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Boston Roman

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Gebundenes Buch, Leinen mit Schutzumschlag ISBN: 978-3-7175-2380-2

Erschienen:  19.06.2017
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Das große US-Epos um Klassenjustiz und staatliche Willkür jetzt in deutscher Neuübersetzung

Vom Tellerwäscher zum Märtyrer – die Namen Sacco und Vanzetti stehen für den Wirklichkeit gewordenen amerikanischen Alptraum. Ihr Schicksal erschütterte Millionen Menschen weltweit in ihrem Glauben an Recht und Ordnung. Upton Sinclair, engagierter Romancier und Gesellschaftskritiker, inszenierte die realen Geschehnisse der Zwanzigerjahre als fesselndes literarisches Epochendrama.

Glamour, Jazz und endlose Partys: Das waren die Roaring Twenties. Allerdings ist das nur die halbe Wahrheit – Upton Sinclair zeigt uns die ganze. Denn während die Happy Few feierten, wurden die Massen mittels brutaler Klassenjustiz niedergehalten. Am Beispiel der einflussreichen Ostküsten-Sippe Thornwell zeigt «Boston», wie das System staatlich sanktionierter Korruption funktionierte. Als Kulminationspunkt dient der Schauprozess gegen die zwei bekanntesten Justizopfer der amerikanischen Geschichte, Nicola Sacco und Bartolomeo Vanzetti, die 1927 wegen Mordes hingerichtet wurden. In diesem ergreifenden Buch geht es um die moralische Glaubwürdigkeit offizieller Repräsentanten und Institutionen, um Menschenliebe und Bürgerpflicht, um Gerechtigkeit und den Mut zur Wahrheit.

»Die komplexen gesellschaftlich und politisch bestimmten Interessenskonflikte der Beteiligten werden geschickt gegeneinander gestellt und zu einem anschaulichen Zeitbild verarbeitet. … Und wenn man in diesen Tagen einen Blick in Richtung Machtzentrum der USA wirft und mitverfolgt, auf welche Weise sich politische Eliten abgrenzen gegen juristische Anfechtungen und Mauern aus Vorurteilen errichten gegen vermeintliche Bedrohungen von außen – dann könnte man auf die Idee kommen, dass Upton Sinclairs ›Boston‹ vielleicht noch immer eine recht gegenwärtige Lektüre ist.«

Deutschlandfunk, Christoph Schröder (23.07.2017)

Upton Sinclair (Autor)

Upton Sinclair (1878–1968), in einfachsten Verhältnissen aufgewachsen, hatte sich mit seinem Erstling The Jungle als „mudraker“ einen Namen gemacht: als Autor, der mit seinen Werken Dreck aufwühlt. Diesem Ruf blieb er treu. Für seine investigativ-journalistischen Recherchen zu Boston befragte er neben Ermittlern und Gewährsleuten auch Vanzetti in der Todeszelle.

»Die komplexen gesellschaftlich und politisch bestimmten Interessenskonflikte der Beteiligten werden geschickt gegeneinander gestellt und zu einem anschaulichen Zeitbild verarbeitet. … Und wenn man in diesen Tagen einen Blick in Richtung Machtzentrum der USA wirft und mitverfolgt, auf welche Weise sich politische Eliten abgrenzen gegen juristische Anfechtungen und Mauern aus Vorurteilen errichten gegen vermeintliche Bedrohungen von außen – dann könnte man auf die Idee kommen, dass Upton Sinclairs ›Boston‹ vielleicht noch immer eine recht gegenwärtige Lektüre ist.«

Deutschlandfunk, Christoph Schröder (23.07.2017)

»Upton Sinclairs ideologische, aber glänzende Rekonstruktion eines Justizmords in den zwanziger Jahren ist wieder zu entdecken. ... Er schuf mit seinem dokumentarisch hinterlegten Roman das wirkungsvollste Denkmal für Sacco und Vanzetti.«

Neue Zürcher Zeitung, Martin Zähringer (27.09.2017)

»›Boston‹ bietet eine erschütternd aktuelle Schilderung kapitalistischer Verrohung und zeigt auf, mit welchen Mitteln herrschendes Recht gebeugt werden kann. Die Neuübersetzung orientiert sich vor allem in der vielschichtigen Figurenrede stärker am Original. Eine Wiederentdeckung, die es in sich hat.«

Deutschlandfunk Kultur, Buchkritik, Maike Albath (17.06.2017)

»Sinclair führt vor, wie Justiz und Kapital an einem Strang zogen: Es ging ihnen nur um Profit und Eigeninteressen. ... 90 Jahre danach wirkt vieles davon erschreckend aktuell.«

FALTER (A), Klassiker des Monats, Sebastian Fasthuber (04.10.2017)

»Was Sinclair hier tut, ist grandioser Lesestoff.«

fixpoetry.com, Walter Delabar (16.10.2017)

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Aus dem Amerikanischen von Viola Siegemund
Originaltitel: Boston
Originalverlag: .

