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(Hrsg.)

Die Flügel meines schweren Herzens Lyrik arabischer Dichterinnen vom 5. Jahrhundert bis heute

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Gebundenes Buch, Leinen mit Schutzumschlag ISBN: 978-3-7175-4092-2

Erschienen:  27.03.2017
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"Man darf staunen: Bis zur Neuzeit sucht man solche Zeilen aus weiblicher Feder in Europa vergeblich." Stefan Weidner, NZZ

Vom überraschend freizügigen erotischen Vers aus dem 7. Jahrhundert bis zum zeitgenössischen Gedicht über Krieg, Flucht und Exil: Diese zweisprachige Sammlung bietet erstaunliche Einblicke in das Selbstverständnis arabischer Dichterinnen. Über fünfzig Autorinnen entwerfen eine weibliche Identität jenseits aller Tabus und Denkverbote und leisten einen poetischen Beitrag zur Debatte über den Islam.

Der Blick auf die arabische Tradition ist bis heute von Stereotypen geprägt. Dieses Buch regt zu einer differenzierten Sichtweise an und präsentiert die arabische Literatur aus ungewohnter, nämlich spezifisch weiblicher Perspektive.

Eindrucksvoll beweist die Sammlung, dass die großartige arabische Dichtkunst keine ausschließliche Domäne der Männer ist – und widerlegt dabei so manches Klischee. Bereits in frühmuslimischer Zeit formulieren Frauen offen ihre Ansprüche an das Leben und scheuen dabei nicht die Provokation.

Die Autorinnen – u.a. aus dem Irak, Syrien, dem Jemen, Marokko und Ägypten – lassen uns teilhaben an ihren Sehnsüchten und ihrer Trauer, malen die Härten des Beduinenlebens aus oder hinterfragen nachdrücklich ihre Rolle als Ehefrau, Geliebte und Mutter. Die neuesten Gedichte sind ergreifende Botschaften aus einer von Krieg und Vertreibung erschütterten Region.

Das Buch ist in seidig glänzendes, mitternachtsblaues Leinen gebunden und mit einem dazu passenden Lesebändchen versehen.

Rezension auf lyrikgesellschaft.de

»Diese Sammlung mit Versen arabischer Dichterinnen lädt zum Staunen ein.«

Frankfurter Allgemeine Zeitung

Khalid Al-Maaly (Herausgeber)

Khalid Al-Maaly, geboren 1956, floh 1979 aus politischen Gründen aus seiner irakischen Heimat und lebte fast 30 Jahre als Schriftsteller in Köln, wo er zahlreiche arabische Lyriker ins Deutsche übersetzte. Für diesen Band trug er Gedichte unter anderem von Fadwa Tuqan, Nazik Al-Mala’ika und Joumana Haddad zusammen.


Khalid Al-Maaly (Übersetzer, Nachwort)

Khalid Al-Maaly, geboren 1956 in As-Samawa/Irak, floh 1979 aus politischen Gründen zunächst nach Frankreich, dann in die Bundesrepublik Deutschland. Von 1980 an lebte er als Schriftsteller in Köln und übersetzte unter anderem zahlreiche arabische Lyriker ins Deutsche. Seit 2008 führt er in Beirut seinen eigenen Verlag.

»Diese Sammlung mit Versen arabischer Dichterinnen lädt zum Staunen ein.«

Frankfurter Allgemeine Zeitung

»Es lassen sich in der Anthologie einige wunderbare Entdeckungen machen.«

ABWAB (Arabische Zeitung), Lilian Pithan (01.06.2017)

»Dichterinnen haben Liebeshymnen, Liebesklagen, Lobgesänge, Spottverse vom Feinsten geschrieben, die von früher noch schöner als die von heute. Ein großartiges Vergnügen, ob gelesen oder vorgelesen.«

DAS MAGAZIN, Erhard Schütz (01.07.2017)

»Starke Dichtung von selbstbewußten Frauen, in Form und Inhalt auf hohem Niveau, im Ton zart bis rabiat und mitten aus dem Leben. ... So soll Lyrik sein.«

WDR 5, "Bücher", Matthias Ehlers (01.07.2017)

»Dieses liebevoll gemachte Büchlein sorgt für Aufklärung im besten Sinne. Arabische Frauen haben eine Stimme. Und schreiben ganz herrliche Gedichte …«

