Die Weisheit der Trottellumme

Was wir von Tieren lernen können

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Können Ohrenquallen uns den Aufbau des Universums erklären? Was wissen Trottellummen über Kierkegaards Sprung in den Glauben? Bringt uns das Känguru Jean-Jacques Rousseau näher? Und besteht die Tapferkeit der Löwenmännchen womöglich darin, dass sie so viel schlafen?

In einunddreißig so lehrreichen wie komischen philosophischen Betrachtungen geht Florian Werner der Frage nach, was wir von Tieren lernen können. Die erstaunliche Erkenntnis: Schaf, Kamel und Axolotl wissen weitaus mehr über Fragen der Moral, der Gesellschaft, der Politik und des guten Lebens, als wir uns träumen lassen. Wenn wir die Menschen verstehen wollen, müssen wir die Tiere fragen.

»Was weißt der Specht? Was weißt die Radlerspinne? Was hofft das Hähnchen? Florian Werner belegt mit seinem Bestiarium: Tiere haben Antworten parat, nach denen Philosophen lange suchen müssen.«

Philosophie Magazin (13. März 2018)

ORIGINALAUSGABE
Hardcover mit Schutzumschlag, 200 Seiten, 12,5 x 20,0 cm, 31 s/w Abbildungen
ISBN: 978-3-89667-619-1
Erschienen am  12. März 2018
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

Leserstimmen

31 tierphilosophische Betrachtungen

Von: Edith N.

04.09.2018

Manchmal ist es hilfreich, wenn man etwas über die Entstehungsgeschichte eines Buchs erfährt, ehe man mit dem Lesen beginnt. Man ahnt dann schon ein bisschen, was einen erwartet. Bei dem vorliegenden Band hat es sich wieder einmal ausgezahlt, dass ich mit der Danksagung zu lesen beginne. Dort erfahren wir: „Dieses Buch verbrachte sein Larvenstadium in der Zeitschrift ‚Philosophie Magazin’. Etwas zwei Drittel der hier versammelten Texte erschienen dort unter dem Titel ‚Von Tieren lernen’, sie wurden für die Buchveröffentlichung überarbeitet und teilweise erweitert.“ (Seite 193) Den Dankesworten schließt sich ein fünfseitiges Literaturverzeichnis an, das dem Leser das beruhigende Gefühl vermittelt, der Autor habe sich intensiv mit der Materie auseinandergesetzt und wisse genau, wovon er spricht. Was also können wir von Tieren lernen? Florian Werner erzählt es uns in 31 tierphilosophischen Betrachtungen. Das Augenzwinkern dabei fällt mal mehr, mal weniger heftig aus. Singt die Amsel tatsächlich ein Violinkonzert von Ludwig van Beethoven, wie man dem Autor als Kind weiszumachen versuchte? Seit er weiß, dass der Vogelgesang viele Bedeutungen umfasst, die Menschensprache jedoch auf eine Bedeutung beschränkt ist, hält er das für absurd. Wird vielleicht andersrum ein Schuh draus? Faszinierendes weiß er über das Leben der Nacktmulle zu erzählen, z.B., dass die Mitglieder einer Kolonie ein leben Lang mit mehreren Hundert Verwandten in einem engen, schlecht belüfteten Bau zusammengepfercht sind. Wie sie das aushalten und was das für unseren Umgang mit der Familie bedeuten kann, erzählt er uns auch. Die titelgebenden Trottellummen haben garantiert noch nie etwas von Søren Kierkegaards „Sprung in den Glauben“ gehört, stürzen sich aber doch als 3 Wochen alte Nestlinge von ihrer „Kinderstube“ aus bis zu 40 Metern Fallhöhe in die eiskalte Nordsee. Das ist jetzt keine Aufforderung an uns Menschen, uns über eine Klippe ins Meer fallen zu lassen. Aber einen neuen Lebensabschnitt können wir oft nur durch den sprichwörtlichen Sprung ins kalte Wasser beginnen. Dass es unter den bekanntermaßen fleißigen Ameisen welche gibt, die sich offenbar aufs Nichtstun spezialisiert haben, ist erstaunlich. Noch verwunderlicher ist, dass sie damit durchkommen. Und es ist ein gutes Beispiel dafür, wie man angesichts vielen geschäftigen Gewusels ruhig und gelassen bleiben kann. Meditiert der Specht beim Hämmern? Betrachtet der Specht seine Tätigkeit womöglich als „samu“, also als eine repetitive Tätigkeit, die im Zen-Buddhismus im Idealfall zur Erleuchtung führt? Um von ihm zu lernen, müssen wir nicht mit dem Kopf gegen die Wand rennen. Fegen, wischen oder Gemüse schnippeln tut’s auch. Hauptsache stetig, rhythmisch, konzentriert und ohne den Sinn der Aufgabe zu hinterfragen. Wer hätte gedacht, dass der Vogel Strauß, wenn er den Kopf in den Sand steckt, nach den Grundsätzen des radikalen Sensualismus verfährt? Was nicht wahrgenommen wird, existiert nicht. Was hier nach naiver Verdrängung klingt, kann in manchen Situationen durchaus sinnvoll sein. Auch für uns Menschen. Den Vorschlag, vom Tiger das Markieren des beanspruchten Raums zu lernen, sollte vielleicht nicht allzu wörtlich genommen werden. Erfahrene KatzenhalterInnen werden mir da sicher beipflichten. Und was hat das Hähnchen uns zu sagen, das sich auf dem Spieß dreht? Dass wir uns auf unser Menschsein nicht allzu viel einbilden sollten. Gerade, wenn wir uns unseren Mitgeschöpfen so überlegen fühlen, zeigen wir oft unsere bestialische Seite. Dabei sind wir im Grunde nichts weiter als ein paar spärlich behaarte Trockennasenaffen. Die Tiere haben natürlich leicht reden: Sie machen das alles instinktiv, was wir Menschen uns erst mühevoll an- oder abgewöhnen müssten, wenn wir denn eine Veränderung anstrebten. Was ja nicht unbedingt vorausgesetzt werden kann. DIE WEISHEIT DER TROTTELLUMME ist mehr als nur eine Ansammlung unterhaltsamer Gedankenspiele. Gerade das, was einem zunächst ein Kichern entlockt – die Sache mit dem Specht, dem Nacktmull oder dem Tiger – liefert Stoff zum Nachdenken und zeigt uns, dass für die Überheblichkeit unserer Art bei Lichte betrachtet gar kein Grund besteht.

