Aus der Welt

Roman

(1)
HardcoverNEU
26,00 [D] inkl. MwSt.
26,80 [A] | CHF 36,50 * (* empf. VK-Preis)

In der Buchhandlung oder hier bestellen

Hoch oben im Norden Norwegens spielt diese Geschichte, kurz vor der Jahrtausendwende. Der junge Henrik Vankel arbeitet hier als Aushilfslehrer. Selbsthass, Einsamkeit und Schamgefühle bestimmen sein Leben. Schon lange ist er aus der Welt gefallen, schon lange versteht er die Zeichen seiner Mitmenschen nicht mehr – schon lange verschwimmen ihm Traum und Realität. Bis ihm eines Tages klar wird, dass er sich verliebt hat. In eine seiner Schülerinnen. Eine eigentlich unmögliche Liebesgeschichte. Ist dies wirklich die Rettung – oder der Auftakt zum endgültigen Zusammenbruch?



„Aus der Welt“, das gefeierte Romandebüt von Karl Ove Knausgård, hat viele Facetten. Von Sprach- und Verbindungslosigkeit ist darin die Rede, vom verzweifelten Versuch, sich einen Sinn zu erschaffen in einem rätselhaften Dasein. Es erzählt die Geschichte einer Kindheit und Jugend im Norwegen der achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts, in einer Familie und einer Welt, in der Scham und Schuldgefühle zu den stärksten Triebfedern überhaupt gehören. Es ist das sprachmächtige Debüt eines jungen Schriftstellers, eine erbarmungslose Erkundung des männlichen Egos und der Selbstzerstörung, aber auch eine literarische Feier von überbordender Phantasie.

»So verstörend wie packend. Letzteres liegt am Rhythmus von Knausgårds Sprache, die widersprüchliche Emotionen und unzählige Nuancen in sich birgt und immer in Bewegung bleibt.«

Martina Läubli / NZZ am Sonntag (18. Oktober 2020)

DEUTSCHE ERSTAUSGABE
Aus dem Norwegischen von Paul Berf
Originaltitel: Ute av verden
Originalverlag: Tiden Norsk Forlag
Hardcover mit Schutzumschlag, 928 Seiten, 13,5 x 21,5 cm
ISBN: 978-3-630-87437-1
Erschienen am  19. Oktober 2020
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

Buchtipps für deine Ferien
pin
Nimm dieses Buch mit in den Urlaub!
Dieses Buch spielt in: Norwegen

Leserstimmen

Man braucht einen langen Atem und wird dafür belohnt!

