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Die Komödie von Charleroi Erzählungen

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Gebundenes Buch, Leinen mit Schutzumschlag ISBN: 978-3-7175-2396-3

Erschienen: 25.04.2016
Dieser Titel ist lieferbar.

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Lebenshunger und Todessehnsucht, patriotische Gefühle und Desillusionierung: Pierre Drieu la Rochelles brillante Erzählungen spiegeln die innere Zerrissenheit des streitbaren Autors wider. Einer, der sich romantisch nach Heldentum sehnte, beschreibt hier die Absurdität des Ersten Weltkriegs und die schmerzliche Orientierungslosigkeit der Heimkehrer.

Madame Pragen, eine ehrgeizzerfressene Pariser Witwe, hat 1914 ihren schmächtigen Sohn in den Krieg geschickt, um einen Helden aus ihm zu machen. Er fiel in den ersten Tagen während eines bedeutungslosen Scharmützels im belgischen Charleroi. Im Jahr 1919 nutzt nun seine Mutter einen Besuch des Schlachtfelds, um sich vor den provinziellen Honoratioren der Stadt als Grande Dame zu inszenieren. In «Der Hund der Heiligen Schrift» brüstet sich ein junger Veteran mit Verdun. Doch in der Kinoreihe vor ihm sitzt ein ehemaliger Kamerad ...
Auf Anhieb fasziniert der flirrende Ton des Erzählers. Seine zynische Lässigkeit, sein stetiges Abtasten der Realitäten, die umso drastischer wirkende Überzeichnung einzelner Figuren: Diese Prosastücke bieten einen schillernden Rückblick auf das Schlüsselerlebnis einer irrlichternden Generation.

"Irrenhaus Europa" - Rezension im Blog Zeichen & Zeiten

«Die deutsche Erstübersetzung eines Bandes, in dem sich Drieu als intellektuell wie sprachlich sehr facettenreicher Autor zu erkennen gibt. ... Eine brillante Übersetzung.»

Frankfurter Allgemeine Zeitung, Andreas Haarmann (28.04.2016)

Pierre Drieu la Rochelle (Autor)

Pierre Drieu la Rochelle (1893–1945) scheiterte im Politikstudium und nahm dann am Ersten Weltkrieg teil. Danach führte er ein mondänes Leben als Romancier, Essayist und Journalist. Zunächst stand er den Surrealisten und ihren linken Idealen nahe. Während des Vichy-Regimes kollaborierte er mit den Nazis. 2012 wurde er in Frankreichs prestigereichste Klassikerkollektion Bibliothèque de la Pléiade aufgenommen.


Andrea Spingler (Übersetzerin)

Andrea Spingler, geboren 1949 in Stuttgart, studierte Theaterwissenschaft, Germanistik und Philosophie in München. Seit 1980 übersetzt sie französische Literatur und erhielt dafür den Eugen-Helmlé-Preis 2007 sowie den Prix lémanique de la traduction 2012. Sie lebt in Oldenburg und Südfrankreich.


Eva Moldenhauer (Übersetzerin)

Eva Moldenhauer, 1934 in Frankfurt/Main geboren, ist seit 1964 als Übersetzerin tätig. Sie übersetzte u.a. Claude Simon, Jorge Semprun, Agota Kristof, Jean Paul Sartre und Lévi-Strauss. Sie wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, u.a. 1982 mit dem "Helmut-M.-Braem-Preis" und 1991 mit dem "Celan-Preis". 2005 wurde sie für ihre Neu-Übersetzung von Claude Simons "Das Gras" für den "Preis der Leipziger Buchmesse" nominiert.

«Die deutsche Erstübersetzung eines Bandes, in dem sich Drieu als intellektuell wie sprachlich sehr facettenreicher Autor zu erkennen gibt. ... Eine brillante Übersetzung.»

Frankfurter Allgemeine Zeitung, Andreas Haarmann (28.04.2016)

«Ein Buch, wie wir es vom Ersten Weltkrieg noch nicht gelesen haben.»

