Das weite Herz des Landes

Roman

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Als der sechzehnjährige Franklin Starlight herbeigerufen wird, um seinen Vater Eldon, den er kaum kennt, zu besuchen, trifft er auf einen vom Alkohol gezeichneten, dem Tode geweihten Mann. Die beiden machen sich auf den Weg durch das raue Herzland British Columbias und auf die Suche nach einer letzten Ruhestätte, wo Eldon nach Art der indianischen Krieger beerdigt werden will.

Auf der Reise erzählt der Vater dem Sohn seine Lebensgeschichte, die Momente der Verzweiflung genauso wie die Tage der Hoffnung und des Glücks - und so entdeckt Franklin eine Welt, die er nicht kannte, eine Geschichte, die ihm fremd war, und ein Erbe, das er hüten kann.

Mit einem Nachwort von Katja Sarkowsky, Professorin für Amerikanistik an der Universität Augsburg.

»sehr ergreifend [und] literarisch ausgesprochen klug gemacht«

FAZ Bücher-Podcast, Tilman Spreckelsen (17. September 2020)

DEUTSCHE ERSTAUSGABE
Aus dem Amerikanischen von Ingo Herzke
Originaltitel: Medicine Walk
Originalverlag: McClelland & Stewart
Hardcover mit Schutzumschlag, 288 Seiten, 12,5 x 20,0 cm
ISBN: 978-3-89667-666-5
Erschienen am  14. September 2020
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

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Dieses Buch spielt in: British Columbia, Kanada

Leserstimmen

Ein Autor, den es zu entdecken gilt!

