Dorfroman

Roman

(7)
Hardcover
22,00 [D] inkl. MwSt.
22,70 [A] | CHF 30,90 * (* empf. VK-Preis)

In der Buchhandlung oder hier bestellen

Im Schatten des Reaktors – ein fulminanter Rückblick auf die idyllische Weltfremdheit der 70er Jahre.

Alles scheint noch vertraut in Hülkendonck, einem Dorf am Niederrhein. Als wären die dreißig Jahre, in denen der Erzähler hier nicht mehr lebt, nie gewesen. Sein Besuch bei den Eltern beschwört die Vergangenheit wieder herauf: die idyllische Weltfremdheit der 70er Jahre, den Beginn einer industriellen Landwirtschaft, die das bäuerliche Milieu verdrängt. Und den geplanten Bau des "Schnellen Brüters", eines neuartigen Atomkraftwerks, das die Menschen im Ort genauso tief spaltet wie im ganzen Land. Es ist jene Zeit, in der der Erzähler zu ahnen beginnt, dass das Leben seiner Eltern nicht das einzig mögliche ist – und in der er Juliane kennenlernt, eine Anti-Atomkraft-Aktivistin, die ihn in die linke Gegenkultur einführt...

Einfühlsam und packend erzählt Christoph Peters von den inneren Zerreißproben eines jungen Mannes und eines ganzen Dorfes. Es ist der große Roman über den turbulenten Aufbruch in jene Bundesrepublik, in der wir heute leben.

»Ein Buch wie eine ganze Welt.«

Denis Scheck / Das Erste "druckfrisch" (01. November 2020)

ORIGINALAUSGABE
Hardcover mit Schutzumschlag, 416 Seiten, 13,5 x 21,5 cm
ISBN: 978-3-630-87596-5
Erschienen am  24. August 2020
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

Buchtipps für deine Ferien
pin
Nimm dieses Buch mit in den Urlaub!
Dieses Buch spielt in: Kalkar, Deutschland

Leserstimmen

Wenn die Herkunft haften bleibt

Von: Christian von dieseitenschneider

12.12.2020

Eine sehr schöne und detailverliebte Mentalitätsgeschichte des alten Westdeutschland legt uns Christoph Peters mit seinem DORFROMAN vor. Er beschreibt darin sowohl sein Coming of Age in der Provinz der 1970er-Jahre, wie auch seinen Blick zurück auf jene Kindheitsereignisse, an die er, nunmehr seit vielen Jahren in Berlin lebend, uns während eines Besuchs bei seinen Eltern erinnert. Eine herzlich unbarmherzige Zeit damals im fiktiven Hülkendonck, als die meisten Dörfer am Niederrhein geprägt waren von der Topografie bäuerlicher Milieus und den Existenzkämpfen seiner Betriebe, von der Strenge des Katholizismus und dem Beginn einer hochpolitischen Phase der BRD. Auch die Ereignisse um die gigantische Investitionsruine des „Schnellen Brüters“ in Kalkar, und die damit verbundenen Heilsversprechen der Atomindustrie, spielen eine zentrale Rolle im Buch, verliebt sich der Protagonist doch in die sechs Jahre ältere Anti-AKW-Aktivistin Juliane und erlebt erst unter ihrem Eindruck seine politische Bewusstseinswerdung. Immer respektvoll, sehr warmherzig und in stets richtigem Ton führt Peters durch diverse Etappen seines Lebens und muss sich schlussendlich mit der Frage konfrontiert sehen, ob seine Wurzeln und seine Verantwortung ausreichen, das Vergangene noch einmal gegen die Großstadt einzutauschen. Mich hat der Roman oft an Willi Achtens "Die wir liebteb" erinnert, ebenfalls einer meiner Favoriten in diesem gebrauchten Jahr 2020. Denn genauso wunderbar ist es auch Peters in "Dorfroman" gelungen, biografische Brüche und Ambivalenzen sichtbar zu machen, einen guten Sound für den Wechsel zwischen Gestern und Heute zu treffen, und geschickt mit Rückblenden zu spielen. Eine nachdrückliche Empfehlung für Leser*innen politisch geprägter Coming-of-Age-Geschichten!

Lesen Sie weiter

Interessante und unterhaltsame Coming of Age Geschichte vor brisanter Thematik.

