Die größte aller Revolutionen

November 1918 und der Aufbruch in eine neue Zeit

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Hardcover
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Ein neuer Blick auf ein epochales Ereignis deutscher Geschichte

Die deutsche Revolution von 1918 – sie gilt noch heute als gescheitert. Eine verpasste Chance, die den Weg zum Aufstieg der Nazis und zur Katastrophe ermöglichte. Ein Fehlurteil, wie der renommierte Zeithistoriker Robert Gerwarth zeigt. Nicht nur zerschlug die Revolution die autoritäre Monarchie der Hohenzollern, sie schuf auf erstaunlich unblutige Weise den ersten deutschen demokratischen Nationalstaat. Gerwarth schildert die dramatischen Ereignisse zwischen den letzten Kriegsmonaten 1918 und dem Hitlerputsch 1923 und beschreibt dabei, wie grundlegend und nachhaltig die Novemberrevolution Deutschland veränderte. Denn wer das Geschehen nur vom Ende her betrachtet, ignoriert, wie sehr die Zukunft damals offen war.

»Ein sehr lesenswertes und leicht zu lesendes Buch... Das Einweben von Zeitzeugenberichten wie den Tagebüchern von Käthe Kollwitz oder Victor Klemperer ist ein großer Gewinn.«

WDR 3 Mosaik (18. Oktober 2018)

Aus dem Englischen von Alexander Weber
Hardcover mit Schutzumschlag, 384 Seiten, 13,5 x 21,5 cm
ISBN: 978-3-8275-0036-6
Erschienen am  24. September 2018
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

Leserstimmen

Allzu oft unterschätzt

Von: Timo Brandt

22.01.2019

Revolutionen und Deutschland, das passt nicht zusammen, das wird Schüler*innen bzw. Leser*innen im Geschichtsunterricht und in vielen Publikationen immer wieder eingebläut. Nicht nur fand die erste moderne Revolution in Deutschland erst 1848, also Jahrzehnte nach den bedeutenden liberalen Revolutionen in den USA und Frankreich statt, sie gilt bis heute auch als gescheitert, weil sie Deutschland nicht einte, was erst die Kriege der Jahre 1866-1871 mit „Blut und Eisen“ erreichten. So die Westentaschen-Edition der Geschichte über Deutschland und Revolutionen. In dieser Edition steht auch manches über die Revolution von 1918: klassischerweise wird mit den Matrosen der Hochseeflotte begonnen, die sich gegen Kriegsende weigerten noch einmal auszulaufen, manch einer kennt noch den Spartacus-Aufstand (oder weiß vor allem, dass Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht wegen ihm ihr Leben verloren), die wenigsten wissen vermutlich von Kurt Eisner. Fest steht: Deutschland war im November 1918 im Ausnahmezustand. Und alles, was nachher über die Revolution geschrieben oder hineininterpretiert wurde, hat nicht dazu geführt, dass ein klares Bild von den Verhältnissen entstanden ist. Sehr divergente Interessenspolitiken trafen aufeinander und die ein oder andere Verschwörungstheorie und Legende erwies sich als nachhaltiger als die historische Analyse der Gegebenheiten. Robert Gerwarths Buch beschäftigt sich nicht allein mit der Revolution, sondern auch mit ihrer Vorgeschichte, also dem ersten Weltkrieg. Sein Buch ist keine minutiöse Studie, sondern eher ein breitgefächertes Netz aus Ansätzen und einzelnen Schilderungen, die aber zusammen einen guten Eindruck und Überblick verschaffen. Vor allem ist das Buch lebendig und gut geschrieben, also auch für Leser*innen geeignet, die sich selten an historische Stoffe wagen. Die Geschichte vom Übergang des Kaiserreiches in die erste deutsche Republik mag bis heute überschattet werden von den Jahren des Dritten Reiches, die darauf folgten. Das heißt aber nicht, dass diese Revolution von 1918 eine Schattengestalt bleiben sollte. Gerwarth beschreibt sie in Teilen als kühne und bedeutende Anstrengung und es ist schon erstaunlich, dass Leute wie Eisner oder Friedrich Ebert so wenig gewürdigt werden, im Gegensatz zu manch anderen, schwierigeren Persönlichkeiten.

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Der Aufbruch in eine neue Zeit !

