Der Verräter

Roman

(2)
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Eine bissige, kühne Satire über eine Gesellschaft, die ihre ethnische Spaltung noch lange nicht hinter sich gelassen hat.

Dickens, ein Vorort von Los Angeles, ist der Schandfleck der amerikanischen Westküste: verarmt, verroht, verloren. Zugleich ist es der ganze Stolz seiner schwarzen Einwohner, eine Bastion gegen die weiße Vorherrschaft. Hier zieht der Erzähler von "Der Verräter" friedlich Wassermelonen und Marihuana. Doch als sein bürgerrechtsbewegter Vater durch Polizeigewalt stirbt und die Gentrifizierung den gesamten Vorort auszuradieren droht, wird er unversehens zum Anführer einer neuen Bewegung: Mit seinem Kompagnon Hominy, alternder Leinwandheld aus "Die kleinen Strolche", führt er Sklaverei und Rassentrennung wieder ein ...

»Mit ›Der Verräter‹ hat Beatty nicht nur einen anmaßenden, überdrehten, unerschrockenen Roman geschrieben. Sondern einen Weckruf.«

Dennis Pohl / SPIEGEL ONLINE (11. November 2018)

DEUTSCHE ERSTAUSGABE
Aus dem Englischen von Henning Ahrens
Originaltitel: The Sellout
Originalverlag: Picador
Hardcover mit Schutzumschlag, 352 Seiten, 13,5 x 21,5 cm
ISBN: 978-3-630-87575-0
Erschienen am  15. Oktober 2018
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

Leserstimmen

Bissig, biestig, bösartig, besonders – Der Verräter

Von: thursdaynext

03.12.2018

„Sellout“ von Paul Beatty wollte ich schon länger lesen, weil mich die Grundidee faszinierte, leider ist mein Englisch für anspruchsvollere Lektüre nicht ausreichend perfekt also landete Paul Beattys mit dem National Book Critics Award und dem Man Booker Preis ausgezeichnetes Werk auf der Wishlist bis zur Übersetzung. „Der Verräter“, so der deutsche Titel, wartet mit einer grandiosen Grundidee auf, sprachlich und stilistisch ist er herausragend konzipiert und dennoch habe ich mich durch dieses Buch bis zum Schluss, der mich etwas versöhnt hat, gekämpft. Es ist, obwohl sprachlich einfach gehalten keine leichte Kost die Beatty hier serviert. Ein Schwarzer Bewohner der Us – amerikanischen Kleinstadt Dickens berichtet von seiner grauenhaften Kindheit in der alle Tatbestände für § 8a zu finden sind. Sein Vater Sozialwissenschaftler und Begründer und einziger Praktizierender der „Freiheitspsychologie“ erzeiht ihn angelehnt an Jean Piagets kognitiver Entwicklungspsychologie. Wobei Piaget dabei sicher im Grab rotieren würde hätte er dies sadistischen Praktiken miterleben müssen. Konditionierung mit Elektroschock inklusive. Derartige Behandlung hinterlässt Spuren und so kommt es, dass Heros der Junge ohne Vornamen aus Dickens vor dem Surpreme Court angeklagt wird gegen etliche Zusatzartikel der amerikanischen Verfassung verstoßen zu haben indem er in Dickens die Sklaverei und die Segregation wieder einführte um die Bildung und den Stand der schwarzen Bevölkerung zu verbessern, was ihm auch gelang. „In einem überfüllten Theater <Feuer!> zu rufen, ist illegal, stimmt’s?“ „Ja.“ „Tja, und ich habe in einer post-rassistischen Welt >Rassismus> geflüstert.“ Stilistisch und inhaltlich gibt es an Beattys launig, bissiger Satire nichts auszusetzen. Er trifft mit jedem Satz, ins Herz der nicht erfüllten Versprechungen die die USA ihren People of Colour nach langer Zeit der Unterdrückung und Ausbeutung offerierten und heute noch vorenthalten. Unverschämt prall, dicht und erbarmungslos wird man in diesen Roman hineingeworfen und verheddert sich ab und an in der Fülle an Informationen, von denen einige wohl nur sehr wenigen Europäern geläufig sein dürften und eruiert werden müssen um im Kontext zu bleiben. Sicher sind mir etliche Insider entgangen, es blieb aber genug übrig. Es ist auch hilfreich wenn Leser*innen mehr als das aus Asterix und Obelix inhalierte Latein beherrschen und mit Minstrelshows Blackfacing und anderen Widerwärtigkeiten der amerikanischen Kultur vertraut sind. ich bin ein wenig unsicher durch diesen Roman geschwommen, teils aus Informationsmangel teils weil mein Zynismus momentan ziemlich heruntergefahren ist außerdem gefiel mir die unverhohlen Derbheit die der Autor dem Protagonisten zuweist nicht. Beatty hat eine bösartige, ehrliche und ungeschönte Satire über die amerikanische Gesellschaft, in der wirklich jeder vorgeführt und entlarvt wird, geschaffen. Mir war sie zu heftig, wobei es ein Erlebnis der sehr besonderen Art ist „Der Verräter“ zu lesen. ich möchte es weder missen, noch wiederholen.

