Die größte aller Revolutionen

November 1918 und der Aufbruch in eine neue Zeit

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Hardcover
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Ein neuer Blick auf ein epochales Ereignis deutscher Geschichte

Die deutsche Revolution von 1918 – sie gilt noch heute als gescheitert. Eine verpasste Chance, die den Weg zum Aufstieg der Nazis und zur Katastrophe ermöglichte. Ein Fehlurteil, wie der renommierte Zeithistoriker Robert Gerwarth zeigt. Nicht nur zerschlug die Revolution die autoritäre Monarchie der Hohenzollern, sie schuf auf erstaunlich unblutige Weise den ersten deutschen demokratischen Nationalstaat. Gerwarth schildert die dramatischen Ereignisse zwischen den letzten Kriegsmonaten 1918 und dem Hitlerputsch 1923 und beschreibt dabei, wie grundlegend und nachhaltig die Novemberrevolution Deutschland veränderte. Denn wer das Geschehen nur vom Ende her betrachtet, ignoriert, wie sehr die Zukunft damals offen war.

»Ein sehr lesenswertes und leicht zu lesendes Buch... Das Einweben von Zeitzeugenberichten wie den Tagebüchern von Käthe Kollwitz oder Victor Klemperer ist ein großer Gewinn.«

WDR 3 Mosaik (18. Oktober 2018)

Aus dem Englischen von Alexander Weber
Hardcover mit Schutzumschlag, 384 Seiten, 13,5 x 21,5 cm
ISBN: 978-3-8275-0036-6
Erschienen am  24. September 2018
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

Leserstimmen

Empathisches Lernen von Revolutionen

Von: Stephan Giering aus Berlin

08.01.2020

Im Informationszeitalter ist eine wichtige Kompetenz unterscheiden zu können, welches Wissen für unser eignes Leben dienlich und welches Wissen dafür nicht dienlich ist. Diese Selektionskompetenz ist unser „innerer Filter“, um nicht im anschwellenden Weltmeer des Wissens zu ertrinken. Doch Wissen allein genügt nicht. Wir benötigen zudem eine gewisse Empathiekompetenz und die Bereitschaft für eine unvoreingenommene geistige Flexibilität, um im „Global Village der Ideen“ mit anderen Menschen respektvoll und friedlich kommunizieren zu können. Wer diese Kompetenzen gern ganz praktisch einüben möchte, dem bietet die Geschichte eine hervorragende Möglichkeit mit einem reichhaltigen Fundus anschaulicher Beispiele. Wenn der zeitliche Abstand zu einem historischen Ereignis groß genug (z.B. ca. 100 Jahre) ist, kann dies umso einfacher mit einem emotional persönlich unbelasteten inneren Abstand geschehen. Dabei ohne eine „ideologische Brille“ heranzugehen, sondern stattdessen mit einem offenen neugierigen Blick, erhöht die Wahrscheinlichkeit spannender Aha-Erlebnisse. Ein Beispiel hierfür sei mit Robert Gerwarths Buch „Die Grösste aller Revolutionen“ genannt, dass unlängst im Siedler-Verlag erschienen ist und die Epoche der Novemberereignisse in Deutschland 1918 beleuchtet. Die ersten Aha-Erlebnisse bieten sich dem Lesenden schon in der Person des Autors und seiner Herangehensweise an diese Ereignisse. Gerwarth gehört der jüngeren Generation von Historikern in der EU an, die ihre Bildungskarriere schon in unterschiedlichen EU-Ländern absolvieren und somit auch die verschiedenen nationalen Arbeitsweisen, Kontinuitäten und Neuanfänge der Geschichtswissenschaften nach dem europäischen Umbruch 1989/ 1990 erlernen konnte. Für mich war es deshalb spannend zu erfahren, wie ein selbst in Umbruchszeiten sozialisierter Mensch an die Beschreibung historischer Umbrüche herangeht. Erfrischend neu und empathisch! Gerwarth folgt nicht der herkömmlichen wertenden retrospektiven Geschichtsbetrachtung, nach der „Weimar“ von Anfang an eine „Totgeburt“ war. Stattdessen versetzt er sich selber und die Lesenden in die damalige Zeit, ihre unterschiedlichen Akteure und ihre verschiedenen Sozialisationen, Wissensstände und Glaubenssätze hinein und beantwortet Fragen: Wie haben die Menschen damals -vor allem aber nicht nur- in Deutschland die großen europäischen Umbrüche zwischen 1917 und 1923 erlebt? Welche Entscheidungen lösten welche Reaktionen aus? Welche Eigendynamik entwickelten die Ereignisse? Wie unterschiedlich wurde von den Menschen damals dieses Novemberereignis 1918 interpretiert? Welche Hoffnungen, Möglichkeiten aber auch Ängste und Befürchtungen verbanden sie damit? In welcher Geschwindigkeit wurden die aktuellen Nachrichten über diese neuesten Entwicklungen verbreitet? Das ist Empathiekompetenz pur. Der Lesende kann sich bei diesem geistigen Fitnessprogramm immer wieder selbst befragen, welche Entscheidung er in der Position des jeweiligen Entscheiders getroffen hätte. Gut möglich, dass das beim Lesen zu emotionalen Sympathien oder zu Unbehagen, zur Zustimmung oder einem heftigen inneren Kopfschütteln führt. Das es in dieser Gemengelage mit zehntausenden bewaffneten Männern in Deutschland mit völlig unvereinbaren politischen Vorstellungen doch noch gelang, relativ friedlich eine deutsche demokratische Republik zu gründen, wertet Gerwarth als durchaus beachtlich. Das Buch endet im Jahr 1923 mit der Zusammenfassung, das das Scheitern der Weimarer Republik damals weitaus unwahrscheinlicher war als ihre Konsolidierung. Die Zukunft der Republik sei völlig offen gewesen. Nach der Lektüre des Buchs nehme ich zu Beginn unseres neuen Jahrzehnts das Wissen mit hinein, das auch für uns Heute alles offen ist. Gut kann das Neue nur dann werden, wenn jeder persönlich sich müht, das Gute zu wagen. Friedlich!