DeutschlandFunk, Büchermarkt, Tilman Krause (04.05.2016)

«Man lernt einen sehr subtilen und sehr spannenden Autor kennen. ... Eine sehr sorgfältig gemachte und lesenswerte Ausgabe.»

WDR 5 Scala, David Eisermann (02.05.2016)

«Seine erstmals übersetzten Erzählungen vom Ersten Weltkrieg zeigen: Er konnte auch anders, skeptisch, cool. Ein Kriegsbuch, wie es kein zweites gibt. So abgebrüht, so schonungslos.»

DIE WELT, Literarische Welt, Tilman Krause (07.05.2016)

«Man sollte ihn lesen. Nicht nur, weil er ein begnadeter Stilist war, seine Prosa Drive und Rhythmus hat. Sie erzählt von Anmaßung und Absturz.»

taz. die tageszeitung, Robert Miessner (08.07.2016)

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Aus dem Französischen von Andrea Spingler, Eva Moldenhauer
Originaltitel: La Comédie de Charleroi
Originalverlag: Gallimard

Mit Nachwort von Thomas Laux

Gebundenes Buch, Leinen mit Schutzumschlag, 288 Seiten, 13,5 x 21,5 cm

ISBN: 978-3-7175-2396-3

€ 24,95 [D] | € 25,70 [A] | CHF 32,50* (* empfohlener Verkaufspreis)

Verlag: Manesse

Erschienen: 25.04.2016

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Die Komödie von Charleroi

Von: Nicca Datum: 12.12.2016

www.kosmeticca.blogspot.de

Auf den ersten Blick wirkt das Buch auf mich sehr düster. Das Cover ist schwarz-weiß, lediglich der Titel ist farbig. Es ist sehr dunkel und schon fast etwas traurig. Allerdings heißt es im Titel, es sei "Die Komödie von Charleroi", ist es also doch ein fröhliches Buch? Ihr merkt, schon bevor man liest hat man mehrere Fragen an dieses Werk und das macht es noch spannender, als es das ohnehin bereits ist.

Auch wenn das Cover so trostlos zu sein scheint, gefällt mir das äußere Aussehen des Buches sehr gut. Ich bin sowieso grundsätzlich in den Manesse-Verlag verliebt, was ihr bestimmt bereits mitbekommen habt.

Der Schreibstil ist sehr interessant und authentisch. Der Zynismus gefällt mir sehr gut, da ich ein großer Fan davon bin. Ich musste jedoch wirklich in der richtigen Stimmung sein, um dieses Buch zu lesen. Es ist keine einfache Erzählung, die man mal eben nebenbei in der Trambahn lesen kann - man sollte sich mehr Zeit dafür nehmen.

Die Thematik finde ich sehr interessant. Wenn man sich ausreichend Zeit für die Kurzgeschichten lässt, wird man mit diesem Buch sehr viel Spaß haben. Versucht es einfach selbst und erzählt mir nachher gerne in den Kommentaren, wie es euch gefallen hat und welche Kurzgeschichte euer Favorit ist.

Fazit
Ein sehr schönes Buch!

Eine Studie in Grau - "Die Komödie von Charleroi" (Pierre Drieu La Rochelle)

Von: Marcel (Aufziehvogel) Datum: 11.08.2016

misteraufziehvogel.blogspot.de/

Frankreich 1934

Die Komödie von Charleroi
Originaltitel: La Comédie de Charleroi
Autor: Pierre Drieu La Rochelle
Deutsche Ausgabe: Manesse (Deutsche Erstübersetzung)
Übersetzung: Andrea Springler, Eva Moldenhauer
Nachwort: Thomas Lux
Genre: Kurzgeschichten, Kriegsdrama, Satire



