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(Hrsg.)

Die Aufklärung Das Drama der Vernunft vom 18. Jahrhundert bis heute
Ein SPIEGEL-Buch

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Gebundenes Buch mit Schutzumschlag ISBN: 978-3-421-04790-8

Erschienen: 28.08.2017
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Der Siegeszug der Vernunft

Die Vordenker der Aufklärung kämpften dafür, dass der Mensch sich von seinen Vorurteilen befreit, dass er sich nicht von Gefühlen oder unhinterfragten Glaubenssätzen bestimmen lässt, sondern in seinen Entscheidungen und Überzeugungen allein auf Wissen und Vernunft vertraut. Das vielgestaltige und vielstimmige, europaweite Projekt der Aufklärung propagierte religiöse Toleranz, Bürger- und Menschenrechte, Emanzipation, Bildung und persönliche Handlungsfreiheit und war Ausgangspunkt radikaler Veränderungen, die bis in unsere Tage zu spüren sind. In Überblicksdarstellungen und Porträts berühmter Aufklärer wie Voltaire, Jean-Jacques Rousseau, Immanuel Kant oder Gotthold Ephraim Lessing beschreiben SPIEGEL-Autoren und Historiker die große Vielfalt der aufklärerischen Ideen und fragen zugleich, welches Erbe diese Epoche hinterlassen hat.

Johannes Saltzwedel (Herausgeber)

Johannes Saltzwedel, geboren 1962, ist seit 1991 Redakteur beim SPIEGEL. Er hat literaturgeschichtliche und bibliographische Studien veröffentlicht, unter anderem zur Goethezeit und zu Rudolf Borchardt. Er ist Herausgeber zahlreicher SPIEGEL/DVA-Bücher darunter »Die Bibel« (2015), »Rom« (2016) und »Die Aufklärung« (2017).

Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 272 Seiten, 13,5 x 21,5 cm

ISBN: 978-3-421-04790-8

€ 20,00 [D] | € 20,60 [A] | CHF 26,90* (* empfohlener Verkaufspreis)

Verlag: DVA Sachbuch

Erschienen: 28.08.2017

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Umfassende und abwechslungsreiche Darstellung

Von: Michael Lehmann-Pape Datum: 28.09.2017

www.rezensions-seite.de

„Das Licht der Vernunft soll leuchten“.

Dieser eine Satz Johann Gottfried Herders hat die Kraft, den gesamten „Antrieb“ der Aufklärung durch ihre Entwicklungen von den Anfängen bis eben zu Herder hin auf eine griffige Formel zu prägen.

Wobei Herder am Ende einer Kette in Teilen auch sehr aggressiv und kontrovers ausgetragener „Ring-Kämpfe“ um die Verbindung von Verstand, Mensch, Religion, Bestimmung und, nicht zuletzt, tiefsitzenden traditionellen Gesellschaftsformen steht. En Ringen, dass im gesamten Buch verdeutlicht, dass „Die Aufklärung“ nicht ein einzelnes Ereignis ist, nicht eine „Erfindung“ weniger Personen und nicht ein historisch klar verortbares Moment darstellt, sondern im Gegenteil in Form eines dynamischen Prozesses verlief, der mit dem Ende der „Epoche“ der Aufklärung bei Weitem nicht abgeschlossen ist.

Gerade diese Dynamik, das Ringen um immer wieder die Stellungen von Verstand, Wissenschaft, Religion, Determination, im Gesamten eben um das „humanistische Menschen- und Weltbild“ ist, einmal auf den Weg gesetzt, ein sich immer wieder reflektierender, reproduzierender Prozess. Nichts anderes zeigt sich ja in der gegenwärtigen, weltweiten Diskussion um Werte, um eine belastbare Haltung zur Welt und zur politischen Gestaltung der Gesellschaften, um das Ringen zwischen „Verstand und Gefühl“, das in beide Richtungen je sorgsam ausgetragen werden muss, um aus der Enge „persönlicher Empfindungen“ (mit ihrem oft einhergehenden Anspruch auf „So ist das allgemein!“) zu einem Blick über den Tellerrand subjektiver Prägung heraus zu gelangen.

Was übrigens gerade Herder (sehr verständlich und anregend im Kapitel im Buch beschrieben“ sich „auf die Fahnen“ geschrieben hatte. Die Verbindung von „Vernunft und Einfühlung“, mithin von „Verstand und Gefühl“. Aus dem Wissen gespeist, dass der Mensch nicht nur dem Verstand gegen sein Gefühl auf Dauer heraus zu folgen vermag. Der Versuch einer Synthese, die zu seiner Zeit im 18. Jahrhundert auf wenig fruchtbaren Boden fiel.

„Nüchternere Zeitgenossen stieß so viel Enthusiasmus ab“.

Und doch hat kaum ein Vertreter der Aufklärung das Fundament derselben, den Menschen, so griffig geschildert, wie Herder: „Der Mensch…..immer im Gange, unruhig, ungesättigt“.
Eine „Unruhe“, die durch klare Argumente und dem Verstand einsichtige Schlüsse allerdings in die „richtige Richtung“ geleitet werden muss.

„Weltverbesserung“. „Progression“. Kernpunkte aufklärerischen Denkens, die von Beginn an mitschwangen und im Laufe der Entwicklung alles erfassten. Auch die Religion, Gott.

„Keine Ruhe ist in der Schöpfung, denn eine müßige Ruhe wäre der Tod“.

Was zum einen das Wesen des „zur Erkenntnis drängenden Menschen“ beschreibt, aber eben auch wenig entspannt klingt und, zudem, der „Kritik an der Vernunft“ durch Kant wenig Rechnung trägt.

Von den ersten „Ideen“ zur „Herrschaft der Vernunft“ über Glauben, Aberglauben und jedwede unkritische Haltung ab 1680 durch Piere Bayle bis hin zur „aufgeklärten Ästhetik“ zum Ende des 18. Jahrhunderts hin reicht die thematisch Breite und differenzierte Darstellung im Buch.

Verständlich und flüssig geschrieben, portraitierend und mit einer „Ideenkunde“ versehen, werden die Linien der Aufklärung in ihrer Entwicklung und in den hervorstechenden Personen, den „Leuchttürmen“ der Aufklärung, dem Leser nahegebracht.

Auch wenn sich die Aufklärung immer wieder einer eindeutigen und klaren Definition widersetzt, die Bedeutung dieser Epoche für das Gesamte, was man die „westliche Gesellschaft“ nennen kann, wird konkret fassbar und nachvollziehbar vorgelegt. Und damit auch geklärt, was auf dem Spiel steht, wenn mit Antworten von Gestern die Welt von heute und morgen gestaltet werden soll.

So gilt auch für das Jetzt: „Das Licht klarer Vernunft strahlte mancherorts anscheinend noch nicht sehr hell; weiterhin gab es reichlich zu tun“.

Eine „aktivistische Stimmung“, die weiterhin anhält und die nicht verloren gehen sollte. Denn „Progression“ ist (und bleibt) der „Motor der Aufklärung“.

Eine empfehlenswerte Lektüre.

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