Das eiserne Herz des Charlie Berg

Roman

Hardcover
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Charlie Berg hat ein schwaches Herz und die feine Nase eines Hundes. Das einzige, was ihn seine Eltern gelehrt haben: Zwei Künstler sollten nie Kinder bekommen! Es sind die frühen 90er, Charlie will ausziehen, nicht mehr der Depp der Familie sein, der alles zusammenhält, während Mutter am Theater die Welt verstört und Vater wochenlang bekifft im Aufnahmestudio sitzt. Die Zivistelle im Leuchtturm ist zum Greifen nah – da läuft alles aus dem Ruder: Auf der Jagd mit Opa trifft ein Schuss nicht nur den Hirsch, sondern auch Opa. Und Charlies heimliche große Liebe Mayra, seine Videobrieffreundin aus Mexiko? Hat nichts Besseres zu tun, als den Ganoven Ramón zu heiraten…

»700 Seiten verrücktes Leben. Krimi, Liebesgeschichte und Familienaufstellung in einem mit einer Fabulierlust, die kaum Grenzen kennt.«

Peter Twiehaus, ZDF Morgenmagazin (23. Oktober 2020)

ORIGINALAUSGABE
Hardcover mit Schutzumschlag, 720 Seiten, 13,5 x 21,5 cm
ISBN: 978-3-442-75851-7
Erschienen am  16. März 2020
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

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Leserstimmen

Skurrile Geschichte, super spannend und witzig!

Von: Buch-Lady

12.01.2021

Dieses Buch und seinen überaus sympathischen Autor habe ich bei einer Lesung des Büchereck Niendorf Nord in Hamburg kennengelernt. Ich gebe zu, ich war zunächst skeptisch angesichts der Story. Aber nach der humorigen Lesung ging mir diese skurrile Geschichte mit ihren schrulligen, liebenswerten Charakteren nicht mehr aus dem Kopf. Der Roman ist schwer einer Kategorie zuzuordnen und die vielschichtige Story schwer zusammenzufassen. Es ist einerseits ein Coming-of-Age-Roman in den 1990er Jahren. Sebastian Stuertz ist Jahrgang 1974 und hat (wie ich) seine Jugend in der Zeit der Audio-Kassetten und des VHS Video erlebt. Beide spielen eine zentrale Rolle. Andererseits ist das rätselhafte Ableben verschiedener Menschen und Tiere aufzuklären, so dass das Buch Anklänge eines Krimis hat. Besonders aber lebt die Geschichte von der seltsamen Familienkonstellation, mit der sich Charly Berg herumschlagen muss, ferner von seinen eigenen besonderen Persönlichkeitsmerkmalen. Charly Berg hat die Nase eines Spürhunds. Er kann Parfüms aus großer Entfernung erkennen, erschnuppert, was ein Mensch vor Stunden gegessen hat und wer mit wem Körperflüssigkeiten ausgetauscht hat. Das ist Fluch und Segen zugleich. Man muss an Grenouille aus Süskinds „Das Parfüm“ denken, wenn Charly in einem Labor seine eigenen Düfte zusammenmixt, nur ist er im Gegensatz zu seinem Vorbild nicht bösartig. Im Gegenteil, er ist der einzig halbwegs vernünftige Mensch, der den Rest seiner Familie zusammenhält. Mutter Rita ist eine Diva von einer Schauspielerin und glänzt in der Regel durch Abwesenheit. Vater Dito ist ein ständig bekiffter Althippie und verdient als Musiker sein Geld. Die 7jährige Schwester Fritzi ist Autistin mit einer Inselbegabung für das Auswendiglernen von Literatur. Das passt genau, denn Charly schreibt an seinem ersten Roman und möchte Schriftsteller werden. In der erweiterten, verfeindeten Familie gibt es den Opa väterlicherseits, der als Förster und Altnazi Charly das Schießen beibringt. Nonno, der Großvater der mütterlichen Seite, ist gar kein echter Italiener, spricht aber zu Gunsten seiner Anzugschneiderei mit starkem Akzent. Dito hängt so oft wie möglich mit seinem Musikerkumpel Stucki im Studio ab zwecks Plattenproduktion. Irgendwann verzieht Stucki jedoch nach Mexiko, so dass die Produktion ins Schleppen kommt, bis er mit seiner Tochter Mayra nach Deutschland zu Besuch kommt. Charly und Mayra freunden sich an und halten Kontakt über das Versenden von selbstgedrehten Videobändern per Post. Zu allem Überfluss springt auch noch Charlys durchgeknallter, sexbesessener Freund David in der Szenerie herum. Alles klar? „Ich hatte den Hirsch nichts gefragt, im Gegenteil, ich hatte die Luft angehalten und ihn ins Visier genommen, da teilte er mir mit: Wer mir etwas antut, wird leiden, so wie ich leiden werde. Ich nahm das Auge vom Zielfernrohr. Mein Opa, der neben mir stand und filmte, konnte den Hirsch offenbar nicht hören. „Drück ab!“, flüsterte er, heftig vom Bockfieber geschüttelt. Ich zweifelte keinen Augenblick daran, dass der Hirsch mit mir kommunizierte. Es war nicht das erste Mal, dass so etwas geschah. Ich hatte allerdings noch nie versucht zu antworten.“ (S. 9) So beginnt Charlys Geschichte. Die Leserin wird mitten hineingestoßen in den wilden Plot, der schon bald eine Sogwirkung entfaltet. Man sollte sich sogleich von der Vorstellung verabschieden, die Geschichte müsse an der Realität gemessen werden. Sie ist irre, total skurril, aber einfach spannend und sehr witzig. (Vorsicht! Der Humor ist an manchen Stellen derb, passend zu einem männlichen Teenager.) Überall ein bisschen überspitzt, aber nur damit die schmerzlichen Auswirkungen dieser Familie auf einen jungen Mann nicht als traurig rüberkommen. So dysfunktional die handelnden Personen auch sind, man muss die meisten von ihnen einfach gernhaben. Man fiebert der Auflösung der vielen unerklärlichen Wendungen entgegen und am Schluss der atemlosen 700 Seiten macht dann schließlich alles Sinn. Na ja, fast alles. Wer mal etwas ganz anderes lesen will, sich auf eine echt schräge Geschichte einlassen kann und dabei glänzend unterhalten werden möchte, der lese Charly Berg! Herrlich!

