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Alles, was ich nicht erinnere Roman

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Gebundenes Buch mit Schutzumschlag ISBN: 978-3-421-04724-3

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Erschienen: 13.03.2017
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Welchen Preis zahlen wir, um nicht allein zu sein?

Samuel hat so viele Gesichter, wie ihn Menschen kennen. Nun lebt er nur noch in der Erinnerung aller, und jeder erinnert sich anders an diesen schmächtigen jungen Mann, der ein fürsorglicher Enkel, großzügiger Freund und hingebungsvoller Liebhaber war – bis zu jenem Tag, an dem er den alten Opel seiner Großmutter in voller Fahrt gegen einen Baum lenkt. War es ein Unfall oder Selbstmord? Die einen sagen, dass Samuel sich hat rächen wollen an seiner großen Liebe Laide, die sich nun immer an ihn erinnern muss. Die anderen sagen, dass das alles nie passiert wäre, hätte sich Samuels bester Freund, der geldgierige Vandad, nicht eingemischt. Was nur ist tatsächlich passiert?
›Alles, was ich nicht erinnere‹ ist wie eine rasante Fahrt durch das heutige Stockholm, bei der Schicksale aufeinanderprallen. So setzt sich ein facettenreiches Bild zusammen von einem Menschen auf der Flucht vor sich selbst – ein mitreißender Roman über Gewalt und Liebe, Leidenschaft und Verlust in unserer hypersensiblen Zeit.

Interview mit der Übersetzerin von "Alles, was ich nicht erinnere" Zum Special

"Eine Begegnung mit Jonas Hassen Khemiri" Interview mit dem Schriftsteller

»Es nimmt einem fast den Atem, das Buch zu lesen.«

3sat, Sdg. "Buchzeit", Barbara Vinken (19.03.2017)

Jonas Hassen Khemiri (Autor)

Jonas Hassen Khemiri wurde 1978 als Sohn eines tunesischen Vaters und einer schwedischen Mutter in Stockholm geboren. Er ist der Star der schwedischen Literaturszene; schon sein Debütroman, "Das Kamel ohne Höcker“ (2003), brachte dem Autor internationale Anerkennung ein. Seine Theaterstücke werden auf vielen Bühnen der Welt gespielt, zurzeit u.a. in Hamburg und Berlin. "Alles, was ich nicht erinnere" ist sein vierter Roman; er wurde mit dem August-Preis ausgezeichnet, dem wichtigsten schwedischen Literaturpreis, und führte über Wochen die Bestsellerliste an. Der Roman erscheint in rund 25 Ländern. Jonas Hassen Khemiri lebt mit seiner Familie in Stockholm.

»Es nimmt einem fast den Atem, das Buch zu lesen.«

3sat, Sdg. "Buchzeit", Barbara Vinken (19.03.2017)

»Luzide und unsentimental führt Jonas Hassen Khemiri seine moderne Beziehungsrecherche, zugleich ist ihm damit ein überzeugender Großstadtroman gelungen.«

Kölner Stadt-Anzeiger, Elke Biesel (03.03.2017)

»Die Leichtigkeit führt zu sowas wie der Urszene der Literatur, die Möglichkeit, den Toten eine Stimme zu geben. Extrem berührend.«

3sat, Sdg. "Buchzeit", Katrin Schumacher (19.03.2017)

»So gekonnt und rasant hier Szenen aufeinanderprallen, sich ergänzen, widersprechen und ein vielfarbiges Mosaik ergeben, ist am Ende ganz große und vor allem dynamische Literatur.«

Nordis, Frank Keil (01.03.2017)

»Definitiv große Literatur. Ein ausgezeichneter Roman, der lange nachklingt, dessen Protagonistinnen und Protagonisten in den Gedanken des Lesers hängen bleiben. Chapeau!«

sandammeer.at, Roland Freisitzer (06.04.2017)

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Aus dem Schwedischen von Susanne Dahmann
Originaltitel: ALLT JAG INTE MINNS
Originalverlag: Bonnier förlag

Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 336 Seiten, 12,5 x 20,0 cm

ISBN: 978-3-421-04724-3

€ 19,99 [D] | € 20,60 [A] | CHF 26,90* (* empfohlener Verkaufspreis)

Verlag: DVA Belletristik

NEU
Erschienen: 13.03.2017

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Er ist geboren worden, er lebte, er starb

Von: letteratura Datum: 29.03.2017

https://letteraturablog.wordpress.com/

Er ist geboren worden, er lebte, er starb – Jonas Hassen Khemiri: Alles, was ich nicht erinnere