Von: sk

24.11.2018

Zum Cover: Das Cover ist der Thematik angepasst worden und zeigt, wie deutsche Bürger und Bürgerinnen Statuen in Berlin besetzen. Dieses Szenario findet vor der Siegessäule statt. Zum Inhalt: Die deutsche Novemberrevolution von 1918, die im Vergleich zu den Umbrüchen in anderen Ländern dieser Zeit recht unblutig verlief, gehört zu den umstrittensten Ereignissen der neueren deutschen Geschichte. Gestritten wird über die Revolution vor allem deshalb, weil ihr wichtigstes Ergebnis, die erste parlamentarische Demokratie in Deutschland, keinen dauerhaften Bestand hatte und 1933 der Diktatur Hilters wich. Dennoch gilt die deutsche Revolution von 1918 heute als gescheitert. Der Revolution kam zunächst das Scheitern der deutschen Sommeroffensive von 1918 zuvor, wodurch die Oberste Heeresleitung unter Paul von Hindenburg und Erich Ludendorff einsehen mussten, dass der Krieg verloren war. Sie drängte auf einen sofortigen Waffenstillstand auf der Grundlage der im Januar 1918 vom amerikanischen Präsidenten Woodrow Wilson proklamierten 14 Punkte und, damit verbunden, auf die Bildung einer vom Vetrauen der Reichstagsmehrheit abhängigen Regierung. Grundgedanke dieser eingeleiteten Wende war, dass die Reform "von oben" einer Revolution "von unten" zuvorkommen sollte. Doch die innenpolitische Wende kam in Deutschland zu spät: in Kiel meuterten die Matrosen der Hochseeflotte, in München übernahm der unabhängige Sozialdemokrat Kurt Eisner die Macht und in Berlin riefen die Spartakisten zum Generalstreik auf. Zum Schreibstil: Der Autor Robert Gerwarth, Professor für Moderne Geschichte am University College in Dublin, schafft es mit erzählerischem Geschick, Anekdoten, Zitaten und lebendigen Stimmungsbildern die Vorgeschichte sowie den Verlauf der Novemberrevolution dem Leser lebendig. Dies wird zusätzlich anhand zweier Karten im Inband bekräftigt! Die erste Karte stellt die Situation zu Beginn des Ersten Weltkrieges dar, während die zweite Karte Europa ab 1918 zeigt. Der Autor schaut aus der heutigen Perspektive, von 2018, auf die Ereignisse und zeichnet die Revolution in einem gutem Licht. Nicht nur dankte Kaiser Wilhelm II. ab, aus dem Deutschen Reich wurde eine demokratische Republik mit dem Sozialdemokraten Friedrich Ebert als ihren ersten Präsidenten. Die Revolution führte zu einer Verfassung, in der Frauen das Wahlrecht erhielten. Kein anderes Land, so Gerwarth, habe aus dem Weltkrieg so viel gelernt und so bedeutsame Reformen auf den Weg gebracht. Aber war es die "größte aller Revolutionen", wie der einem berühmten Zitat des liberalen Journalisten Theodor Wolff entlehnte Buchtitel suggeriert? Gerwarth weicht einer direkten Antwort aus, liefert jedoch in der ausführlichen Einleitung eine Reihe von Anhaltspunkte dafür, in dem Umbrauch 1918/19 eine bedeutende Revolution zu erkennen. Dieses Buch soll dafür sensibilisieren, dass Revolutionen in modernen Gesellschaften nicht vorrangig über bewaffnete Aufstände und Barrikadenkämpfe zu definieren - das im grenzüberschreitenden Vergleich geringe Gewaltniveau zeichnete die Novemberrevolution aus! Gerwarths Fazit lautet, dass die Weimarer Republik hätte Bestand haben können. So gern man dem Autor da zustimmen würde, ganz plausibel ist seine Argumentation nicht. Die Weimarer Republik war seit 1923 recht stabil, dennoch wirkten im Untergrund Fliehkräfte und hatte die Weimarer Reichsverfassung kein Element in sich, die Republik zu schützen. Das Sachbuch ist in eine Einleitung, dreizehn Kapitel, einem Epilog sowie fünft Kapitel Anhang unterteilt. Mein Fazit: Binnen weniger Tage verwandelte sich Deutschland von einem monarchistischen Fürstenbund, einem Kaiserreich, in eine Republik, die trotz extremer innerer und äußerer Herausforderungen vierzehn Jahre überlebte. Der Professor Gerwarth zeichnete die Novemberrevolution in einem guten Licht ab, was im internationalen Vergleich auch zutreffen würde. Die Argumentation regen definitiv zum weiteren Diskurs an! Dementsprechend gebe ich diesem Buch 5 von 5 Sterne! Danke an das Bloggerportal und dem Siedler - Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares!

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Vita

Robert Gerwarth, geboren 1976, hat Geschichte in Berlin studiert und in Oxford promoviert. Nach Stationen an den Universitäten Harvard und Princeton lehrt Gerwarth heute als Professor für Moderne Geschichte am University College in Dublin und ist Gründungsdirektor des dortigen Zentrums für Kriegsstudien, das vom European Research Council und der Guggenheim Stiftung gefördert wird. Er ist Fellow der Royal Historical Society, Mitglied der Royal Irish Academy und Autor zahlreicher Publikationen. Sein Buch »Der Bismarck-Mythos. Die Deutschen und der Eiserne Kanzler« (2007) wurde mit dem renommierten Fraenkel Prize ausgezeichnet. Bei Siedler erschienen 2011 seine hochgelobte Biographie Reinhard Heydrichs und zuletzt »Die Besiegten. Das blutige Erbe des Ersten Weltkriegs« (2017).

Zur AUTORENSEITE

Pressestimmen

»Gerwarth öffnet den Blick klug über die politische Ereignisgeschichte hinaus.«

taz (13. Oktober 2018)

»Ein erfrischender Anstoß zur Neureflexion – wie auch ein Versuch, ein noch immer mit Selbsthass belegtes Thema der deutschen Zeitgeschichte in Erinnerung zu rufen.«

ORF Hörfunk (02. November 2018)

»(...) bietet gut lesbare Orientierung, vermittelt zeitgenössische Stimmungsbilder und gewichtet die deutschen Vorgänge im internationalen Kontext.«

Frankfurter Allgemeine Zeitung (26. Oktober 2018)

»Mit vergleichendem Blick bettet der Historiker den deutschen Umsturz in die europäische Demokratie- und Gewaltgeschichte ein.«

ZEIT Geschichte (06. November 2018)

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