Von: Susanne Probst

03.12.2020

Aus der Welt“ ist der fiktive Debutroman von Karl Ove Knausgård, der 1998 in Norwegen erstveröffentlicht und ausgezeichnet wurde. Erst jetzt, 2020 wurde er ins Deutsche übersetzt. Er basiert lose auf Knausgårds eigenen Lebens- und Familiengeschichte. Der 26-jährige Aushilfslehrer Henrik Vankel zieht Ende des 20. Jahrhunderts in ein abgelegenes Dorf im Norden Norwegens. Er ist am Ende seiner Lehrerausbildung, einige Prüfungen stehen noch aus. Er will ein Jahr lang an dieser Schule arbeiten. Obwohl die Dörfler freundlich sind, fühlt er sich in der Enge dieser Gemeinschaft nicht so recht wohl. Im ersten Drittel des Buches begleiten wir den Protagonisten in seinem Lehreralltag. Wir lernen ihn ziemlich gut kennen und merken bald, dass etwas nicht mit ihm stimmt. Henrik ist psychisch instabil und hat Schwierigkeiten damit, Beziehungen aufzubauen. Er fühlt sich einsam, leidet unter Scham- und Schuldgefühlen, bezieht alles auf sich, hat manchmal fast paranoide Vorstellungen davon, dass Mitmenschen über ihn reden und sich über ihn lustig machen und wird von seinem Selbsthass und seinen selbstdestruktiven Tendenzen gequält. Manchmal verschwimmen die Grenzen zwischen Traum und Realität. Wahrscheinlich haben wir es mit einer Borderline-Struktur und -Persönlichkeit zu tun. Sein schlimmstenfalls krankheitswertiges, bestenfalls pubertär-unsicheres Wesen führt zwangsläufig zu auffälligem und befremdlichem Verhalten, so dass seine Umgebung ihn fraglich findet und skeptisch beäugt. Und dann passiert das Ungeheuerliche! Er, der selbst pubertär und unreif anmutet, verliebt sich in eine 13-jährige Schülerin. Begierde, Phantasie, der Beginn einer Affäre, eine einmalige erotische Begegnung. Was ist, darf nicht sein! Er flieht aus Angst vor Entdeckung und Bestrafung in den Süden des Landes. Dort gibt er sich intensiv seinem Innenleben hin. Er beschäftigt sich mit sich und seiner Vergangenheit, in der seine Andersartigkeit und Beziehungsstörung bereits offensichtlich waren. Schon damals legte er grenzüberschreitende Verhaltensweisen an den Tag und sein obsessiver Wunsch, eine Freundin zu finden verführte ihn dazu, zum Stalker zu werden. Wir lesen von seinen Eltern und erfahren, wie sie sich kennengelernt haben Henrik will Vergangenes aufarbeiten, überlässt sich seinen endlosen Assoziationen, überbordenden Phantasien, exzessiven Träumereien und fast zermürbenden Grübeleien. Die tiefgründigen psychologischen Analysen und interessanten philosophischen Betrachtungen waren für mich als Psychoanalytikerin äußerst interessant, wenn auch zeitweise zu ausufernd und ziemlich anstrengend. Dass der Roman aus diesem Grund derart umfangreich wurde, wundert mich nicht. Karl Ove Knausgårds wortgewaltige Sprache und die kraftvollen Bilder, sowie seine prägnanten und stimmungsvollen Beschreibungen von Landschaft und Natur gefielen mir außerordentlich gut. Das Spannende und Absurde ist, dass wir Henriks Geschichte aus seiner Perspektive erfahren und diese Tatsache dazu verführt, Vieles zu bagatellisieren, zu beschönigen und zu verstehen und Vieles so einzuordnen und in dem Licht zu sehen, wie Henrik selbst es macht. Er könnte es schaffen, einen um den Finger zu wickeln, wenn man nicht immer wieder einen Schritt zurücktreten würde, um die Geschehnisse und Entwicklungen aus einer anderen, nämlich der Fremd-Perspektive zu betrachten. Der Leser muss aufpassen, um nicht von Henrik manipuliert und beeinflusst zu werden. Er darf sich nicht verwickeln lassen. Ich musste mich immer wieder herauswinden aus seiner Sicht der Dinge, um einen klaren Kopf zu behalten. Das war oft mühevoll und unangenehm. Dass der Autor so etwas bewirkt und auslöst lässt mich bewundernd staunen! Wer sich nicht von der Dicke des Buches abschrecken lässt, wem es nichts ausmacht, viele Stunden mit einem unsympathischen Protagonisten zu verbringen und wer sich nicht daran stört, dass der Autor sich oft in Details, Beschreibungen und zusammenhanglosen Ab- und Ausschweifungen verliert, sollte dieses herausragende Werk lesen. Es war für mich kein vergnügliches, aber ein besonderes und beeindruckendes Leseerlebnis. Jetzt, nach der Lektüre dieses Erstlingswerkes, frage ich mich, was eigentlich so skandalträchtig an diesem über 900-seitigen Roman ist. Die Beziehung des 26-jährigen Aushilfelehrers Henrik Vankel zu seiner 13-jährigen Schülerin Miriam ist zwar haarsträubend, empörend und skandalös, aber ihre Entstehung ist psychdynamisch nachvollziehbar und psychoLOGISCH und deren Schilderung nimmt vergleichsweise wenig Raum ein. Nach den ersten 300 Seiten mutiert sie zur Nebensache, weil von da an Henriks Vergangenheit fokussiert wird. Mir scheint, dass es eher aufsehenerregend ist, dass öffentlich bekannt und angeprangert wird, dass Norwegen minderqualifizierte Lehrkräfte einstellt.