Samuel ist tot. Wir erfahren das ganz zu Beginn der Geschichte. Wir wissen nicht gleich, wie er starb, und die Frage nach dem Warum ist jene zentrale Frage, die den Roman überhaupt erst antreibt, aber wir wissen gleich, dass er nicht mehr lebt. Und dass sein Tod ein Rätsel ist. Samuel schwebt wie ein Geist über den gesamten 330 Seiten, die der Roman umfasst. Er ist die Hauptfigur, derjenige, der im Mittelpunkt steht und doch nichts mehr sagen kann, der, dessen Bild sich nur durch das zusammenfügt, was die anderen über ihn sagen. Dessen Konturen so mit der Zeit zwar deutlicher werden, wenn auch nie ganz klar sein kann, wer Samuel wirklich war. Es ist, als sei dies eine der Fragen, die der Roman außerdem noch stellt: Die Frage danach, ob das überhaupt möglich ist: Ob wir eigentlich jemals sagen können, wer der andere ist, ob wir ihn kennen können.

„Alles, was ich nicht erinnere“ von Jonas Hassen Khemiri nähert sich dem inzwischen verstorbenen Samuel von verschiedenen Perspektiven aus. Ein Schriftsteller recherchiert zu Samuels Tod. Was wir lesen, ist nicht das Endprodukt seiner Recherche, sein Buch, sondern die Sammlung dessen, was er von der Familie und den Freunden Samuels hört, im Wortlaut, so, wie er es in Interviews aufgenommen hat. Dadurch entsteht der Eindruck von Unmittelbarkeit: Der Schriftsteller (der selbst sehr im Hintergrund bleibt) präsentiert uns somit nicht die überarbeitete, geschliffene Version. Wir sind wirklich nah dran an Samuels Leben – soweit wir können.

Es sind drei Personen, die neben Mutter und Großmutter eine besonders große Rolle in Samuels Leben eingenommen haben: Da ist Vandad, ein Typ wie ein Schrank, ein wenig undurchsichtig und jähzornig, der in Samuel aber einen Freund wie einen Bruder sah. Da ist Laide, seine große Liebe, mit der alles anders war als jemals zuvor, mit der er eine intensive, rauschhafte Zeit erlebte. Und da ist seine alte Freundin, die Pantherin, der er einst half, als sie familiär eine schwere Zeit hatte und nicht wusste, wohin. Samuel hat mit diesen dreien gemeinsam, dass sie zwar alle seit langem in Schweden leben oder dort geboren sind, dass aber sie oder ihre Eltern bzw. ein Elternteil aus dem arabischen Raum kommen. Samuel selbst war der Sohn einer schwedischen Mutter und eines arabischen Vaters (eine Parallele zum Autor des Romans). „Alles, was ich nicht erinnere“ schenkt uns einen Einblick in das Leben derjenigen, die einerseits zwar in Schweden zu Hause sind, die andererseits aber eben doch immer ein Stück außen vor bleiben.

Durch die Berichte seiner Freunde und seiner Familie erleben diese die Zeit vor Samuels Tod noch einmal, wobei Vandad die größte Rolle einnimmt. Er scheint allgegenwärtig, war ganz offenbar der wichtigste Mensch. Seine Geschichte mit Samuel zieht sich durch das gesamte Buch, während die anderen, seine Mutter, die Pantherin, Laide, vorbeiziehen, wieder aus dem Vordergrund verschwinden. Ist diese so intensive Freundschaft wirklich so, wie es scheint? Die Personen wechseln sich in ihren Erzählungen über Samuel ab, teilweise lesen wir die Geschehnisse zeitlich leicht versetzt, springen immer wieder vor und zurück in der Geschichte.

Khemiris Sprache ist meist einfach und direkt, teils umgangssprachlich und grammatikalisch falsch, stets wirkt sie authentisch. Es gelingt dem Autor großartig, zu verdeutlichen, dass jeder in seiner Geschichte einen anderen Samuel gekannt hat, dass jeder ein anderes Bild von ihm hatte – dass womöglich Samuel selbst jedem einen anderen Teil von sich gezeigt hat. Und auch die übrigen Personen charakterisieren sich gegenseitig und sehen doch andere Eigenschaften im jeweils anderen als sie selbst in sich sehen. Der Roman ist so kurzweilig, so frisch und locker auf der einen Seite, so voller Tiefe und Schwere auf der anderen, dass man manchmal ganz vergisst, dass Samuel tot ist, mit dem Auto der Großmutter gegen einen Baum gefahren, und dass niemand genau weiß, ob dies Absicht war oder doch ein Unfall. Was ging wirklich in ihm vor? Was bedeuteten ihm Laide und Vandad, die beide wohl glaubten, das Wichtigste Person in Samuels Leben zu sein?