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Allzu oft unterschätzt

Von: Timo Brandt

22.01.2019

Revolutionen und Deutschland, das passt nicht zusammen, das wird Schüler*innen bzw. Leser*innen im Geschichtsunterricht und in vielen Publikationen immer wieder eingebläut. Nicht nur fand die erste moderne Revolution in Deutschland erst 1848, also Jahrzehnte nach den bedeutenden liberalen Revolutionen in den USA und Frankreich statt, sie gilt bis heute auch als gescheitert, weil sie Deutschland nicht einte, was erst die Kriege der Jahre 1866-1871 mit „Blut und Eisen“ erreichten. So die Westentaschen-Edition der Geschichte über Deutschland und Revolutionen. In dieser Edition steht auch manches über die Revolution von 1918: klassischerweise wird mit den Matrosen der Hochseeflotte begonnen, die sich gegen Kriegsende weigerten noch einmal auszulaufen, manch einer kennt noch den Spartacus-Aufstand (oder weiß vor allem, dass Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht wegen ihm ihr Leben verloren), die wenigsten wissen vermutlich von Kurt Eisner. Fest steht: Deutschland war im November 1918 im Ausnahmezustand. Und alles, was nachher über die Revolution geschrieben oder hineininterpretiert wurde, hat nicht dazu geführt, dass ein klares Bild von den Verhältnissen entstanden ist. Sehr divergente Interessenspolitiken trafen aufeinander und die ein oder andere Verschwörungstheorie und Legende erwies sich als nachhaltiger als die historische Analyse der Gegebenheiten. Robert Gerwarths Buch beschäftigt sich nicht allein mit der Revolution, sondern auch mit ihrer Vorgeschichte, also dem ersten Weltkrieg. Sein Buch ist keine minutiöse Studie, sondern eher ein breitgefächertes Netz aus Ansätzen und einzelnen Schilderungen, die aber zusammen einen guten Eindruck und Überblick verschaffen. Vor allem ist das Buch lebendig und gut geschrieben, also auch für Leser*innen geeignet, die sich selten an historische Stoffe wagen. Die Geschichte vom Übergang des Kaiserreiches in die erste deutsche Republik mag bis heute überschattet werden von den Jahren des Dritten Reiches, die darauf folgten. Das heißt aber nicht, dass diese Revolution von 1918 eine Schattengestalt bleiben sollte. Gerwarth beschreibt sie in Teilen als kühne und bedeutende Anstrengung und es ist schon erstaunlich, dass Leute wie Eisner oder Friedrich Ebert so wenig gewürdigt werden, im Gegensatz zu manch anderen, schwierigeren Persönlichkeiten.

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Vita

Robert Gerwarth, geboren 1976, hat Geschichte in Berlin studiert und in Oxford promoviert. Nach Stationen an den Universitäten Harvard und Princeton lehrt Gerwarth heute als Professor für Moderne Geschichte am University College in Dublin und ist Gründungsdirektor des dortigen Zentrums für Kriegsstudien, das vom European Research Council und der Guggenheim Stiftung gefördert wird. Er ist Fellow der Royal Historical Society, Mitglied der Royal Irish Academy und Autor zahlreicher Publikationen. Sein Buch »Der Bismarck-Mythos. Die Deutschen und der Eiserne Kanzler« (2007) wurde mit dem renommierten Fraenkel Prize ausgezeichnet. Bei Siedler erschienen 2011 seine hochgelobte Biographie Reinhard Heydrichs und zuletzt »Die Besiegten. Das blutige Erbe des Ersten Weltkriegs« (2017).

Zur AUTORENSEITE

Pressestimmen

»Gerwarth öffnet den Blick klug über die politische Ereignisgeschichte hinaus.«

taz (13. Oktober 2018)

»Ein erfrischender Anstoß zur Neureflexion – wie auch ein Versuch, ein noch immer mit Selbsthass belegtes Thema der deutschen Zeitgeschichte in Erinnerung zu rufen.«

ORF Hörfunk (02. November 2018)

»(...) bietet gut lesbare Orientierung, vermittelt zeitgenössische Stimmungsbilder und gewichtet die deutschen Vorgänge im internationalen Kontext.«

Frankfurter Allgemeine Zeitung (26. Oktober 2018)

»Mit vergleichendem Blick bettet der Historiker den deutschen Umsturz in die europäische Demokratie- und Gewaltgeschichte ein.«

ZEIT Geschichte (06. November 2018)

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