Der Winter unseres Missvergnügens

Roman

(6)
Hardcover
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Die ultimative Abrechnung mit dem menschenverachtenden US-Kapitalismus

John Steinbecks letzter Roman ist ein bis heute gültiges Lehrstück über Geld und Moral: Sein Protagonist Ethan Hawley, Hätschelkind der Finanzaristokratie von Long Island, muss sich um materielle Dinge nicht sorgen – bis ihn die Pleite seines Vaters plötzlich zwingt, auf eigenen Beinen zu stehen. Um Frau und Kinder ernähren zu können, tritt er eine schlechtbezahlte Stelle als Verkäufer in einem Lebensmittelladen an. Rasch erkennt jedoch er, dass redliches Tagwerk einen Mann nicht weiterbringt. Unter dem Einfluss seiner Frau und dem seines Bankberaters entledigt er sich aller Menschlichkeit und steigt zum skrupellosen Geschäftsmann auf, der ohne Rücksicht auf andere nur den eigenen Vorteil sucht.

»Eine gnadenlos klarsichtige, literarisch komplexe Darstellung des moralischen und kulturellen Niedergangs der USA während der Eisenhower-Ära. ... Der Ausgang bleibt dramatisch ungewiss. Sicher ist hingegen, dass die Nobel-Akademie ... im Jahr 1962 eine gute Entscheidung getroffen hat.«

Süddeutsche Zeitung, Kristina Maidt-Zinke (27. November 2018)

Aus dem Amerikanischen von Bernhard Robben
Originaltitel: The Winter of our Discontent
Mit Nachwort von Ingo Schulze
Hardcover mit Schutzumschlag, 608 Seiten, 9,0 x 15,0 cm
ISBN: 978-3-7175-2432-8
Erschienen am  15. Oktober 2018
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

Leserstimmen

Der andere Steinbeck

Von: G.Siema

17.03.2019

„Der Winter unseres Missvergnügens“ ist John Steinbecks letzter Roman. Die Familie von Ethan Hawley hatte einst großen Einfluss in einem kleinen (fiktiven) Städtchen, in der Nähe von New York. Nun aber arbeitet Ethan als Verkäufer in dem Laden, der einmal ihm selbst gehört hat. Er führt das Geschäft für den Italiener Marullo, als wäre es noch sein eigenes. Überhaupt lernen wir Ethan als loyalen, ehrlichen Geschäftsmann kennen. Zumindest spielt er diese Rolle für seine Mitmenschen. Er versorgt seine Familie, so gut er kann. Doch seine pubertierenden Kinder haben weitaus mehr Wünsche. Dass Ethan Hawley einen perfiden Plan ausheckt, auch bereit ist ihn durchzuführen, ahnt niemand. Im Gegenteil. Ethan ist ein Mann, dem man vertrauen kann und nicht einer, der verrät und sogar seinen besten Freund in den Tod treibt. Ethan hat alles im Griff. Jedoch kann niemand alles im Griff haben, auch Ethan Hawley nicht. 1962 erschien Steinbecks Roman in deutscher Übersetzung. Jetzt wurde der Roman neu übersetzt. Dieses Buch liest man nicht einfach. Mit diesem Roman beschäftigt man sich. Nicht unbedingt ein typischer Steinbeck Roman. Jedoch, wie alle seine Bücher, klingt auch das noch nach.