Der Sonntag, Johannes Becher (21.05.2017)

mehr anzeigen

Aus dem Arabischen von Khalid Al-Maaly, Heribert Becker

Mit Nachwort von Khalid Al-Maaly

Gebundenes Buch, Leinen mit Schutzumschlag, 192 Seiten, 12,5 x 20,0 cm

ISBN: 978-3-7175-4092-2

€ 19,95 [D] | € 20,60 [A] | CHF 27,90* (* empfohlener Verkaufspreis)

Verlag: Manesse

Erschienen:  27.03.2017

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Liebe, Klage und Selbstbestimmung

Von: Timo Brandt Datum: 23.05.2018

lyrikpoemversgedicht.wordpress.com

Wir beide lebten wie Zweige eines Baums
und wuchsen so, wie Bäume am schönsten wachsen,

bis es hieß, die Zweige seien lang geworden,
schön schlank, und sie trügen ansehnliche Früchte.

Die Unberechenbarkeit der Zeit hat einen von uns
vernichtet, niemanden und nichts verschont sie.

Wir waren wie Sterne der Nacht, und zwischen uns ein Mond,
der die Schwärze vertrieb, denn er war der Mond zwischen uns.
(Safia Bint Khalid Al-Bahilia, unbekannt)

Diese Sammlung von aus dem Arabischen übersetzten Gedichten, die ausschließlich von Frauen verfasst wurden, erschien erstmalig 2008 und wurde für diese Neuauflage um einige wenige Gedichte von jüngeren Autorinnen ergänzt. Herausgegeben wird sie von Khalid Al-Maaly, der auch andere umfangreiche Anthologien mit deutschen Übersetzungen von arabischer Poesie herausgegeben hat (z.B. im Verlag Hans Schiler) und ein Lexikon arabischer Autoren des 19. und 20. Jahrhunderts.

Die Texte stammen aus den Zeiträumen 500-1200 und 1900-heute (n. Chr.). Diese Lücke von 700 Jahren hat mich zunächst stutzig gemacht, im Nachwort fand ich dann eine Erklärung von Al-Maaly: anscheinend gab es eine Zäsur in der arabischen Geschichte als die Mongolen im 13. Jahrhundert Bagdad einnahmen. In den folgenden Jahrhunderten der Fremdherrschaft (durch die Eingliederung vieler arabischer Länder in die Reiche der Mongolen, Osmanen und anderer Eroberer) ist, so das Nachwort, die arabische Dichtung über längere Zeit hinweg in regionale Dialektausprägungen zerfallen.

Der Überraschungen voll ist die Zeit, sie ließ
einen Schwanz uns zurück, der Kopf jedoch ist abgetrennt.

Sie ließ uns alles Unbekannte zurück, suchte uns heim
mit dem Tod der träumenden, die Leichen und Gräber sind.
(Al-Khansa, 575-646)

Der Band beginnt mit Werken aus der vorislamischen Zeit. Die meisten aus dieser Epoche stammenden Gedichte sind Klagelieder, meist für in Kriegen gefallene Söhne, Brüder, Väter, und Gedichte über unerwiderte oder nicht mögliche Liebe. Hinten im Band sind, in alphabetischer Reihenfolgen, alle Autorinnen mit Kurzbiographien vertreten, in denen meist auch die Umstände der abgedruckten Gedichte geschildert werden.

Wenn die Dichtungen die Zeit Mohammeds und der islamischen Ausbreitung betreten, gesellen sich zu den Klageliedern und Liebesgedichten auch erste selbstbewusste Verse und kritischere Perspektiven, gerade in Bezug auf die von Männern eingerichtete Welt.

Ich wunderte mich über mein Herz, wie es sich
zu euch neigt, trotz des großen Leids und seiner Ungeduld.
(Arib Al-Mamunia, 797-890)

Viele Autorinnen dieser Zeit leben in oder haben Umgang mit den neuen Herrscherhäusern – als Sklavinnen, in der Blütezeit nach den ersten Islamischen Eroberungen aber auch als Hofdichterinnen oder Wissenschaftlerinnen.

Zahlreiche Dichtungen stammen (zumindest in dieser Anthologie) aus den Gebieten im Süden von Spanien, Andalusien und Córdoba.

