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Der Neue Roman

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Gebundenes Buch mit Schutzumschlag ISBN: 978-3-8135-0671-6

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Erschienen:  16.04.2018
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Was es bedeutet, Außenseiter zu sein – ein atmosphärischer Roman, der in das Amerika der 1970er Jahre führt

Osei will an seiner neuen Schule vor allem eines: nicht auffallen. Für den afrikanischen Diplomatensohn ist es der vierte Wechsel innerhalb von sechs Jahren, und aus Erfahrung weiß er, dass er gleich am ersten Tag Freundschaften schließen muss. Doch bereits seine Anwesenheit scheint einige seiner weißen Mitschüler und Lehrer zu provozieren. Im Amerika der 1970er Jahre sind gemischte Klassen immer noch selten. Als sich ausgerechnet die beliebte Dee mit Osei anfreundet, sieht Ian, der Tyrann auf dem Pausenhof, rot.

Tracy Chevalier lässt Shakespeares Othello, jenes klassische Stück über Eifersucht und Diskriminierung, in einer Schule spielen, wo das Wort Mobbing kein Fremdwort ist.

Tracy Chevalier (Autorin)

Tracy Chevalier, geboren 1962, wuchs in einem multikulturellen Viertel in Washington DC auf und besuchte dort eine Schule mit überwiegend farbigen Kindern. Diese Erfahrung inspirierte sie zur Neuerzählung von Othello. "Das Stück kreist um die Frage, was es bedeutet, Außenseiter zu sein. Dieses Gefühl kennen wir alle. Jeder von uns hat schon mal am Rand einer Gruppe gestanden und sich nichts sehnlicher gewünscht, als endlich dazuzugehören."

Tracy Chevalier, Autorin des Weltbestsellers "Das Mädchen mit dem Perlenohrring", lebt heute mit ihrer Familie in London.

Aus dem Englischen von Sabine Schwenk
Originaltitel: New Boy
Originalverlag: Hogarth

Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 200 Seiten, 13,5 x 21,5 cm

ISBN: 978-3-8135-0671-6

€ 18,00 [D] | € 18,50 [A] | CHF 25,50* (* empfohlener Verkaufspreis)

Verlag: Knaus

NEU
Erschienen:  16.04.2018

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Othello auf dem Pausenhof

Von: Niamh O'Connor Datum: 16.04.2018

britlitscout.wordpress.com

Der Neue in Tracy Chevaliers Version von Othello, das ist der 11-jährige Osei Kokote, Sohn eines Diplomaten aus Ghana, und heute ist sein erster Tag in einer Grundschule in Washington D.C., sein vierter Schulwechsel in sechs Jahren. Osei ist also Experte darin, der Neue zu sein, und es läuft zunächst ganz gut für ihn. Er sticht zwar sofort heraus, weil er der erste schwarze Schüler ist, den der Pausenhof je gesehen hat, als er vor Unterrichtsbeginn dort auftaucht, aber er ist klug, selbstbewusst und vorsichtig genug, um nicht sofort im Out zu landen. Außerdem hat er Glück: Die bei allen beliebte Dee ist sofort von ihm fasziniert und möchte sich mit ihm anzufreunden, und auch Mädchenschwarm Casper, in dem Dee so etwas wie einen Bruder sieht, tritt ihm positiv gegenüber und erkennt sehr bald den guten Sportler. Das zählt.

Die anderen Schüler warten erst einmal ab und beobachten. Viele von ihnen haben ihre eigenen Probleme. Sie werden von Ian tyrannisiert, der den Pausenhof regiert, Kinder körperlich drangsaliert und psychisch unter Druck setzt und immer damit durchkommt. Den Lehrern fällt das nicht weiter auf, weder dem strammen Vietnamveteranen Mr. Brabant, noch der jungen Miss Lode, die exzentrische Kleidung trägt und sich in verständnisvoller Pädagogik übt.