Mit Nachwort von Dietmar Dath

Gebundenes Buch, Leinen mit Schutzumschlag, 1.040 Seiten, 13,5 x 21,5 cm

ISBN: 978-3-7175-2380-2

€ 42,00 [D] | € 43,20 [A] | CHF 55,50* (* empfohlener Verkaufspreis)

Verlag: Manesse

Erschienen:  19.06.2017

  • Leserstimmen

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Ein insgesamt überzeugender Roman

Von: Gute Seiten Schlechte Seiten Datum: 03.01.2018

https://www.instagram.com/gute_seiten_schlechte_seiten/?hl=de

Der Roman „Boston“ von Upton Sinclair hinterlässt nach der Lektüre gemischte Gefühle bei mir. Zum einen ist die Thematik rund um die Sacco und Vanzetti Prozess – Posse, in den 20er Jahren im erzkonservativen Neuengland spannend und berührend, zum anderen zieht sich die Prozessbeschreibung und insbesondere die Rolle der Figuren ein wenig in die Länge, so dass man stellenweise das Gefühl hat auf Wiederholungen zu stoßen. Das mag zwar insgesamt chronologisch durchaus richtig sein und auch stilistisch ein ungemeines Gefühl der Authentizität erzeugen, denn die Prozessbeteiligten werden ähnlich gefühlt haben wie der Leser, der immer ungläubiger und beizeiten wütender den Prozessverlauf – oder die Farce eines Prozesses – verfolgt. Da man schon den Ausgang des Prozesses kennt, bevor dieser überhaupt begonnen hat, schleicht sich ein Gefühl der Beklemmung beim Lesen ein und man fragt sich, wie im Geburtsland der modernen Rechtsstaatlichkeit eine solches Possenspiel stattfinden konnte. Historisch betrachtet ist das Buch sehr interessant und wirft ein kritisches Licht auf die amerikanische bzw. Neuenglische Geld-Elite, die mit allen Mitteln, auf Kosten der Arbeiter, eigene Pfründe abzusichern versucht. Natürlich darf nicht vergessen werden, dass das Buch eine nicht vollkommen unparteiische Sichtweise auf die Geschehnisse bietet und man geneigt ist, den Roman als Tatsachenbericht zu lesen, der er nicht ist. Insgesamt jedoch ein überzeugendes Buch - mit stellenweiser Langatmigkeit - welches große Bedrückung und Fassungslosigkeit hinterlässt.

Strukturen um Macht und Geld

Von: Thomas Lawall Datum: 18.11.2017

www.querblatt.com

1915. Cornelia Thornwell hat sich zu ihrem Ausstieg relativ kurzfristig entschlossen. Für Vorstellungen und Mutmaßungen, wie es ihr in der neuen Realität ergehen würde, war somit keine Zeit. Wie es ist, in einer Fabrik zu arbeiten, lernt sie erst kennen, als sie dieses Vorhaben tatsächlich in die Tat umsetzt. Im Alter von sechzig Jahren!

Ihr Mann Josiah Quincy Thornwell, ehemals Gouverneur des Commonwealth, ist gestorben. Nun ist sie "frei" und nicht gewillt, die umgehend einsetzenden Erbstreitigkeiten ihrer Kinder auch nur im Ansatz zu ertragen. Sie hinterlässt ein kurzes Schreiben an sie und macht sich sogleich auf den Weg. Zu Fuß und nur mit wenig Handgepäck.

Mit der Straßenbahn gelangt sie nach Plymouth und in der Nähe einer Tauwerkfabrik wird sie, nach einer Unterkunft suchend, fündig. Mrs. Vincenzo Brini hat noch ein bescheidenes Zimmer zur Untermiete frei. In Gesellschaft italienischer Einwanderer fühlt sie sich unerwartet wohl und verliert umgehend sämtliche Vorbehalte. Auch und erst recht, als sie einen weiteren Untermieter der Familie kennenlernt. Einen einfachen Arbeiter namens Bartolomeo Vanzetti. Als sie die Gemeinsamkeit entdecken, Dantes "Divina Commedia" gelesen zu haben, sind sie sofort Freunde ...

In politischen Fragen ist man sich nicht immer einig, doch Vanzettis An- und Einsichten üben dennoch einen großen Einfluss auf Cornelia aus. Anders als das große Vorbild Luigi Galleani, einem Anhänger des Kommunistischen Anarchismus, der sich den gewaltsamen Umsturz der US-Regierung auf die Fahnen schrieb, bezeichnete sich Vanzetti als "anarchico individualista", also als Anhänger einer Bewegung, die den Staat mit gewaltfreien Mitteln abschaffen will ...

Es ist nicht die Aufgabe des Rezensenten, Fakten zum Schauprozess gegen Nicola Sacco und Bartolomeo Vanzetti, die des zweifachen Mordes bei einem Raubüberfall beschuldigt wurden, an dieser Stelle noch einmal detailliert zu beschreiben. Es ist auch nicht seine Aufgabe, die hinlänglich bekannten politischen Gegebenheiten und Strukturen, insbesondere dem brennenden Europa während des ersten Weltkrieges und den politischen Umwälzungen danach, im Detail zu wiederholen.

