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Boris Koch: »Der Drachenflüsterer - Die Feuer von Arknon« (Heyne fliegt)

Boris Koch über die Rückkehr ins Großtirdische Reich

Koch, Boris
© Anna Kuschnarowa

Sechs Jahre liegen zwischen dem dritten und vierten Drachenflüsterer-Band. Sechs Jahre ohne Drachen, das ist eine lange Zeit. Auch wenn das so natürlich nicht ganz der Wahrheit entspricht, schließlich bin ich für das Bonusmaterial des Sammelbands Die Drachenflüsterer-Saga zwischendurch ins Großtirdische Reich zurückgekehrt, habe in einer Nacht- und Nebel-Aktion einen verhätschelten Schoßdrachen befreit und mir angehört, was Ben und Yanko so alles über mich erzählen. Das war schön und vergnüglich, aber eben doch vergleichsweise kurz.

Den Großteil der sechs Jahre habe ich ebenfalls recht abenteuerlich mit der Asche eines Toten, einem dreibeinigen Kaninchen und einer wild phantasierten Schatzsuche verbracht, während sich die Drachen und Geächteten weiterhin in meinem Hinterkopf herumtrieben. Immer wieder tauchten sie kurz auf und verlangten lautstark Aufmerksamkeit, aber dann hetzte ich doch lieber das Kaninchen namens Blackbeard durch eine abgelegene Keltenschanze. Zwar wusste ich schon ziemlich genau, wie es mit Ben und seinen Freunden weitergehen würde, aber ebenso wusste ich, dass noch etwas fehlte – ein Detail oder eine Figur, ohne die die Geschichte nicht rund wurde. Und so wartete ich auf das fehlende Element. Und überlegte.
Raste durch das Dorf Falkenhofen auf der Suche nach dem Schatz des alten Ringler.
Und die Drachen warteten.
Und drängelten.

Und dann, ganz plötzlich, war Cathe da. Sie hatte noch nicht einmal ihren Namen, aber ich wusste schon, dass sie eine Jungfrau des Ordens werden würde. Sie war die eine neue Figur, die noch gefehlt hatte. Sie würde Ben Rache schwören, durch ihre Augen würde der Leser von Außen auf die Geächteten schauen können. Sie war es, die plötzlich alles zusammenfügte, die alles ins Gleichgewicht brachte.

Natürlich gab es auch noch ihre beste Freundin Sinje, den gefährlichen Kopfgeldjäger Thaler, den schwerreichen neuen Hohen Abt von Kloster Sonnenflut, den verfressenen ehemaligen Schoßdrache Ellyhmottheen und weitere Drachen, die alle zur Handlung beitrugen, teilweise entscheidend, aber Cathe war diejenige gewesen, die dafür sorgte, dass es in meinem Kopf „Klick“ machte. Die dafür sorgte, dass die Rückkehr auch für mich kein „Routinebesuch“ wurde, sondern ein aufregendes Wiedersehen mit alten Freunden.

Die sechs Jahre dazwischen waren zwar nur für mich vergangen, aber ganz war die Zeit im Großtirdischen Reich auch nicht stehengeblieben. Dort ist seit dem Ende von Das Verlies der Stürme ein halbes Jahr vergangen, und das kann im Alter von 16 ziemlich viel sein. Ben hat sich in dieser Zeit ein Stück weit verändert. Nicht im Kern, doch die Zahl der Geächteten ist in dem halben Jahr deutlich gewachsen, und einige wollten in ihm einen Anführer sehen, der zu sein er nicht bereit war. Das Kopfgeld auf ihn ist in gewaltige Höhen gestiegen, er hatte ein wenig seiner früheren Unbeschwertheit eingebüßt. Zum Glück nur ein wenig …

Yanko dagegen ist noch immer der alte Draufgänger, Aiphyron kann Feuer noch immer nicht ausstehen, Quobemhonn gibt noch immer mit Inbrunst den Wachdrachen, in Anula steckt noch immer die lähmende Kälte der Eisdrachen und Juri erzählt noch immer weitschweifig von früher, bis er unterbrochen wird.

Vilette hat über den Sommer ihre Angst abgelegt und turnt plötzlich wie selbstverständlich an den Regenrinnen der alten Seetrollfestung entlang, während Sidhy ein Stück weit das alte Selbstbewusstsein zurückgewonnen hat. Auch hier zum Glück nur ein Stück weit …

Verändert oder nicht, sie waren mir alle sofort wieder vertraut. Und sie erinnerten sich auch wieder an mich. Lautstark stöhnten sie auf: „Nicht schon wieder der Kerl! Mit dem hat man nie seine Ruhe! Der hetzt uns wieder irgendwo hin, wo es gefährlich ist!“

Ich grinste. Natürlich hatte ich mich in den sechs Jahren auch ein wenig verändert, aber nicht so sehr.
„Später“, versprach ich und wandte mich erst einmal Cathe zu. Ben und die Geächteten würden die Hauptfiguren bleiben, aber nachdem ich alle schon sechs Jahre hatte warten lassen, waren drei Dutzend Seiten auch nicht mehr so wild, dachte ich.

„Na, toll“, stöhnte Cathe auf, und ich nahm ihr erst einmal den kleinen „Wahlbruder“ weg.
Jetzt konnten die Spiele beginnen.

Der Drachenflüsterer - Die Feuer von Arknon Blick ins Buch

Boris Koch

Der Drachenflüsterer - Die Feuer von Arknon

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