„Alles, was ich nicht erinnere“ ist ein facettenreicher Roman, der seine ganze Kraft erst nach und nach entfaltet und in dem viel mehr steckt als das Rätsel um die Frage, ob Samuels Tod Selbstmord oder ein Unfall war. Ein Roman, der ein Stück Leben junger Leute in Stockholm zeigt und wie nebenbei das Thema Migration in verschiedenen Facetten miteinfließen lässt.

Nach kurzer Zeit geriet ich bei der Lektüre von Khemiris Roman bereits in einen Lesesog und konnte das Buch kaum noch weglegen. Ein intensiver Roman von einem interessanten Autor, der auch Theaterstücke schreibt: Sein Stück „Ungefähr gleich“ ist zur Zeit an der Berliner Schaubühne zu sehen, in Fragmenten nähert er sich auch dort dem Leben von Migranten in Europa.

Erinnerungen

Von: vielleser18 Datum: 24.03.2017

https://www.lovelybooks.de/mitglied/vielleser18/

"Ich rede mir ein, dass ich ein Teil der wirklichen Welt bin, dass Wörter nicht wichtiger als Menschen sind, dass ich nichts anderes will, als versuchen zu verstehen, was geschehen ist. " (Zitat, S. 315).


Samuel ist tot. Gestorben bei einem Autounfall. Selbstmord oder Unfall ? Die Geschichte "Alles, was ich nicht erinnere" ist ein Roman der ganz anderen Art. Interessant, manchmal verwirrend, es braucht auch vom Leser Konzentration und vor allem Aufmerksamkeit. Doch wenn man sich hinein gefunden hat, dann ist es eine sehr intensive Geschichte, bei der man selber nachdenkt, selber versucht sich eine Meinung zu bilden.

Das Grundgerüst des Romanes ist einfach. Ein schwedischer Journalist/Autor versucht das Leben des letzten Jahres von Samuel und vor allem dessen Tod zu rekonstruieren. Warum, wieso, weshalb ? Dafür befragt er die Menschen, die Samuel kannten. Angefangen von Mitarbeitern des Heimes, in dem seine Großmutter (deren altes Haus übrigens auch eine große Rolle spielt) liegt, über Nachbarn, der Pantherin (eine Freundin, die in Berlin lebt) und vor allem kommen Samuels Freund und MItbewohner Vandad und seine Freundin Laide zu Wort.
Am Anfang muss man sich reinfinden. Wiedergegeben sind immer nur die Antworten, die Berichte der Bekannten und Freunde. Keine Fragen. Es liest sich wie ein Protokoll von Gesprächen, wie die Niederschrift von Aufnahmeprotokollen, was sie auch darstellen sollen. Die Antworten der verschiedenen Interviewpartner werden nur durch Sternchen abgegrenz, wechseln häufig, meist sind es nur sehr kurze Passagen und jedesmal muss man überlegen, wer berichtet hier gerade ? Doch nach einer Weile habe ich mich hineingefunden in diesen besonderen Erzählstil.

Mehr als interessant wird es spätestens als Vandad und Laida erzählen. Abwechselnd. Manchmal zu den gleichen Ereignissen. Jeder aus seiner Sicht - meist erzählen sie widersprüchlich. Man kommt als Leser ins Grübeln - wer hat Recht, wer übertreibt oder erzählt nicht die (ganze) Wahrheit? Der Autor zeigt auf, dass je nachdem aus welchem Blickwinkel über Samuel berichtet wird, das Bild sich ändert. Verzerrt wird, verschleiert wird, gefiltert wird. Eine gelungene Darstellungsweise von Khemiri. Man fragt sich, wer war Samuel wirklich ? Wie war er und woran lag es, dass er so unterschiedlich wahrgenommen worden ist. Hat jeder nur sein eigenes (Wunsch)Bild projeziert ?


Vor allem sieht man immer Samuel vor sich, der sich wahrscheinlich genauso zwischen seinen Mitmenschen aufgerieben hat. Was hat schlußendlich zu seinem Tod geführt ?
Durch die Berichte seiner Mitmenschen merkt man, wie sich die Situation, die Stimmung bei Samuel immer mehr zugespitzte.
Als Leser versucht man sich ein eigenes Bild zu machen, was nicht immer leicht ist.
Was bleibt ist der Tod eines jungen Mannes, der sich verraten und letztendlich verlassen und ungeliebt gefühlt haben muss, der keinen Sinn mehr in seinem Leben sah, sich entwurzelt gefühlt hat und ohne Hoffnung.


Fazit:
Man muss ich einlassen auf die Erzählweise, auf die Geschichte und die Protagonisten. Es ist eine ganz andere Leseerfahrung. Anspruchsvoll, manchmal verwirrend, aber interessant, sehr gut aufgebaut, man muss Nachdenken und MItdenken.

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