Vielmehr ist es seine Aufgabe, potentiellen Lesern Vorbehalte oder sogar Angst vor dem über tausendseitigen Werk zu nehmen. Upton Sinclair hat mit "Boston" zeithistorische Realität und Fiktion gemischt. Eine Cornelia Thornwell hat es nie gegeben, aber ihre Figur ist notwendig, um in die Welt der italienischen Einwanderer, und der arbeitenden Klasse generell, einen Zugang zu finden. Der Kontrast, im Zusammenhang mit ihrer Herkunft, könnte nicht größer sein und verdeutlicht dadurch einerseits die katastrophalen Zustände in den Fabriken um so deutlicher und ist andererseits wie "Öl" (auch) ein grandioses Familiendrama, wenn auch nicht ohne Längen.

Sinclairs verzweifelter Ruf nach Gerechtigkeit ist allenthalben deutlich zu spüren, was ihn jedoch nicht daran hindert, seinen spitzfindigen Humor wie eine Bombe aus dem Hinterhalt platzen zu lassen. Den familiär-unterhaltsamen Teil wertet er mit unerwarteten Bemerkungen beispielsweise insofern auf, als er die Nachteile großer Familien aufzählt. Ungemein ärgerlich wären "Beerdigungen, Hochzeiten und Taufen", die "in einer Tour" stattfinden und "denen man sich schlechterdings nicht entziehen kann".

Die Akribie des Autors entdeckt selbst im Klang eines Namens eine, obgleich sehr vorlaute, Metapher, jedenfalls was den Vornamen Quincy betrifft - "ein Name wie eine Halserkrankung". Richter Wendell Holmes bescheinigt er die Fähigkeit, "juristische Sachverhalte in einem von menschlichen Empfindungen restlos befreiten Vakuum zu beurteilen". Noch drastischer gestalten sich bitterböse gesellschaftliche Seitenhiebe, beispielsweise was die materiellen Ansprüche "höherer Töchter" betrifft. In dieser Beziehung würden sie den "leichten Mädchen" in nichts nachstehen. Unterschiede gibt es lediglich, was die Höhe der jeweils anstehenden Kosten betrifft!

Cornelia teilt jetzt den alltäglichen Existenzkampf der Arbeiter aus aller Herren Länder, die ihre Familien mit nur wenigen Dollar pro Woche durchbringen müssen, was sie sich tatsächlich anders vorgestellt hatte, zumal ihr die jeweiligen Bosse persönlich bekannt sind. Gerne werden diese in ihren Kreisen auch als besonders sozial und wohltätig beschrieben. Und so nebenbei schildert Upton Sinclair den sich anbahnenden Kriegseintritt der Vereinigten Staaten 1917, insbesondere vor dem Hintergrund der lukrativen Geschäfte, die sich in diesem Zusammenhang ergeben und ausbauen dürften. Gewisse "Krisen" vergisst er ebenfalls nicht zu erwähnen, insbesondere solche, die durch einen "Engpass an verwundeten Soldaten" entstehen ...

Die wahren Hintergründe, die zur Verhaftung und Hinrichtung Vanzettis und Saccos am 23.08.1927 führten, werden wohl nie vollständig aufgeklärt werden (was Michael S. Dukakis, Demokrat und Gouverneur von Massachusetts, nicht daran hinderte, die beiden 1977 im Rahmen einer Ehrenerklärung posthum zu rehabilitieren). Dennoch schildert Upton Sinclair bekannte Fakten detailliert und untermauert den Verdacht eines Justizmordes auch anhand des skandalös schlampig aufgezogenen und umgesetzten Prozessverlaufs, der sich über sieben Jahre hinzog, und maßgeblich von dem nicht unbedingt vorurteilsfreien Richter Webster Thayer regelrecht inszeniert wurde. Auch hier spielt die Witwe des verstorbenen Gouverneurs eine tragende Rolle und rechtfertigt somit die Romanform. Ohne sie und ihr Familienclan wäre es eine schier unlesbare Aufzählung von Fakten.

287 Fußnoten verweisen auf einen umfangreichen Anhang, welcher zusätzlich mit Anmerkungen, einer editorischen Notiz, und einem lesenswerten Nachwort von Dietmar Dath vervollständigt wird.

Die Übermacht von Vorurteilen gegen Menschen anderer Herkunft, und das Bollwerk gegen unkonventionelles Gedankengut und politische Überzeugungen zeigen die doch so oft übersehene, totgeschwiegene oder schlicht ignorierte Kluft zwischen Arbeitern und Oberschicht der damaligen Zeit, sowie die generelle "Angst vor den Roten", mehr als drastisch. "Boston" ist ein Denkmal für jene, die unter einer profitorientierten Industrie ein Leben lang leiden mussten und für jene, die aufbegehrten und ihren "Kampf" nicht überlebt haben.

Die Strukturen um Macht und Geld in Politik, Wirtschaft und im privaten Bereich scheinen in nicht wenigen Punkten in die heutige Zeit übertragbar zu sein. Ob Upton Sinclair dies so erdacht und geplant hat, ist fraglich. Falls ja, wäre ihm auch das gelungen.

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