Von: Susanne Probst

02.12.2020

In dem Roman geht es im Großen um eine der größten, umstrittensten und bekanntesten Investitionsruinen im Nachkriegsdeutschland: Der „schnelle Brüter“ von Kalkar. Im Kleinen geht es um das Aufwachsen und Erwachsen werden des Ich-Erzählers Peter. Die Meinungen der Bewohner eines bäuerlich und katholisch geprägten Dorfes am unteren Niederrhein gehen stark auseinander, als in den 80-er Jahren in ihrer Nähe, in Kalkar, ein Kernkraftwerk, ein sogenannter Brutreaktor oder „schneller Brüter“, gebaut werden soll. Zwei gegensätzliche Haltungen stoßen aufeinander: Es gibt die Konservativen und Traditionsbewussten, die am Alten festhalten und das Bewährte und Gewohnte schätzen und es gibt die Fortschrittlichen und Modernen, die Veränderung und Entwicklung favorisieren, weil sie darin die Voraussetzung für wirtschaftlichen Wohlstand sehen. Ein Teil des Kirchenvorstands will kirchliche Ländereien an die Kraftwerksgesellschaft verkaufen, der andere Teil und die Landwirte sind gegen den Bau des Hochtemperaturreaktors. Als wäre das nicht schon konfliktträchtig genug, schaltet sich noch eine dritte Gruppe von außerhalb dazu: die Atomkraft-Gegner. Sie wollen mit ihren politischen Aktivitäten den Bau blockieren und unterbinden, wodurch sie den Aufruhr im Dorf noch verstärken. Die Konflikte kochen hoch, die bis dahin gut funktionierende Dorfgemeinschaft wird zerstört. Peter wächst mitten in diesem Tumult auf, erzählt melancholisch und beschreibt detailliert in drei Handlungssträngen und Zeitebenen seine Geschichte und die des Dorfes. Wir lernen ihn in seiner Kindheit, in der Teenagerzeit und als Erwachsenen kennen und erleben sämtliche Entwicklungsphasen mit. Er bewundert seinen Vater, der ein Entscheidungsträger im Kirchenvorstand ist, für dessen Engagement, was den Bau des Reaktors anbelangt. Er setzt sich mit seinen Eltern, der Kirche und dem politischen Geschehen auseinander, hinterfragt Obrigkeiten, zweifelt Autoritäten an, rebelliert, protestiert. Er verliebt sich mit fast 16 Jahren erstmals in die um sechs Jahre ältere Juliane, eine Atomkraft-Gegnerin, entwickelt ein politisches Bewusstsein, kehrt dem Dorf den Rücken, zieht nach Berlin und besucht schließlich Jahrzehnte später seine inzwischen hochbetagten Eltern in dem Dorf seiner Kindheit und Jugend. Ein Besuch, der Erinnerungen weckt und von denen wir hier lesen. Christoph Peters erzählt unaufgeregt, einfühlsam und ruhig von einer wohlsituierten Mittelstandsfamilie vor dem Hintergrund der Schwierigkeiten und Spannungen anlässlich des geplanten Reaktorbaus in der noch jungen Bundesrepublik. „Dorfroman“ ist eine packende und kluge Coming of Age-Geschichte, die ein recht genaues und ziemlich interessantes Bild des damaligen westdeutschen Zeitgeschehens und des ländlichen Milieus mit seinen Sitten und Bräuchen vermittelt. Christoph Peters präsentiert mit seinem Buch anspruchsvolle, interessante und lesenswerte Unterhaltung Übrigens: Der „schnelle Brüter“ in Kalkar wurde 1985 fertiggestellt, aber wegen sicherheitstechnischen und politischen Bedenken nie in Betrieb genommen. 1991 wurde das Projekt eingestellt.

Lesen Sie weiter
Alle anzeigen

Vita

Christoph Peters wurde 1966 in Kalkar geboren. Er ist Autor zahlreicher Romane und Erzählungsbände und wurde für seine Bücher mehrfach ausgezeichnet, unlängst z. B. mit dem Friedrich-Hölderlin-Preis der Stadt Bad Homburg (2016) und dem Wolfgang-Koeppen-Preis (2018). Christoph Peters lebt heute in Berlin. Zuletzt erschienen von ihm bei Luchterhand der Erzählungsband "Selfie mit Sheikh" (2017) sowie der Roman "Das Jahr der Katze" (2018).

Zur Autor*innenseite

Events

02. März 2021

Lesung und Gespräch

20:00 Uhr | Rees | Lesungen
Christoph Peters
Dorfroman

03. März 2021

Lesung und Gespräch

19:00 Uhr | Xanten | Lesungen
Christoph Peters
Dorfroman

04. März 2021

Lesung und Gespräch

19:30 Uhr | Kempen | Lesungen
Christoph Peters
Dorfroman

06. März 2021

Lesung und Gespräch

20:00 Uhr | Kleve | Lesungen
Christoph Peters
Dorfroman

Videos

Pressestimmen

»Einfühlsam und packend, ein großer Roman von einem der besten Schriftsteller der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur.«

Christoph Schröder / SWR2 (23. August 2020)

»Ein wunderbar nachdenkliches Buch, das den Zeitgeist, aber auch die Konflikte der jungen Bundesrepublik einfängt und zugleich - durchaus fesselnd - eine tragische Liebesgeschichte erzählt.«

Katja Lückert / NDR Kultur (24. August 2020)

»Der wahre Tod des Dorfes, so die subtile Botschaft dieses unaufgeregten, klugen Romans, ist nicht der Fortschritt oder der Strukturwandel, sondern der Riss der Generationenkette.«

Richard Kämmerlings / Welt am Sonntag (30. August 2020)

»Der ›Dorfroman‹ ist anspruchsvolle Zeitanalyse, aber auch beste Unterhaltung.«

Anja Settnik / Rheinische Post (07. September 2020)

»In seinem ›Dorfroman‹ erzählt der Autor hellsichtig und spannend, wie sich die Zeiten ändern.«

Johannes Schröer / Domradio.de (04. September 2020)

»Zielsicher führt Peters seinen Erzähler an biografische Bruchlinien. Am Ende aber lässt er ihn nur in die Jahre des Heranwachsens heimkehren. Zurück gehts nach Berlin.«

Markus Clauer / Die Zeit (10. September 2020)

»Wie Christoph Peters seine existenziellen Fragen an die Welt immer wieder in Romane von höchster Unterhaltsamkeit verwandelt, macht ihn zu einem großen Autor.«

Christoph Schröder / ZEIT ONLINE (02. September 2020)

»Eine faszinierende Spurensuche in einer Jugend der siebziger Jahre, inklusive tragischer Liebesgeschichte.«

Katja Lückert / WDR 3 (30. September 2020)