Ich bin eine Löwin, doch geb‘ ich mich nicht zufrieden
damit, mein Leben lang jemandes Ruhelager zu sein.
(Aisha Bint Ahmed Al-Qurtubia, ?-1009, Kalligrafin in Córdoba)

Ich sehe ihre an uns verübten Taten
wie die am Menschen verübten Taten des Teufels.
(Khadija Bint Ahmed Bin Kulthum Al-Muaferi, 11. Jahrhundert, Andalusien)

Dann folgt, wie bereits angemerkt, ein Cut und wir befinden uns mitten im 20. Jahrhundert. Die Vertreterinnen dieser modernen Form von arabischer Poesie kommen aus den unterschiedlichsten Ländern (Bahrain, Iran, Irak, VAE, Libyen, Syrien, Jemen) und können öfters Aufenthalte in den USA oder in Europa vorweisen oder haben an vielen unterschiedlichen Orten im arabischen Sprachraum studiert, gelebt oder gearbeitet.

Ich werde meine Seele lieben, im Beben ihrer Schatten leben Jahrhunderte,
erfüllt von den Farben der Fantasie.
Dort in der Seele Windungen hab‘ ich die Schönheit gefunden […]
Und dort – wie viele Farben sanken auf den Grund der Kelche der
Erinnerungen!
Wie viele Geschichten schliefen und verbargen ihr Geheimnis hinter
dem Fühlen.
Wie viele blitzende Träume von Liebe, die eine Weile lebte und dann
starb.
Wie viele Melodien eines Sommers, als der Abend drückend und
schläfrig war
in manchen Dörfern.
(Nazik Al-Mala’ika, 1923-2007)

In diesen modernen Dichtungen sind viele Entwürfe eines komplexen weiblichen Selbstverständnisses zu finden. Nicht einfach nur Erwiderungen, Klarstellungen, kurze Gesänge sind diese Texte – wie es ihre mittelalterlichen Verwandten noch oft waren – sondern auf sich selbst zurückgeworfene, ausbrechende oder zögerlich das Eigene umfassend erforschende Erschütterungen und Bewegungen, die oft versuchen Brüche zu vollziehen oder Wurzeln auszugraben, zu greifen.

Ich, die ich der Keim der Zusammenstöße bin,
der Abkömmling der Skandale,
der Verlockung des Stahls erlegen,
gefangen vom Verlangen der Seele
und eine Prinzessin
über den schwankenden Weiten,
wie Silber:
Ich bin beharrlich in meinen Erregungen
und eine Nelke in der Gelöstheit der Befriedigung!
(Hamda Khamis, *1948)

– Wie viel Zeit bleibt mir noch, um einige Wörter
wieder einzusammeln, damit ich zu einem kleinen Etwas im
Herzen der Dinge werde?
(Sabah Al-Kharrat-Zwein, 1955-2014)

Der arabische Frühling und die anderen Kriege im Nahen Osten und Nordafrika und die großen Fluchtbewegungen der letzten Jahre haben natürlich ihre Spuren in den Gedichten der jüngsten Dichterinnengeneration hinterlassen. Allerdings kommt derlei wirklich nur in den letzten Gedichten dieser Sammlung zum Tragen.

Der Tag beginnt
Mit ganz normalen Dingen
Die Fensterscheiben erzittern von den detonierenden Bomben
[…]
Die Welt verändert sich jeden Tag
Und hier
An diesem Fleck auf dem Globus
Bau’n wir intime Beziehungen zur Traurigkeit auf
Unser täglicher Anteil an den Nachrichten
Szene für Szene:
Blinde Geschosse
[…]
In ein paar Jahren
Werden wir vergessene Wesen in einem Dokumentarfilm sein
(Kholoud Elfallah, *1973, Libyen)

Ich bin die Tochter jenes Schädels
Der an der Grenze gefunden wurde
Ich bin die Mutter jenes kleinen Mädchens
Das seinen Körper in den Flüchtlingscamps verkaufen muss
(Mariam Al-Attar, *1987, Iran)

Es ist erfreulich, dass eine so umfangreiche Anthologie mit weiblichen Stimmen der arabischen Dichtung existiert und sogar wieder aufgelegt wurde. Manches Gedicht besticht mehr als Dokument denn als lyrisches Werk, aber es finden sich dennoch zahllose starke Verse und viel Schönes, viel Berührendes, viel Wichtiges.