Die Geschichte, die Tracy Chevalier erzählt, bleibt nahe an Shakespeares Dramaturgie. In fünf Akten, 5 Gelegenheiten innerhalb eines Tages, zu denen sich die Schüler auf dem Pausenhof treffen, wiederholt sich Othellos Tragödie auf glaubwürdige Art und Weise, allerdings gibt es für mich zwei große ABER, zwei „Regiefehler“, die ich mir beim Lesen wegdenken musste. Zunächst ist es für mich nicht vorstellbar, dass ein erfahrener afrikanischer Diplomat, als der Oseis Vater dargestellt wird, im Jahr 1974 auf die Idee gekommen wäre, seinen Sohn in eine öffentliche Schule in einem weißen Vorort von Washington D.C. zu schicken. Er hätte ihn damit zur Zielscheibe für noch wesentlich gefährlicheren Rassismus gemacht als er im Roman gezeigt wird, vermutlich die körperliche Sicherheit und vielleicht sogar das Leben seines Sohnes von vornherein gefährdet. Das zweite große ABER bezieht sich auf die Art, wie die Mädchen und Jungs agieren und sich die Beziehungen zwischen ihnen entwickeln: sie gehen miteinander um wie typische 13-Jährige, das Problem ist nur, im Buch stehen sie kurz vor dem Übertritt in die Junior High School, sind also erst 11 Jahre alt, und zwischen dem Sozialverhalten von 11-Jährigen und dem von 13-Jährigen liegen Welten. Es sind nicht nur zwei Jahre, es sind genau die zwei Jahre, die den Unterschied machen.

Wenn ich diese beiden Überlegungen beiseite lasse, ist der Roman genau wie Shakespeares Drama eine präzise beobachtende Studie darüber, was Rassismus sowohl bei den Rassisten als auch bei den aus rassistischen Gründen Verfolgten anrichtet. Osei ist ein cooler Junge, er sieht gut aus und kommt aus einer wohlhabenden Familie, er kann vom Leben in Accra, Rom und New York erzählen, er ist ein guter Sportler, er hat ein Gespür dafür, was bei seinen Altersgenossen gut und weniger gut ankommt. Trotzdem ist es für Ian leicht, eine Intrige einzufädeln und Osei glauben zu machen, Dee und Casper würden ihn hintergehen. Die vielen kleinen Demütigungen in der Vergangenheit haben ihre Wirkung nicht verfehlt, und der Stolz eines schon oft verletzten Teenagers verhindert, dass er mit seinen neuen Freunden redet, um herauszufinden, was los ist. Die anderen sind ihm keine Hilfe: sie stellen dumme Fragen über Schwarze, weil sie noch nie einem Schwarzen begegnet sind, sie interpretieren sein Verhalten als fremdartig, obwohl jeder von ihnen in seiner Situation ähnlich handeln würde, und sie können nicht auf ihn zugehen.

Laut Klappentext besuchte Tracy Chevalier gemeinsam mit vielen Schwarzen eine Schule in Washington D.C. und hat Othello aus diesem Grund ausgewählt. Auch wenn sie sich im Alter verschätzt hat, das Leben von Burschen und Mädchen irgendwo zwischen Kindheit und Erwachsenwerden in den 70er-Jahren portraitiert sie treffsicher: während die Jungs Baseball und Kickball spielen, üben die Mädchen Seilspringen oder Himmel und Hölle und hadern mit den Bekleidungsvorschriften ihrer Eltern. Der Mädchenschwarm Casper sieht aus wie David Cassidy und die junge Hippie-Lehrerin wird weder von den Schülern noch von ihren Kollegen wirklich ernst genommen. Am Pausenhof wird darüber getuschelt, wer mit wem geht, und die bei der ersten körperlichen Annäherung aufkommenden sexuellen Gefühle treffen die Kids vollkommen unvorbereitet, weil das Wissen über den eigenen Körper weder im Elternhaus noch in der Schule vermittelt wurde.

Ich habe schon seit vielen Jahren keinen in der Realität angesiedelten Jugendroman mehr gelesen, aber ich denke, Der Neue wäre auch ein toller Roman für Teenager, würde er von Teenagern und nicht von 11-Jährigen handeln.

Ich danke dem Knaus-Verlag für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar. So konnte ich den Roman nicht nur im englischen Original, sondern auch in der gut gelungenen deutschen Übersetzung lesen und bis zur letzten Seite hoffen, dass doch noch alles gut ausgeht.

