Das Krokodil

Erzählungen

(6)
Hardcover
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Lachen mit Dostojewski! – Ein ungewohnter Blick auf den Großklassiker

Fjodor Dostojewski – der Inbegriff von existenzieller Düsternis und qualvoller Seelenanalyse? Diese Sammlung weitet den Blick. Fünf neu übersetzte Erzählungen zeigen den russischen Großmeister von einer überraschend anderen, hierzulande kaum bekannten Seite: als Autor heiterer, satirischer Geschichten.

Die Besichtigung eines leibhaftigen Krokodils scheint Iwan Matwejitsch die geeignete Vorbereitung auf eine Europareise – da wird er von dem monströsen Tier verschluckt. Für niemanden, das Opfer eingeschlossen, ist das ein Anlass zur Klage, befördert die Attraktion eines sprechenden Menschen im Reptilienbauch doch finanzielle Interessen und Eitelkeiten aller Art. Nicht um Geld, aber um seine Glaubwürdigkeit als Mann der Reformen kämpft Staatsrat Pralinski. Um Toleranz zu demonstrieren, taucht er unangemeldet bei der Hochzeit eines Angestellten auf – «Eine peinliche Geschichte» mit chaotischen Folgen. Ob Slapstick, Groteske, sanfte Ironie oder Tragikomik – Dostojewski zieht in diesem Band alle humoristischen Register.

«Der kleine Dünndruckband ... ist ein reines buchgestalterisches Vergnügen, und Christiane Pöhlmann gibt den fünf Texten im Deutschen eine frische Sprache, ohne dabei an Zeitkolorit einzubüßen.»

Frankfurter Allgemeine Zeitung, Andreas Platthaus (05. Mai 2015)

Aus dem Russischen von Christiane Pöhlmann
Mit Nachwort von Eckhard Henscheid
Hardcover, 448 Seiten, 9,0 x 15,0 cm
ISBN: 978-3-7175-2362-8
Erschienen am  02. März 2015
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