Von: Constanze Matthes

18.11.2020

Die Gastland-Auftritte auf den Buchmessen Frankfurt und Leipzig ermöglichen es uns, in die Literatur eines Landes einzutauchen, bekannte wie unbekannte Autoren und ihre Werke kennen- und schätzen zu lernen. Das nordamerikanische Land Kanada wird coronabedingt nach der diesjährigen Frankfurter Online-Ausgabe im kommenden Jahr in der Main-Metropole erneut im Mittelpunkt stehen; hoffentlich in voller Präsenz mit vielen Gästen. Wer an Kanada, den zweitgrößten Staat der Erde, denkt, wird wohl atemberaubende Landschaften und menschenleere Wildnis vor Augen haben, die auch die Kulisse des großen Romans „Das weite Herz des Landes“ des Kanadiers Richard Wagemese bilden. Der Schriftsteller zählt zu den bedeutendsten indigenen Stimmen des nordamerikanischen Landes. 1955 im Nordwesten Ontarios geboren, wuchs Wagamese in Heimen und bei Pflegefamilien auf. Seine Herkunft wurde in dieser Zeit unterdrückt. Erst als erwachsener Mann kam er in Kontakt zu seiner Familie vom Stamm der Ojibwe (Chippewa). Seine Wurzeln spiegeln sich in seinen Romanen wider – so auch in dem bereits 2014 unter dem Originaltitel „Medicine Walk“ erschienenen Werk. Im Mittelpunkt steht der 16-jährige Frank Starlight. Seine Mutter kennt er nicht, er ist ihr nie begegnet, seinen Vater sieht er alle Jubeljahre. Frank wächst bei einem Vormund auf dessen Farm auf. Hier lernt er das harte Landleben, aber auch was es heißt, in der Wildnis zu überleben. Früh lernt er das Jagen und Fischen, seinen ersten Hirsch schoss er im Alter von neun Jahren. Die unberührte und menschenleere Natur ist sein vertrautes Zuhause geworden. Eines Tages erhält Frank eine Nachricht seines Vaters; beide sind indianischer Herkunft. Eldons letzter Wunsch ist es, dass sein Sohn ihn an einen bestimmten Ort bringt, um dort zu sterben und in alter indianischer Tradition bestattet zu werden. Frank trifft in einer nahegelegenen Industrie-Stadt auf seinen sterbenskranken, von Alkohol und Armut gezeichneten Vater. Während der Tour zu Fuß und zu Pferd erzählt der Vater von seinem Leben. Auf ihrer Wanderung treffen sie nur wenige Menschen, für einige Tage erhalten sie Obdach in der Hütte von Becka. Nach und nach verliert Eldon zusehends an Kraft. Er leidet unter Schmerzen. Dem Einfluss des Alkohols, zu dem er in seinem Leben vor allem in schweren Zeiten gegriffen hat, kann er sich bis zum Schluss nicht entziehen. In schlaglichtartigen Rückblenden erhält der Leser Eindrücke von den wichtigsten Stationen und Ereignissen aus Eldons wechselvollem, von tragischen Ereignissen geprägten Leben. Sein Vater fällt im Zweiten Weltkrieg, mit 13 übernimmt er die Rolle des Mannes im Haus. Er muss er arbeiten, um die Familie über Wasser zu halten. In Korea erlebt er an der Seite seines Freundes Jimmy selbst die Schrecken des Krieges, zu dem er sich freiwillig gemeldet hat. Wer mehr über die Rolle der Indianer in den Kriegen lesen möchte, dem sei an dieser Stelle der Roman „Der lange Weg“ von Wagameses Landsmann Joseph Boyden ans Herz gelegt. Auf einer Farm, in dem er wohl die schönste Zeit seines Lebens verbringt, lernt Eldon seine große Liebe Angie kennen, der er jedoch in einem entscheidenen Moment der sonst liebevollen Beziehung die Hilfe versagt. Ein Moment, der auch Franks Leben beeinflussen soll. Eldon erklärt seinem Sohn die Bedeutung ihres Familiennamens und die Rolle jenes Ortes, an dem er begraben werden will. Er erzählt zudem, wie die Kraft des Geschichtenerzählens sein Leben geprägt hat. Die Beziehung zwischen Vater und Sohn ist eine leidgeprüfte, ambivalente. Obwohl Frank wenig Respekt, manchmal sogar Abscheu für Eldon, der dem Niedergang indianischer Traditionen nachtrauert, empfindet, respektiert er seinen letzten Wunsch und nimmt mit ihm die mühevolle Reise auf sich. Er erfährt während der Tour, wer sein Vormund eigentlich ist, dem er mehr Zuneigung entgegenbringt als seinem eigenem Vater, der ihm über die Jahre fremd geblieben ist. Wagemeses sprachmächtiger Roman besticht durch weise Dialoge, eindrucksvolle Naturschilderungen und präzise Charakterzeichnungen. „Das weite Herz des Landes“ ist ein melancholisches Kammerspiel in beeindruckender Kulisse, das sehr berührt und von einem jungen Helden erzählt, einem starken Charakter, der dem Leser in Erinnerung bleiben wird. Schuld und Vergebung sowie ein Traumata, das in die nächsten Generationen reicht, sind die großen Themen des Buches. Mit Wagemeses großer, nun in deutscher Übersetzung erschienener Erzählung gilt es, auch hierzulande diesen Autor zu entdecken und in Erinnerung zu behalten. Wagamese, heimisch in British Columbia und vielfach für sein Schaffen geehrt, starb 2017 im Alter von nur 61 Jahren. Im März erscheint mit „Der gefrorene Himmel“ ein weiteres Werk des Kanadiers, das bereits 2012 im Original mit dem Titel „Indian Horse“ erschienen war und mittlerweile verfilmt wurde. Große Vorfreude!

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Einfühlsamer, emotionaler und melancholischer Vater-Sohn-Familienroman.

