften und frustrierenden) Erinnerungen und bedrückenden Beobachtungen führte später unter anderem zu Geschichten wie Vier Beutel Asche und zu Figuren wie dem Drachenflüsterer Ben: gebeutelt vom Leben, aber gleichzeitig voller Hoffnung.

Zurück zu den Drachen. Das Bild von gigantischen Knochen in der Erde hat mich also fast mein ganzes Leben lang begleitet. Und plötzlich, ohne zu wissen, woher er kam, schoss mir der Gedanke durch den Kopf, dass es sich dabei nicht um die Überreste von Wesen handeln könnte, sondern um den Beginn.
Ich vertauschte Anfang und Ende, und plötzlich wuchsen meine Drachen im Schoß der Erde heran. Unter dem Meer oder auf den höchsten Berggipfeln. Damit waren sie Kinder der Welt; sie hatten keine Eltern im herkömmlichen Sinn und brauchten entsprechend auch kein Geschlecht. Es gab keine Fortpflanzung und auch keine Eltern-Kind-Beziehungen. So wie wir von Genen mitgeprägt wurden, wurden sie von den Orten geprägt, an denen sie heranwuchsen. Der Ort bestimmte ihr Aussehen, also die Farbe ihrer Schuppen und teilweise ihre Größe, und auch ihren Charakter. Drachen werden nicht erzogen, aber von ihren Erfahrungen geprägt ...

Die Drachenflüsterer-Saga

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