Leserstimmen

Der Klassiker in Neuauflage

Von: Laura Donauer

15.07.2019

Die Klassiker haben heutzutage einen schweren Stand. In Zeiten der Neuerscheinungs-Fülle, im Frühjahr und im Herbst ist es immer so weit, müssen sie hervorstechen oder als Schullektüre im Gebrauch sein - sonst gehen sie nicht selten unter in dem Meer neuer, junger Autoren und Autorinnen, die mit ihren Debütromanen die Bestsellerlisten erobern. Ein Verlag, der es schon seit Jahren schafft, die Aufmerksamkeit dennoch auf sein (überragend gut aufgestelltes) Klassikerprogramm zu lenken, ist der Schweizer Verlag Manesse. Die kleinen Bände der Manesse Bibliothek der Weltliteratur dürfen in keinem bibliophilen Haushalt fehlen und jedes Jahr aufs Neue überrascht und überzeugt der Verlag mit seinen neu-aufgelegten Klassikern in der Programmvorschau. Auch dabei: "Das Krokodil" von Fjodor Dostojewski, ein Band mit Erzählungen, der uns den altbekannten Autor auf eine ganz neue Weise zeigt. Der Name "Dostojewski" haucht noch jedem Literaturfreund Ehrfurcht ein. Der große Altmeister, der sich in seinen Büchern vor allem mit den Themen Schuld und Verantwortung auseinandergesetzt und der Literaturszene große Werke wie "Die Brüder Karamasow" und "Schuld und Sühne" geschenkt hat, gilt nicht gerade als leichte Kost - wozu sicherlich auch das Ausmaß seiner Romane einen erheblichen Teil beitragen. Nur vereinzelte Erzählungen des Autors erstrecken sich über weniger als 800 Seiten - Dostojewskis Romane sind Romane, auf die man sich einlassen, für die man Zeit aufwenden muss. Ganz anders ist jedoch der Band "Das Krokodil", der Dostojewski von einer bisher verborgenen Seite zeigt und sich perfekt für all diejenigen eignet, die zum allerersten Mal in die Welt des russischen Autors eintauchen wollen. Auch in diesem, im Vergleich zu seinen anderen Werken, eher schmalen Band, zeigt sich das Können des Schriftstellers, allerdings auf eine zugängliche, ja man kann fast sagen dosierte, Art und Weise. Dostojewski in Maßen - aber dafür nicht weniger spektakulär. Dabei zeichnen sich die Erzählungen hier vor allem durch eines aus: Komik und Satire - und das in fast allen möglichen Formen, auf einzigartigen Schauplätzen und mit schrägen Charakteren. So erzählt der Autor unter anderem von einem Krokodil, das in Moskau ausgestellt wird und sich aus Langweile dazu entscheidet, einen Besucher zu verschlucken - der es sich dann, zu seinem Glück noch lebendig, gemütlich im Inneren des Krokodils einrichtet und keinen Gedanken mehr an seine Rettung verschwendet - viel lieber genießt er seinen Ruf als "Star", den er durch die dramatische "Fressattacke" des Krokodils erhielt. Dostojewski erzählt von Ehefrauen, die bereits tot sind, von Ehemännern, die ihre Frauen in den Selbstmord trieben, von Freundschaften, die sich langsam in Hass verwandeln und von Beamten, die sich vor Scham verbarrikadieren und das Haus nicht mehr verlassen. Dabei sind die Übergänge zwischen den Erzählungen, trotz deren Divergenz, fast fließend, in einer jeder zeichnet sich Dostojewskis leichte, unaufgeregte Prosa ab und verlieht den Geschichten einen ganz eigenen Rhythmus. Dostojewski schreibt voller Witz und schafft es, jede noch so absurde Erzählung auf die Ebene der Möglichkeit zu heben, sie glaubhaft zu gestalten und der Realität zu nähern. Mit "Das Krokodil" schafft es Manesse uns Dostojewski wieder ein Stück näher zu bringen und das auf eine Weise, die gelungener nicht sein könnte - voller Witz, Ironie und Scharfsinn.

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Fünf Erzählungen Dostojewskis

Von: Kopfkino-Blog

04.05.2017

Die Gestaltung dieses kleinen Büchleins ist hervorragend. Ausgestattet mit einem Einband in Krokodillederoptik, einem passend grünen Lesebändchen und dem besonderen Format von 10 x 2,7 x 15,6 cm eignet es sich perfekt als Geschenk. Doch auch der Inhalt kann sich sehen lassen, denn dieses Buch umfasst nicht nur die Kurzgeschichte "Das Krokodil" sondern vier weitere Erzählungen sowie ein umfangreiches Nachwort des Herausgebers Eckhard Henscheid. Roman in neun Briefen (1847) Der "Roman in neun Briefen" wird durch den Briefwechsel zweier Männer erzählt. Zu Beginn bezeichnen sich die beiden als Freunde, doch der Ton verschärft sich von Brief zu Brief. Vorwürfe bestimmen den Ton und der Leser fühlt sich zwischen den beiden Männern hin- und hergerissen, kann die Beweggründe beider verstehen. Das an der Nase herumführen gelang Dostojewski mit dieser Erzählung hervorragend und mit einer ordentlichen Portion Humor. Das Krokodil (1865) "Das Krokodil" ist wahrscheinlich die absurdeste Geschichte dieses Sammelbandes. Jeder Charakter der Geschichte, versucht das Beste aus der Situation, in der Matwejitsch bei lebendigem Leibe von einem Krokodil verschluckt wird und in dessen Körper weiter lebt, zu machen. Die Reaktionen sind komisch, tragisch und bringen den Leser zum Schmunzeln. Eine peinliche Geschichte (1862) Mein Favorit ist ganz klar "Eine peinliche Geschichte". An Komik war diese Erzählung kaum zu überbieten. Die Geschichte, in welcher sich ein Mann hohen Ranges dazu entschließt durch Menschlichkeit und Nähe, die Liebe des niederen Volkes zu gewinnen und so ziemlich alles falsch macht, was man nur falsch machen kann, brachte mich nicht nur mehrfach zum Lachen, sondern auch zum Fremdschämen. Die Sanftmütige (1876) Die große Überraschung dieses Sammelbandes kam mit "Die Sanftmütige". Ich war darauf eingestellt auch hier eine komische Geschichte zu lesen, allerdings handelt diese Erzählung von der Geschichte einer Selbstmörderin. Wie es zu dem Selbstmord kommen konnte schildert ihr Ehemann, der an dem Unglück der Frau nicht ganz unbeteiligt war. Diese Geschichte ist weder komisch noch heiter, aber sehr spannend und eindringlich. Ein kleiner Held (1857) In „Ein kleiner Held“ (1857) blickt ein Mann zurück auf seine erste Schwärmerei mit elf Jahren. Dabei geriet er in die Irrungen und Wirrungen auf einem Gutshof. Diese Geschichte überraschte mich mit Dostojewskis Einfühlungsvermögen in die Gefühle eines pubertierenden Jungen. Auch in dieser Erzählung gibt es zwar einige witzige Stellen, doch die Geschichte wird vor allem durch den bildhaften Schreibstil und die Authentizität der Charaktere getragen. Abgerundet wird dieser Sammelband durch Fußnoten, Anmerkungen und einem interessanten Nachwort von Eckhard Henscheid. Fazit: Empfehlenswert für alle, die sich für russische Literatur interessieren. Egal, ob Dostojewski-Kenner oder Dostojewski-Neuling.