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Paul Beatty | DER VERRÄTER

Von: Bookster HRO

29.11.2018

Der Supreme Court der Vereinigten Staaten in Washington hat einen schwierigen Fall zu verhandeln: Mr Heros, Melonenlandwirt aus Kalifornien, soll massiv gegen die Zusatzartikel 13 und 14 der Verfassung verstoßen haben, die die Sklavenhaltung und die Rassentrennung verbieten – und das als Schwarzer! Aufgewachsen ist Heros – der Ich-Erzähler von dem wir nie den Vornamen erfahren – in Dickens, einem Vorort von Los Angeles, in dem Bandenkriminalität, Rassismus und Polizeigewalt so hoch sind, dass sich das zuständige County irgendwann dazu entschlossen hat, die Straßenschilder abzumontieren und die Kleinstadt sich selbst zu überlassen. Bei seinem Vater, Hobbypsychologe und Black-Power-Veteran, ist Heros durch eine harte Lehre gegangen, geprägt von jahrelangen, schmerzhaften Konditionierungen auf jede Ungerechtigkeit, die den Schwarzen in Amerika je widerfahren ist. Als sein Vater bei einer simplen Straßenkontrolle erschossen wird, übernimmt Heros dessen Debattierklub, zieht eine leuchtend weiße Grenze um Dickens und erklärt es quasi zur Sonderzone. Zusammen mit seinem (freiwilligen) Sklaven Hominy – dem letzten noch lebenden Die kleinen Strolche-Komparsen – führt er in Dickens die Rassentrennung wieder ein, zunächst im Linienbus, später dann auch in der örtlichen Schule. Und das mit Erfolg: Die Schüler werden immer besser und Sklave Hominy ist der glücklichste Einwohner der Stadt. Doch dem eigenwilligen Utopia ist keine lange Lebensspanne vergönnt, der Staat greift ein und Heros muss sich in Washington verantworten. Was Paul Beatty (*1962) hier in seinem aktuellen Roman auf die Seiten hämmert, ist beißende Gesellschaftssatire par excellence. Der Text quillt permanent über vor lauter entlarvender Sozialkritik, und selbst wenn man die grandiosen Kniffe mit der Sklavenhaltung und der Rassentrennung außen vor lässt, bleibt immer noch genug Zündstoff übrig, um jedem Alltagsrassisten in Amerika den Spiegel vors Gesicht zu halten. Beattys oft recht ausschweifende Sätze sind hierfür eine schier unerschöpfliche Fundgrube an kleinen Anekdoten und Querverweisen zu afroamerikanischer Geschichte und Popkultur. Manche Szenen sind dabei so witzig und gleichzeitig so böse, dass man sich beim Lachen schon für das Lachen schämt. Sehr gelungen ist auch das Personal. Neben Heros selbst, ist die schillernste Figur natürlich Hominy, der sich bei seinem Massa regelmäßig Erniedrigungen jeder Art abholt. Aber auch die zweite Reihe kann sich sehen: Marpessa, Busfahrerin und Heros‘ Ex-Geliebte, die in ihrer Linie 125 ein kleines Extra-Soziotop durch die Stadt kutschiert; oder Charisma, die völlig überforderte Schulleiterin, die zunächst skeptisch auf die Rassentrennung blickt, dann aber mehr und mehr von ihr überzeugt ist. Beatty haucht jeder Figur eine magische Eigenständigkeit ein, wie man sie selten zu lesen bekommt, und die ich so eigentlich nur von Thomas Pynchon und Donald Antrim kenne. Und wo wir gerade bei großen Namen sind: Dieses Buch hat definitiv das Potential, sich dauerhaft in der Reihe der wichtigen Satiren der Literaturgeschichte zu behaupten. Viele Punkte sprechen dafür: Der Schreibstil ist gehoben aber lesbar, es werden eine Menge dringender Probleme angesprochen, und das Hauptthema ist – auch wenn dieser Umstand traurig macht und viele es nicht wahrhaben wollen – zeitlos. Anders ist es bei Romanen wie CATCH-22 oder CLOCKWORK ORANGE auch nicht, und die werden heute noch gelesen.

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Vita

PAUL BEATTY, 1962 geboren, zählt zu den bedeutendsten amerikanischen Autoren der Gegenwart. Begonnen hat er als Lyriker, schnell avancierte er zum Star der New Yorker Slam-Poetry-Szene. Seine Romane haben in den USA Kultstatus. Für »Der Verräter« wurde Beatty mit dem National Book Critics Circle Award sowie – als erster Amerikaner – mit dem Man Booker Prize ausgezeichnet. Paul Beatty lebt in New York.

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Henning Ahrens

Henning Ahrens, geb. 1964, lebt als Schriftsteller und Übersetzer in der niedersächsischen Provinz. Für seinen Lyrikband "Lieblied was kommt" (1998) erhielt er einen der Wolfgang-Weyrauch-Förderpreise beim Literarischen März 1999 sowie den Pro Litteris-Preis 1999 der Märkischen Kulturkonferenz und den Hebbel-Preis (2001). Er übersetzte u.a. J. C. Powys, Jonathan Safran Foer, Jonathan Coe und Hugo Hamilton. Zuletzt erschien sein Lyrikband "Kein Schlaf in Sicht" und der Roman "Tiertage".

zum Übersetzer

Zitate

»Selbst wenn man alle unkorrekten Witze aller berüchtigten amerikanischen Comedians zusammennimmt, wird man nicht annähernd die Dichte erreichen, die Paul Beattys Roman ›Der Verräter‹ aufbietet.«

Jan Wiele / Frankfurter Allgemeine Zeitung (06. Oktober 2018)

»Das Buch ist bis zum Bersten der Sprache gefüllt mit den Elementen einer schwarzen Kultur, die das ganze 20. Jahrhundert umfasst, und mit einem Humor, der sie permanent in Frage stellt.«

Hubert Winkels / Süddeutsche Zeitung (09. Oktober 2018)

»Es ist eine grandiose, bitterböse Dystopie, die Beatty entwirft. Sprachlich brilliant!«

Das Erste / ttt - titel, thesen, temperamente (14. Oktober 2018)

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