Der Neue

Von: Miss.mesmerized Datum: 16.04.2018

https://missmesmerized.wordpress.com/

Osei kennt die Situation schon, denn regelmäßig muss seine Familie wegen des Diplomaten-Jobs des Vaters umziehen. Wieder einmal ist er der Neue an einer Schule. Und wieder einmal ist er nicht nur neu und kennt niemanden, sondern so wie auch auf den letzten Schulen wird er der einzige Schwarze sein und argwöhnisch beäugt werden. Im Washington der 1970er ist nicht zu erwarten, dass er mit offenen Armen empfangen wird. Doch er scheint sich geirrt zu haben, denn Dee, das hübscheste Mädchen der Schule ist freundlich und offen und nimmt sich seiner an. Das gefällt nicht jedem – Schüler wie Lehrer beobachten diese seltsame Freundschaft und noch am ersten Schultag gelingt es dem missgünstigen Ian, bekannte Mechanismen in Kraft zu setzen und durch geschickte Manipulation ein schlimmes Drama zu provozieren.

Tracy Chevalier hat sich, wie vor ihr schon Anne Tyler, Howard Jacobson oder Margaret Atwood, an der Hogarth Shakespeare Reihe beteiligt, die anlässlich des 400. Todesjahres des Barden große zeitgenössische Autoren aufrief, die bekannten Werke des Dichters in die Gegenwart zu verlagern und neu zu erzählen. In „Der Neue“ greift Chevalier die Tragödie um Othello auf, der als einziger Schwarzer unter den Intrigen Iagos im Veneziens um 1600 leiden muss.

Sowohl die grundlegende Figurenkonstellation – die verliebten Osei und Dee gegen den intriganten Ian und seinen Gehilfen Rod, die unerwartet von Dees Freundin das entscheidende Hilfsmittel im Kampf gegen den Außenseiter erhalten – hat Chevalier leicht erkennbar übernommen, ebenso wie die Namen, die ohne große Mühe der Vorlage Shakespeares zuzuordnen sind. Die Gliederung des Romans in fünf Kapitel, der zudem der klassischen Dramenstruktur folgt, ist eine gelungene Anspielung an das Original.

Das Setting ist jedoch gänzlich verschieden, vom beschaulichen Venedig verlegt die Autorin die Handlung in das weiße Washington der 70er Jahre und lässt etwa 12-jährige Schulkinder die Rollen übernehmen. Die klingt zunächst abstrus, es zeigt sich aber schnell, dass die menschlichen Beweggründe sich in den 400 Jahren nicht verändert haben und welche Kraft Neid, Missgunst und Rache auch nach so langer Zeit immer noch haben und dass sich trotz der zwischenzeitlichen Aufklärung und der gesetzlichen Gleichbehandlung in der Realität nur wenig in den Köpfen bewegt hat.

Eine Reihe von unglücklichen Entscheidungen gepaart mit einem ohne erkennbares Motiv bösartig handelnden Charakter sind die Triebfedern in der Geschichte um den schwarzen Außenseiter. Chevalier gelingt es überzeugend trotz der Nähe zu Othello, eine eigene Geschichte zu erzählen, die auch völlig losgelöst von der Tragödie funktioniert. Ihre Schulkinder agieren genau so, wie man es von Kindern in diesem Alter erwarten würde. Ihr zentraler Konflikt entzündet sich an einem Mäppchen und wirkt absolut glaubwürdig, ebenso wie alle Folgehandlungen, die sich hieraus ergeben. Auch in diesem jungen Alter haben sie schon eine Vorstellung von der Ordnung der Welt, die klar zwischen schwarz und weiß unterscheidet, und sie handeln bereits im vollen Bewusstsein, dass jede Entscheidung, die sie treffen, gewisse Folgen für ihr Ansehen in der Gruppe haben wird. Sie können sogar antizipieren, was geschehen wird, so vertraut sind sie mit den Charakterzügen ihrer Mitschüler. Das Kindsein hindert sie nicht daran, in dieselben Fallen zu treten wie auch Erwachsene.

„Der Neue“ konnte meine recht hohen Erwartungen voll erfüllen. Nach den letzten Adaptionen von Atwood und St Aubyn hingt die Messlatte hoch, aber Tracy Chevalier ist es ebenfalls gelungen aus einem alten Stoff eine neue Geschichte zu entwerfen, die von der ersten bis zur letzten Seite überzeugt.

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