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Vita

Fjodor Dostojewski

Fjodor Michailowitsch Dostojewski (1821-1881) war das zweite von acht Kindern einer verarmten Adelsfamilie aus Moskau. Vier Jahre Zwangsarbeit wegen revolutionärer Umtriebe prägten sein Leben ebenso wie seine Spielleidenschaft und daraus resultierende Geldsorgen. Neben neun Romanen verfasste Dostojewski ab 1846 zahlreiche Erzählungen, Novellen und Essays.

Zur AUTORENSEITE

Christiane Pöhlmann

Christiane Pöhlmann (geb. 1968) studierte Slawistik, Germanistik und Geschichte an der FU Berlin, außerdem Russisch und Italienisch im Dipl.-Studiengang Übersetzen an der Humboldt-Universität und der Staatlichen Moskauer Linguistischen Universität. Ihre literarischen Vorlieben sind breit gestreut, reichen von der Übersetzung russischer Jugendliteratur und Fantasy (Lukianenko) bis zur italienischen Klassik (Tarchetti). Christiane Pöhlmann arbeitet auch als Literaturkritikerin (FAZ, taz).

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Eckhard Henscheid

Eckhard Henscheid, geboren 1941, studierte Literaturwissenschaft und gründete zusammen mit Robert Gernhardt und anderen die legendäre "Neue Frankfurter Schule" und deren Satiremagazin "Titanic". Henscheid schreibt Romane, Erzählungen, Satiren, Lyrik, Nonsens-Dichtung, literarische und musikwissenschaftliche Essays, Reportagen sowie Glossen und Polemiken. In seinem Buch "Dostojewskis Gelächter. Die Entdeckung eines Großhumoristen" (2014) beleuchtet Henscheid Fjodor Dostojewski von einer bisher vernachlässigten Seite: als "Großhumoristen".

Links

Pressestimmen

«Doch, Dostojewski kann sehr komisch sein, und in dieser frischen Neuübersetzung ist er es allemal.»

»Herrlich grotesk!«

Kurier (A), 07.12.2015

«‹Die Sanftmütige› ist ein Glanzstück der kleinen Prosa des Autors.»

Osteuropa, Karlheinz Kasper (01. November 2015)

»Lachen mit Dostojewski! […] Für alle, die sich noch nicht an Dostojewski herangeraut haben, sind diese Erzählungen ein sehr ans Herz gelegter Einstieg.»

Lesart, Unabhängiges Journal für Literatur 1/15

»Muss man noch erwähnen, dass diese fünf Kabinettstückchen moderne Literatur öde aussehen lassen?«

DVD Special, 09/15

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