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Ein grandioser Künstler-/Coming of Age-Roman

Von: eschenbuch

30.12.2020

Inhalt: Endlich möchte Charlie seinen Roman schreiben. Damit dies gelingt, hat er fest den Zivildienst in einem einsamen Leuchtturm eingeplant. Ein Ereignis kippt allerdings sein Vorhaben: Gemeinsam mit seinem Opa, einem Wildhüter, geht er auf die Jagd, wobei ihnen ein Hirsch begegnet. Im letzten Moment entscheidet Charlie sich gegen den todbringenden Schuss. Doch ein anderer Schuss trifft; zuletzt liegt nicht nur der Hirsch auf dem Waldboden, sondern auch ein Wilderer - und Opa. Charlie muss umplanen. Persönliche Meinung: Lasst euch von dem kurzen Inhaltsteaser nicht abschrecken: Ich habe mich – um Spoiler zu vermeiden – nur auf die ersten Seiten beschränkt. Die Handlung von „Das eiserne Herz des Charlie Berg“ geht weit über die Jagdszene hinaus und ist thematisch höchst vielschichtig. Erzählt wird der Roman aus der Ich-Perspektive des 19-jährigen Charlie Berg, dessen olfaktorische Wahrnehmung sogar noch Süskinds Jean-Baptiste Grenouille übertrifft. Trotz seines Talents möchte Charlie allerdings nicht Parfümeur, sondern Schriftsteller werden. Dementsprechend ist „Das eiserne Herz des Charlie Berg“ (unter anderem) ein Künstlerroman, der den Literaturbetrieb und den Prozess des Erzählens auf einer Metabene diskutiert. Insgesamt steht dabei weniger das tatsächliche schriftstellerische Schaffen Charlies im Vordergrund. Stärker werden die häufigen Rückschläge und Zweifel Charlies fokussiert, die ihn vom Schreiben abhalten. Dabei spielt besonders die defekte Familie Berg eine große Rolle, deren Funktionieren nur auf dem Verantwortungsbewusstsein Charlies beruht. Charlie ist somit zudem ein (Über-)Lebenskünstler. Auch viele der Nebenfiguren sind (in irgendeiner Form) Künstler: Charlies Vater ist Musiker, seine Mutter schreibt Theaterstücke, sein Großvater mütterlicherseits fertigt maßgeschneiderte Anzüge an, seine Großmutter zimmert Möbel. Fast jede Figur besitzt einen skurrilen Zug, wodurch sie einmalig wird (Damit meine ich besonders dich, Dave Killer! :D). Gegliedert ist das ca. 700 Seiten starke Werk in fünf Teile. Teil 1, 3 und 5 spielen dabei im September 1993; Teil 2 im Jahr 1985 und Teil 4 im Jahr 1989. Der Roman zeichnet sich durch eine analytische Erzählweise aus. Dies betrifft vor allem die Nebenfiguren, die in Teil 1 eingeführt werden. Zwar werden Andeutungen zur Beziehung der Figuren untereinander gemacht, doch die tatsächliche Konstellation ist zu Beginn (zunächst) für die Leser_innen noch unklar. Die gemeinsame Vergangenheit (oder: Vergangenheiten) der Figuren wird dann in den 1985/1989 spielenden Teilen beleuchtet und aufgefächert. Durch diesen geschickten, Spannung erzeugenden Aufbau lernen die Leser_innen sukzessiv das gesamte Figurenrepertoire näher kennen. Teil 2 und 4 sind dabei Coming of Age-Handlungen in schönster Form. In Teil 2 ist Charlie noch mehr Kind; Liebe ist ein noch nicht wirklich bestimmbarer Hauch, Sexualität in der Ferne. Lebenslange Freundschaften beginnen, aber auch Mobbing spielt eine Rolle. Teil 4 dreht sich stärker um die Selbstfindung, die erste Liebesbeziehung und dem Bewusstwerden der eigenen Sexualität. Die Handlung ist insgesamt vielschichtig, wendungsreich und überraschend, was vor allem daran liegt, dass immer Mal wieder Krimielemente anklopfen. Oftmals nimmt „Das eiserne Herz des Charlie Berg“ mit seinen seltsamen Figuren, der Situationskomik und den Kommentaren Charlies tragikomödienhafte – teilweise: aberwitzige - Züge an. Lange Rede, kurzer Sinn: „Das eiserne Herz des Charlie Berg“ ist ein interessanter und vielschichtiger Roman, der grandios unterhält - auf allen Ebenen.