"Die Armee begann auseinanderzufallen. In den ersten Feuerstürmen lösten sich ihre Teile voneinander. Schon jetzt sahen sie sich kaum; bald würden sie sich gar nicht mehr sehen. Vier Jahre lang würden ihre Mühen und Leiden parallel ablaufen, ohne sich je zu treffen. Artillerie und Infanterie suchten sich, und sie fanden sich nicht. Und die Generäle waren anderswo. Schon jetzt waren wir nur noch verlorene Haufen in der entsetzlichen Einsamkeit des modernen Schlachtfelds, jeder grub sich sein eigenes Grab, allein mit seinem Schicksal, das im Übrigen dem des Nebenmanns glich, denn die von der Wissenschaft regulierte Natur geht serienmäßig vor und sucht keine Abwechslung mehr."
(Aus der gleichnamigen Kurzgeschichte "Die Komödie von Charleroi". Pierre Drieu La Rochelle, Manesse Verlag mit einer Übersetzung von Andrea Springler und Eva Moldenhauer)


Pierre Drieu La Rochelle gilt gemeinhin als kontroverser Autor. Nicht unbedingt für die Texte, die er verfasste, sondern für seinen Werdegang. Drieu diente im ersten Weltkrieg für die französische Armee, wurde mehrfach verwundet und kehrte nach Kriegsende als Kriegsveteran, eine jener gezeichneten Figuren der damaligen Zeit, in die Heimat zurück. Wie viele Heimkehrer verarbeitete Drieu seine Erlebnisse in Geschichten, die er zu Papier brachte. Die Weltgeschichte ist natürlich bekannt, der zweite Weltkrieg ließ nicht lange auf sich warten. Drieu machte sich einen Namen als Autor, engagierte sich aber auch mit kritischen Texten gegen Hitler und dem deutschen Naziregime. 1935 sollte sich jedoch vieles für Drieu ändern, denn nach einem Besuch in Nazi-Deutschland, wo er eine regelrechte Reizüberflutung erlebt haben soll, konnte auch er der Indoktrination der Faschisten nicht standhalten und wurde selbst zu einem. Selbstmordgedanken begleiteten Pierre Drieu La Rochelle seit vielen Jahren, einige Monate vor Kriegsende und Deutschlands Kapitulation setzte der Autor seinem Leben ein Ende.

"Die Komödie von Charleroi" sind selbstverständlich keine faschistischen Schriften. Die Kurzgeschichten in diesem Sammelband wurden einige Jahre verfasst, bevor Drieu zum braunen Glauben konvertierte. Trotzdem sind die Kurzgeschichten ein mehr als interessanter Blick auf das, was Lach Rochelle bis zu seinem Lebensende verfolgen sollte: Die bösen Geister des ersten Weltkrieges. Und La Rochelle schreibt nicht nur für sich, er wird für viele Heimkehrer geschrieben haben. Wie schwer es war, sich wieder in die Gesellschaft zu etablieren, wieder am alltäglichem Leben teilzunehmen. Drieu schreibt über diese Erlebnisse aber nicht mit Wehmut und übertriebenem Patriotismus für Vaterland und Flagge, stattdessen haftet seinen Geschichten ein frecher Humor an, ein lockerer Schreibstil ohne verklemmt zu wirken rundet es ab, dass die Geschichten des Franzosen einen schnell mitreißen. So kann man der Titelgeschichte der Sammlung (die vom Umfang her bereits einer Novelle gleichkommt), "Die Komödie von Charleroi", auch ihre satirischen, manchmal sogar leicht surrealen Züge nicht abstreiten. Die Geschichte handelt von einem Ich-Erzähler der, seit Kriegsende mittlerweile, bei der wohlhabenden Madame Pragen als Sekretär arbeitet. Natürlich nicht aus purer Güte der Hausherrin. Der Erzähler war Kriegskamerad des Sohnes der Madame, Claude Pragen. Claude, von seiner Mutter förmlich in den Krieg gedrängt (jedoch mit viel Tatendrang seinen Pflichten in der Armee nachkam), gilt seit der Schlacht von Charleroi, einer Großstadt in Belgien, als vermisst. Mittlerweile sind 4 Jahre durch die Lande gezogen und Claude ist nicht wieder aufgetaucht vermutlich längst tot wenn man den Berichten ihres Sekretärs glaubt. Doch Madame Pragen ist sich sicher, ihr Claude muss noch leben. Gemeinsam mit ihrem Sekretär und großem Anhang besucht Madame am 01. Juli 1919 Charleroi, um der Sache selbst auf den Grund zu gehen. Bei der Rückkehr auf jenes Schlachtfeld von vor einigen Jahren erlebt der Erzähler der Geschichte noch einmal alles so, als hätten sich die seltsamen Ereignisse rund um die Schlacht von Charleroi gestern zugetragen.