Lesen Sie weiter

Zwischen tausend Spiegeln, vor dir selber falsch

Von: Benedikt Maria Trappen aus 55619 Hennweiler

02.11.2020

Wenn das 1998 in Norwegen veröffentliche, preisgekrönte Erstlingswerk von Karl Ove Knausgard (...) skandalverdächtig ist, dann sicher, weil das Vorzeigeland Norwegen Lehrkräfte einstellt, die nicht hinreichend qualifiziert sind. Die aus der Verzweiflung des neurotisch verstrickten 26 jährigen Aushilfslehrer Henrik Vankel hervorgehende Beziehung zu seiner 13 Jahre alten Schülerin Miriam dagegen befriedigt weder Voyeuristen, noch Moralwächter wirklich. Die Schilderung der Phantasien, Begierde und der einmaligen erotischen Begegnung nimmt nicht nur vergleichsweise wenige Seiten des mehr als 900 Seiten umfassenden Romans ein. (...)Anderseits aber ist das Licht, das diese, von der Allgemeinheit tabuisierte, nicht akzeptable Romantik und Begierde in die FInsternis seines neurotischen Lebens wirft, die einzige Hoffnung auf Authentizität. Henrik Vankel ist "aus der Welt" gefallen, eine Borderline-Persönlichkeit jenseits aller Unmittelbarkeit und Natürlichkeit, (...) ein Fremder. Was ihn von anderen Neurotikern unterscheidet, ist seine Gabe zu beobachten und zu schreiben (...) Wenn die Verunmöglichung der Freiheit eine Folge des normalen, konventionellen Lebens ist, kann der Weg zurück, zum Ursprung, die Aufhebung dieser "Erbsünde" nur ein Tabubruch sein.(...) Zugleich aber ist diese Versuchung der Begierde gegen besseres Wissen mehr: ein Bild für die Kurzsichtigkeit der Moderne, die das Wohlergehen der Erde für die Befriedung kurzsichtiger Genüsse und Begierden aufs Spiel setzt. Henrik Vankel ist damit kein bisschen unvernünftiger als die Möchtegermoralapostel unserer Zeit. Und das Wagnis, hinab zu tauchen in den Abgrund der Zeit, der uns alle bedingt, gewinnt ebenso mythologische wie vernunftkritische Dimensionen. (...) (aus: Benedikt Maria Trappen für "Yoga aktuell" und "Evolve")

Lesen Sie weiter
Alle anzeigen

Vita

Karl Ove Knausgård wurde 1968 geboren und gilt als wichtigster norwegischer Autor der Gegenwart. Die Romane seines sechsbändigen, autobiographischen Projektes wurden weltweit zur Sensation. Sie sind in über 30 Sprachen übersetzt und vielfach preisgekrönt. 2015 erhielt Karl Ove Knausgård den WELT-Literaturpreis, 2017 den Österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur. Er lebt mit seiner Familie in London. "Aus der Welt", 1998 in Norwegen erschienen, ist sein Debüt als Autor, das nun erstmals auf Deutsch erscheint. Der Roman wurde bei seiner Veröffentlichung in Norwegen gefeiert als eines »der wichtigsten Bücher der letzten 25 Jahre« (Dagbladet) und mit dem Norwegischen Kritikerpreis ausgezeichnet. Es war das erste Mal, dass dieser Preis einem Debütanten verliehen wurde.

Zur Autor*innenseite

Paul Berf

Paul Berf, geboren 1963 in Frechen bei Köln, lebt nach seinem Skandinavistikstudium als freier Übersetzer in Köln. Er übertrug u. a. Henning Mankell, Kjell Westö, Aris Fioretos und Selma Lagerlöf ins Deutsche. 2005 wurde er mit dem Übersetzerpreis der Schwedischen Akademie ausgezeichnet.

Zur Übersetzer*innenseite

Links

Pressestimmen

»Schon in diesem Debüt legt sich Knausgård keine Zügel an, es ist undiszipliniert, anmaßend. Es ist ein Monstrum. Überwältigend gut.«

Peter Urban-Halle / Berliner Zeitung (18. Oktober 2020)

»Man liest und liest gebannt und verblüfft staunend, wie sich das alles fügt in diesem grandios fließenden Stil jenseits allen Moralisierens.«

Ulrich Steinmetzger / Westdeutsche Allgemeine Zeitung (09. November 2020)

»In seinem Debütroman probiert sich Karl Ove Knausgård mit der Unbändigkeit eines Kindes aus und lässt seine spätere Meisterschaft aufblitzen.«

Tobias Wenzel / WDR 3 (20. Oktober 2020)