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Vita

SEBASTIAN STUERTZ, geboren 1974, ist Medienkünstler, Musikproduzent und Podcaster, hauptberuflich animiert er Grafiken für Film und Fernsehen. Er wuchs am Steinhuder Meer auf, das man zu Fuß durchschreiten kann, so flach ist es. Seit Beginn des Jahrtausends lebt und arbeitet er in Hamburg. "Das eiserne Herz des Charlie Berg" ist sein Debütroman.

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Pressestimmen

»So ein Buch liest man selten: Liebesgeschichte, Krimi, Familienchronik und Künstlerroman in einem - und all das mit viel Fantasie und sprachlichem Witz. «

NDR Bücherjournal (01. April 2020)

»Dieses Buch beginnt mit einem Knall, vielmehr: einem Schuss, und es ist erstaunlich, wie konstant Sebastian Stuertz mit seinem Debüt gleichermaßen Herzpochen und Kichern erzeugt.«

Barbara (01. April 2020)

»So unterhaltsam, so bunt und extrem kurzweilig.«

Eleni Efthimiou, radioeins (06. Mai 2020)

»Hat an einmal angefangen, kann man nicht mehr aufhören.«

NDR Bücherjournal (01. April 2020)

»Sebastian Stuertz betritt die literarische Bühne mit einem Wahnsinnsbuch. DAS EISERNE HERZ DES CHARLIE BERG ist das wilde, aufregende, absurd-komische und ziemlich durchgeknallte Debüt eines großen Erzählers.«

Lucy Fricke (02. April 2020)

»In bester John-Irving-Manier und darüber hinaus begleitet Sebastian Stuertz die Achterbahnfahrt im Leben von Charlie Berg. Man kann sich herrlich fallen lassen in diese rasant erzählte, nie langatmig wirkende, abenteuerliche Familien-, Liebes-, Künstler- und Adoleszenz-Geschichte.«

Gérard Otremba, Sounds and Books (02. April 2020)

»Sebastian Stuertz hat auf über 700 Seiten eine Geschichte entworfen, die so wild, fantasievoll, originell und crazy ist, dass sie sich mit nichts vergleichen lässt. Und das ist auch gut so, denn diese krasse Mischung aus geilem 90ies-Trash, Coming of Age, Liebesromanze, Familiengeschichte und Krimi ist wahrhaft einzigartig.«

Mareike Fallwickl, buecherwurmloch.at (02. April 2020)

»720 Seiten, von denen man keine einzige streichen könnte. Wilder, rührender, komischer, spannender als jede Serie.«

Franziska Gerstenberg (02. April 2020)