Drieus Erzähler ist hierbei nicht immer wirklich vertrauenswürdig, was natürlich gewollt ist. Seine Erzählung wird gerne mal abenteuerlich, wird oft zum Protagonist eines Gefechts, furchtlos und durch den Kugelhagel sprintend. Doch schnell erkennt Drieus Erzähler, der viele autobiografische Elemente mit sich bringt, der Krieg war nie das, wie er ihn sich vorstellte. Desillusioniert und träumerisch ist der Erzähler seinen Dienst angetreten nur um bereits in der ersten Nacht bereits beinahe der Paranoia zu verfallen. Mit Humor aber auch Charme zieht Drieu seine Leser schnell in seinen Bann. Etwas ermüdend dagegen wirken leider die relativ furios beschriebenen Gefechte, die einen oftmals aus den herrlich schnippischen Bemerkungen des Erzählers werfen.

Insgesamt 6 Kurzgeschichten, alle von unterschiedlichem Stil, aber stets mit bekannter Thematik, erwarten uns. Da die Geschichten alle relativ komplex sind, habe ich mir vorgenommen, in dieser Besprechung ausschließlich auf die Titelgeschichte einzugehen, da diese auch den größten Umfang besitzt. Lasst euch aber nicht dadurch beirren, jede Kurzgeschichte im Band ist es auch wert, gelesen zu werden. Kommt man mit Drieus Stil aus der ersten Geschichte nicht zurecht, so wird man wohl aber auch leider keinen Zugang zu den restlichen Geschichten mehr finden. Ein Interesse für das Thema rund um den ersten Weltkrieg sollte vorhanden sein. Auch einiges an Ruhe sollte man mitbringen, wenn man sich "Die Komödie von Charleroi" vornimmt.

In gewohnt hoher Qualität liefert der Manesse Verlag hier eine schöne Hardcover-Edition ab. Der Inhalt ist es aber, der hier das Prunkstück ist. Das ganze ist nämlich eine deutsche Erstübersetzung. Und die kann sich sehen lassen. Verantwortlich dafür waren die beiden erfahrenen französisch Übersetzerinnen Andrea Springler und Eva Moldenhauer, die Drieus Texte in ein flüssiges, modernes Deutsch übertrugen.



Resümee

Belletristik aus der Zeit nach dem ersten Weltkrieg dürfte heutzutage weniger gefragt sein. Dies liegt daran, dass leider nach dem ersten verheerenden Krieg direkt ein zweiter folgte, der in seiner Relevanz natürlich noch ein wesentlich größeres Ausmaß an Zerstörung annahm. Sich aber mal mit der Literatur von Pierre Drieu La Rochelle auseinanderzusetzen war eine für mich mehr als interessante Erfahrung. Ob man nach "Die Komödie von Charleroi" Drieu als Mensch besser versteht, oder man sich noch weiter von der Sichtweise des Autors entfernt, diese Erfahrung muss natürlich jeder Leser oder Leserin für sich selbst machen. Es darf nicht verschwiegen werden dass Drieu die letzten Wege seines Lebens als Faschist und Antisemit bestritt. Davor jedoch war Drieu ein begnadeter Autor der französischen Literatur, der es schaffte, auf eine sehr beeindruckende art und weise das Leben der Veteranen zu beschrieben, die in ihre Heimat zurückgekehrt sind. Auch aus heutiger Sichtweise haben wir es hier noch mit sehr interessanter Literatur zu tun.

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