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die Vorzüge der Tiere auf das Verhalten der Menschen

Von: michael lausberg aus Doveren

26.06.2018

In 31 tierphilosophischen Betrachtungen geht der Literaturwissenschaftler Florian Werner der Frage nach, was die Menschen von den Tieren lernen können: „Tiere haben uns nicht nur, wie bereits Demokrit erkannte, die meisten Künste und Handwerke beigebracht: die Spinnen das Weben, die Schwalben den Hausbau, die Schwäne und Nachtigallen das Musizieren. Sie können uns auch in die tiefsten Geheimnisse des Daseins einweihen.“ (S. 5) In dem Buch, worin die Gemeinsamkeit zwischen Tier und Mensch in kurzen Kapiteln beschrieben werden, kann man unter anderem lesen: Die Diskursethik des Sozialphilosophen ähnelt dem herrschaftsfreien, kritischen Austausch der Honigbiene. Der Philosoph Bernhard de Mandeville beschäftigte sich schon vorher in seinem Werk Fable of the Bees mit der Zusammenleben des Bienenstaates. Das englische Königreich im Hinterkopf, erzählt Mandeville von einem Bienenstaat, der mächtig und wohlhabend, dessen Gesellschaft jedoch völlig gewissenlos ist. Jeder Einzelne verfolgt nur seine eigenen Interessen und handelt selbstsüchtig und schlechthin asozial, wenn nicht gar antisozial. Die Reichen schwelgen im Luxus, die Aufsteiger versuchen, den Reichen durch List und Ausbeuterei gleich zu werden und die Armen schuften – ebenso selbst-bezogen – vor sich hin, um am Leben zu bleiben. Der Denker Isaiah Berlin, der sich in einem Essay mit dem Igel beschäftigt, bezeichnet ihn als souverän und weisheitsliebend. Schwäne könnten furchtlos bis freudvoll das eigene Ende antizipieren, was schon Sokrates bewunderte. Das Buch schafft es, auf teilweise humorvolle Weise die Vorzüge der Tiere auf das Verhalten der Menschen zu übertragen und davon zu lernen, auch wenn manche Beispiele etwas weit hergeholt sind. Dasselbe gilt allerdings auch für Pflanzen: Stefano Mancuso, Professor an der Universität Florenz und Pflanzenforscher, stellt in seinem Buch „Pflanzenrevolution“ einige Ergebnisse seiner Forschungen vor, die als Leitbild für die Zukunft der Menschheit dienen können.

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Vita

Florian Werner, 1971 in Berlin geboren, ist promovierter Literaturwissenschaftler, spielt Fußball in der Deutschen Autorennationalmannschaft, lehrt als Gastdozent an verschiedenen Hochschulen und arbeitet für den Hörfunk. Seine Bücher, darunter Die Kuh. Leben, Werk und Wirkung (2009) und Schnecken. Ein Portrait (2015), wurden u.a. ins Englische, Spanische und Japanische übersetzt und mehrfach ausgezeichnet, etwa als "Wissenschaftsbuch des Jahres“ und mit dem "Literaturpreis Umwelt“ des Landes Brandenburg. Zuletzt erschien Die Weisheit der Trottellumme – Was wir von Tieren lernen können bei Blessing (2018).

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