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Von Geld und Moral

Von: Bookmarked

03.03.2019

„The winter of our discontent“ erschien 1962 als Steinbecks letzter Roman und wurde in dieser schönen Manesse Ausgabe und einer Übersetzung von Bernhard Robben 2018 erneut auf den Markt gebracht. Durch den Verlag erhielt ich auf Anfrage ein kostenloses Rezensionsexemplar. In diesem Buch begleiten wir den Familienvater Ethan Hawley, der als Kind reicher Eltern in Long Island aufwuchs und entsprechendes Ansehen genoss. Als sein Vater das gesamte Geld durch Kapitalanlagen verliert, sieht sich Ethan gezwungen eine eher schlecht bezahlte Stelle als Verkäufer in einem sizilianischen Supermarkt anzunehmen um seine Familie zu versorgen. Obwohl er sich mit dieser Situation arrangiert gibt sich sein gesamtes Umfeld, und besonders seine Frau, mit dieser Bescheidenheit nicht so leicht zufrieden und drängt Ethan zu mehr Ehrgeiz und Geschäftssinn. Durch sein Umfeld legimitiert, lockern sich Ethans moralische Prinzipien allmählich und unaufhaltsam. Mein Eindruck: Ich hatte mir von diesem Buch eine bitterböse Kapitalismus-Kritik erhofft, die den Verfall der moralischen Ansprüche unseres Protagonisten schonungslos dokumentiert und die Gier im Angesicht des greifbaren Reichtums sowie Ethans wachsende Rücksichtslosigkeit zeigt. Bekommen habe ich eine sehr schwerfällige Geschichte, in der auf den ersten 325 Seiten so gut wie nichts passiert. Zumindest wenn man von den immer wiederkehrenden, und in Anbetracht der Thematik erschreckend profanen, Gedanken des Protagonisten einmal absieht. Selbst für mich, die ich keinen spannenden Plot brauche, war das insgesamt zu wenig Handlung. Umso überraschender, dass sich die Ereignisse in der zweiten Hälfte des Buches nahezu überschlugen und alles in die Tat umgesetzt wurde, worüber Ethan zuvor nur nachdachte. Das führte zwar zu einer erträglichen zweiten Hälfte, gab dem Buch allerdings auch eine gewisse Unausgeglichenheit, die mich bis zuletzt störte. Mich wunderte die anfängliche Langatmigkeit des Romans schon deshalb, weil Steinbeck in seinem Roman „Von Mäusen und Menschen“ auf seinen wenigen Seiten eine äußerst vielschichtige Geschichte erzählt, bei der kein einziges Wort zu viel ist. Aufgrund dieses Kontrasts bin ich nun gespannt wie ich seine anderen Romane finde. Dabei steht im Kern dieses Buches eine überaus interessante und fast schon philosophische Fragestellung: Kann ein Mensch zeitweise unmoralisch handeln um sich einen (finanziellen) Vorteil zu verschaffen und anschließend in sein normales, gutbürgerliches Leben zurückkehren ohne, dass es seinen Charakter auf Dauer negativ beeinflusst? Als Beispiel wird der Kriegsdienst genannt, denn obwohl man grundsätzlich nicht töten darf, greift dieses Gesetz für Soldaten im Krieg ganz offensichtlich nicht. Viele Soldaten kehren also faktisch als Mörder zurück, werden von der Gesellschaft und ihren Familien aber nicht als solche gesehen. Lässt sich diese Doppelmoral also auch auf andere Gebiete ausweiten? Bei dieser spannenden Frage hätte ich mir eine Umsetzung mit mehr Tiefgang und Komplexität gewünscht. Das Buch enthält eine Vielzahl an Bezügen zu Herman Melvilles „Moby Dick“, „Macbeth“ von Shakespeare, die Artus Sage sowie die griechische Mythologie und bestimmte Bibelverse. Da ich mich mit all diesen Werken und Themen überhaupt nicht auskenne, konnte ich die entsprechenden Passagen im Buch leider nicht würdigen und erfuhr viele dieser Zusammenhänge erst durch das Nachwort sowie die Anmerkungen. Fazit: Ein Buch über Geld, Moral und Beeinflussung, das mich leider nicht begeistern konnte. Denn obwohl sich dieses Buch mit einer äußert interessanten Fragestellung beschäftigt, entstand daraus keine unterhaltsame Geschichte. Ich hoffe, dass mich die anderen Werke von John Steinbeck mehr begeistern können.

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Vita

John Steinbeck

John Steinbeck (1902–1968) thematisiert in seinen Büchern vor allem die Lebensverhältnisse von einfachen Arbeitern und Außenseitern. Zu seinen bekanntesten Werken zählen die Novelle Von Mäusen und Menschen sowie die Romane Früchte des Zorns und Jenseits von Eden. 1962 erhielt er den Nobelpreis für Literatur und gilt bis heute als einer der erfolgreichsten und beliebtesten Autoren der USA.

Zur AUTORENSEITE

Bernhard Robben, geb. 1955, lebt in Brunne/Brandenburg und übersetzt aus dem Englischen, u. a. Salman Rushdie, Peter Carey, Ian McEwan, Patricia Highsmith und Philip Roth. 2003 wurde er mit dem Übersetzerpreis der Stiftung Kunst und Kultur des Landes NRW ausgezeichnet, 2013 mit dem Ledig-Rowohlt-Preis für sein Lebenswerk geehrt.

zum Übersetzer

Ingo Schulze

Ingo Schulze, 1962 in Dresden geboren, studierte von 1983 bis 1988 klassische Philologie in Jena. Anschließend war er bis 1990 Dramaturg am Landestheater Altenburg, dann in einer Zeitungsredaktion tätig. Diese Arbeit führte ihn 1993 für ein halbes Jahr nach Sankt Petersburg. Seither lebt er als freier Autor in Berlin. Für sein erstes Buch, "33 Augenblicke des Glücks", wurde Ingo Schulze 1995 mit dem Alfred-Döblin-Förderpreis, dem Ernst-Willner-Preis des Ingeborg-Bachmann- Wettbewerbs sowie dem Aspekte-Literaturpreis ausgezeichnet.

Pressestimmen

»Selten konnte man einen solch detailreichen und analytischen und zugleich aberwitzig komischen und unterhaltsamen Roman über die menschlichen Abgründe des Kapitalismus lesen. ... Die Neuübersetzung von Bernhard Robben: ist mehr als gelungen! Sie ist großartig, modern ohne modernistisch zu sein, gegenwärtig ohne auf Aktualität zu schielen, sprachlich brillant und vor allem: wahnsinnig witzig. ... Unbedingt lesenswert.«

»Steinbecks Roman ist ein großartiges Spiel mit Hoffnungen und Wünschen.«

Mannheimer Morgen, Ulrich Rüdenauer (17. Dezember 2018)

»Wunderbare Sprache, ... großartige Dialoge. Man gleitet regelrecht durch diesen tollen Roman und kann dabei kaum innehalten.«

»John Steinbecks letzter Roman aus dem Jahre 1961 ist ein Lehrstück über den rücksichtslosen Kapitalismus jener Zeit in den USA.«

Hellweger Anzeiger, Ulrich Rubens-Laarmann (24. November 2018)

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