Von: Wolfgang Brunner für Buchwelten

07.11.2020

Franklin Starlight trifft nach langer Zeit auf seinen Vater. Er soll ihn begleiten, denn er spürt, dass er bald sterben wird, und will an einem bestimmten Ort nach Indianerart beerdigt werden. Auf dieser Reise erfährt Franklin vieles von seinem Vater, aber auch über sein eigenes Leben. Der Trip wird zu einem Abenteuer in die Vergangenheit und führt Vater und Sohn wieder zusammen. . Schon auf den ersten Seiten fühlte ich mich in diesem Roman wohl. Wagamese besitzt einen hervorragenden und sehr flüssigen Schreibstil, der den Leser sofort packt und auf eine Reise mitnimmt, an die man noch öfter denken wird. Die Mischung aus Lebensbericht, Abenteuerroman und Philosophie besitzt eine hypnotische Wirkung, der man sich nicht mehr entziehen kann und die ihre Faszination noch mehr entfaltet, wenn man sich vor Augen hält, dass diese Geschichte auch noch autobiografische Züge des Autors enthält. „Das weite Herz des Landes“ vermittelt einem das Gefühl, auf dieser Reise zusammen mit Vater und Sohn mit dabei zu sein, ihnen bei ihren Gesprächen am Lagerfeuer zu lauschen und die Gefühle, die dabei entstehen, mitzufühlen. Wagamese schreibt einfach, aber nichtsdestoweniger sehr niveauvoll und vor allem bildhaft. Ohne erhobenen Zeigefinger bringt er dem (interessierten) Leser die Problematik der indigenen Bevölkerung nahe und lässt sie an ihren Emotionen teilhaben. Oftmals vergaß ich mich zwischen den Zeilen und dachte, ich lese gerade die Niederschrift des Autors über sein eigenes Leben. „Das weite Herz des Landes“ berührt, weil es ums Sterben geht und um das „Aufräumen“, bevor man diese Welt verlässt. Dass es sich dabei um eines der letzten Bücher von Wagamese vor seinem eigenem Tod handelt, macht die Geschichte umso tragischer und emotionaler. Immer wieder erfährt man etwas über die indigene Bevölkerung, doch letztendlich sind die Themen rassenübergreifend und betreffen uns alle, wenngleich auf manch andere Art und Weise. Durch die sehr ruhige Erzählweise vergisst man während des Lesens fast die Welt um sich, so eindringlich ist die Geschichte. Richard Wagamese erschafft buchstäblich auf jeder Seite ein so detailliertes Bild, als wäre es ein Gemälde, das man vor seinem inneren Auge sieht. Seine Geschichten sind überzeugend und er zeichnet seine Charaktere sehr detailliert, so dass man an manchen Stellen meint, sie persönlich zu kennen. Die Handlung entfaltet sich wie ein melancholischer Roadmovie mit unerwarteten Wendungen. Es ist ein Roman , der vom Kampf eines Jungen um die Beziehung zu seinem alkoholkranken Vater erzählt, der ihm trotz der ständigen Enttäuschungen und nicht eingehaltenen Versprechen einen letzten Wunsch erfüllt. Wagamese beschreibt die Sehnsucht eines Kindes, das endlich den Hintergrund seiner Abstammung erfahren möchte, die ihm Zeit seines Lebens vorenthalten wurden. Und der Roman zeigt, dass junge Menschen ihre Loyalität gegenüber ihren Eltern bewahren können, selbst wenn sie von diesen enttäuscht wurden. . Fazit: Einfühlsamer, emotionaler und melancholischer Vater-Sohn-Familienroman. ©2020 Wolfgang Brunner für Buchwelten

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Vita

Richard Wagamese, geboren 1955 im Nordwesten Ontarios, gehört zu den bedeutendsten Schriftstellern Kanadas und indigenen Stimmen der First Nations. Er veröffentlichte 15 Bücher, für die er vielfach ausgezeichnet wurde, u.a. mit dem Publikumspreis des Canada-Reads-Programms des staatlichen Rundfunks für den Roman "Der gefrorene Himmel", dessen von Clint Eastwood produzierte Verfilmung ebenfalls preisgekrönt wurde. Als Kind von seinen Eltern getrennt, aufgewachsen in Heimen und bei Pflegefamilien, die ihm eine Beziehung zu seinen indigenen Wurzeln verboten, wurde Wagamese erst im Alter von 23 Jahren wieder mit seiner Familie vereint. Er ließ sich in Kamloops, British Columbia, nieder, wo ihm später von der Thompson Rivers University die Ehrendoktorwürde verliehen wurde. Richard Wagamese verstarb im Jahr 2017.

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Ingo Herzke

Ingo Herzke, Jahrgang 1966, hat Klassische Philologie, Anglistik und Geschichte in Göttingen und Glasgow studiert. Seit 1999 lebt er mit seiner Familie in Hamburg und übersetzt neben Gary Shteyngart u. a. Alan Bennett, Nick Hornby, A. L. Kennedy, Kate de Goldi, Joshua Cohen und A. M. Homes.

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Pressestimmen

»sehr, sehr berührend.«

Domradio, Margarete von Schwarzkopf (25. September 2020)

»Ein exzellenter Geschichtenerzähler«

SRF 2 Kontext (13. Oktober 2020)

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