Die Zähmung des Menschen

Warum Gewalt uns friedlicher gemacht hat
Eine neue Geschichte der Menschwerdung

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»Eine neue, bestechende Analyse menschlicher Gewalt, voller neuer Ideen und packender Zeugnisse von unseren Vettern, den Primaten, unseren historischen Vorfahren und unseren gegenwärtigen Nachbarn.« Steven Pinker

Die Erfindung der Todesstrafe hat uns zum Menschen gemacht – das ist die aufsehenerregende Theorie des Harvard-Anthropologen und Schimpansenforschers Richard Wrangham. Demnach zähmten sich unsere Vorfahren selbst, indem sie dafür sorgten, dass nur noch diejenigen Gruppenmitglieder sich fortpflanzen konnten, die sozial eingestellt waren. Aggressives Verhalten wurde mit dem Tod bestraft und dadurch aus dem Genpool entfernt.

Anhand zahlreicher anthropologischer Studien und seinen eigenen Beobachtungen an Menschenaffen und indigenen Völkern zeigt Wrangham, wie wir im Laufe der Evolution durch die Anwendung tödlicher Gewalt zu den zivilisierten Wesen wurden, die wir heute sind. Er führt uns auch vor Augen, dass diese Entwicklung zugleich den Grundstein für unsere schlimmsten Gräueltaten gelegt hat.

»Eine fällige Auseinandersetzung mit einem unauflösbaren Widerspruch, intellektuell anspruchsvoll und gleichzeitig unterhaltsam zu lesen.«

Brigitte Leben (08. November 2019)

Aus dem Englischen von Jürgen Neubauer
Originaltitel: The Goodness Paradox.The Strange Relationship Between Virtue and Violence in Human Evolution
Originalverlag: Pantheon Books
Hardcover mit Schutzumschlag, 496 Seiten, 13,5 x 21,5 cm
ISBN: 978-3-421-04753-3
Erschienen am  30. September 2019
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

Leserstimmen

Der Mensch - ein zahmes Tier?

Von: Eva Krafczyk

26.01.2020

Eigentlich ist der Harvard-Wissenschafter Richard Wrangham Primatenforscher, betrieb unter anderem in Uganda Feldforschung unter Schimpansen. In seinem Buch "Die Zähmung des Menschen" befasst er sich allerdings mit der eigenen Spezies - und der Theorie "Warum Gewalt uns friedlicher gemacht hat". Als sonderlich friedliche Art fällt der Mensch nicht gerade auf, könnte man aufgrund der blutigen Menschheitsgeschichte vermuten - Ob Religionskriege oder blutige Revolutionen, brutale Unterdrückung und Völkermord - in der Geschichte der Menschheit gibt es vieles. was der Theorie der friedlichen Art widerspricht. Waren es nicht die Erfahrungen zweier Weltkriege, die internationale Zusammenarbeit triggerten? Und war es nicht das "Gleichgewicht des Schreckens" vor den Konsequenzen eines Atomkrieges, das den Kalten Krieg vor der Erwärmung bewahrte? Wrangham dagegen schreibt in seinem Buch, Friedfertigkeit solle als Fundamend des modernen Menschen angesehen werden, "und zwar nicht nur, weil es sich um eine ungewöhnliche Eigenschaft handelt, sondern auch, weil sie eine wesentliche Voraussetzung für komplexe Kooperation und soziales Lernen ist". Seine These: Der Mensch ist "gezähmt", eine domestizierte Art. Doch anders als die ursprünglich wilden Tiere, die die Menschen bei der Entwicklung der Landwirtschaft domestizierten, handele es sich bei den Menschen um eine Selbstdomestizierung, wie sie auch bei anderen Arten vorkomme. Um seine These zu untermauern, führt Wrangham beispielsweise Fossilienfunde an, die zeigen, dass der moderne Mensch eine andere Schädelform hat als seine Urahnen, ähnlich wie sich wilde Wölfe und Hunde anatomisch unterscheiden. Oder die sich äußerlich eigentlich so ähnlichen Schimpansen und Bonobos, deren Verhalten dennoch völlig unterschiedlich ist. Der Mensch passt da mehr ins Bonobo-Muster. Nicht immer ist das mit Blick auf die aggressiven Alphamännchen in Politik und Wirtschaft völlig überzeugend. Wrangham hingegen verweist auf die Ächtung von Aggression durch soziale Normen bis hin zur Todesstrafe - wenn beispielsweise besonders aggressive Menschen geächtet oder auf Jahre inhaftiert seien, könnten sie sich nicht oder nur begrenzt fortplanzen und ihre Gene weitergeben. Gerade die Todesstrafe habe eine wichtige Rolle gespielt als Abschreckung aggressiven Verhaltens (auch wenn der Autor sein Buch keinesfalls als Plädoyer für die Todesstrafe verstanden sehen will)... Doch all dies, das räumt auch Wrangham ein, hat wenig zu bedeuten, wenn besonders aggressive Exmeplare der zahmen Gattung Mensch in Machtpositionen sind - etwa im Buchkapitel "Krieg".. Dennoch sieht der Autor "ausreichend Beweise, dass Gewalt von der Gesellschaft beeinflusst und damit auch von der Gesellschaft verhinderbar ist.". Mit den Vergleichen aus der Tierwelt, aber auch zu Wildbeuter-Gesellschaften etwa in Neuguinea, die noch weitgehend isoliert leben, ist diese "neue Geschichte der Menschwerdung" interessant und nachdenkenswert.

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Vita

Richard Wrangham, geboren 1948, ist Professor für biologische Anthropologie an der Harvard University und einer der führenden Primatenforscher. Er wurde bekannt durch seine langjährigen Studien an wild lebenden Schimpansen in Afrika. Sein Buch »Feuer fangen. Wie uns das Kochen zum Menschen machte« (DVA, 2009) war ein internationaler Erfolg.

Zur AUTORENSEITE

Pressestimmen

»Wrangham ermutigt uns, einen schonungslosen Blick in die Vergangenheit zu werfen und für eine Zukunft ohne Todesstrafe, patriarchale Gewalt und Krieg einzutreten.«

Psychologie Heute (14. April 2020)

»Eine anregende, erhellende Lektüre.«

Buchkultur - Das internationale Buchmagazin (18. Oktober 2019)

»Eine brillante Untersuchung darüber, welche Rolle Aggressionen in der Geschichte unserer Evolution zukommt.«

Jane Goodall

»Eine neue, bestechende Analyse menschlicher Gewalt, voller neuer Ideen und packender Zeugnisse von unseren Vettern, den Primaten, unseren historischen Vorfahren und unseren gegenwärtigen Nachbarn.«

Steven Pinker