Überraschende Einblicke in die orientalische Dichtkunst

Von: Wortlichter Datum: 17.12.2017

www.wortlichter.com

Die Flügel meines schweren Herzens vom Herausgeber Khalid Al Maaly stand schon lange unter meiner Beobachtung. Ich hatte bereits die Erstauflage von 2008 entdeckt, die jedoch bereits vergriffen ist. Ich habe mich riesig gefreut, als ich gesehen habe, dass der Verlag Manesse das Buch neu auflegt. Und was für eine tolle Auflage es geworden ist! Das Buch hat mich optisch umgehauen. Nicht nur dass mich das goldene Mosaik-Muster auf dem Umschlag begeistert, das Buch hat auch einen blauen Seideneinband und im inneren des Buches findet sich sowohl der arabische Text, als auch die deutsche Übersetzung. Ich glaube dass sich das Buch auch ganz wunderbar zum Verschenken eignet.

Wesentlich interessanter als die hübsche Aufmachung, ist jedoch der Inhalt. Die westliche Welt assoziert arabische Frauen oft als unterdrückte Frauen, welche nicht viel zu sagen haben und auch in der Literatur keine Rolle spielen. Dieser Band mit arabischen Dichterinnen zeigt jedoch, dass das ein Vorurteil ist. Das Buch macht die vielfältigen und starken Stimmen arabischer Frauen, quer durch die Zeit sichtbar. In dem Buch finden sich Dichterinnen aus verschiedenen Zeitepochen. Von vor-islamischer Zeit (ab dem 5. Jahrhundert) bis in die heutige moderne Welt.

Das man hier wenig von der Literatur arabischer Frauen hört, liegt also nicht daran, dass keine existieren würde, sondern viel mehr daran, dass sie besonders im Westen schwer zugänglich ist und wenig übersetzt wird. So wird im Nachwort auch erklärt, dass das Fehlen von Texten aus einigen Jahrhunderten damit zu tun hat, dass die verschiedenen Dialekte nur schwer übersetzt werden können. Generell ist die arabische Literatur in Deutschland ein Nischenbereich und die Literatur von arabischen Frauen ist leider so gut wie gar nicht vertreten. Umso schöner ist diese Zusammenstellung, die gleich dutzende Frauen zu Wort kommen lässt und einen wundervollen Einblick in das dichterische Schaffen gibt.

Ein großer Schwerpunkt liegt in den Gedichten auf der Liebe und der Erotik. Aber auch Themen wie Krieg, Trauer und das Beduinen-Leben kommen vor. Insgesamt findet sich eine große Themenvielfalt und Offenheit in den Gedichten. Manchmal bekommt man schon fast rote Ohren, wenn man den genauen Ausführungen der Liebe und ihren Zärtlichkeiten folgt. Sicherlich hatte ich weniger Erotik erwartet, allerdings war die Liebe schon immer ein großer Schwerpunkt in der arabischen Dichtkunst.

Besonders gefallen hat mir, dass es sowohl ein Nachwort gibt, als auch eine Auflistung aller Dichterinnen mit ihren kurzen Biographien. Besonders interessant war dabei der Zusammenhang von den Inhalten der Gedichte und den Biografien der Autorinnen. Mein Lieblingsgedicht war zum Beispiel ein Gedicht einer Beduinin, die einen reichen Kalifen heiratete und in ihrem Gedicht ihr unendliches Heimweh zum einfachen Leben beklagte. Der Kalif schickte sie, nach dem er ihre Gedichte gehört hat, zurück in die Heimat.

Die Übersetzung der Gedichte legt den Schwerpunkt auf die inhaltliche Übersetzung. Die Metrik und Reime gehen dadurch leider verloren, aber das Verständnis um die Inhalte und was die Autorinnen ausdrücken wollten, ist dadurch höher. Schön finde ich auch, dass spezielle Wörter und Anspielungen noch genauer in den Anmerkungen erklärt werden.

Was mir bei dem Buch gefehlt hat, war eine Sortierung. Die Biographien hätte ich lieber bei den Gedichten verortet gesehen, so war ich nach jedem Gedicht am Blättern, um über die Verfasserin und die historische Einordnung zu lesen. Außerdem finde ich, dass das Nachwort eher als Einleitung geeignet gewesen wäre. Oder aber man liest das Buch danach einfach nochmal, was natürlich auch sehr bereichernd ist.

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